Teilen:

2208
Rundbriefe

Betrifft: Zustände und Zuständigkeiten

Liebe Leserinnen und Leser,

die Folgen der Unwetterkatastrophe im Westen Deutschlands, die Folgen der Brände in Griechenland, die Folgen des Truppenabzugs aus Afghanistan, die Folgen der vierten Coronawelle – nee, da bin ich nicht zuständig, da will ich lieber was Lustigeres. Und das wäre?

Was macht mehr Spaß: das Notwendige oder das Überflüssige? Das Notwendige zum Leben zu haben: Ein Dach über dem Kopf, einen Teller Wassersuppe – das ist im ersten Augenblick, wenn man es vorher entbehrt hat, befreiend, vielleicht sogar Glück. Spaß ist es nicht. Spaß ist stattdessen die Villa mit Swimmingpool und die Bouillabaisse.

Das Notwendige macht nie Spaß, das Überflüssige manchmal; eine Achterbahnfahrt eher als eine Suche nach der verlorenen Zeit oder Sonnenbrille. Ist Spaß notwendig? – Die Taliban finden, nein; die Blockbuster-Produzenten finden, doch! Ein Leben ohne Spaß ist wie ein Zirkus ohne Clown, wie ein Kloster ohne Refektorium – Abendmahl im Stehen. Spaßlos ist nicht freudlos. Aber wer schon ohne Freude leben muss, der/die will in unseren westlichen Gesellschaften wenigstens Spaß haben. Aber wie? Großveranstaltungen mit Maske? Autobahnen mit Tempolimit? Flug- und Kreuzfahrt-Scham? – Kein Problem! Gemeine Tweets schreiben oder Gänseblümchen pflücken, das ist preiswert und leicht durchführbar. Erziehung und Gewöhnung – sie bestimmen unser Leben: die Musik, die wir hören; die Suppe, die wir löffeln; die Menschen, die wir unterstützen, ausbeuten, bewundern – unsere Freude, unser Spaß, unser Glück.

Im Blog treffen wir ja zurzeit auf Menschen, die völlig unterschiedliche Wege beschritten haben, um ihr Glück zu finden. Zwei von ihnen erleben wir jetzt einen Tag lang. Am Ende, also Mitte September, werden wir wissen, ob wir etwas gelernt haben aus ihrem Verhalten – oder ob es zumindest Spaß gemacht hat, sie zu begleiten.

Zuversichtlich,
Hanno (Rinke)

12 Kommentare zu “Betrifft: Zustände und Zuständigkeiten

  1. Spaß ist doch immer das was zusätzlich, unerwartet, albern, übermütig ist. Notwendig ist aber auch der Spaß. Ohne kommt man durch keine der großen Krisen.

      1. Völlig richtig. Man muss weder mit verkniffenem Gesicht und schlammbeschmiert in den Fluten stehen, noch kichernd auf der Pressekonferenz. Beides bringt gleich wenig Vertrauen.

    1. Macht gemeine Tweets schreiben eigentlich Spaß? Oder warum sind da manche so engagiert? Selbst wenn man selbst richtig unzufrieden mit seinem Leben ist, muss einem da doch irgendwann die Puste ausgehen.

      1. Wie Wilhelm Busch über Madame Kümmel schreibt, die Plisch und Plum Petroleum unter den Schwanz gießt: „zornig, aber mit Genuss“. Das ist wohl überwiegend die Einstellung.

      2. Es hilft wahrscheinlich für einen kleinen Moment dabei sich selbst größer zu fühlen. Unglücklich oder zumindest unzufrieden ist man wahrscheinlich trotzdem weiterhin.

  2. Großveranstaltungen mit Maske sind ja so eine Sache. Es muss eben so sein, das verstehe ich. Aber Spaß macht es sicherlich nicht beim Konzert mit Maske da zu sitzen oder im Kino das Popcorn unter die Maske zu schieben.

    1. Besser so als gar nicht. Wer den Kompromiss als allzu groß betrachtet, muss eben noch ein paar Monate länger warten.

      1. Ja, da finde ich das Warten auch erträglicher, als sich den Genuss durch solche Einschränkungen zu mindern, wobei ich allerdings beim Betrachten von arthouse-Filmen ohnehin nur wenig Popcorn verzehre.

Schreiben Sie einen Kommentar!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

3 × zwei =