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Europa im Kopf

#1.13 Etwas erleben

Als besonders gut und schön gelegen hatte ich das ‚Katz Orange‘ ergoogelt. Dahin fuhren wir nun nicht. Man hatte Silke dort vor vierzehn Tagen einen Tisch um sieben oder um halb neun angeboten. Solche Einschränkungen kann ich nicht besser ausstehen als Frühstücksbuffets. Da gefiel mir das ‚Brecht’s‘ dann schon besser.

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#1.12 Potsdam im Sitzen

Silke eilte voraus zum Anleger, löste die vorbestellten Billetts und erwartete uns vor einem der Schiffe, vermutlich unserem. Martin zuckelte wieder mal hinterher, aber selbst er bekam noch einen der letzten Plätze an Deck. Es war richtig heiß, ‚warm‘ wäre das verkehrte Wort gewesen. Die Leute sahen aus, wie man das auf Ausflugsdampfern gewohnt ist, und fingen bald an, Bier zu bestellen.

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#1.11 Verschlungene Pfade

Aufwachen ist nichts, was mir gefällt. Ich genieße meine fast immer komplizierten und meist furchtbaren Träume – natürlich erst hinterher, wenn ich mich dafür bewundere, so kompliziert geträumt zu haben, und mich beruhige, dass das wahre Leben ja nicht ganz so furchtbar ist wie meine Träume. Ich war ein verschrecktes Kind, das, wenn überhaupt, nur mit Lampenlicht schlafen konnte und die Helligkeit des Morgens ängstlich herbeisehnte.

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#1.10 Geburtstag mit Einstein

Das Schildhorn, diese Landzunge, die in die Havel ragt, gehört zu meinen Lieblingsplätzen, seit ich das erste Mal dort war. Das war am 3. September 1987 gewesen: Ich war aus Wien eingetroffen, hatte mein Gepäck in der ‚Kempinski‘-Halle zurückgelassen und war mit Michael Zachow und seinem Freund, dem Architekten Jürgen Haug, herausgefahren aus der Stadt. Beide kannte ich durch Roland. Es war ein Abend wie Anfang August: Kähne in der Abendsonne, Lachen in der Luft. Junge Menschen, volle Tische, gutes Essen. Meine erste Reise seit Rolands Lungenoperation, der Anfang vom Ende. Vor zehn Wochen hatten wir damals an meinem Geburtstag auf dem Haveldampfer ‚Großer Kurfürst‘ Würstchen gegessen. Inzwischen war die Welt eingestürzt.

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#1.9 Kommunion mit Brausepulver

Heulend nahm ich drei Monate später Abschied von Berlin: Veränderungen war ich ja seit dem Mutterleib abhold und wollte nichts, schon gar nicht nach Hamburg. Wieder einmal waren es Ottos, die wohltuend in mein Leben eingriffen, indem sie mir versicherten, dass es zwischen Hamburg und Berlin einen Tunnel gäbe. Er führe unter der Elbe hindurch, und das sei wirklich so, denn sie selbst seien da auch schon mal durchgefahren.

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#1.8 Altklug, heimtückisch, aufgewühlt

Unsere Haushälterin war zunächst Maria Bartsch aus Breslau gewesen. Sie wechselte dann aber zu Knapps in die Nachbarvilla, die unzerbombt war und immer noch steht. Frau Knapp hatte uns Maria auf die mieseste Weise, die es gibt, weggestohlen: Sie zahlte mehr. Kein Wunder, ihrem Mann gehörte am Kurfürstendamm der ‚Gloria-Palast‘, in dem sagenumwobene Filme wie ‚Die Sünderin‘ Premiere feierten. Ich meine: ‚Gloria!-Palast!‘ Gegen so etwas konnte man mit einem zerflickten Haus wie unserem natürlich nicht ankommen, und deshalb übernahm die achtzehnjährige, preiswerte Annemarie aus Paulinenaue Marias Aufgaben.

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#1.7 Das Tor zur Welt

Um mein Verhalten nicht nur zu erwähnen, sondern auch zu rechtfertigen, muss ich noch früher einsetzen, kurz nach dem Eisprung: Ich bin kein Kriegskind. Ich wurde somit von Hitler nicht mehr als Ersatz für die Gefallenen benötigt. Meine Mutter war sowohl ledig als auch staatenlos. Eine Abtreibung wäre also eigentlich in unser aller Sinne gewesen. Aber statt den für uns drei einfachsten Weg zu gehen, erinnerte mein Vater seine inzwischen für die Amerikaner arbeitende Frau Martha an ihre Vergangenheit als Nazi-Rundfunksprecherin, bat sie also mittels Erpressung um die Scheidung, während meine Mutter ständig Saft von rohen Kartoffeln trank, weil ihr das als Mittel gegen ihre nie nachlassende Übelkeit empfohlen worden war, obwohl ihr von dem Sud fast noch schlechter wurde als von mir: Sie wollten mich wirklich haben. Dabei waren sie zweifellos in anderen Umständen als solchen, die sich selbst ein besserwilliger Embryo damals gewünscht hätte. Meine Mutter hat sich dann auch nie wieder einer solchen Tortur unterzogen. Als sie 1952, inzwischen mit meinem Vater verheiratet, nochmal schwanger wurde, ließ sie das Mädchen lieber abtreiben, weil sie 1946 an mir schon so arg gelitten hatte. „Ja, müssen Sie das Kind denn bekommen?“, behauptete Irene, dass der Arzt sie gefragt habe. Sie fand: „Nein“, hatte mich aber eben zum Ausgleich schon, als ich erst drei war, in den Kindergarten geschickt und ab fünf in die Schule.

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#1.6 Berlin im Kopf

Berlin: Blut und Boden hatten in diesem viele Jahrtausende lang unbehausten Landstrich gerade wieder mal versagt. Trotzdem waren Ende der Vierzigerjahre des zwanzigsten Jahrhunderts noch etliche Zeitzeugen, zu denen ich ja nun auch demnächst gehören würde, vorhanden: solche, die sich als Nachfolger der trutzigen Germanen fühlten, und solche, die sich wie lebenserneuernde Sozialisten vorkamen. Sie alle wollten aus den Reichstrümmern ihre jeweilige – alte oder neue – Welt aufbauen.

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#1.5 Einzelkind

Seit der Einschulung war Detlev Fuhrmann mein bester Freund. Er war verwegen und schlug alle zusammen, die mich auch nur schief anguckten. Außerdem fiel er vom Steg in den See, und es war hilfreich für ihn, dass ich besser schreien als prügeln konnte. Seine Mutter hieß Hella und hatte, dazu passend, ein Lampengeschäft am Kurfürstendamm.

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#1.4 Der zahme Westen

Silke fand – nach kurzer Bestürzung im Hirn – im aufgeweckten Netz als Ersatz für die Pension ‚Dittberner‘ das Hotel ‚The Dude‘, und wir fanden es nach einigen Navi-Umwegen auch und angenehm dort. Das Hotel behauptet ‚Mitte‘ zu sein, na ja, es liegt im allerletzten Abschnitt der prolligen Köpenicker Straße, unmittelbar vor Kreuzberg, aber man ist schnell an der Spree und an der Schloss-Attrappe und wird freundlich bedient. Wie immer bekam ich ein Zimmer neben dem Fahrstuhl, aber es war das einzige Mal auf der Reise, dass ich deswegen Raum und Stockwerk wechselte.

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Europa im Kopf

#1.3 Ohne Feuer kein Ruhm

Zehn Jahre später kaufte sich Guntram einen neuen Mercedes und gab mir seinen alten. Nochmal zehn Jahre später, Roland war schon tot, kaufte sich Guntram wieder einen neuen Mercedes und gab mir wieder seinen alten. Mit dem fuhren Silke und ich gerade eines Vormittags über Weimar nach Meran, Guntram war inzwischen ebenfalls tot, als die frisch inspizierte Limousine bei Erfurt stehen blieb und nicht weiterwollte.

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Europa im Kopf

#1.2 Polizistenmord oder Freispruch

Als wir die Reise am Sonntag, dem 2. August 2015, erwartungsfroh antraten, schien zum ersten Mal seit Langem plötzlich wieder die Sonne. Überrascht waren wir trotzdem nicht: Wir hatten den Wetterbericht gelesen.

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Europa im Kopf

# 1.1 Selbstmord oder Selbstbetrug

Die Idee von Europa als Einheit ist nicht neu. Caesar hatte sie schon, Napoleon auch und Hitler erst recht: alles am Ende scheiternde Eroberungskriege von Diktatoren. Karl der Große bekam das Konzept am besten in den Griff, das ist allerdings über 1 200 Jahre her, und eine Union gleichberechtigter Partner war sein Reich genauso wenig, wie es von den Römern oder den Faschisten geplant war. Im Übrigen ging es durch die Jahrhunderte eher um Abgrenzung: Katholiken gegen Protestanten, Franzosen gegen Preußen, Deutsche gegen den Rest der Welt.

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Gereimtes und Ungereimtes

Judas

Wir sagten Blicke, sprachen Gesten, zahllos. Wir nannten Bilder „Bilder“ ohne Namen. Kaum war die Zunge Mittler, nie das Schweigen Schranke, wir brachen unsre Worte – unser Brot.

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Triple-Edinburgher mit Ketchup

#3.3 Wissenswertes über Edinburgh

Drei Jahre später: 1975, das Jahr, an dessen Ende ich Roland bekommen hatte, hatte ich zu Anfang eine Filmkamera bekommen. Meine Eltern konnten nicht ahnen, dass nun alljährlich ein Jahresfilm auf sie einstürmen würde, mit immer verstörenden Schnitten und Vertonungen.

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#3.2 Die besten aller Welten

Das Schicksal ist, glaube ich, eine Institution, die sich rasch langweilt, und dann schlägt es zu und zeigt den Sterblichen, dass sie nicht zu ihrem Vergnügen durch den Irrgarten des Lebens laufen. Im Juni 1987, kurz nach der opulenten Feier meines einundvierzigsten Geburtstags, wurde bei Roland ein Lungentumor festgestellt und dass er HIV-positiv war. Ihm wurde die halbe Lunge entfernt, mir meine ganze Unbekümmertheit.

