Dr. Rüdiger Nolte gewidmet
Liebe Europäerinnen, liebe Europäer!
Zunächst mein herzlicher Dank an Ursula von der Leyen, dass ich hier in meiner Vatersprache mit meinen eigenen Worten zu Ihnen sprechen darf. Ich fühle mich sehr, sehr geehrt.
Aber, meine sehr verehrten Damen und Herren, machen wir uns nichts vor: Die Europäische Kommission wird von vielen Menschen innerhalb und außerhalb der EU als ineffizient angesehen – eine Quasselbude voller hochbezahlter Fachidioten, die mit sinnlosen Vorschriften nerven und untereinander die so zerstritten sind, dass das einst starke und stolze Europa für die übrige Welt zur Lachnummer verkommen ist. Klar ist doch, meine hochverehrten Abgeordneten aller Geschlechter: Staaten, bei denen der flache Durchschnitt zum Maßstab allen Lernens und Handelns erhoben worden ist, deren Gesellschaften ermutigen nicht etwa die Schwachen, nein, sie entmutigen bloß die Starken.
Und überhaupt, dieses ganze Gewäsch! Wenn immer jeder seinen Senf dazugeben darf, dann verschwindet das Würstchen: unter wohlfeilen Forderungen und unter wohlfeilen Floskeln. Wer von Ihnen, meine sehr geschätzten Volksvertreterinnen und Volksvertreter, wer von Ihnen öffentlich verlangt, man müsse ‚auf Augenhöhe‘ miteinander reden, der reicht dem Gesprächspartner im Allgemeinen doch höchstens bis zum Bauchnabel, sonst wäre der Blickkontakt ja gar nicht erst erwähnenswert. Diese Forderung kommt nie von dem, der die geputzte, gepuderte Nase in die Luft hält. Insofern kann der Möchtegern-Augenhöherich noch froh sein, wenn er bei seiner Zielperson nicht rückwärtig reinschlüpfen muss, um sich Wohlwollen zu erkriechen. Ein möglicher Ausweg: schmeichelhafte ‚Standing Ovations‘ für Rubio nach seiner MSC-Rede, in der er sein bereits zuvor aufgeschrecktes Publikum für Einwanderungspraxis, Klimaschutz-Übertreibungen und zu geringe Verteidigungsausgaben gemaßregelt hatte. Eins steht doch fest: Trump wird nie mit einer Abordnung von Demokraten verhandeln, sondern nur mit einem starken Führer pro Nation. Das zu beheulen ist möglich, hilfreich ist es nicht. Antworten? Haben Sie nicht.
Mark Carneys Rede auf dem WEF hat im Januar das europäische Feuilleton begeistert. Hier bei Ihnen war da nach wie vor Verzagtheit angesagt. Aus Angst vor ihren Bauern haben Sie das Mercosur-Abkommen erst mal an den EuGH weitergereicht. Kennen Sie sich eigentlich selber noch aus in Ihrem Abkürzungswirrwarr? Abwägende Unentschlossenheit können sich nur verwöhnte Gesellschaften leisten. Liberalismus gedeiht ausschließlich im Wohlstand. Der aber schwindet in Europa. Die Engländer sind schon längst ausgerückt. AfD-Wähler möchten sich ihnen gern anschließen, auch wenn sie sonst am liebsten unter sich bleiben. Den angestrebten NATO-Austritt können sie sich ja sowieso bald sparen. Dieser Trümmerhaufen löst sich von allein auf. Das deutsch-französische Kampfjet-Projekt FCAS kriegen die beiden Länder nicht gebacken. US-Außenminister Rubio sagte vergangenen Samstag in München, er möchte ‚starke Verbündete‘ haben. Dann muss er sich wohl neue suchen. Merz hörte weg. Er saß gar nicht im Saal.
Aber, liebe Miteuropäerinnen, liebe Miteuropäer, liebe Mitdiverse: keine Angst! All das lässt sich ändern. Ich bin heute hier, um Ihnen den Weg weg von Ihrem katastrophalen Image in eine bejubelte Zukunft zu weisen.
