HANNO RINKE BLOG

Gereimtes und Ungereimtes

Als die Welt noch in Ordnung war

‚Beelzebub und der Teufel‘ habe ich 1980 geschrieben, also hautnah zur Zeit der Handlung. Bevor es ab nächster Woche wieder richtig schlimm wird, steuere ich hier etwas aus meiner Abiturklasse von 1964 bei.

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#20 | Bestimmung

Martin ruckte hin und her. – Gott sei Dank bin ich so besoffen, dass ich nicht schnell komme! Für dieses Arschloch geb’ ich meinen mühsam aufbewahrten Saft nicht her, das ist es nicht wert. Das alles hier ist nichts wert. Aber nach Hause kommen, ohne abgespritzt zu haben?

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#19 | Im Rudel

d) in der dunkelkammer – Robert ging die Treppe runter und erst mal pissen. Er machte die Tür auf: Die Pinkelbecken waren leer. Die Tür dahinter war verriegelt. Während er seinen Strahl golden schimmern sah, hörte er verhaltenes Stöhnen. Vielleicht saß einer auf der Brille und saugte an der Eichel des anderen.

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#18 | Im Flaschenhals

Mähnen, Männer, Macho. Manche kannte Robert. Die meisten nicht. Vertraute Verträumte. Verklärte Verklemmte. Und die Forschen und die Schwätzer. Die blinden Hühner, die nach Körnern picken, und die Gockel, die im Mist scharren.

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#17 | Prometheus

Männer, Mähnen. Musik in monotonen Rhythmen. Asien oder Afrika. Qualm macht aus Silhouetten Schatten. Wird alles gut oder ist es gerade dabei, schiefzulaufen? „Lebst du allein?“, fragte Martin. „Ja. Jetzt ja. Ich hab’ mal ein paar Jahre lang mit jemandem zusammengelebt.“

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#16 | Ein Fischzug

Eine Weile sprachen sie nicht. Sie hörten auf die hämmernde Musik und auf die Stimmen. Sie sahen Männer, auch Männer, die ihnen gefielen. Abspringen? Den leichten Weg gehen, der alles so schwer macht? Die laute, aber nicht lärmende Musik. Die Stimmen, die Köpfe. Dieser wütende Plan, sich vorübergehend in Hemmungslosigkeit zu verlieren: die pünktlich abrufbare Sucht zwischen zwei Tagen.

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#15 | Ziemlich christlich

Sie tranken einen Schluck Bier, gleichzeitig, ohne dass der eine es dem anderen vor- oder nachgemacht hätte. Sie hatten keinen Durst, beide nicht. ‚Er mag mich‘, dachte Martin, ‚aber das macht mich nicht froh, sondern unsicher. Weil er meine Eitelkeit befriedigt, oder weil ich ihn nicht enttäuschen will?‘

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#14 | Hengste

Ich mag Männer. Die etwas tuckigen, wenn sie den Kopf nach hinten werfen und lachen; die kerligen, wenn sie sich mit zusammengekniffenen Augen eine Zigarette anzünden; die Jungen, die neugierig kichern; und die älteren, die schon so was Abgewichstes im Gesicht haben – ich mag sie alle, alle ...

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#13 | Es geht los

Martin saß in der U-Bahn. Der Zug holperte durch den Schacht. Da oben war Ostberlin. Da liefen einzelne Menschen zwischen Dunkelheit und Ruinen. Martin war nur einmal abends in Ostberlin gewesen, weil ihm damals jemand gesagt hatte, er müsse unbedingt den ‚Burgfrieden‘ mal kennenlernen ...

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#12 | Zur Schau gestellt

Robert trank den letzten Schluck Grand Manier aus und bedankte sich für die Einladung. Bielendorf steckte die Rechnung ein und die Kreditkarte. Dann standen sie auf und gingen zurück zur Halle. Im Vorbeigehen streifte Robert mit mattem Blick die Nahrungsmittel hinter der Glasvitrine gleich am Eingang des ‚Grills‘: Ein rohes Rinderfilet und einige Fische mit Glupschaugen ...

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#11 | Auf der Kippe

Martin streifte das überschüssige Wasser von den Fotos und legte sie zwischen Fließpapier zum Trocknen. Robert stieg aus der Wanne und rubbelte sich mit dem riesigen, flauschigen Handtuch ab, ein Weiß wie von einem Brautkleid.

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#10 | Werbung mit sich selbst

Gleichzeitig mit dem Regen kam die Sonne. Durch ein Wolkenloch hindurch zeigte plötzlich dieser böse, besserwisserische Finger und strahlte einen Augenblick lang schulmeisterlich kaltes Licht auf zaghaft blühende Akazien und angeschmuddelte Mietshäuser.

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Haben Sie Freude an meiner Vergangenheitsbewältigung? Dann gefällt Ihnen womöglich auch, was mich in der Gegenwart beschäftigt. Zu der äußere ich mich sonntags. Am Sonntagabend stehen immer drei neue Beiträge von mir im Netz. Dieses literarische Kleeblatt kröne ich gern mit Aktuellem. Meinen Neubrief können Sie abonnieren. Er nennt sich: ‚Newsletter‘.


Hanno Rinke

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