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#3.1 Die Reisemutter

Fünfzehn Jahre sind eine lange Zeit. Oder eine kurze. Heute kommt mir das Jahr 2003 gar nicht so weit weg vor. Zwischen 1973 und 1988 lagen Welten.

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#2.5 Ganz in Rot

Am Dienstag hatte Peter Russel ein Treffen im ‚Forage & Chatter‘ mit den beiden wichtigsten Händlern vor Ort arrangiert, und ich fand, dass es für die Verträglichkeit der Schotten sprach, dass die Konkurrenten nicht gegeneinander kämpften, sondern miteinander speisten

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#2.4 Menschenblut

Am Sonntagvormittag holte mich Robert Leslie ab. Er unterhielt freiberuflich für die ‚Deutsche Grammophon‘ UK die Kontakte zu Künstlern und Journalisten. Robert war witzig, intrigant und so sehr ‚Tunte‘, dass ich dieses Wort ausnahmsweise benutzen muss. Angezogen war er immer grässlich, aber was er sagte und welches Gesicht er dazu machte, war doch aufsehenerregender als sein Textil-Geschmack.

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#2.3 Gast ohne Einladung

Das Hotelzimmer, das ich am Samstag, dem 25. August, bezog, hob sich bereits ein wenig von meiner Unterkunft vor zwei Jahren ab. Jennipher kam gegen sechs mit ihrem Freund Robin zu mir in die Bar auf einen Scotch. Ihr Freund war Product Manager bei ‚CBS‘, und auf deren Ebene war eine solche Liaison wohl möglich. Die Präsidenten der beiden unterschiedlichen Schallplatten-Unternehmen hätten vermutlich kaum miteinander geschlafen.

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#2.2 Erwischt

Meine Lehrzeit zwischen Fabrik, Lager und Buchhaltung, zwischen Praxis und Theorie also, plus all der ‚Siemens‘-Lehrgänge in Volkswirtschaft, Betriebswirtschaft und Jura hatten mich gegenüber unterschiedlichsten Fakten und Menschen gestählt, und meine paar Monate Großbritannien verliehen mir den Duft der großen, weiten Welt.

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#2.1 Pali

Wenn etwas schiefgegangen ist, gibt man auf oder versucht es nochmal. Beides erfordert Weisheit. Den Weltkrieg umzukehren, wie es mein Großvater nach dem Ersten beim ‚Stahlhelm‘ probiert hat oder einige SS-Offiziere nach dem Zweiten von Südamerika aus, das ist töricht. Nach gescheiterten Probeaufnahmen und blöden Werbespots weiter zu versuchen, Star zu werden, wie es James Dean und Marylin Monroe getan haben, kann sich auszahlen.

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#1.9 Douglas

So lief das 1971 bei mir. Genauer: lief nicht. Trotzdem war ich verwegen genug, den Sommer über an den Samstagabenden über den Hampstead Heath zu steigen und den Pub ‚King George IV‘ anzusteuern. Allerdings nicht, ohne vorher als Mutmacher ein oder zwei Martinis getrunken zu haben.

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#1.8 In vollen Zügen

Am Sonntag war ich mit Jennipher, über die ich ausnahmsweise mal keine Lust habe, viel zu sagen, im Zoo; am Montag begann meine letzte Vertreterwoche, mit dem Mann für London, Brian. Er war so liebenswürdig, mich abends immer zu meiner Wohnung zu fahren, nur am Donnerstag nicht, weil er da eine Verabredung hatte.

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#1.7 Die große Welt

Am Dienstag musste ich mit dem Zug nach Glasgow, so dass mir Edinburgh auf Anhieb nachträglich hübsch vorkam, am Mittwoch und Donnerstag war ich, immer von meinem Hotel aus, anderweitig unterwegs. Aus St. Andrews, der Wiege des Golfs, brachte ich als vorausgeplante Weihnachtsüberraschung meinem Vater einen Stich von längst toten Spielern mit. Mehr konnte ich in dieser Hinsicht nicht für ihn tun.

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#1.6 Im Graben

Am Montagmorgen holte mich George Wishard ab, und dass ich seinen Namen nach siebenundvierzig Jahren immer noch, ohne nachzuschlagen, mühelos aus meinem Gedächtnis kramen kann, während ich überlegen muss, wie die deutsche Umweltministerin heißt oder der Schauspieler, der im vorletzten Tatort der Täter war, zeugt davon, welche durchgreifende Rolle George Wishard in meinem Leben gespielt hat.

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#1.5 Vom Grenzgänger zum Groupie

Meine Eltern waren auf den Bahamas, um sich dort eventuell ein Grundstück zuzulegen; Harald malte sicher gemütlich im Keller seiner Eltern; Tine fing an, sich für den Abend zu schminken. Oder meine Eltern waren über dem Atlantik abgestürzt, Harald die Kellertreppe runtergefallen, und Tine hatte sich am Lippenstift verschluckt.

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Triple-Edinburgher mit Ketchup

#1.4 Very hot

Später, als ich dann wieder zurück war in Hamburg, erschien es mir wie ein fast nahtloser Übergang. Aber das stimmte nicht. Neue Freundschaften, neuer Ehrgeiz – ich hatte mich gehäutet ...

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Triple-Edinburgher mit Ketchup

#1.3 Unsere Epoche

Als ich zum dritten Mal wegsollte, war es meine Schuld – in gewisser Weise. Ich hatte bei der Prüfung zum ‚Industriekaufmann‘ so gut abgeschnitten, dass mir laut Statuten ein Auslandsjahr gewährt wurde. Nach den paar Semestern Jura und dem scheinbar berufshinderlichen Kompositionsstudium hatte ich bei der ‚Deutschen Grammophon‘ als Spätlehrling Unterschlupf gefunden.

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#1.2 Misstrauen

Als ich das nächste Mal wegmusste aus Berlin, sollte es für immer sein, dieses Mal allerdings zusammen mit meinen inzwischen verheirateten Eltern, 1953. Mein Vater würde in Hamburg mehr Geld verdienen, meine Mutter fühlte sich in Westberlin sowieso eingekesselt, und ich weinte.

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Triple-Edinburgher mit Ketchup

#1.1 Abschiebehaft

Meine Freundin Anette Kanngießer mailte mir nach Meran, dass sie in der folgenden Woche nach Edinburgh fliegen werde. Ich mailte zurück, an Edinburgh habe ich auch ein paar Erinnerungen. „Schick sie mir doch“, schlug Anette vor, „dann kann ich mich auf dem Flug schon mal einlesen.“ Nun ist die ‚Mail‘ fertig, mit ein paar Monaten Verspätung: keine Einstimmung mehr, sondern ein Ausklang.

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Gereimtes und Ungereimtes

ABENDLIED

Genug geschlafen, genug gewacht, genug gelebt, genug gelacht. Genug gesehen, gehört, gedacht – genug verträumt, genug versäumt; genug gemacht.

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Gereimtes und Ungereimtes

BIOGRAFIE

Rangeklotzt – hinge*****, oft von allem ange*****: blind ins Leben reingeschickt, irgendwann mal reinge*****, reingewaschen in der Taufe: gleich vom Leben in die Traufe.

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Gereimtes und Ungereimtes

ABSCHLIFF

Nur selten schwimmt in deinen Augen jenes Lächeln, häufiger verbirgst du es, oft wird es dir nicht einmal mehr bewusst. Du spürst den Anlass für ein Lächeln nicht mehr auf, so hast du dich daran gewöhnt, es zu ersticken.

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Matinee

Gestern habe ich nach langer Zeit Martha Argerich wieder erlebt. Sie spielte hier in Hamburg auf einem Festival, das ihren Namen trägt, zusammen ‚mit Freunden‘: den ‚Karneval der Tiere‘ und Beethovens ‚Tripelkonzert‘. 11:00 Uhr vormittags – schwer für mich, und für sie erst!

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Gestiegenes Fußball-Fieber

Fast k. u. k.: Uruguay ist so groß wie Österreich und Ungarn zusammen. Immerhin hat die Hauptstadt Montevideo mehr Einwohner als Hamburg und ist in Deutschland höchstens älteren Lustspiel-Fans als eines der beiden Substantive aus einer Posse von Kurt Goetz bekannt, ohne dass diese Komödie dort je spielen würde.

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Steigendes Fußball-Fieber

Welt krisenkaputt? Westen trumpzertrampelt? Wasser plastikdurchmüllt? Na und? Jetzt ist erst mal Fußball. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen! Aber dann diese Blamage. Dazu darf man eigentlich gar nichts sagen. Und schuld bin ich.

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Frühling in Florenz

#3.4 Der Himmel hat die Erde geküsst

Am Montag war es grau. Nebel oder Schlimmeres? Schlimmeres. Auf unserem Weg nach Eichstätt fing es an, dermaßen gegen die Windschutzscheibe zu tropfen, dass wir uns dazu veranlasst sahen, einander trotzig darauf hinzuweisen, wie lieblich die Landschaft sei. Bei Eichstätt wurde der Himmel wieder ziemlich blau, und das war auch angebracht, denn Eichstett ist nicht irgendwas: Vor etwa 150 Millionen Jahren war hier der nördliche Rand des Jurameeres mit Korallenriffen und Lagunen.

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Frühling in Florenz

#3.3 Über die Verwendung von Gebühren-Verweigerern

Wir saßen zwischen Fahrbahn und Restaurant-Eingang, um uns her viele Menschen, die wenig anhatten. Sonntagnachmittag. Hab’ ich nie gemocht: Kinderwägen im Park und Buttercremetorte im Wohnzimmer.

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Frühling in Florenz

#3.2 Sprache statt Waffe

Am Sonntag, dem 29. April fuhren wir also ab, ‚von Heim zu Heim‘, aber nicht wie geplant. Wir hatten alle übersehen, dass ich ausnahmsweise in meiner Liste 10:30 Uhr vorgesehen hatte, fuhren also wie üblich um zehn ab und waren auch prompt statt um halb zwei schon um eins in Nußdorf am Inn.