Alles muss benannt werden. Wie soll man sonst darüber sprechen oder hinfinden? Kirchen haben natürlich glaubensassoziierte Bezeichnungen. Bei den vielen Marien und Jesus Christussen, die da Pate standen, kann es allerdings schon mal zu Verwechslungen kommen, besonders zu Weihnachten und zu Ostern – Zeiten, zu denen auch viele Scheinfromme in die Gotteshäuser pilgern. Da landen dann ignorante Familien beim ‚Herz Jesu vom heiligen Blut‘, die eigentlich lieber zum ‚Christus-Erlöser‘ wollten.
Bei Straßen und Plätzen sind solche Missverständnisse seltener. In Berlin befindet sich zwar eine ‚Berliner‘ Straße in Pankow, eine in Wilmersdorf und eine in Zehlendorf, aber glücklicherweise keine ehrenrührige ‚Mohren‘straße mehr in Mitte. Zur Glanzzeit unserer (Ur-?)Großeltern schmückte deutsch regierte Ortschaften normalerweise ein einziger Adolf-Hitler-Platz. Vorbei. In Italien gibt es dagegen zwar immer noch 5 472-mal die Via Garibaldi, aber auch pro Stadtteil immer bloß eine dem Freiheitskämpfer gewidmete Straße. Merz und Meloni verständigten sich darauf, dass es in beiden Ländern bei diesem Unterschied auch weiterhin bleiben soll, obwohl der Italienerin eine gewisse Affinität zu rechter Symbolik nachgesagt wird.
Namen sind alles andere als Schall und Rauch. Da irrte Goethe ausnahmsweise. Warum hätte Trump sonst wohl den Golf von Mexiko in Golf von Amerika umbenannt? Warum strebt er für Venezuela Süd-Miami und für Grönland Ost-Alaska als zukünftige Bezeichnungen an? Wer bei ihm zu Hause in Washington auf einer Avenue East mit West verwechselt, landet allerdings statt im Villenviertel leicht im Leichenschauhaus.

Wie etwas heißt, so ist es. Wichtig dabei: Wo steht es geschrieben, und worauf? Wir sehen hin, und wir wissen Bescheid. Die Kloschüssel ist der Prüfstand der Hausfrau, das Straßenschild ist das Gewissen der Gemeinde – und darüber hinaus das Etikett des gesamten Kontinents. Genau hier muss Identifikation durch Sichtbarmachung einsetzen.

Jeder hat aus Roadmovies die Farben und die Typografie von US-Straßenschildern im Kopf. Was für ein Wiedererkennungswert! Davon träumen Europäer nur. Die müssen schon zufrieden sein, wenn in Griechenland und in Bulgarien am Wegesrand lateinische Buchstaben auf den Anzeigetafeln blühen. Dass Mailand im Italienischen Milano heißt, wissen Deutsche, seit es Pizzerien in Paderborn gibt. Aber viele, die am Tyrrhenischen Meer Urlaub machen wollten, sind schon statt in Genua in Genf gelandet, so wie viele Italiener, die eigentlich nach Monaco di Baviera (zu Deutsch: München) wollten, an der Côte d’Azur gestrandet sind. Den chinesischen Wagner-Enthusiasten, die in Beirut statt in Bayreuth gelandet sind, hilft das zwar wenig, aber innerhalb der EU sollten wir doch für Klarheit sorgen. Zumindest beim Schriftbild.
