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Sonntagspredigten

Der sechste Sinn

Meine sehr geschätzten Zuhörenden: Damen wie Herren!

Bei der Ergründung von Sinn und Sein gibt es nichts Nebensächliches. Alles ist von Bedeutung. Heißt es also auf Ballermann: ‚LA-lalalalala-LA‘? Oder ‚Lalalala-LA-lala-La‘? Plagiatsverdacht besteht nicht. Loriots ‚Jodeldiplom‘ ist hier kein Vorbild. Vorbilder müssen aristokratischer sein.

Lord Eggswheich saß am Spieltisch und verlor gerade gegen sich. Lady XYch saß am Frisiertisch und verlor eine Haarsträhne an ihren Kamm. Miss Mute saß im Büro dazwischen und tippte, erst sich an die Stirn, weil sie einen Apostroph vergessen hatte, und dann der Tastatur in ihre Eingeweide – aus demselben Grund. Ausgebildet war sie als Pianistin, eingebildet auch, aber widrige Umstände hatten sie statt in die Künstlergarderobe ins Vorzimmer verschlagen, und ob das Leben als solches ihrem Leben als solchem noch etwas zu bieten hätte, das war eine Frage, von deren Beantwortung es abhing, ob sie sich jetzt einem Tränenausbruch versagen oder hingeben würde. Würde! Würde!! In ihrem Herzen? Ja! In ihrem Dasein? Oje! Sicherheitshalber weinte sie erst mal ein wenig. Aufhören kann man ja immer noch, wusste sie von ihrer Karriere, die ihrerseits nichts von ihrer Existenz wusste, und das war doch schlimm: Der Makel der realen Welt gegenüber der Utopie ist, dass sie existiert. Das macht sie so interessant wie ein Zauberkunststück, dessen Trick man schon im Programmheft lesen konnte.

Birgitta Lindquist, eine freundliche schwedische Frau, saß bei einer Tasse Tee mit Kandis und dachte: Eigentlich bin ich doch eine verwitwete bosnische Adlige. Oder ein auf einsamer Insel gestrandeter Seefahrer. Warum nicht? Die Antwort: Weil ich sie mir ausgedacht habe. Und da kann ich in den Stoff alles reinweben, was ich will, und das anziehen, worauf ich Lust habe.

Am Anfang sind es ja bloß ein paar ulkig bedruckte T-Shirts. Aber dann kommt immer dieses ausladende Festgewand an Bedeutung. Wer auf seiner Schleppe ausrutscht, ist zu weit gegangen. Mal sehen, ob ich den Mix aus Überdrehtheit und Untertreibung dieses Mal hinbekomme. Am Ende wissen wir mehr. Ein bisschen mehr.



Mit geschlossenen Augen die Nasenspitze berühren; Treppensteigen, ohne auf die Füße zu starren – das ist Propriozeption. Geläufiger dafür ist der Begriff ‚Tiefensensibilität‘. Ich sage einfach: Ich weiß, wo ich bin, auch wenn ich nicht runtergucke. ‚Wo bin ich?‘, frage ich nur im übertragenen Sinne. Der sechste Sinn soll ein Bauchgefühl sein, heißt es. Wenn ich ein Bauchgefühl habe, renne ich aufs Klo. Ich habe ein Hirngefühl.

Mein Talent zum Selbstbetrug ist verkümmert, aber in meinem Beruf war ein Gespür dafür, was jetzt passieren wird, überlebenswichtig: Fliegen gleich die Fetzen – oder bekomme ich die ersehnte Unterschrift unter den Vertrag? Im Beruflichen habe ich eigentlich nur geschummelt, wenn es sein musste, im Privaten auch, wenn ich Lust dazu hatte. Es kommt ja immer auf das Gegenüber an!

Der Umgang mit gewöhnlichen Menschen ist reizlos. Der Umgang mit Genies ist unerträglich. Also behaupte ich: Jeder Mensch ist außergewöhnlich. Das hilft manchmal. Oft hilft es nicht. Dann schweigt das Gefühl. Oder es irrt. Vorurteile sehen dem sechsten Sinn zum Verwechseln ähnlich.

