Wahnsinn

In dieser Rubrik befindet sich alles, was mein kapriziöses Hirn so zwischen Tiefsinn und Schwachsinn ausbrütet.

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Der Zahnarzt

Ich bin Zahnarzt. Morgens um fünf stehe ich auf, mache die Schularbeiten für meinen Jungen, verprügle meine Frau, vergewaltige mein Mädchen, stille den Zwitter und bereite das Frühstück für den Hund zu. Im Allgemeinen will er zwei Eier im Glas und Vollkornbrot, aber sonntags isst er auch schon mal Fischstäbchen. Gegen viertel nach fünf verlasse ich das Haus und fahre auf meinem Dreirad zum Großmarkt, um Obst und Gemüse einzukaufen. Ich betreibe nämlich nebenher noch ein Blumengeschäft, das sich im Penthouse des Bungalows befindet, in dem ich meine Praxis habe.

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KRIMINALITÄT

In unserem Viertel – das kann Ihnen die Polizei bestätigen – wird leider besonders viel eingebrochen. Meist sind es Kinder, jünger als vierzehn, die noch nicht strafmündig sind und gleich wieder freikommen, wenn sie erwischt worden sind. Genau deshalb sind sie ja auch von ihren Eltern losgeschickt worden. Die Anwohner sind aufgebracht, und die Polizisten fühlen sich wie Idioten, denen man Aufgaben stellt, an deren Erfüllung niemand interessiert ist. Es muss sein, als hätte man jahrelang eine Mauer bewacht, die dann abgerissen wurde.

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Verkehr(t)

Damals, auf der Fahrschule, vor zehn Jahren – oder sind es jetzt schon elf? – also, damals fing es jedenfalls an. Erst mal dacht’ ich: ‚Gar nich’ drum kümmern!‘ ‚Selbstbetrug‘, dacht’ ich so, ‚der klappt ja genauso lange wie jeder andere Betrug: bis einem jemand dahinterkommt.‘

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An den Wahnsinn

Du Gatte der Nacht aus dem Reich der Träumer, des kurzen Schlafs, des langen Todes mittleres Geschwister du. Als Nebel des Vergessens bist du mir willkommen ...

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Postwurf

Dies ist unsere herzliche E I N L A D U N G zur „Buttermilchfahrt mit Schuss“ für Greise und Frührentner unter der Schirmherrschaft von Karel Gott und dem Motto „Hauptsache, nicht normal!‟

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Pfingstmoral

Ugu hätte so gern mal einen Orgasmus gehabt. Seine Bekannten schwärmten, das sei wirklich nett. Er probierte es mit Frauen, Männern, Tieren. Klappte nicht. Ugu versuchte, sich damit zu trösten, dass die meisten Frauen bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts während ihrer ganzen Ehe kaum je Orgasmen hatten, und außerehelich war verpönt damals. Beschnittene Afrikanerinnen sind noch mieser dran. Trotzdem fand er es schade.

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Mandat

Sehr geehrter Herr Anwalt! Eigentlich bin ich nicht eigen. Sollte es so etwas wie den personifizierten Durchschnitt geben, dann bin das ich. Eine Kleinigkeit vielleicht, im Grunde kaum erwähnenswert: Ich kann nur in Räumen leben, in denen es nach sehr, sehr altem Fisch duftet.

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Mein Sohn?

Morjens um halb siebn jeh ick rinne bei dem. Erst ma reiß ick dem die Bettdecke wech, und dann zieh ick ihm orndlich bei die Haare. Da wird der noch am ehesten munter. Anders spurn die ja heut nich mehr. Ick bin ebend „alleinerziehend“, wie man so schön saacht.

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Meine Gabi

Meine Gabi ist mein Ein und Alles. Jeden Morgen darf Gabi aus dem Käfig, und dann gehe ich Gassi mit ihr. Viele meiner Bekannten sagen ja, ich solle sie doch ruhig die ganze Zeit im Käfig lassen, aber das fällt mir nicht im Traum ein, doch nicht meine Gabi!

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Orchideenlecker

Natürlich ist das kein Beruf, und das gezierte Wort ‚Neigung’ wäre sicher auch nicht der richtige Ausdruck. ‚Hobby’ womöglich noch – diese abtötende Bezeichnung, die alles, dem solch ein Etikett aufgeklebt wird, unerheblich macht. – Nichts von dem: Es ist eine Perversion, ich stehe dazu, dass es eine Perversion ist, und ich habe mein Leben meiner Perversion geweiht. Müßige Frage, ob ich, wenn mir ein bewundernswerter Mensch oder eine bewundernswerte Idee je untergekommen wären, mein Leben in einen anderen Dienst hätte stellen können – es ist eben, wie es ist.

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Die drei Schwestern

(Frei nach Grimm) Es waren einmal drei Schwestern, die hießen Trübsal, Rinnsal und Ballsaal. Trübsal blies den ganzen Tag, Rinnsal weinte den ganzen Tag und Ballsaal tanzte den ganzen Tag. "Ihr närrischen Dinger", sprach die praktische Stiefmutter eines Tages, "ich bin es leid, euch dauernd blasen, weinen und tanzen zu sehen. Geht hinaus in die Welt und werdet was Anständiges!"

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Die Präsidentengattin

Gwendolina Smith war zufrieden mit sich: Sie hatte heute keinen Cent ausgegeben. Das Essen hatte sie von den Resten des Vortages gekocht, die Abtreibung hatte sie selbst mit einem Löffel vorgenommen, und zu ihrer kranken Tante war sie zu Fuß gelaufen, um das Geld für die Kutsche zu sparen.

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