Dass die Europäer es nicht fertigbringen, mit einer Stimme zu sprechen: Neu ist das wirklich nicht. Allein im mittelgroßen Polen hatten sich die Adligen dermaßen verkracht, dass das Land dabei zusehen musste, wie es am eigenen Leibe dreimal zwischen Russland, Österreich und Preußen aufgeteilt wurde. Die PiS-Partei arbeitet emsig an der vierten Teilung, und selbst hier, im nicht so besonders großen Belgien, geht es zwischen Flamen und Wallonen mitunter recht unfreundlich zu, von Ungarn gegen die restliche westliche Welt ganz zu schweigen. (Die USA spielen ja inzwischen nicht mehr mit in diesem Mannschaftsspiel, sondern finden es im Fitnessklub der Größten Drei aufregender.) Der Nationalismus zeigt halt überall seine bunten Trachten und seinen schwieligen Nacken. Heimatverbunden statt weltoffen? Das muss kein Gegensatz sein, behauptet die CSU, und sie hat recht. In die Köpfe kriegen wir das nicht mehr rein – diese Hoffnung, liebe Europäende, muss ich Ihnen nehmen, falls Sie sie noch haben sollten –, aber in die Schilder!
Was schafft mehr Gemeinsamkeit als ein gemeinsames Schild? Ich will es Ihnen verraten: Nichts. Das Schriftbild, die Form, die Farbe. Niemand, der von außen kommt, darf sich fragen: „Ya Allah! Bin ich jetzt in Slowenien (noch: weiße Schrift, grüner Grund, weiße Umrandung) oder in der Slowakei (noch: blaue Schrift, weißer Grund, rote Umrandung)?“ – Falsche Frage! Du bist in Europa! Das erkennst du am Schriftbild und an den Farben. – Welchen Farben?
Also, zugegeben: So ganz einfach war das nicht. Schwarz und Weiß; Rot, Blau, Gelb und Grün: Alle diese Farben sind bereits belegt; Grau ist trist, Braun diskreditiert. Landesfarben wollten wir ausschließen, obwohl es Deutschlands Großzügigkeit unterstrichen hätte, sich in Luxemburgs ‚Rot-Weiß-Blau quer‘ zu ergeben. Das wäre aber Frankreichs ‚Blau-Weiß-Rot längs‘ gefährlich nahegekommen. Trotz aller abgeschaffter Erbfeindschaft wäre eine Unterscheidung, zumindest kulinarisch, doch wünschenswert. Niemand soll Choucroute garnie mit rheinischem Sauerkraut verwechseln müssen, und verwechslungsgefährdet wäre die Mahlzeit ja bereits vor Erreichung des Mundes durch die dekorativen Fähnchen, die mit ihren Nationalfarben in der Brühwurst stecken.
Wir dachten kurz an sexueller Vielfalt verpflichtete Regenbogenfarben als unseren letzten (semi-gemeinsamen) EU-Wert, nahmen aber aus Kostengründen rasch Abstand.
Doch ich will Sie nicht länger auf die Folter spannen, sondern präsentiere Ihnen unsere Entscheidung für das Alleinstellungsmerkmal sämtlicher europäischer Straßenschilder: rosa Schrift auf lila Grund. Wenn es denn sein muss, mit Umrandung in den Landesfarben, um den unausrottbar national Gesinnten die Hand zu reichen (deutsche Hinweistafeln mit verminderter Mehrwertsteuer für das Gaststättengewerbe).
Von dieser Ausnahme abgesehen wäre ein Alleingang genau das, was wir unbedingt vermeiden wollen. Europa muss seine Kräfte bündeln. Deutschland als bevölkerungsreichstes Land Europas nehmen wir deshalb in die Pflicht, diesen ersehnten Umschwung in die Wege zu leiten. Aus diesem Hohen Haus heraus fordere ich Sie auf: Herr Bundeskanzler, beauftragen Sie uns damit, alle Schilder Europas von Hammerfest bis Ierapetra so auf Norm zu bringen, dass jedem Europäer an jedem Straßen- und Hinweisschild an jeder Kreuzung Brüssel in den Sinn kommt, und jeder Nichteuropäer gleich weiß, was ihm bevorsteht, wenn er europäischen Boden betritt. Jedes autoritäre Regime macht aus einem Versprechen eine Drohung: Lassen Sie uns, liebe Freunde, aus dieser Drohung ein Versprechen machen!
