HANNO RINKE BLOG

Regen in der Wüste

#05 | Der Entlassene

„Ist dort die Telefon-Seelsorge?“ „Ja.“ „Guten Abend!“ „Guten Abend!“ „Also, ich habe da ein Problem, mit dem ich nicht fertigwerde. Ich bin vorige Woche aus dem Gefängnis entlassen worden. Ich hab’ ein Jahr wegen Einbruch gesessen. Ich bin da in was reingeschlittert ... “

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Regen in der Wüste

#04 | Der Sohn

‚„Er liebt mich nicht!“, sagte sie sich, während sie ihr Gesicht im Spiegel betrachtete. In den letzten Tagen war es noch schärfer geworden. „Er kann mich auch nicht lieben, wenn ich so aussehe!“, dachte sie dabei matt. Und fügte im gleichen Augenblick trotzig hinzu: „Er ist es nicht wert! Ich habe mir alles nur eingeredet.“‘

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Regen in der Wüste

#03 | Eine Urlaubsbekanntschaft

Der Würfelzucker fiel in die Tasse. Der Löffel stieß nach und stocherte in der braunen Flüssigkeit herum, bis der Klumpen zerstückelt war. Dann klirrte der Löffel auf die Untertasse. Zwei Finger mit sorgfältig lackierten Nägeln ...

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Regen in der Wüste

#02 | Ein Fremdkörper

Dienstag, sechsundzwanzigster März: Das war eigentlich noch ein ganz normaler Tag gewesen. Rückblickend gesehen vielleicht der letzte ganz normale Tag in ihrem Leben. Und doch war da schon zum ersten Mal dieses Gefühl von Bedrohung.

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Regen in der Wüste

#01 | Ein Lebensmüder

Montag, fünfundzwanzigster März neunzehnhundertachtundsechzig. Fastenzeit. „Ich ... Ich glaube, ich kann das Leben nicht mehr aushalten.“ „Das klingt schlimm. Sagen Sie mir, was Sie bedrückt!“ „‚Bedrückt‘? Der Druck bedrückt mich. Ich halte ihn einfach nicht mehr aus.“ „Was halten Sie nicht mehr aus?“ „Ich halte es nicht mehr aus, daran zu denken, dass ich noch so lange leben muss.“

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Kurze Prozesse

Bekanntmachung

Nun haben wir genug von schwulen Männern und kümmern uns um eine Frau, der Sexualität nichts bedeutet. So sieht es jedenfalls aus.

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Dialog 30: Auf der Hochzeit

KANAA – (der Zöllner zu Christi Zeiten: Z; sein Alter Ego von heute: A) Z: Die vielen Gäste! Diese fromme Fröhlichkeit! Der Garten ist gesegnet und der Tag. Was für ein prachtvolles Paar! Die Abendsonne fügt beider Umrisse zu einem Mosaik aus Gold und Kupfer. Es ist beglückend zu sehen, wie zugetan sie einander sind: einfache Menschen nur. Dennoch strahlt er Würde aus und sie Anmut. A: Findest du ihn nicht anmutig? Z: Bei Männern nimmt man das nicht wahr. A: Nein? Ich ja.

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Dialog 29: Im Krankenhaus

EIN LANGER WEG – (der Kranke: K; der Gesunde: G) K: Nun sag doch was! G: Ich ... Ich kann einfach nicht. O Gott, ich ... Verzeih’ mir! – Jetzt heul’ ich dir auch noch was vor. K: Ich hab’ die ganze Nacht durchgeheult trotz der Beruhigungsmittel. Ich hab’ also auch da einen Vorsprung. G: Sie hätten es dir nicht sagen dürfen. K: Ich hab’ es rausgequetscht aus ihnen. Doktor Sebald – als er merkte, dass ich es wusste, gab er es zu.

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Dialog 28: Im Mietshaus/im Auto

DICKE FELDMÄUSE – (der Bräutigam: B; der Trauzeuge: T) B: Wie sieht es denn hier aus? T: Das siehst du doch. Oder bist du blind? B: Entschuldige! Das war eine dumme Bemerkung. Ich bin nur erstaunt, dass du noch nicht aufgestanden bist. T: Ich bin aufgestanden. Wie hätt’ ich dir sonst die Tür aufmachen sollen? B: Ich meine, dass du wieder im Bett bist. T: Ich bin krank. B: Oh, das tut mir leid. Was fehlt dir denn?

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Dialog 27: Am Rande

RAUBBAU – (der Transvestit: T; der Masochist: M) T: Na, Süßer, du siehst ja so mitgenommen aus. M: Du nimmst mich jedenfalls nicht mit. T: Thü! Wart’s ab! Was ich will, das krieg ich auch. – Was machst du überhaupt hier oben auf der Straße? Du passt gar nicht hinter diese weiße Clubtür. Da hopsen doch nur die Kinder auf dem Tanzboden. Husch, husch, in den Keller, wo die Kerle sind! M: Und was machst du hier? Warum bist du nicht auf ’m Tuntenball? T: Tja, is’ heut’ nicht, und irgendwo muss ich meinen dicken Arsch ja rumschwenken. Andere haben ihren Fiffi zum Gassigehen, siehst du, und ich führ’ meinen Arsch spazieren. M: Good luck!

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Dialog 26: Im Heim

LETZTE EHRE – (der Reporter: R; der Interviewte: I) R: Herr Böttcher? I: Ja. R: Guten Tag! Ich bin Nick Landau. I: Das denk’ ich mir. Kommen Sie rein! Guten Tag, guten Tag! Hier lang! Hier geht es lang. Es ist schrecklich eng. So, hier rein! ‚Seniorenwohnsitz‘ nennt sich diese Behausung, da denkt man doch an ein Landgut, aber nicht an so was wie das. Bitte, setzen Sie sich, setzen Sie sich doch! Was möchten Sie trinken? R: Nichts, vielen Dank. I: Was soll das heißen, nichts? Ich rede nicht mit Ihnen, wenn Sie nichts trinken, da komm’ ich mir ja vor wie beim Verhör.

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Dialog 25: In Not

ZEIT ZUM WEINEN (1988) – (ein muslimischer Vater: V; ein atheistischer Sohn: S) V: Was willst du? S: Ich möchte mit dir reden. V: Über was? S: Über mich … Über uns. V: Da gibt es nichts mehr zu sagen. S: Vielleicht doch. V: Natürlich, man kann reden und reden, aber je mehr man sagt, desto weniger versteht man einander. – Oder hast du vor, dich zu ändern?

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Haben Sie Freude an meiner Vergangenheitsbewältigung? Dann gefällt Ihnen womöglich auch, was mich in der Gegenwart beschäftigt. Zu der äußere ich mich sonntags. Am Sonntagabend stehen immer drei neue Beiträge von mir im Netz. Dieses literarische Kleeblatt kröne ich gern mit Aktuellem. Meinen Neubrief können Sie abonnieren. Er nennt sich: ‚Newsletter‘.


Hanno Rinke

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