Meine Mutter hatte einen Sinn für Qualität. So, wie sie Menschen einschätzte, so waren sie dann auch. Sie verstand nichts vom Geschäft – und hatte recht.

Mir sagte einmal ein Freund: „Du beschreibst Dinge, bevor sie eintreffen.“ Das klang gut.

Stimmt schon. Mit zwanzig schrieb ich über einen Rentner. Heute weiß ich, wie sich das anfühlt.

Vor dreißig Jahren schrieb ich über Krankenhäuser. Heute kenne ich sie von innen. Die Ärzte, die Pfleger, die Patienten – dösend, lauernd, verzweifelnd. Ja, so ist es.

1981 schrieb ich über den Zusammenbruch der DDR. Acht Jahre später war er da.

Lange habe ich versucht, dem, was geschieht, Bedeutung abzuringen. Oder sie hineinzuschmuggeln. Hauptsache, es bleibt etwas.

Meine polnisch-jüdische Mutter wollte im Zweiten Weltkrieg unbemerkt bleiben. Anschließend schon nicht mehr. Ich war wohl von Anfang an verhaltensauffällig.

2019 reiste ich mit Freunden am Mittelmeer entlang. Komfortabel. Und gleichzeitig sah ich: Andere leben in anderen Wirklichkeiten. Ich nannte mein Tagebuch ‚In der Blase‘. Mir kam der Titel etwas unanständig vor: wie ‚in der Harnblase‘, ‚in der Eiterblase‘. Inzwischen höre ich das Wort überall: die Finanzblase, die Wohlstandsblase – alles scheint zu platzen. Zum richtigen Zeitpunkt das richtige Wort zu finden – das ist der sechste Sinn, der hilft, das Leben zu meistern. Statt ‚Blase‘ kann man heute ‚Parallelwelten‘ sagen. Genauer, aber weniger plastisch.

Vielleicht ist das der sechste Sinn: Das richtige Wort zur richtigen Zeit zu finden.

Meine Mutter lernte meinen Vater auf ihrer Zugfahrt von Posen nach Berlin kennen. Schon vor Erreichen der Hauptstadt vertraute sie ihm. Sie vertraute ihm an: „Die Deutschen sind Idioten, und sie werden den Krieg verlieren!“ Sechster Sinn oder erste Liebe – ungefährlich war das nicht. Kassandra ist das archetypische Beispiel dafür, Unheil zu erahnen, ohne es aufhalten zu können. Sie spricht es aus. Niemand glaubt ihr.



Das Gegenteil ist häufiger: Jemand redet Blödsinn – und alle glauben es. Der nullte Sinn ist häufiger als der sechste.

Über Pädagogik: ‚Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans immer mehr.‘ – Quatsch! Hans lernt noch bis zur Letzten Ölung, und sei es das Rezept für eine toskanische Salatsoße.

Über Alkohol: ‚Jedes Glas ist ein Glas zu viel.‘ Und jede Zurechtweisung ist einmal Mundhalten zu wenig.

Endlos könnte ich noch Beispiele finden, aber ich bin ja Pastor, nicht Pauker.

Meine Fantasie hat mir die schönsten und die schlimmsten Zeiten meines Lebens beschert. Heute schreibe ich darüber. Mir von der Seele. Euch in die Seele. Mein sechster Sinn ist keiner. Er ist ein Gemisch aus Erfahrung, Irrtum und Hoffnung. Ich richte mich auf und schreite von meiner Kanzel. Nach Möglichkeit, ohne zu stolpern.

Euer ehrwürdiger Seelsorger
Hanno Rinke


Eisinsel

Grafiken (2): KI-generiert via Artlist

72 Kommentare zu “Der sechste Sinn

    1. Ich dachte immer die sonntäglichen Predigten soll man nicht auf leeren Magen empfangen 😉 Aber genau wie das richtige Wort zur richtigen Zeit kommt, kommt hoffentlich auch das Frühstück zur richtigen.