Zurzeit produzieren die Bremicker Verkehrstechnik, Schilderwerk Beutha, SWARCO DAMBACH, Colberg & Forster sowie IBOTECH die Verkehrsschilder in Deutschland. Gegen eine angemessene Summe ließen sich sicher alle diese Firmen zu einer Aktiengesellschaft zusammenschließen. Über den Börsenwert braucht man sich nach Bekanntwerden des großen europäischen Auftrags keine Sorgen mehr zu machen. Ich empfehle Ihnen allerdings im eigenen Interesse, vor dem Börsengang nicht über diesen Auftrag zu kommunizieren, sondern absolutes Stillschweigen zu bewahren. Vorzugsaktien für alle Abgeordneten sähen wohl etwas bananig aus, finden Sie nicht, liebe Republikaner?
Bevor ich schließe, ganz kurz noch zu den Kosten. Einschließlich Montage lägen die im Straßenverlauf aufgestellten Schilder bei nicht viel mehr als 150 Euro. Restaurants müssen selber zahlen und dürfen dafür bestimmen, was für sie geprägt wird. Nostalgisch: Altpfälzer Bauernschänke (mit Stoffservietten und Rehkeule für 52,00 Euro im Angebot). Malerisch: Mamma Mantova (von Rumänen betriebene Pasta-Bude mit Papptellern).
An der Autobahn kann sich der Stückpreis pro Tafel schon mal auf vierzigtausend Euro belaufen. Für alle Länder zusammen bedeutet das laut Hochrechnung bei ChatGPT aber nicht mehr als 89 Milliarden Euro. Das ist Ihnen, meine sehr verehrten Damen und Herren, unser vereinigtes Europa doch wohl wert. Durch eine so erstaunliche Maßnahme wie die soeben von mir vorgeschlagene ließe sich das verwirrte Russland gewiss von einer Offensive abschrecken, was der Reduzierung von Verteidigungsausgaben unmittelbar zugutekäme.
Wie viele Arbeitsplätze würden stattdessen in weit weniger kriegerischen Unternehmen geschaffen?! Ist es nicht furchtbar, dass so viel Money und Manpower in Waffen verplempert werden müssen statt in die Schaffung von Kuscheltieren und Hinweistafeln? Europa endlich wieder Weltspitze. Am besten, wir bündeln die Aktivitäten des Unternehmens in Deutschland, das ja auch mit seiner Einwohnerzahl die Hauptlasten trägt. Wir schlagen vor, die Holding in Panama zu beheimaten. Lassen Sie uns sofort beginnen! Kein Gremium! Bitte nicht! Handeln Sie doch mal ohne das übliche Aneinander-vorbei-Gerede, diese Ausflüchte suchende Entschlusslosigkeit! Das Warten sei die ‚schlechteste aller Lebensformen‘1, sagt Elke Heidenreich. Sie muss es wissen. Ich selbst werde schon wahnsinnig, wenn eine Ampel gelb wird und der Wagen vor mir devot stehen bleibt. Kadavergehorsam bringt uns eben auch nicht weiter.
Meine lieben Miteuropäerinnen und Miteuropäer, wollen wir ehrlich sein! Unser Kontinent ist am Ende. Fast. Lassen Sie uns gemeinsam aus diesem verkommenen Boulevard der Dämmerung wieder eine Straße ins Licht machen! Geben Sie mir Ihr Wort! Das habe ich verdient. Und Ihren Etat ebenfalls.
Danke für Ihren freundlichen Applaus! Noch ein paar letzte Worte ‚off the record‘: Ich weiß sehr wohl, meine aufmerksamen Mitbürger, dieser Appell klingt schäbig für Sie. Aber ohne die geistige und militärische Unterstützung der USA sehe ich ein – nur auf dem Papier geeintes – Dreiviertel-Europa weder willens noch in der Lage, einem Zusammenschluss zwischen Russland, China, Nordkorea und Iran wirksam zu begegnen. Das Bestmögliche muss also gut genug sein: Manchmal ist das leider bereits der Mut zu einem makabren Witz.