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Frühling in Florenz

#3.1 Schulschläge

Ich bleibe dabei. So lasse ich es stehen. Den ersten Teil hatte ich noch zartfühlend ‚Von Zuhause nach Zuhause‘ betitelt. Dann habe ich im zweiten Teil seiten- bzw. displaylang über Heimat referiert, und nun das ...

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#2.10 Die Befreiung

Am Mittwochmorgen reisten wir pünktlich ab, jedenfalls Silke, Rafał und ich. Da sind wir sehr zuverlässig. Sally und Carsten hatten ihr eigenes Auto und konnten sich deshalb Zeit lassen. Der 25. April ist in Italien Feiertag, was schön ist für die arbeitende Bevölkerung und misslich, wenn man es nicht gewusst hat und nun tanken will und Brot und Wein für sein Abendmahl braucht.

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#2.9 Von der Engelsburg springen

Der ausgiebige Mittagsschlaf steigerte meine gute Laune noch, und auf dem Schlendergang zum Ponte Vecchio bemerkte ich vergnügt, dass mein spezielles Interesse an Menschen noch zugenommen hatte: Heute Nacht wollte ich sie mir alle in die Seele stopfen ...

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#2.8 Glück?

Das ‚Crisco‘ war geöffnet und es war wie immer – und es war herrlich: der erste Raum ziemlich laut und kommunikativ, der zweite, etwas intimere, mit nur einem, nicht – wie vorn – neun Bildschirmen. Alle zehn Bildschirme zeigen dasselbe, wobei aber die neun vorne sich zum Gemeinschaftsbild eines Großhodensacks formieren oder den Sack neunmal klein (macht 18 Eier) abwechslungsreich zeigen können ...

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#2.7 Tata

So ging ich also gestern Abend neben meinem Mitbürger Giuseppe einher, auf dem engen Bürgersteig schlängelten wir uns an den wenigen Passanten vorbei, die nüchterne Front der schmuckarmen Palazzi zur Rechten, zur Linken die dunkle, kaum genutzte, schmale Fahrbahn, und daneben wieder ein enger Fußweg ...

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Frühling in Florenz

#2.6 Exzessive Nähe

Wir stiegen ins Auto und fuhren weg. Die vielen Touristen, die beschränkten Möglichkeiten. Frühling in Florenz? Flucht aus Florenz. Nicht mal das pompöse Essen, das ich mir in Florenz vorgestellt hatte, hatte stattgefunden. Fluch auf Florenz.

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#2.5 Den Kopf unter dem Arm

Ja, nun kommt er, der Frühling in Florenz: Wir fuhren eine Dreiviertelstunde durch Landschaft; selbst die Akazien, immer die Letzten, wurden allmählich grün. Hin und wieder ein Obstbaum am Straßenrand neben Agaven, überwiegend Oliven, Pinien und Zypressen, aber auch Laubwälder und einzelne Häuser, ziegelgedeckt mit flachen Giebeln.

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#2.4 Weg!

Den nächsten (Sonn-)Tag hatte ich in der Reiseplanung mit ‚Langeweile auf dem Lande‘ überschrieben. Meine Ironien sind noch das Ernsthafteste an mir, und das Albernste. Wir saßen am Pool, sahen in ‚Toscana‘, und ich las, während Silke braun wurde und Rafał seiner üblichen Rastlosigkeit mal zu Wasser und mal zu Land nachgab.

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#2.3 Komfort im Waschraum

So ging die Zeit mit Essen – überwiegend von Rafał zubereitet – Lesen und Denken – selbstgemacht – dahin; von oben der Blick ins Tal, von unten der Blick in die Berge.

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#2.2 Bei den weltoffenen Weltbürgern

Der ausgewanderte Jude wird gefragt: „Wo wären Sie denn jetzt am liebsten: im Berlin Ihrer Kindheit, im Exil in Paris, in Tel Aviv oder in New York?“, und er antwortet jüdisch-diplomatisch: „Überall ein bisschen ungern.“

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#2.1 Heimatgefühle

Nach Ostern und vor Mai gibt es ein touristisches Loch, was für Südtirol finanziell unbefriedigend, aber seelisch sehr erholsam ist. Das Wetter war gut oder schlecht, ich achtete nicht so sehr darauf, bis auf die Male, bei denen das Wetter so verdammt schön tat, dass mich Rafał und Carsten vor die Tür zwangen ...

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#1.9 Was man sehen kann und was nicht

Donnerstag, 29. März: Bevor wir die fränkische Metropole verließen, fuhr Rafał, so dicht es eben ging, an den Stadtkern heran und dann nach oben zur Burg, damit ich aussteigen und runtergucken konnte. Es regnete nicht und ich guckte. Dabei dachte ich daran, dass Nürnberg lt. Wikipedia am 31. Dezember 2016 genau 511 628 Einwohner hatte ...

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#1.8 Gemischte Gefühle, gemischter Salat

Nürnberg kannte ich nicht gut, aber ein bisschen. Statt Rundgang füge ich hier meine Eindrücke vom 20. Februar 1984 ein. Damals wollte ich die Pianistin Martha Argerich abholen, um mit ihr zu Aufnahmen nach London zu fliegen ...

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#1.7 Die Drei von der Tankstelle

Dienstag, 27. März: vormittags Treffen mit Rosa von Praunheim. Nachmittags nochmal A&S. Abends mit Freunden ‚Sale e Tabacchi‘: So geht kurz!

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#1.6 Im Hinterhof neben der Abfalltonne

Montag, 26. März: In dem Tempo kann ich unmöglich weitererzählen. Berlin ist doch eine fixe Stadt, zumindest eine Fixerstadt. Frühstück kostet im ‚Sofitel‘ 30 Euro. Ist mir ja egal, aber Silke und Rafał verzichteten ebenfalls.

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#1.5 Pizzabäcker, Eckensteher

In der Pause zwischen den Akten sah ich plötzlich Herbert zwischen den Menschen. Er war allein, sein Mann war schon wieder auf einen Ärztekongress enteilt. Normalerweise laufen sie immer gemeinsam in all diese Opern zwischen Wien und Wyk auf Föhr.

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#1.4 Kultur im Beutel, Schwank in der Oper

Der pharmazeutische Weichzeichner hatte meine Magenpforte wie gewohnt entkrampft, und trotzdem war ich nicht ohne Drangsal, als ich mich an der zuvorkommend auf- und zugleitenden, lasergesteuerten Eingangstür des ‚Palace Hotels‘ von Chris Schmökel bis auf unbestimmte Zeit und von Harry bis zum Abend verabschiedet hatte: Der zwischen mittlerem und kleinem befindliche Zeh, der Ringzeh gewissermaßen, tat weh – harmlos, aber heftig.

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#1.3 Delikatesse für die Fresse

Etwas abgewirtschaftet trat ich in die Lobby. Harry wartete schon, Chris war noch nicht da. In Ordnung. Chris Schmökel hatte bei ‚Deutsche Grammphon‘ als mein ehemaliger Vice-Presidents-Kollege und hochdotierter Justitiar dafür zu sorgen, dass, als die Schallplatten-Industrie in den Neunzigerjahren in Bedrängnis geriet, möglichst viele Mitarbeiter mit möglichst geringen Abfindungen entlassen wurden.

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Frühling in Florenz

#1.2 Der Nabel der Welt

Satt fuhren wir von Frohnau, wo ich wohl gezeugt wurde, in die Innenstadt West, dahin, wo für mich das Zentrum der Welt war, als Kind sowieso, und eigentlich bis 1995. Dann schob sich in meiner Wahrnehmung langsam Unter den Linden/Ecke Friedrichstraße vor Ku’damm/Ecke Joachimsthaler.

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#1.1 Die Lüge

‚Frühling in Florenz‘! Ich liebe Etikettenschwindel, Alliterationen auch. Die Kombination von beidem machte schon als ‚Milch‘ vor mehr als sechzig Jahren ‚müde Männer munter‘, und wer wie ich den ‚Fasching in Fulda‘ feierte, der ist sich weder für trutschige Titel noch für toskanische Themenbehauptungen zu schade oder gar zu schuldbewusst.

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Winterreisen (mit Sommern)

#3.12 Fasching in Fulda

Keine Frage, dass Rafał sehr andere Assoziationen mit Fulda verband als ich, und Silke gar keine, sie kannte es nicht. Ich will die Geduld meiner leidgeprüften Leseleute jetzt nicht überstrapazieren, indem ich seitenlang nicht nur von meinen Briefen, sondern auch von Wikipedia abschreibe, nur so viel:

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Winterreisen (mit Sommern)

#3.11 Leisetreter und Lautsprecher

Der letzte Tag, an dem wir von Anfang bis Ende ‚unterwegs‘ sein würden. Ich versuche, das Zurücklegen von Strecke genauso zu genießen wie das Abbummeln ereignisloser Tage: das ‚Verweilen‘. Genießen Nonnen ihre Keuschheit und Flagellanten ihre Hiebe? Vermutlich.

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#3.10 Bei voller Fahrt im Wartesaal

Silke, Rafał und ich sollten es, sechzehn Jahre danach, besser haben. Wir saßen im oberen Stockwerk des ‚Spaten-Hauses‘ eher ‚gehoben‘, also mit vornehmerer Speisekarte und Blick auf die Operntreppe. Alles etwas teurer. Ach ja, um Geld ausgeben zu können, muss man zunächst welches haben, und um es vermehren zu können erst recht.

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#3.9 München 2001: Am Stück

Wieder zehn Jahre weiter. Roland ist tot, Guntram vegetiert im Altersheim, zuhause ging es nicht mehr. Irene lebt mit mir im ‚Kutscherhäuschen‘: sie unten, ich oben. Aber irgendwann müssen wir – nun zu zweit – auch mal wieder nach Meran.

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#3.8 München 1981: Bis zum ersehnten Ende

‚Zusammen mit meinem Schlüssel übergab mir der Portier eine Nachricht, und die lautete: ‚Wo steckst du denn? Doris.‘

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#3.7 München 1981: So geht es weiter

Die Luitpold-Villa ist eines dieser ockerfarbenen, südländisch anmutenden Gebäude, Ende des neunzehnten Jahrhunderts errichtet, mit seiner über eine Handvoll Stufen zu erreichenden, gedehnten Terrasse linker Hand, säulengesäumt, baumbeschattet.

