HANNO RINKE BLOG

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#44C – Durch Monreale und durch Müll

Zum Aperitif gingen wir drei wieder gemeinsam vor die Tür. Unter einer Plane konnten wir draußen sitzen, unter Einheimischen, die wie wir Gottes Ruhetag entgegentranken. Sonntage waren für mich lange Zeit nur noch Tage, an denen die Läden geschlossen hatten. Seit ich übers Internet bestelle, brauche ich mir die Wochentage überhaupt nicht mehr zu merken, tue es aber doch. Auf die Uhr sieht man auch, wenn man nichts vorhat.

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#44B – Wahrheiten und Lügen

Das Außerordentliche ist – für Ordnungshüter leider – erstrebenswerter und zielführender als das Ordentliche: in Wissenschaft, Kunst, Leben. Schade bloß, dass 90 Prozent der Ausbrüche einbrechen. 10 Prozent haben Bestand – stimmt das? Ist das viel? Lieber will ich unrecht haben als schweigen.

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#44A – Exkurs: Bewusstsein und Selbstbewusstsein

Der Nachmittag war natürlich dem Weltkulturerbe gewidmet. Jedenfalls für Silke und Rafał. Der Nebeneingang zur Kathedrale Santa Maria Nuova befindet sich wenige Schritte entfernt von unserem Palazzo, aber ich traute mir den Weg durch den Kreuzgang zu den byzantinischen Mosaiken nicht zu. Unverständlich für mich, jetzt, wo ich Monate später darüber schreibe. Die Kirche ist der ‚Aufnahme Mariens in den Himmel‘ gewidmet, weihevollem Quatsch also, aber sie war 1966 und 1974 das Eindrucksvollste, was ich auf Sizilien gesehen hatte.

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#43 – Ein Finne auf der Fähre

Das Einschiffen von Sardinien nach Sizilien war nicht komplizierter als es das in Civitavecchia gewesen war. Schlecht ausgeschilderte Wege, lange Wartezeiten, steile Treppen, muffige Kabinen – das muss man alles schon erlebt haben, um den glatten Ablauf hier so richtig genießen zu können. Meine Kabine hatte eine Besonderheit: Fenster links und Fenster geradeaus. Sehr ungewöhnlich für ein Schiff.

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#42 – Das Machbare

Zurück in unsere Zeit. Cagliari ergoss sich grau und regnerisch vor unserer Windschutzscheibe. Sardinien enttäuschte uns. Die Fahrt zu unserem Hotel dauerte eine Stunde. Links stumpf die See, rechts flau die Ebene. Aber das Hotel Aquadulci mit seinen drei einstöckigen Häusern lag dicht am Wasser.

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#41 – Was nicht passiert war und was doch

Fortsetzung 1975: Salvatore riss den Wagen herum, schleuderte in die Einfahrt und hielt ruckartig vor dem Hotel. Wir stiegen aus. Ich war unschlüssig. Marcello sah mich an, eher arglos als gespannt. Etwas Trauriges in seinem Blick ließ mich erst erkennen, dass etwas Trauriges in seinem ganzen Wesen lag. Zwang ist mir zuwider. Auch der erschlichene Zwang der Verführung.

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#40 – Mein Ruf

Fortsetzung 1975: In Rom allerdings, gut eine Woche nach dieser Autofahrt, zahlte ich in klingenderer Münze als klimpernder Worte. Es war unser erster Abend in der ‚Ewigen‘, wir hatten im Innenhof des Lokals unter den Weinranken gegessen, die Luft würzte die ohnehin würzigen Speisen, und der Frascati gab meinen Empfindungen Aroma. An Schlafen war nicht zu denken. Irgendetwas trieb mich durch die Straßen.

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#39 – Bezahlen

Fortsetzung 1975: Der Wagen bremste scharf und quietschend. So ist das in Italien. Wozu vorher abbremsen, das kostet höchstens Zeit, die man besser nutzen kann – zum Beispiel sich mit gelangweiltem Blick in eine gut sichtbare Ecke stellen. Wir stiegen aus. Es war ein rundes schlohweißes Gebäude. In der matten Nacht schimmerte es verheißungsvoll. Von drinnen brodelte Musik heraus.

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#38 – Überfahrt

Fortsetzung 1975: Wir waren schon oft in Italien gewesen. Aber Anwesenheit ist nur eine Unterschrift in Seminarlisten, ein Aufstehen bei Namensnennung, ein ‚Hier‘-Schreien, das für nichts bürgt, schon gar nicht für Erkenntnis. Manche Urlauber finden einen Ort, der ihnen gefällt und dorthin gehen sie jedes Jahr immer wieder. Sie kennen nicht das hässliche, das trostlose, das abschreckende Italien ...

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#37B – Erinnerungen an Erinnerungen

Sieben Jahre später liest sich das dann so: Juni 1975 – mit Harald auf Sardinien. „Die hat was“, sagte mein Freund und nahm einen größeren Schluck Mineralwasser als sonst, „die riecht so nach Muschi.“ Das meinte er nicht abfällig. Im Gegenteil. In seinem Ton lag die etwas dünnblütig-abstrakte – oder vielleicht besonders dickblütige – Geilheit, zu der er fähig war.

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#37A – Hummer am Straßenrand

Punta Ala: ‚Vom Tourismus unberührt‘ – das war mal! In ‚Fast am Ziel‘, ‚#86 – Eine Fata Morgana endet im Golfclub‘ habe ich beschrieben, was aus Punta Ala inzwischen geworden ist. Wir wussten also, dass Punta Ala als Zwischen-Ziel nicht mehr infrage kam. Pausenlos durchfahren mochten wir aber auch nicht. Deshalb verließen wir die Autostrada bei Venturina Terme.

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#36 – Unwiederbringlich?

Am nächsten Morgen fuhren wir die vertraute Strecke am Meer entlang vierhundert Kilometer nach Süden. Wir vertreiben uns diese Zeit jetzt mit einem Rückblick auf 1968. Ich war damals 22, hatte schon viele Sonaten geschrieben, aber noch nie Sex gehabt – jedenfalls nicht mit anderen Personen.

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Haben Sie Freude an meiner Vergangenheitsbewältigung? Dann gefällt Ihnen womöglich auch, was mich in der Gegenwart beschäftigt. Zu der äußere ich mich sonntags. Am Sonntagabend stehen immer drei neue Beiträge von mir im Netz. Dieses literarische Kleeblatt kröne ich gern mit Aktuellem. Meinen Neubrief können Sie abonnieren. Er nennt sich: ‚Newsletter‘.


Hanno Rinke

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