Ihr Wein predigender, Weihwasser trinkender
gez. Hanno Rinke
Bloßschilda & Sonstkeener

Quelle: 1 Aus ‚Altern‘, Hanser Berlin, 2024
Grafiken: Kl-generiert via Midjourney | Video: H. R. Privatarchiv/Produktion: ALEKS & SHANTU

Die Idee eines einheitlichen Schilddesigns ist so absurd, dass sie plötzlich plausibel wirkt.
rosa Schrift auf lila Grund ist ja auch hübsch
Und lesbarer als umgekehrt.
Herr Rinke, sie fordern ein Handeln „ohne Gremium“. Aber gerade diese Gremien sind doch Europas Antwort auf Machtkonzentration. Langsamkeit ist manchmal der Preis für Frieden. Das macht sie nicht attraktiv – aber womöglich notwendig.
Notwendig ist manchmal sofort, manchmal nach abwägender Überlegung. Gut, den Unterschied richtig einschätzen zu können.
Ich schwanke zwischen Lachen und Unbehagen.
Wie so oft 😉
Das ist Absicht …
Besonders stark finde ich dieses Mal ja Ihre Passage über das Benennen. „Wie etwas heißt, so ist es.“ Der Gedanke erinnert an die Macht politischer Begriffe – man denke an Umbenennungen, Grenzverschiebungen, symbolische Akte. Wer benennt, strukturiert Wirklichkeit. Dass Sie daraus ein europaweites Schildprojekt ableiten, ist natürlich grotesk – aber sicher nicht ohne Logik.
Wir denken darüber nicht viel nach, aber wir sollten es.
Man sollte zusätzlich in Erwägung ziehen, die Bretter vor den Köpfen der EU-Bediensteten*tinnen ebenfalls durch Blechschilder zu ersetzen. Auf das Blechreden versteht man sich dort ja bereits bestens …
P.S.: Obendrein wäre auf diese Weise sogar eine der größten Sackgassen unserer Zeit beschildert. Vielleicht setzt danach eine bessere Orientierung ein, um wieder vorwärts zu kommen?
Es gibt halt auch Säcke ohne Gassen.
Benutzt eigentlich irgendjemand die Bezeichnung „Golf von Amerika“?
Nur wenn er/sie gut Wetter bei DJT machen muss.
Es spricht ja auch nicht jeder oft von Wanne-Eickel oder Sante Rosinetta
Wer sich wirklich mehr Nationalismus wünscht, der wird sich ähnlich wie die Briten nach dem Brexit wundern. Sind die USA eigentlich schon wieder so richtig „great“? Nein? Dachte ich mir.
So ganz haben die sich aber immer noch nicht eingestanden, dass ihr Präsident ein Clown ist.
Ein Clown trifft es nicht. Ihn zu unterschätzen hieße, ihm auf den Leim zu gehen.
Unberechenbar ist der erste Begriff der mir einfällt. Leider keine besonders beruhigende Beschreibung für einen Präsidenten.
Aber auch seine Waffe. Wer seinen Gegner nicht einschätzen kann, hat es schwerer.
Hinter aller Polemik spürt man eine eigentliche Sehnsucht: dass Europa nicht im Klein-Klein versinkt. Mir geht es ähnlich mit dem Wunsch.
Leider keine Lösung, nur eine Bestandsaufnahme.
Dass sich Russland, China, Nordkorea und der Iran tatsächlich in absehbarer Zeit gegen den Westen verbünden, da habe ich noch große Zweifel. Zum Glück.
Ich drücke uns die Daumen. Gewappnet scheinen wir nicht zu sein.
Drei zusammen reichen schon.
Ich frage mich trotzdem: Ist Abwägen wirklich nur Schwäche? Oder nicht auch eine Form politischer Reife? Eine Herangehensweise wie Trump’s Elefant-im-Porzellanladen-Politik funktioniert ja auch nicht.
Das Ärgerliche: die politische Reife findet nicht immer eine Mehrheit, noch ist sie Autokraten in die Wiege gelegt.
Und sie ist ja leider auch gar nicht der einzige Weg, der ans Ziel führt.Leider.