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#3.6 München 1991: Von Anfang an

Der Ausschnitt, den ich aus dem zehn Jahre späteren Brief rausgesucht habe, ist ‚München, sehr ausführlich‘, ohne irgendeinem Reiseführer Konkurrenz zu machen. Dr. Rüdiger Nolte war damals unser PR-Manager, später dann der Direktor der Freiburger Musikhochschule. Das wussten wir damals zwar noch nicht, aber hier wie auch für den folgenden Briefausschnitt gilt: Wer vorher neugieriger ist, ist hinterher klüger.

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#3.5 München 1981: Ganz am Ende

Am nächsten Morgen rief ich ganz schüchtern bei Dorothee an. Sie war sehr lieb und sympathisch ruhig. Der Maestro war noch bis sechs Uhr früh geblieben, und sie mit, aber wohl zum Schluss recht maulig, wie Geerd Westrum später bezeugte. Fünf Taxen hatte sie wieder wegschicken müssen, weil Lennielein im letzten Augenblick doch immer noch hatte bleiben wollen.

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#3.4 München 1981: Ganz am Anfang

Nachdem Rafał genug gesehen hatte, war noch Zeit für ein Heißgetränk (ich nahm was Kaltes), bevor wir in eine Taxe stiegen. Sie brachte uns zum ‚Spaten-Bräu‘ gegenüber der Oper. Früher wäre ich das ganz selbstverständlich zu Fuß gegangen. Jetzt nicht mehr.

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#3.3 Bildung gegen Missbildung

Dann kommt Rafał, und er hat in seinen drei Stunden Interessanteres erlebt, als ich mir in meinen dreien erdacht habe. Unser Mercedes steht gut im Parkhaus; zu Scheeles nehmen wir eine Taxe. Sie, Zülal, ist Türkin und findet alles schrecklich, was sich jetzt in der Türkei abspielt.

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#3.2 Bissfest

Jetzt saß Rafał am Steuer; zehn Minuten, nachdem wir losgefahren waren, kamen wir an eine Schlucht, schneelos. Jenseits der Felsen wurde das Land immer flacher. Eintöniger Nebel, die Orte wie abgefedert, die Felder und Wälder auch. Landschaft, stoßfest für den Versand vorbereitet. Langeweile auf Reisen geschickt, reicht das?

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#3.1 Vom Freak zum Idol

Nie habe ich Hunger, nie habe ich Durst, nie schwitze ich. Bin ich ein Alien? Ich mag kein schönes Obst, keine kleinen Kinder und keine frische Luft. Ich habe nicht das geringste Bedürfnis, mich sportlich zu betätigen, und anderen dabei zugucken, wie sie sich abrackern, das mag ich nun schon gar nicht. So ist die Ausgangslage.

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Religion

Ostern: zwischen glauben und suchen

Also, als ich sechs war, da feierte ich mit allen anderen Katholiken, dass Jesus zwar gestorben war, aber nicht so ganz. Dass er, obwohl er tot war, nach drei Tagen wieder aufstehen konnte, hielt ich nicht der Medizin zugute, sondern seinem Vater, der sich auf diese Weise wohl dafür entschuldigen wollte, dass er ihn zu jenen Schreckensgeschöpfen runterbeordert hatte ...

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#2.12 Der letzte Ausflug

Am nächsten Morgen war Carsten weg und mein Schmerz auch. Carsten hatte geschäftlich in Linz zu tun, für meinen Schmerz gab es eigentlich keinen Grund, sich zu verflüchtigen, aber ich nahm es dankbar als Gottesgeschenk und fand mich damit ab, dass außerdem die Sonne weg war.

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Winterreisen (mit Sommern)

#2.11 Im mächtigen Schatten des Gipfels

Nach Jahren intensiven Beisammenseins in Kitzbühel, Hamburg und Meran schlief die Bekanntschaft zu Rumpoldt und Dora allmählich ein. 1988 trafen Irene und ich ihn nochmal im Sommer. Das war’s.

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Winterreisen (mit Sommern)

#2.10 Kur mit Anschlag

Nach so viel Text werden der Betrachter und sein weiblicher Widerpart heilfroh sein, wieder mal ein Stück Film sehen zu dürfen, natürlich erst nach einer langen Einleitung. Immerhin lasse ich die Jahre 1971 bis 1973 weg und komme gleich auf Weihnachten 1974: Da bekam ich von meinen Eltern eine Super-8-Kamera, und es war noch nicht gleich klar, was sie auslösen würde, in mir und überhaupt.

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Winterreisen (mit Sommern)

#2.9 Ausschnitte, Eindrücke

Um der Authentizität willen füge ich hier ein paar Szenen aus meinen Briefen an Harald ein: 1970 in der ‚Postkutsche‘.

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#2.8 In der ‚Postkutsche‘

Rafał und ich, wir setzten uns um halb sieben zu den Gästen ins Kaminzimmer und bekamen sogar den Tisch direkt vor dem Feuer: etwas heiß auf der Haut, aber angenehm für Auge und Gemüt.

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Winterreisen (mit Sommern)

#2.7 Glauben, denken, wissen

Zunächst hatte ich jetzt, im November 2017, für den Abschluss unseres Weihnachtsurlaubs an Kitzbühel gedacht, erinnerungsträchtiger geht es kaum. Aber als uns die ‚Tenne‘ dort nicht haben wollte, fiel mir gleich die ‚Post‘ in Kössen ein und wie glücklich die wohl wäre, mich nach 52 Jahren wieder begrüßen zu dürfen, und dann noch über Nacht.

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#2.6 Winterwanderer

Im Februar 1965, als ich selbstverständlich lieber zu meinen Eltern in den Schnee fuhr, statt meine Zeit mit Gleichaltrigen zu verplempern, war Kurt immer noch so lebendig, wie es seinem ‚hölzernen‘ Naturell entsprach. Das Haus war noch hölzerner als sein Eigentümer, alles feinste Zirbeltischlerei. Es gab ständig Marillenschnaps, und wir waren alle sehr lustig.

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#2.5 Kurt

Kurt(chen)s Wohnung in der Reichsstraße wurde nach Bauch und Entbindungsanstalt meine dritte Bleibe und die letzte, an die ich mich nicht mehr erinnern kann.

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#2.4 Frieden und Krieg

Als Silke und ich gegen drei zueinanderfanden, ließ sich immerhin über WhatsApp ermitteln, dass Rafał und der inzwischen ebenfalls eingetroffene Carsten in einem Café ‚gleich um die Ecke‘ saßen. Nachmittag im Café. Grauenhaft.

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#2.3 Was Gott denkt

Als Kind fand ich es toll, dass Gott mich ständig beobachtete, aber ab der Pubertät fand ich das irgendwie indiskret. Alles hängt mit allem zusammen, das glaube ich immer noch, aber ob ich das jetzt Gott nenne, finde ich nicht so wichtig. Oder wohl doch! Sonst käme ich nicht dauernd auf dieses Thema zurück.

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#2.2 Kochen und kochen lassen

Harald und ich machten Urlaube bei der Gastwirtin Maria Malaier, für uns ‚Määäry‘, auf halber Höhe zwischen Bozen und Meran. Habe ich mich da in Positur gesetzt!

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#2.1 Schon mittags wissen, wo man abends sein wird

Selbst mein Sadismus kennt Grenzen. Dem Leser und seiner Frau ist es nicht zuzumuten, sich durch die kompletten Tagesabläufe und die komplexen Restaurantbesuche unseres Meran-Aufenthalts durchzulangweilen. Stattdessen pinsele ich für die Leserin und ihren Mann ein Gemälde ...

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#1.9 Kurz vor der Grenze

Der ‚Schneiderwirt‘ in Nußdorf ist ursprünglicher geblieben. Wir hatten uns im Tief vor München, das Rafał mit 180 Sachen durchmaß, ohnehin auf Nußdorf eingestellt und waren zu alt um umzudisponieren.

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#1.8 Die beiden Möglichkeiten

Am Morgen regnete es nicht. Wir konnten also, nachdem Rafał – von Silke und mir mit dummen Vorschlägen bombardiert – den Weg nach oben am Ende dennoch gefunden hatte, aussteigen, ohne nass zu werden. Der Domplatz war von so wenigen Menschen besucht, dass wir ihn gut ermessen konnten. Auch in der Kirche selbst konnten wir vor den Altären, unten in den Schiffen, und dem Bamberger Reiter, oben in der Höhe, ausharren, ohne geschubst zu werden.

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#1.7 Zwei ausgefallene Damen

„Nicht lange!“, äffte Rafał mich hinter seinem Steuerrad nach, „nicht lange? Das sind mehr als – das sind siebenundzwanzig Jahre!“ – „Siehst du“, sagte ich, „keine besonders lange Zeit.“ Draußen wurde es dunkel, die kürzesten Tage des Jahres. Die kahlen Felder brauchten kein Licht, und der graue Himmel spendete auch keins.

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#1.6 Bamberg, Bartók, Bayreuth

Aber schon am 16. Juli 1980 war ich wieder in Bamberg. Inzwischen hatte ich die Schule beendet, die Universität verlassen, die Musikhochschule besucht, beim Film volontiert, Privatunterricht bekommen, eine Lehre gemacht, eine Traineezeit durchlaufen, war Product-Manager gewesen, hatte das Repertoire-Büro geleitet und war jetzt Produzent für Klassik-Künstler. Bis auf das, was ich wollte, hatte ich fast alles erreicht.

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Winterreisen (mit Sommern)

#1.5 Ernst des Lebens

Was ist aus uns allen geworden, mehr als fünfzig Jahre später? Seit Ende der Sechzigerjahre gab es keine Klassentreffen mehr. Nur mit Helmut Görlitz habe ich wieder Kontakt, weil ich ihn zufällig vor zehn Jahren im Lokal traf, an seinen roten Haaren erkannte und offenbar schon betrunken genug war, um ihn anzusprechen. Seither sind wir in lockerem Kontakt.

