HANNO RINKE BLOG

Europa im Kopf Triple-Edinburgher mit Ketchup Fast am Ziel Frühling in Florenz
Leben lernen / Ein Versuch Winterreise (mit Sommern)Atlantische Turbulenzen

Das Flammenschwert

#6 Der Druck im Innern

An diesem schwülen Sommermittag waren wir beeindruckt. Heute weiß ich, dass Tante Stine nicht recht hatte: Die Zunge ist keine Strafe Gottes, sie ist auch nicht die gespaltene Waffe der Schlange – die Zunge ist ja bloß das Ausscheidungsorgan des Hirns, das seine Gedanken loswerden muss.

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Das Flammenschwert

#5 Glitzernde Bögen

Der altgediente Briefträger kam mit seinem Fahrrad angeschoben. Er nickte mürrisch, es war deutlich zu sehen, daß er Tante Stine nicht mochte. Dafür gab es sicher reichlich Gründe, einer davon war vermutlich ihr ungestümer Garten, ein anderer, daß er bloß ihretwegen den Umweg von der Straße her machen mußte.

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#4 In die Nesseln

Als die Sonne schon hochstand, trat Tante Stine wieder aus ihrem Haus. Beim Näherkommen verdeckte sie es fast, jedenfalls aus meiner Sicht. Ihre Lippen hatten als Blickfang eine bemerkenswerte Konkurrenz bekommen: türkisfarbene Lidschatten. Wenn Tante Stine der Meinung war, dass die Entsagungen einer Abmagerungskur nicht genügend durch die gesteigerte Zuneigung ihrer Mitmenschen entlohnt werden würde, so drängte sich zwangsläufig die Frage auf, wessen Gunst sie am späten Vormittag durch diesen Augenputz erringen wollte.

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Das Flammenschwert

#3 Und dann?

Tante Stine gehörte zu den Frauen, die sich eines Tages vor dem Spiegel zu der Einsicht durchquälen: ‚Schön werd’ ich doch nie. Jetzt kann es bloß noch darum gehen, nicht auch noch unscheinbar rumzulaufen‘: eine hasserfüllte Absage an die graue Maus, die in jedem von uns schlummert. Ihr Haar hätte nicht röter sein können, aber wesentlich kürzer.

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Das Flammenschwert

#2 Merkwürdige Umstände

In den Fünfzigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts soll es in Hamburg – und in den meisten deutschen Großstädten – ausgedehnte Laubenkolonien gegeben haben, besonders in Niendorf, am Rande des Flugplatzes, aber in dem Jahr, von dem ich rede, neunzehnhundertzweiundneunzig, waren Schrebergärten wahrscheinlich schon seltener als Millionärsvillen.

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Das Flammenschwert

#1 Urwald

Scham. Wut – auf alles. Und natürlich Ekel: Der Tümpel, faulig stinkend und überwimmelt von Blut witternden Mücken. Die Katze: halbverwest schon, grün glitzernde Fliegen statt Augen in den Höhlen. Diese fahle Fratze plötzlich über dem Zaun, ihr Gestammel: drohend, drängend, erbärmlich. Das Brombeergestrüpp: Einmal stolperte ich mitten hinein, meine Arme waren verkratzt, die Beine zerschunden.

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Gereimtes und Ungereimtes

Schnepfenjagd

Wir sind am See. Die Hunde kläffen heiser. Vereinzelt schon ein Flattern und ein Schuss. Folgte die Kugel jenem Schatten, oder schreckte sie ihn auf? ...

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Gereimtes und Ungereimtes

Das Gasthaus ‚Zur Erinnerung‘

Ich kenn’ und liebe eine Schänke, da gibt es nur todbringende Getränke. Das Bier, der Schnaps, der Wein – und selbst das Wasser muss vergiftet sein ...

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Gereimtes und Ungereimtes

Korrespondenz

Die Birnen hängen tief, die gelben Birnen, tief in den Herbst, der fern schien. Jeder Brief, den wir beschrifteten, verwischt in Tinte ...

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Gereimtes und Ungereimtes

Unsere Freunde, die Tiere

Wo sie trampeln, wo sie flattern, klecksen sie und scheißen. Sie krächzen, sie fauchen, sie bellen, sie blöken, sie spucken, sie kratzen, sie beißen ...

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Gereimtes und Ungereimtes

Ein Herbstgedicht

Bunt tropft, versickert im Geraschel, tiefbrauner Duft Einmütigkeit. Still ruht das Land, stumm schweigt im Blau die Wolke ...

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Denkabfall

Zeit, das Büfett zu stürmen (5)

Bis einschließlich 25. Oktober gönne ich all meinen Kreativen bei ALEKS & SHANTU und all meinen Leser(inne)n überall auf der Welt eine Verschnaufpause. Wer nicht so lange warten mag, ...

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