Wie immer, wo nicht Demokratie herrscht: Auf der richtigen Seite zu stehen, ist alles. Dann darf es ruhig so bleiben, wie es ist. Siehe Teheran.
Ich glaube, die Europäische Kommission wird nicht zuletzt als ineffizient angesehen, weil für viele so schwammig bleibt, was sie eigentlich macht. Das Wirken der eigenen Regierungen ist eben doch immer noch leichter zu verstehen. Auch wenn man auch da nicht immer einer Meinung ist.
Die Länder können sich doch auch gar nicht auf eine gemeinsame Linie einigen…
Die Bevölkerungen interessieren sich für ihren Stadtteil und für ihr Einkommen oft mehr als für Europa- oder gar Weltpolitik. Da all das so neu ist, hinkt die Evolution ein wenig hinterher. Zu sehr?
So ist doch immer. Gewählt wird mit dem Portemonnaie. Nicht aus großen Überzeugungen.
Es ist ja gut, wenn die eigene Börse mit der in Frankfurt konform geht, aber die Fragen „Was ist mein Vorteil?“ und „Was ist der Vorteil für das Land?“ vergleichen wohl wenige.
Und zu oft werden ja auch beide Fragen nicht zu genüge beantwortet…
Oder die beiden Beantwortungen widersprechen einander.
Ich musste lachen bei der Vorstellung, dass künftig jeder Autofahrer beim Anblick eines Schildes ehrfürchtig „Brüssel!“ flüstert.
Es darf auch ein Fluch sein.
Wenn immer jeder seinen Senf dazugeben darf, dann verschwindet das Würstchen 😂 Hahaha
Es kann ja auch Eisbein gewesen sein. Wer weiß?
Was denken eigentlich unsere Nachbarn über Merz? Ähnlich wie schon Scholz, scheint mir unser Kanzler nicht der respektierteste Partner zu sein.
Naja, er hat schon noch einige deutlich schlimmere Kollegen.
Er ist objektiv größer.
Der Text funktioniert wie eine politische Versuchsanordnung: Sie nehmen etwas scheinbar Nebensächliches (Straßenschilder) und blasen es zur identitätsstiftenden Großmaßnahme auf. Gerade in dieser Überhöhung liegt die Pointe. Europa scheitert nicht an der Typografie, sondern an der Einigkeit. Gemeinsame Symbole fehlen. Die Frage nach dem Schriftbild ist am Ende weniger lächerlich, als sie beim ersten Lesen klingt.
Die Leute wollen doch allerorts wieder mehr Nationalismus. Was soll ein Europaparlament da groß dagegen halten?
Zwei Leute, der eine in San Diego (Sürkalifornien), die andere in Albeny (New York State), sie empfinden sich beide als US-Bürger. Sie stammen alle von Eingewanderten ab. Das macht es vielleicht leichter.
„Schlag mich, beiß mich, gib mir Straßennamen“, bettelte der Masochist.
„Ich habe etwas viel Besseres für Dich“, gab der Sadist zur Antwort. „Lies heute mal bei Hanno Rinke nach.“
🙄
Masochisten, die noch lesen, haben sich meine Peitsche schon in der Schule verdient.
Ich finde die Redeform hier ziemlich geschickt gewählt. Man fühlt sich wie im Parlament – und zugleich in einer Satire.
So ist es gemein(t).
Ein Europa der Mutlosigkeit. Eigentlich ziemlich traurig.
Sehr sogar
Da hilft halt nur, es komisch zu sehen – oder zu ändern.
Man sucht sich aus was man kann.
Oder was man sich zutraut
Europa war ja nie ein homogener Raum. Vielfalt ist historisch gewachsen. Einheitssehnsucht ebenfalls.
Das Problem: die anderen sollen für die Einigung etwas aufgeben. Ich selbst will das nicht…
Zwischen allen Spitzen und Provokationen lese ich eine große Enttäuschung über Europas fehlenden Mut. Ich würde mich diesem Gefühl anschließen. Gerade jetzt, wo sich die weltpolitische Lage so verschiebt, wo alte Allianzen nicht mehr sicher scheinen, sollte man sich mehr Mut von unseren Politkern wünschen.