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Winterreisen (mit Sommern)

#1.4 Freibad

Streiche auszuhecken liegt mir nicht fern, ihr Opfer bin ich weniger gern. Besonders gelungen fand ich meine Bemühungen, Irmgard Teeck in den Wahnsinn zu treiben. Das klappte sogar noch besser, wenn meine Eltern verreist waren. Wir wohnten mit Wiemans im Doppelhaus, und deren mit mir eng befreundete Töchter Monilies und Kathrin, die sehr stolz darauf waren, nicht Wiemann zu heißen, waren genauso stolz darauf, meine finsteren Pläne in die düstere Tat umzusetzen.

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Winterreisen (mit Sommern)

#1.3 Großbürgerlich

1964 war das ganz anders. Am 1. Juni traf ich ein, dieses Mal ganz allein, aber zu meiner vollständigen Klasse, die letzte Gruppenreise vor dem Abitur. Obwohl es mein Vater gewesen war, auf dessen Initiative am Elternabend hin Franken von uns bereist wurde – weil er wusste, dass ich die Nordsee und unser Schullandheim auf Föhr verabscheute –, war ich doch erst zur zweiten Woche der Fahrt meiner Klasse hinterhergereist, als tapferer Rekonvaleszent im Trans Europa Express, erster Klasse.

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Winterreisen (mit Sommern)

#1.2 Zahnarzt-Torte

Wichtiger Bestandteil aller Reisen sind die Zwischenstationen, besonders die mit Übernachtung. Die Ziele sind meist bekannt und geschätzt, auf dem Weg dorthin kann ich meiner Fantasie freien Lauf lassen. Aus diesem Grund hatten wir Meran in den vergangenen Jahren auf zum Teil eigenwillige Weise angesteuert: 2015 über Prag und Wien, 2016 über Halle und Leipzig, 2017 schon einmal, über Weimar und Rothenburg ob der Tauber.

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Winterreisen (mit Sommern)

#1.1 Saat und Ernte

So, nun ist Schluss mit meinem Altruismus, mir lauter fremde Leute auszudenken, jetzt ist der nächste autobiografische Reiseblock für meinen Reiseblog fällig. Er beginnt im Dezember 2017 bzw. bei der Schwangerschaft meiner Mutter und heißt: WINTERREISEN (mit Sommern).

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Gereimtes und Ungereimtes

Zehn Typen

Ich sag’s ganz klar: Ich find’ mich gut, was soll ich mich da zieren? Die Leute stieren, wenn ich im off’nen Wagen fahr’ bei lauter Musik – wunderbar. Tut gut! Ein bisschen Glück, ein bisschen Mut ...

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Gereimtes und Ungereimtes

Sommerschwalben

In ihren nicht sehr runden Kreisen wurde viel gelacht, Kaviar und Curry-Wurst waren die Speisen, alles, was Spaß macht, wurde gemacht, und manchmal wurde auch nachgedacht.

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Gereimtes und Ungereimtes

Notbehelf

In einem meiner Kommentare, den hoffentlich keiner gelesen hat, behaupte ich, am 2. Januar würde der nächste Reisebericht ins Netz gehen. Stimmte nicht. Aber Fake ist ja zeitgemäß.

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Wie es sich leben und sterben lässt

Die sechs Möglichkeiten des Auf- und Ablebens

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Wahnsinn

Der Zahnarzt

Ich bin Zahnarzt. Morgens um fünf stehe ich auf, mache die Schularbeiten für meinen Jungen, verprügle meine Frau, vergewaltige mein Mädchen, stille den Zwitter und bereite das Frühstück für den Hund zu. Im Allgemeinen will er zwei Eier im Glas und Vollkornbrot, aber sonntags isst er auch schon mal Fischstäbchen. Gegen viertel nach fünf verlasse ich das Haus und fahre auf meinem Dreirad zum Großmarkt, um Obst und Gemüse einzukaufen. Ich betreibe nämlich nebenher noch ein Blumengeschäft, das sich im Penthouse des Bungalows befindet, in dem ich meine Praxis habe.

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Geschichte Religion

WEIHNACHTEN

Das Datum ist fiktiv, aber die Volkszählung hat unter Augustus tatsächlich stattgefunden. Es werden also Menschen, auch Schwangere, notgedrungen von hier nach da und von Nazareth nach Bethlehem unterwegs gewesen sein.

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Religion

Unergründlich

„Allbarmherzig“ ist ja, der Schrift nach, bloß Allah.

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Religion

Von Katzen und Käuzen

Jeden Mittag besuchte uns in Meran auf unserer Essterrasse eine Katze, uneingeladen, aber willkommen. Sie will rumliegen, fressen und, nur wenn sie rollig ist, obendrein Sex.

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Wahnsinn

KRIMINALITÄT

In unserem Viertel – das kann Ihnen die Polizei bestätigen – wird leider besonders viel eingebrochen. Meist sind es Kinder, jünger als vierzehn, die noch nicht strafmündig sind und gleich wieder freikommen, wenn sie erwischt worden sind. Genau deshalb sind sie ja auch von ihren Eltern losgeschickt worden. Die Anwohner sind aufgebracht, und die Polizisten fühlen sich wie Idioten, denen man Aufgaben stellt, an deren Erfüllung niemand interessiert ist. Es muss sein, als hätte man jahrelang eine Mauer bewacht, die dann abgerissen wurde.

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Wir kennen Sie!

Sie leben gern. Sie essen gern. Sie lassen sich beides gern mal ein kleines bisschen kosten. Dann ist unser minimalistisch eingerichtetes, mega-chickes Sternchen-Restaurant genau das Richtige für Sie.

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Gereimtes und Ungereimtes

Buchhit II – Resteessen

Weil ja alles, was erfolgreich ist, zur Serie aufgebaut werden muss, kommt hier der Nachschub, den ich bei den ersten 50 Titeln aussortiert hatte. Resteverwertung!

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Gereimtes und Ungereimtes

Vorsatz

Nun steht wieder die sogenannte Weihnachtszeit vor der Tür und auf dem Kalender. Nun laufen die Leute wieder los, um viel zu kaufen. Über Konsum freut sich Mario Draghi: Da steigt die Inflation.

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Nobel!

Auszug aus meiner Rede zur Verleihung des Nobelpreises für Literatur Liebe Königin Silvia, lieber Carl XVI. Gustaf, meine Damen und Herren, dies ist ein Augenblick des Dankes, ein Augenblick der Ermutigung, also der Verpflichtung, aber auch ein Moment des Innehaltens: Besinnung und Rückbesinnung.

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Buchhit

Empfindungen nach der Frankfurter Buchmesse. Ich möchte gerne mal ein Buch schreiben, aber nur, wenn es auch ein Erfolg wird. Bitte wählen Sie ganz nach Ihrem Geschmack oder Gespür einen der 50 nachfolgenden Titel aus oder erfinden Sie selbst einen.

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Wahnsinn

Verkehr(t)

Damals, auf der Fahrschule, vor zehn Jahren – oder sind es jetzt schon elf? – also, damals fing es jedenfalls an. Erst mal dacht’ ich: ‚Gar nich’ drum kümmern!‘ ‚Selbstbetrug‘, dacht’ ich so, ‚der klappt ja genauso lange wie jeder andere Betrug: bis einem jemand dahinterkommt.‘

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Geschichte

Deutschstunde reloaded

Hallooo! Hier bin ich. Hier vorn. Hört ihr nicht? – Na, also. Heute gibt es mal Frontalunterricht. Ganz wie früher. Ruhe!!!

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Geschichte

Ein Wähler

Früher hab’ ich ja gepfiffen auf die Politik, jetzt scheiß’ ich drauf. Na ja, neulich, da bin ich doch noch mal wieder hingegangen zu diesem Blödsinn, und nun will niemand neben meinen AfD-Abgeordneten sitzen in dem Saal, wo die hingehören.

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Religion

Das Ärgerliche an Glücksgefühlen

Samenerguss fühlt sich im Allgemeinen schön an. Im Westen teilen Männer ab dem vierzehnten Lebensjahr ihre Lust oft mit willigen oder vergewaltigten Partner(inne)n, und sie hoffen während der Ekstase, diese angenehme Empfindung allein oder in Gesellschaft bis ins Rentenalter wiederholen zu können, immer wieder.

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Gereimtes und Ungereimtes

Auf dem Lande

Schwebt ein grauer Schmetterling über uferlose Seele. Liegt im Wald die Nachtigall, staubig, mit durchrissner Kehle.

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Wahnsinn

An den Wahnsinn

Du Gatte der Nacht aus dem Reich der Träumer, des kurzen Schlafs, des langen Todes mittleres Geschwister du. Als Nebel des Vergessens bist du mir willkommen ...

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FERNBLICK

Ich muss einfach aufhören, mir die Quoten des vergangenen TV-Abends anzusehen. Das weiß ich längst, aber ich bin süchtig danach, mir täglich meine Dosis (Vor?)Urteile reinzuziehen.

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In die Ecke gestellt

Assoziationen zu Perversionen

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Das Sterben

Eine Besonderheit des Menschen ist es zu sterben. Zwar können das auch andere Tiere, ja sogar Pflanzen, bei denen wird aber zumeist der Begriff ‚Verwelken’ angewandt.

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KALBSGULASCH

„Der Sinn des Lebens“ ist – abgesehen von Monty Python – nur den Gläubigen bewusst, nicht den Denkern. Das braucht Philosophen, Schwätzer, schweigende Mehrheiten und zu Koalitionen verurteilte Regierungen nicht davon abzuhalten, sich und ihren Kindeskindern eine atomspaltungsfreie Welt mit Maissprit aus afrikanischen und südamerikanischen Demokratien zu wünschen ...

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Auf der Couch

Ich wusste, ich brauche das nicht, obwohl ich gern unterhaltsam bin. Aber je mehr Zuhörer ich habe, desto rascher langweile ich mich. Es macht mir nun mal große Freude, mich in jeden Lauscher einzeln hineinzuversetzen, aber anders als bei Bach, übersteigen bei mir mehr als sechs Kontrapunkte mein Auffassungsvermögen.

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GERECHTIGKEIT

Bis eben habe ich sorgen- und brustfrei in der Sonne gelegen; jetzt ist sie zwischen Zypresse und Palme hinter dem Bergmassiv verschwunden. Lebte ich hundert Meter oberhalb meines Gartens in Obermais, dann könnte ich mich noch bescheinen lassen. Ungerecht.

