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Gereimtes und Ungereimtes

Ein Herbstgedicht

EIN HERBSTGEDICHT

Bunt tropft,
versickert im Geraschel,
tiefbrauner Duft
Einmütigkeit.
Still ruht das Land,
stumm schweigt im Blau die Wolke,
Gold schwimmt in Purpur,
Gräser rosten –
Zeit,
wie sie sich dehnt, in schweren Farben tröstet!
Herb-bittrer Honig tränt aus rauem Stamm,
verflossene Konturen, rot gesprenkelt;
Spuren verwischen, Gliederung zerfällt.
Erde wird spürbar,
weiniger Geschmack,
Vollendung,
Hagebutten warten;
bewusste Reife,
demutstolze Klarheit. –
Ich friere nicht, mich wärmt Erinnerung,
Vergangenheit, die Zukunft ist.
Herbst für die Jungen, Frühling für die Alten,
dieselbe Mahnung, anders formuliert. –
Ich friere nicht, warm sind Erinnerungen …
Papierne Sonne, lebe wohl!

(1966)

Foto: Johannes Plenio/Unsplash | Titelillustration mit Material von Shutterstock: Yarikart, ifong

18 Kommentare zu “Ein Herbstgedicht

  1. Der Herbst mit seinem goldenen Laub ist tatsächlich meine Lieblingszeit. Zumindest solange es noch nicht so richtig grau und regnerisch geworden ist.

      1. Ja: wieder Mittwoch, Freitag, Sonntag. Erst noch ein paar Gedichte, danach eine längere Erzählung, und dann ist auch der Reisbericht fertig, an dem ich gerade sitze.

  2. Vergangenheit die Zukunft ist – in wahrscheinlich sehr anders gemeintem Sinne erinnert mich das sehr an die aktuelle Thüringen-Wahl. Mich gruselt es ein wenig.

    1. Man kann die Ergebnisse wirklich nicht mehr als Protestwahl entschuldigen. Wer rechts wählt tut dies vollkommen bewusst. Man muss das als Fakt akzeptieren und versuchen entsprechend gegen diese ungemütlichen Tendenzen anzugehen.

      1. Das Problem zu erkennen ist jedenfalls ein erster wichtiger Schritt. Bisher wurde ja nicht mal wirklich bemerkt, dass es immer noch / oder wieder ein Problem mit Fremdenhass in Deutschland gibt.

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