Tut man! Man wünscht sich mehr Mut. Ärgerlicherweise in verschiedenen Richtungen.
Hmm, sie sprechen von Europa als „Quasselbude“ und zeichnen ein Bild kollektiver Unfähigkeit. Das mag satirisch gemeint sein, aber es bedient auch ein Narrativ, das Europa schwächt. Nicht?
Das finde ich übertrieben. Man muss die Dinge schon beim Namen nennen, sonst ändert sich ja nie was.
Europa wird nicht schwächer weil man mit den Politikern unzufrieden ist.
Der imaginäre Sprecher im Blog hat ja ein (kommerzielles) Ziel. Erst alles schwarzmalen und dann den Ausweg zeigen, das ist dramaturgisch nicht zu beanstanden. Mit Ethik hat es nichts zu tun.
Und es ist doch eigentlich genau das, was man in so einer Situation haben möchte. Jemand der die Probleme klar aufzeigt, ohne nur mit dem Knüppel draufzuhauen.
Leider fallen mir einige Politiker ein, bei denen mir auch der Knüppel gefallen würde.
Hahaha 😆 Stimmt. Mir auch.
Ja, es ist bedrückend, wie viel Geld, Wissen und Arbeitskraft in Waffen fließt. Dieselben Ingenieure könnten Infrastruktur verbessern, Energieprobleme lösen oder tatsächlich „Hinweistafeln“ bauen – im übertragenen wie im wörtlichen Sinn.
Aber Aufrüstung entsteht aus Misstrauen. Staaten rüsten nicht auf, weil sie Krieg lieben, sondern weil sie Angst haben, ohne Waffen angreifbar zu sein. Das Problem: Wenn alle so denken, wächst das Arsenal – und mit ihm die Unsicherheit.
Tragisch ist weniger der Verteidigungswille als die Tatsache, dass militärische Stärke noch immer als verlässlichste Währung gilt. Jede Rakete ist eben auch eine nicht gebaute Schule.
Wieder, nicht immer noch. Es gab ja durchaus eine lange krieglose Zeit hier im Westen.
Da schien der Osten aber auch berechenbarer. Es gibt keine Blöcke mehr. Ist das Zusammenleben der Völker dadurch einfacher geworden?
Es scheint in den letzten Jahren überall und alles schwerer zu werden. Da hilft es auch nicht, dass das Silicon Valley unser Leben immer einfacher gestalten will. Die ganzen Konflikte in der Welt bleiben, die Inflation auch.
Ich fürchte, sich heute sein Handy selbst zusammenzubasteln, wäre genauso schwierig, wie früher ein Mammut zu jagen. (Ungern vor Entdeckung des Feuers.)
Ist der Kontinent wirklich am Ende? Oder ändert sich nur die Idee davon, was der Kontinent / die EU eigentlich sein soll?
Ist das nicht auch irgendwie dasselbe?
Die Akropolis ist weiterhin ein imposantes Bauwerk. Griechenlands Stimme in der Welt hat kein Gewicht. Wer weiß, wo Olympia liegt?
Die Frage ist ja auch nicht, ob Europa Ruinen hat – sondern ob es noch Relevanz hat.
Bzw. wie man Europa wieder stärken und die Relevanz erhöhen kann. Als Gegenpol zu den USA würde das ja eigentlich sehr viel Sinn machen.
Die Ruinen haben wir umsonst. Mit der Reveranz wird das leider teuer.
Mal sehen, wie es mit Europa weiter geht, wenn nächstes Jahr Le Pen gewählt wird.
Ich schätze den Unterschied nicht wesentlich höher ein als Melonis Italien.
tatsächlich? ich denke immer, dass das nochmal einen richtungswechsel bringen würde. macron spielt innerhlab europas und im dialog mit den usa ja immerhin eine entscheidende rolle.
Frankreichs Rolle in der Welt ist gesunken. Das liegt auch am Wählerverhalten.