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Religion

Was war, was ist und was wahr ist

„Allah verlangt von uns im Vers 180 der 7. Sura, dass wir Ihn mit Seinen ‚Schönsten Namen‘ (Al-Asma'u-l-husna) anrufen. Es ist daher ratsam, dass wir in unseren Bittgebeten Seine Schönsten Namen in Verbindung mit unserem Anliegen bringen.“ (Muhammad Ibn Ahmad Ibn Rassoul)

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Wahnsinn

Postwurf

Dies ist unsere herzliche E I N L A D U N G zur „Buttermilchfahrt mit Schuss“ für Greise und Frührentner unter der Schirmherrschaft von Karel Gott und dem Motto „Hauptsache, nicht normal!‟

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Alesar Issa mit „Silberne Rinke“ ausgezeichnet

Die Palästinenserin Alesar Issa hat im Mai die „Silberne Rinke“, den SprachEinsteiger-Preis 2017 der Guntram und Irene Rinke Stiftung, gewonnen.

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Fast am Ziel

Wie es weitergeht | #99

Nun hatten wir mehr Zeit in Würzburg zugebracht als geplant. Es war nicht vergeudete, sondern bereichernde Zeit gewesen. Trotzdem hatte ich zur Kenntnis zu nehmen, dass das Display des Navis uns erst fünf nach halb zwei erlaubte, in Salzhausen zu sein.

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Fast am Ziel

Die schlimme Inge | #98

Am Montagmorgen waren wir zu unserer Welterschaffung aufgebrochen, am Samstagabend würden wir zurück sein. Sonntag ist natürlich Ruhetag. Einundzwanzig Wochen lang waren wir unterwegs gewesen, wenn man den letzten Sonntag abrechnet und Hamburg als Heimathafen annimmt. Bis auf Silkes und meinen Geburtstag hätte alles an jedem x-beliebigen Tag stattfinden können. Das macht den Sinn von Planung aus: Nichts mehr ist x-beliebig!

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Fast am Ziel

Fränkische Gastlichkeit | #97

Bei Füssen mussten wir von der Autobahn, die gerade erst begonnen hatte, wieder runter. In Füssen war Rafał (wie fast überall) auch schon gewesen, und er erzählte uns, während wir dran vorbeifuhren, so gründlich davon, dass es uns fast schien, als seien wir dort selber rumgelaufen.

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Fast am Ziel

Wohnen und Sein | #96

Als wir abreisten, war der Himmel trüb, und die Blätter hingen lustlos an den Bäumen. Rafał hatte alles im Auto verstaut, bis auf das, was er vergessen hatte. Halb so schlimm. Carsten blieb mit Sally noch länger und konnte hinterherbringen, worum Rafał ihn schriftlich und mündlich bat.

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Fast am Ziel

Schwere Sprache | #95

Mario schrieb mir in meinen Blog, meine Texte seien ‚kurzweilig‘. Palaver. Kurzweilig zu schreiben kann reich und berühmt machen. Beides macht nicht unbedingt glücklich. Im Film erzählen sich die Gangster gern: „Nach diesem Coup hören wir auf. Dann liegen wir in Acapulco am Pool und Bräute im Bikini servieren Margaritas.“

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Fast am Ziel

Hunger | #94

Nach ein paar Tagen in Meran war ich konsequent genug, meinen Vorsatz über den Haufen zu werfen; auf den gehören die meisten Vorsätze sowieso. Ich hatte mir ein bisschen vorgenommen, diese unerhebliche Fahrt durch Kroatien und Italien nicht schriftlich zu verewigen, nun tat ich es doch und konnte – auch wie immer – nicht schlüssig unterscheiden, ob mein Drang mich mitzuteilen aus dem Strauch der Langeweile oder aus dem Baum des Sendungsbewusstseins ersprossen war.

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Fast am Ziel

Der Wurstverkäufer | #93

Das Einkaufen als Vorgeplänkel zum Akt war, gerade hier in Meran, meine besondere Leidenschaft. Zum Beweis führe ich den Ausschnitt meines Briefes vom 17. Juli 1992 an Pali an:

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Fast am Ziel

Wie alles sein muss | #92

Erst einmal waren wir zwei Wochen lang ganz unter uns. Dann kam Helga, und als Helga abreiste, kam Susi. Rafałs Mann Carsten kam auch, mit Hund. Besuch habe ich gern, besonders, wenn er nicht neben mir im Zimmer schläft, sondern nebenan bei Silke oder im Stockwerk über mir.

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Fast am Ziel

Gefangen im Eigenen | #91

Wenn ich früher irgendwo ankam, wollte ich mich dort ausleben. Heute muss ich mich an meinem Bestimmungsort einleben. Zu Hause fällt das natürlich am leichtesten. Natürlich? Nach Rolands Tod fühlte ich mich jahrelang in jedem Hotel zwischen Oslo und Toronto vom Lächeln an der Rezeption gemeinter als von den stummen Wänden meiner Wohnung nahe der Elbe.

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Fast am Ziel

Versteckte Apostel | #90

Gegen eins hatten wir die Po-Ebene durchmessen, und ich dachte: „Bestimmt sind wir schon vor halb zwei bei den ‚Zwölf Aposteln‘“, was aber in einem Lokal nicht besonders schlimm ist, auch wenn ich denke, dass die Kellner einen dafür verachten. Aufsehenerregende Persönlichkeiten erscheinen prinzipiell zu spät.

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Fast am Ziel

Nichts über Genua | #89

Die Abreise war unkompliziert. Von sieben bis zehn Uhr werden in Portofino die Pfeiler weggeklappt, dann dürfen Berechtigte die Gasse herunterfahren bis auf die Piazza, und wer ist in einem Touristen-Eldorado berechtigter als der Hotelgast?

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Fast am Ziel

‚Ö‘ | #88

Unser nächstes Ziel war Portofino. Meistens kam ich von Norden, aus der Schweiz, und wenn Portofino erreicht war, dann waren wir so sehr in Italien, dass wir eigentlich für den Rest des Urlaubs hätten bleiben können. Romantischer ging es nicht.

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Fast am Ziel

In Schieflage | #87

Als das Schild Pisa ankündigte, wagte ich eine der wenigen Abweichungen vom Plan: Da Pisa so ganz direkt am Wege lag, sollte es auch besichtigt werden. Ich habe Pisa nie gemocht; es war schon immer fast so touristenlastig wie die Piazza San Marco, aber wann jemals würde sich die Gelegenheit bieten, diese Sehenswürdigkeit nochmal abzuhaken?

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Fast am Ziel

Eine Fata Morgana endet im Golfclub | #86

Sehr gut. Endlich wieder beim Aufwachen wissen: Heute Abend werde in diesem Bett zumindest nicht ich einschlafen! Ich bin weg. Endlich wieder. Ja, ‚unterwegs‘ muss jeder Tag durchwebt sein mit Neuem, wie ein Bratenstück, das ungespickt zu trocken aus dem Ofen käme.

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Fast am Ziel

Alles sehen wollen | #85

Silke und Rafał kamen betreten zurück. Verfallene und leerstehende Häuser bezeugten, dass pittoreskes Aussehen vielleicht für einen knappen Besuch reicht, aber nicht für ein Leben in der Einöde. Rafał war trotzdem bereichert: T-Shirts gibt es überall in Italien, wie Kirchen und Kastelle.

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Fast am Ziel

Überwiegend Martha | #84

In den Siebzigerjahren interessierte ich mich sehr für meine Herkunft, und so besitze ich alle Aussagen von Guntram, Hasso und Irene auf Tonband und brauche nichts hinzuzudichten: Ich habe mir ihre Worte so oft angehört, dass ich sie auswendig kenne.

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Fast am Ziel

Überwiegend Irena | #83

Nach der Scheidung zog Vicky mit ihren Töchtern hoffnungsvoll nach Düsseldorf zu Hasso. Jede Nacht, so zwischen zwei und drei, klingelte das Telefon, und Hasso machte sich auf den Weg zu Carola.

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Fast am Ziel

Nachkriegssünden | #82

Zu der Zeit, als ich 1947 beim thüringischen Bahnwärter ausgelagert lag, war Pucki schon einem smarten Australier, der ihr das Blaue vom Himmel dort unten versprochen hatte, in seine Heimat gefolgt. Da war es dann allerdings doch nicht so nobel. Pucki musste dort zu ihrem Entsetzen hinter der Theke Hot Dogs verkaufen, behauptete Guntram.

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Fast am Ziel

Die Rinkes | #81

Mein väterlicher Großvater Reinhold war in Tarnowitz in Oberschlesien geboren worden und heiratete die Essener Bierbrauertochter Maria, die zwar im Ruhrgebiet aufgewachsen war, sich aber gern als Rheinländerin bezeichnete. Sie ist, so oder so, das Westlichste, was mein Stammbaum hergibt.

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Fast am Ziel

Ein Ausflug in Vergangenheit und Gegend | #80

Die Ebene mündete in einen Berghang, andere Möglichkeiten hatte sie ja nicht, das Meer war zu weit weg. Eine drollige Vorstellung, dass Landschaften einen Charakter hätten, nicht wie im Reiseführer beschrieben, heroisch oder lieblich oder unwirtlich, sondern wirklich launisch oder leutselig oder eitel.

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Fast am Ziel

Was mich am Sport begeistert | #79

Ach nee! Das Wetter war schlecht und machte so meinen Plan zunichte, im Liegestuhl ausgestreckt, abwechselnd die ‚Weltgeschichte to go‘ und die Umherwandelnden zu verfolgen: mit neidischem Blick, aber entspannter Seele. Da musste ich mir stattdessen etwas Raffinierteres ausdenken und tat das auch: ein Ausflug nach Pitigliano.

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Fast am Ziel

Außen kross und innen blutig | #78

Das Faustische habe ich immer in mir zu entdecken versucht und dachte meist: Armer Mephisto, an mir hättest du dir die Zähne ausgebissen. In Wahrheit hätte Mephisto seinen Spaß an mir gehabt: Wie oft habe ich für einen durchgeknallten Augenblick alles riskiert! Aber bis auf den heftigen Schlaganfall ist mir nie etwas Schlimmes passiert, immer nur den anderen.

