Regen in der Wüste

#19 | Mittlere Reife

„Guten Abend! Es fällt mir nicht ganz leicht, offen zu sprechen.“ „Das ist ganz normal. Lassen Sie sich Zeit!“ „Wir haben große Sorgen wegen unseres Sohnes, meine Frau und ich.“ „Wie alt ist Ihr Sohn?“ „Achtzehn, er wird dieses Jahr neunzehn. Aber der Junge ist uns völlig über den Kopf gewachsen, in jeder Beziehung. Vorige Woche ist er – ja, wie soll ich das nennen? – weggelaufen. Ausgezogen.“

weiterlesen
24 Kommentare
>
Regen in der Wüste

#18 | Tote Vögel

Sie lag im Bett und sah abwechselnd auf die Uhr und aufs Telefon. Fünf nach elf. – Was ich besonders an ihm geschätzt habe, war seine Pünktlichkeit. – Sie ließ sich den Satz noch einmal durch den Kopf gehen und erschrak. Bin ich jetzt völlig übergeschnappt?

weiterlesen
33 Kommentare
>
Regen in der Wüste

#17 | Mücken

„Einen Juden gleich nach dem Krieg zu heiraten, das war nach all dem Entsetzlichen ganz ungewöhnlich, na ja, schon deshalb, weil es kaum noch Juden gab.“ Sie lächelte schwach, Adelheid sah mit angespanntem Gesicht geradeaus, in den Wind und in den Sinn ihrer Worte. „Jetzt, rückblickend, frage ich mich, ob noch etwas anderes als Liebe mit im Spiel war.

weiterlesen
35 Kommentare
>
Regen in der Wüste

#16 | Am Deich

Sie nahm das Telefon und wählte. „Adelheid, es tut mir leid. Ich fühl’ mich überhaupt nicht wohl. Ich kann’ heute Abend leider nicht mitkommen ins Theater.“ „Ach, nicht so schlimm. Etwas mit dem Magen. Wenn es ein kurzes Stück wäre, würde ich auch gehen. Aber bis elf im Parkett sitzen, das halt’ ich, glaub’ ich, in meinem Zustand nicht durch.“

weiterlesen
42 Kommentare
Zum Blog
newsletter promo

Haben Sie Freude an meiner Vergangenheitsbewältigung? Dann gefällt Ihnen womöglich auch, was mich in der Gegenwart beschäftigt. Zu der äußere ich mich sonntags. Am Sonntagabend stehen immer drei neue Beiträge von mir im Netz. Dieses literarische Kleeblatt kröne ich gern mit Aktuellem. Meinen Neubrief können Sie abonnieren. Er nennt sich: ‚Newsletter‘.


Hanno Rinke

newsletter

werke

Nazarener

Ein Jahr lang ging ich jeden Abend aus meinem Büro in die Staatsbibliothek und studierte das Leben.

weiterlesen

Niemals und auch dann nicht

Mein damals bester Freund Pali bekam dieses Buch von mir zu seinem 50. Geburtstag.

weiterlesen

Die Zeit der Ringelblumen ist vorbei

Die vier Erzählungen schrieb ich in Andalusien, das auch Schauplatz der dritten Geschichte ist.

weiterlesen

Briefe 1991 bis 2016

Natürlich ging mein Leben 1991 weiter, und so gibt es nicht nur Briefe ab 1958, sondern auch bis 2016.

weiterlesen

Ein L läuft los

Ich wollte mal etwas für Kinder schreiben. Meine Freundin Heidi hat mit der Illustrierung begonnen.

weiterlesen

Ich friere

Mein letzter Roman und mein umfangreichster.

weiterlesen

Fast am Ziel – 99 Umwege

Es gibt einen Intelligenztest: Futter liegt hinter einer kurzen Glaswand. Die meisten Tiere stoßen mit der Schnauze immer wieder gegen die Wand, statt um sie herum zu laufen. Nur wenige Arten erkennen, dass sie sich entfernen müssen, um ihr Ziel zu erreichen. Einsichtiges Verhalten setzt die Fähigkeit voraus, in ungewohnten Situationen durch Umwege zum Erfolg zu kommen. Wer die kerzengerade Strecke sucht, wer in Gedanken und Gefühlen Abschweifungen sieht, wer Erinnerungen als Ballast empfindet, der sollte einen anderen Reiseführer wählen. Hier läuft das so: Der Weg ist die Richtung. Der Umweg ist das Ziel.

weiterlesen