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Fast am Ziel

Die Natur | #77

Die beiden letzten unserer achtundzwanzig Reisetage, die der reinen Entspannung dienen sollten, lagen vor uns, und bis zum Abend des ersten Tages wussten wir nicht, dass es sogar der allerletzte sein würde ...

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Fast am Ziel

Margherita heiratet schon wieder | #76

Auch bei unserem knappen Mittagsmahl setzte sich Silke wohltuend von den Bademäntlern ab, obwohl sie sich nicht hatte umziehen können, sondern noch Reisekleidung trug, während ich bereits die Annehmlichkeiten eines eigenen Hotelzimmers hatte auskosten dürfen. Bademäntel am Esstisch findet Silke rücksichtslos gegenüber Gästen in Rock und Bluse und in einem Hotel dieser Kategorie eigentlich nicht hinnehmbar. Seh ich ein. Aus der langgestreckten ‚piscina‘ drangen würzige Schwaden an unseren Tisch, beeinträchtigten aber den Geschmack der Speisen kaum. Nach wenigen Minuten nimmt man den Schwefel wie eine Zutat wahr, ohne die der Luftstrom fade röche, jedenfalls mir geht es so.

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Religion

Ostern, hasenlos

Immer wieder höre ich vom Glauben abgefallene Menschen sagen: „Gott hat Auschwitz zugelassen!“, „Gott hat das Elend der Flüchtlinge nicht verhindert!“, „Gott hat das Wetter so schlecht gemacht, dass ich die Eier drinnen verstecken musste, nun glaube ich nicht mehr an ihn.“ – Warum nicht? Um Gott zu bestrafen? Dass das kein ‚Lieber Gott‘ ist, mit dem wir es zu tun haben, wissen wir doch spätestens seit der Sintflut.

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Fast am Ziel

Aus dem Krater | #75

Der Weg zum Ziel führt über einen Bergkamm in das dünn besiedelte Tal der Albegna. Dort steigt aus einem Krater etwas auf, das mit dem Wort ‚Wasser‘ ziemlich freundlich beschrieben ist. Es stinkt und brodelt, 500 Liter pro Sekunde. Aber es kommt nicht aus der Hölle, sondern ganz unschuldig aus dem Himmel: Regenwasser vom Monte Amiata.

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Fast am Ziel

Der schöne Wahn | #74

Rafał war noch immer tief geknickt wegen der unscheinbaren kleinen Beule in unserem herrschaftlich großen Auto, und ich wog ab, während er meinen unrettbar siechenden Leib balsamierte, ob es ihn trösten würde, wenn ich ihm „Ist doch nicht so schlimm!“ sagte.

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Fast am Ziel

Rohrschneider mit Schneidrädchen | #73

Den Nachmittag verbrachte ich wie den Vormittag auf meiner Terrasse und sah der Sonne dabei zu, wie sie ihre seit Millionen von Jahren festgelegte Bahn zurücklegte; sie wurde angebetet, verehrt und verflucht und ist doch nichts als ein Stern.

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Fast am Ziel

Die Steigerung der Steigerung | #72

Ich könnte doch auch einfach nur glücklich sein. Der größte Teil meines Lebens liegt hinter mir, und es sind ‚unterwegs‘ nur zwei richtig schlimme Dinge passiert. Dass Menschen, die über achtzig sind, sterben, muss man hinnehmen.

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Fast am Ziel

Eine Frage der Perspektive | #71

1982 hatte Roland sein Jura-Studium genauso an den Nagel gehängt, wie ich meins schon viel früher geschmissen hatte. Nachdem wir im Mai auf Mykonos gewesen waren, hatte er seine Praxis eröffnet.

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Fast am Ziel

Ein Triumph | #70

Als ich erst meine Augen öffnete und dann auch die Gardinen, sah ich, die Welt war wieder im Lot: blauer Himmel. Die beiden Balkone meiner Luxus-Suite boten darüber hinaus einen besonderen Komfort: Ich hatte Anschluss an die Öffentlichkeit. Gleich unter meiner Balustrade wurde geräuschvoll gefrühstückt.

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Fast am Ziel

Gerechtigkeit für alle | #69

Den Nachmittag verbrachte ich in meinen weißen Räumen, wo sonst? WLAN klappte wie fast überall erst nach allen möglichen Manipulationen. Einfach Kennwort eingeben und loslegen, das geht ganz selten mal – entweder mein PC ist zu alt oder ich bin es.

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Fast am Ziel

Überwältigt am Ende der Welt | #68

Die Abreise aus Rom verlief unproblematisch. Meiner Kreditkarte wurde vertraut, Giuseppe wurde verabschiedet, das Gepäck lustlos, aber verlustlos verstaut und der Wagen unbeschädigt aus der Parkgarage verbracht. Auf der Ausfallstraße vermutete ich erleichtert, dass ich dem Schicksal wohl ein Schnippchen geschlagen hatte. Ganz sicher kann man da ja nie sein.

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Fast am Ziel

Abend der Gaukler | #67

In der Nachmittagssonne auf der Terrasse sitzen und alles an sich vorbeirauschen lassen: das, was man unterlassen hat, und das, was man getan hat. Mein Hirn ist das Kanu, an dem im Blut alles vorbeischnellt: das Erreichte und das Versäumte.

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Fast am Ziel

Roter Teppich | #66

Viel eher als von mir erwartet kamen Silke und Rafał an unseren Tisch. Engelsburg und Vatikan lagen hinter ihnen, die Getränkekarte lag vor ihnen. Erstaunlich: Manche Besucher brauchen mehrere Tage, um sich Roms bekannteste Attraktionen anzueignen, manche Schaulustige nur den Reiseführer, besonders, wenn er hübsch ist.

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Fast am Ziel

Die Stadt und ich | #65

Dass, wenn ich ins Bett gehe, Rafał das noch lange nicht tut, weiß ich. Ich spüre das Laken unter mir und horche in mich hinein, um zu stöbern, ob ich da wohl in einer unaufgeräumten Ecke ein Quäntchen Neid entdecke, aber ich fördere höchstens etwas Nostalgie, na ja, nicht zutage, aber in die Nacht. Damals, als ich ... wie ich da ..., oh Gott, und dann ... so viele Enttäuschungen, so viele Siege. Nichts hat mich nachhaltig verwundet, nichts hat mich nachhaltig geheilt.

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Fast am Ziel

Eintracht bei Otello | #64

Die Sonne war höflich genug, etwas zu sinken; die Minibar gab ein Gin- und ein Tonic-Fläschchen frei, und ich blätterte im ‚Spiegel‘ vom Allgemeinen ins Besondere.

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Fast am Ziel

Wie Schweinejauche prima abläuft | #63

Um eins hatten die Pferde uns wieder beim Hotel ‚Condotti‛ abgeliefert. Nun sollte es eine knappe Rast in der Nähe geben.

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Fast am Ziel

Cowboys, Kaiser, Zwillinge und Gänse | #62

Am meisten freute sich Rafał auf das Pantheon. Wir wälzten uns hinein und wieder hinaus. Wir waren da gewesen, einschließlich Selfie, also verbrieft.

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Fast am Ziel

Die Würde der anderen | #61

Aufwachen und wissen: Ich bin in Rom! Gleich fühlte ich mich, als hätte ich das Schicksal, das diese Begegnung gar nicht mehr für mich vorgesehen hatte, draufgängerisch überlistet. Aufwachen und wissen: Ich bin nicht allein. Zwischen 1975 und 1990 bin ich zu Hause nie allein aufgewacht (unterwegs ziemlich oft auch nicht). Inzwischen kann ich mich gar nicht mehr erinnern, wann ich wohl zuletzt im selben Zimmer mit jemandem geschlafen habe.

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Fast am Ziel

Caffè Greco | #60

Zu leben, das stellt keinen Wert an sich dar. Da sein zu dürfen, bedeutet oft nur, da sein zu müssen. Die Religionen verlangen immer Dankbarkeit für diesen Zustand. Ich wäre so gern abgetrieben worden! Na ja, zu spät, stattdessen war jetzt der letzte Tagesordnungspunkt für heute dran: das ‚Caffè Greco‘.

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Marsch auf Rom | #59

Eine Stunde später begannen wir unseren ‚Marsch auf Rom‘. Er verlief etwas geordneter als der Einzug in Neapel, zumal das Navi uns ohne Federlesens zum eingegebenen Parkhaus führte. Kaum waren wir am Colosseum, da erkannte ich jede Straße wieder. Wieso auch nicht? Oft genug war ich hier gewesen, und die Palazzi sind keinen Wolkenkratzern gewichen.

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Benedikt, ohne Eier | #58

Als Rafał ‚Montecassino‘ auf dem ‚Uscita-Schild‘ las, sagte er: „Das haben Polen erobert“, und riskierte einen Blick nach rechts in die Berge. Dass er so etwas weiß!

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Noch mehr über Teresa | #57

Zeit, wieder in den August 2016 zurückzukehren: Rafał verließ die Autostrada und uns das Glück. Über Schlaglöcher und Schienen holperten wir in die Hauptstadt der Campagna ein: ‚Vedi Napoli e poi muori‘.

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Die Hände im Schoß, die Füße im Becken | #56

Unsere Anlaufstelle in Rom war das Hotel ‚Condotti‘. Bereits 1967 traute ich mich ins ‚Spundloch‘, nie solo, aber in ‚Damenbegleitung‘ und sogar mit Harald. Allein hätte ich nicht gewagt, die Stufen zu diesem Etablissement herabzusteigen, denn da verkehrten Männer, die mit Männern verkehrten ...

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Alles über Teresa | #55

Alles ist – bis zu einem gewissen Grade – rückwärtsgerichtet; denn die Mittel, die man nutzt, um etwas darzustellen, hat man in der Vergangenheit erlernt. Ohne Bezüge zu dem, was war, kann man nicht einmal einen Science-Fiction-Film drehen. Diese anfechtbare Überlegung dient mir immer dazu, nach bestem Wissen und mit nicht allzu schlechtem Gewissen hemmungslos in die Vergangenheit abzutauchen.

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Sturm und Drang und Einbahnstraßen | #54

‚Weggehen oder Bleiben‘, das ist das eine: aktiv oder passiv. Das andere ist ‚Eintreffen oder Weggehen‘, beides aktiv. Unser Deutschlehrer Herr Wiechers war die Verkörperung von ‚Sturm und Drang‘. Er war es, der mich nach den Pauker-Attrappen der Mittelstufe feurig durchs Abitur ritt.

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Häppchenweise erwachsen | #53

Zum Leidwesen meiner Mutter entdeckte ich nach unserer Rückkehr in Hamburg, dass es noch sehr viele Männer gab, die ich noch nicht kennengelernt hatte. Schon auf Palis und meiner gemeinsamen Geburtstagsfeier Ende Juni wurde mir das bewusst.

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„In solchen Kreisen“ | #52

Sorrent ist schon im 8. Jahrhundert vor Christus von den Phöniziern gegründet worden und war bereits 200 Jahre vor ihm Sommersitz römischer Aristokraten. Davon sahen wir nicht so viel. Wir sahen vor allem Menschen und Autos, aber keine Parkplätze. Rafałs übliche Chuzpe nutzte auch nichts.

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Singende Sirenen | #51

Heute ist der erste Tag des Monats und gleichzeitig der erste Tag der Woche. Das befriedigt meinen Ordnungssinn. Es wäre doch wunderbar, wenn alle Monate 28 Tage hätten.

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Kugelstoßerin im Hosenrock | #50

Dass alles einfach sein soll, ist ein verständlicher Wunsch. Reisen ohne Grenzkontrollen und ohne unterschiedliche Währungen ist angenehm und spart Zeit.

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Champagner-Muffel | #49

Haltlos fuhren wir dieses Mal an Avelino vorbei; Silke döste, Rafał achtete auf den Abzweiger nach Salerno, und ich behielt meine Erinnerungen für mich, zumal die Gegenwart genug zu bieten hatte: Wenn wir die Autobahn erst verlassen würden, wären Rafałs Fahrkünste gefragt.

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Geschmacklosigkeiten mit weißen Handschuhen | #48

Am Wochenende zuvor war Roland mit Karin in eine Wohnung in Steglitz gezogen, und er nahm mir, oder vielleicht auch Karajan, mit Recht übel, dass wir uns nicht eine Woche früher kennengelernt hatten: Dann hätte er sich diesen Umzug sparen können, denn Ende Januar zog er zu mir nach Hamburg. Es war ja tatsächlich – ‚Liebe‘ ist so ein Wort ... – Besessenheit oder Besitzenwollen auf den ersten Blick gewesen, bei mir jedenfalls.

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Ein Abend verändert mein Leben | #47

Friedrich II. scheiterte mit dem Versuch, seine universelle Kaiseridee zu verwirklichen, an den norditalienischen Städten und am Papst. Aber durch seine Forderung nach einer von der Kirche unabhängigen Staatsgewalt war er ein Wegbereiter der modernen Monarchien in Europa.

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Spinnen Moslems, Juden und Christen? | #46

Ein Tag Pause, das musste reichen. ‚Unterwegs sein‘ heißt, unterwegs zu sein und nicht, sich an einen Ort zu binden wie an einen Marterpfahl.

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Frechheit um halb zehn | #45

Wir fuhren durch völlige Finsternis, umso erleuchteter war der Ort. Ganz Apulien schien sich an Buden vorbei dem Mark entgegenzuschieben, dementsprechend gesperrt war alles, was uns den rechten Weg gewiesen hätte.

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Maßnahmen | #44

Das Leben. Man darf sich nicht nur auf die pralle Mitte konzentrieren, sondern man muss sich mit den ausfransenden Rändern beschäftigen: die gesunde Abtreibung und den wünschenswerten Tod. Jede Schwangere muss, reine Routine, auf das Planungsamt gehen und unterschreiben, dass sie das Kind will.

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Nein, nein | #43

Ein Tag, der der Entspannung dienen sollte, was er bis zum Abend auch tat. Wir schlugen unser Hauptquartier am Pool auf; Silke aalte sich im grellen Licht: Ihr Ehrgeiz verlangt nach gleichmäßiger Bräunung sämtlicher Seiten, die sie hat.

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Steuerbetrug, mal anders | #42

Schon im Hamburger Winter hatte sich herausgestellt, dass es das Hotel ‚Grotta Palazzese‛ nicht mehr gab. Silke, rührig wie immer, hatte einen Ersatz-Vorschlag, der mir gefiel, und so befanden wir uns also am Donnerstagmorgen gegen halb zehn erst auf dem Weg zu und dann auf der Suche nach dem Hotel ‚Borgobianco‛.

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Du Spiegel der göttlichen Heiligkeit | #41

1967 ließ ich Sizilien weg und machte ansonsten die Reise noch einmal mit Harald und Hans-Dieter im farblosen VW Käfer meiner fahrscheuen Mutter. Wir drei waren zusammen in derselben Abitur-Klasse gewesen, vorher auf Klassenreise in der Würzburger Residenz und als Rokoko-Figuren im Park von Veitshöchheim.

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Handkuss | #40

Irene hatte inzwischen Erika kennengelernt, bei ‚Horn‛ am Kurfürstendamm. Damals war ‚Horn‛ das prominenteste Modehaus Berlins, und Erika war dort Empfangsdame.

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Wallende Gewänder | #39

Obwohl – oder weil? – ich Einzelkind war, waren meine Eltern nicht das, was man heute ‚Helikopter-Eltern‘ nennt. Ich durfte alles, und Überwachung per Smartphone gab es ja sowieso nicht.

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Pfahl im Fleisch | #38

Bari: Ganz extrem bildungsferne Leser mögen jetzt womöglich denken, wir hätten inzwischen österreichisches Fahrwasser verlassen.

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Aus der Keule geschnitten | #37

Wenn alles schön ist, gibt es nichts zu berichten. Katastrophen sind dagegen fast immer erzählenswert. Der Mittwoch war so ein Tag dazwischen: nichts los, aber trotzdem unbefriedigend. Grund: Um elf Uhr vormittags mussten wir aus unseren Zimmern, um zehn Uhr abends sollte unsere Fähre ablegen.

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Wunderschön und völlig anders | #36

Den Nachmittag verbrachte ich in meinen Gemächern. Das ist Luxus: Die Sonne scheint, aber man braucht nicht rauszugehen. Für solch ein Verhalten wurde ich früher ‚Stubenhocker‘ genannt.

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Benedikts Eier | #35

Gegen viertel nach neun klopft Rafał immer an meine Hotelzimmertür. So hat es sich eingebürgert. Um 9.16 Uhr werde ich unruhig, wenn er noch nicht geklopft hat. Um 9.17 Uhr wehre ich eine Panikatacke ab, und 9.19 Uhr ist es noch nie geworden.

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Die Vermeidung beider Weltkriege | #34

Für die bosnischen Grenzbeamten war natürlich Rafałs polnischer Pass erregender als Silkes und mein langweiliger deutscher, aber viel Aufhebens machten sie trotzdem nicht. Das Ganze ist ohnehin lächerlich, auch wenn die bosnischen Zöllner nicht lächelten, um ihre Bedeutsamkeit nicht infrage zu stellen.

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Ich stürze Rechte! | #33

Rührend! Silke und Rafał wollten mir so viel wie möglich von Zadar zeigen. Zugegeben, ‚Besichtigung‘ hatte ich wirklich in die Vormittagsplanung geschrieben, aber wir kamen trotz Rafałs Unverfrorenheit von keiner Seite mit dem Auto an die geschlechtliche Mitte des Körpers heran, der Zadar früher mal war.

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Alle wollen Zadar | #32

Eigentlich hatte ich am Sonntag im ‚Boutique Hotel Alhambra‘ eintreffen und am Montag wieder abreisen wollen. Mit einer Woche dazwischen. Dann fand ich aber Sonntag bis Sonntag formal befriedigend genug. Es war ohnehin der längste Aufenthalt der Reise, die einzig geplante Neuentdeckung, und es war gut, dass es so gut gewesen war.

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Hirn contra Schleimhaut | #31

Gegen 20 Uhr nehmen wir unsere Plätze auf der Terrasse ein und bei Harfenmusik unseren Aperitif. An unseren Dinner-Tisch begeben wir uns erst, wenn es ringsherum schon genügend Menschen gibt, deren Aufmerksamkeit wir erregen können. An schwachen Abenden sind das bloß die Kellner. Dafür ist das Risotto mit Foie gras unschlagbar.

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Die Endlosigkeit des ewigen Augenblicks | #30

Am Samstag ließen wir uns vom Hotel-Minibus den gesperrten Weg auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht zur ‚Lanterna‘ fahren. Der Name hat wohl nichts mit Beleuchtung zu tun.

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Höhepunkte und Amokläufe | #29

Wir hatten es einfach schön, was am Anfang des Unterwegsseins immer Probleme aufwirft: Wird der Rest der Reise ein Abstieg werden, ein Niedergang? Höhepunkte habe ich immer angestrebt und vermieden.

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Lautlos | #28

Was macht man, wenn es nichts zu sagen gibt? Man schweigt. Ich doch nicht! Und eigentlich niemand: Wenn alles überflüssige Gerede in den Hälsen der Sprecher stecken bliebe, herrschte eine wundervolle Ruhe, schon deshalb, weil die Menschheit erstickt wäre. Kein Palaver.

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Am Ziel, am Start | #27

Wir überquerten eine handtuchschmale Brücke, höchstens sechs Meter, dann waren wir auf der nächsten Insel: Lošinj, da wollten wir nun bleiben, ursprünglich eine Woche und dann wieder zurück, aber den siebten Tag, auch noch den Sonntag, an dem Gott ruht, hatte ich abgeknapst, um drei zusätzliche Wochen dranzuhängen, die alle Orte am Mittelmeer, die mir mal etwas bedeutet hatten, zu vereinen. Ein kühner Plan? Ein bescheuerter Plan? – Ein Plan!

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