  1. Der Text hat etwas Tröstliches. Nicht dieses übliche „Vertrau deinem Gefühl“, sondern eher: Dein Gefühl liegt manchmal richtig, manchmal falsch, und meistens besteht es aus Erfahrungen, Erinnerungen und Hoffnungen. Das erscheint mir sehr viel lebensnäher als die Vorstellung eines geheimnisvollen sechsten Sinns.

  2. Ich fand Satz „Der nullte Sinn ist häufiger als der sechste“ herrlich! Überhaupt mag ich solche kleinen Umkehrungen von bekannten Weisheiten. Klar, sie sind witzig, aber nie bloß Kalauer. Dahinter steckt immer die Beobachtung, dass Menschen oft erstaunlich bereitwillig Unsinn glauben, solange er überzeugend vorgetragen wird.

      1. Noch besser. Meine Wochen sind gerade so schrecklich ernst und voll. Etwas Unsinn zum Sonntag kann da nicht schaden.

  3. Birgitta Lindquist, die sich mal eben als jemand völlig anderes vorstellen könnte, fand ich eine schöne Idee. Dieses „Ich könnte auch jemand anderes sein“-Spiel kennt man ja selbst manchmal, auch wenn man es selten so bewusst denkt.

    1. Immer wieder mal rufe ich mir die Gelegenheiten ins Gedächtnis, bei denen eine andere Entscheidung oder eine fehlende Begegnung das ganze Leben verändert hätte.

      1. Ja, das hat etwas leicht Schwindelerregendes, weil diese kleinen Abzweigungen im Rückblick so klar wirken, obwohl man sie im Moment gar nicht als solche wahrnimmt. Oft sind es ja gerade die unspektakulären Entscheidungen oder Zufälle, die im Nachhinein wie Drehpunkte erscheinen.

        Gleichzeitig bleibt es natürlich beim Gedankenspiel. Man landet schnell bei Versionen von sich selbst, die nie real geworden sind und deshalb auch nicht wirklich greifbar werden. Trotzdem ist es interessant, wie stark dieses „Was wäre gewesen, wenn“ manchmal nachhallt, ohne dass es eine Lösung dafür gibt.

        Gerade bin ich selbst in einer Situation, in der genau solche Fragen sehr präsent sind und sich nicht so leicht wegschieben lassen. Es ist nicht unbedingt einfach, damit umzugehen, weil diese möglichen Alternativen so ganz nah wirken und trotzdem nicht mehr erreichbar sind.

      2. Die einen halten es für Zufall, die anderen für Fügung. Immer das Beste draus zu machen, ist eine lebenslange Aufgabe. Meistens denkt man ja bloß: „Warum ist mir das passiert?“ „Wie schön, dass mir gestern nicht die Brieftasche geklaut wurde oder ich vom Bus überfahren worden bin“, denkt man seltener. Aber Glück ist oft die Abwesenheit von Unglück.

      3. Stimmt, das kippt schnell in dieses „Was wäre gewesen“-Denken, obwohl man im Alltag meistens einfach nur durchkommt, ohne groß darüber nachzudenken.

        Und ja, das Gute nimmt man oft viel weniger wahr als das, was schiefgehen könnte oder fast schiefgegangen ist.

      4. Man kann sich einfach nicht ständig über das freuen, was nicht schief gegangen ist. So kommt man ja zu nichts anderem mehr …

      5. Das stimmt natürlich. Das wäre auf Dauer auch nicht lebbar, alles ständig „mitzufeiern“, was gerade nicht passiert ist.

      6. Bereits die Nachrichen müssen darauf verzichten, aufzuzählen, wer gerade nicht ermordet wurde.

  4. Der Satz mit dem „Hirngefühl“ statt Bauchgefühl ist hängen geblieben. Klingt erst lustig, aber trifft irgendwie.

      1. Spätestens wenn ich wieder mal mexikanisch essen war, denke ich, dass die Vermutung stimmt.

  5. Es bleibt bei mir hängen, wie nah sich Intuition und Selbsttäuschung im Alltag kommen können. Man hält ein schnelles Urteil oft für Erfahrung, dabei ist es manchmal nur Routine im Denken. Der Text spielt das nicht gegeneinander aus, sondern lässt beides gleichzeitig stehen, was es ziemlich treffend macht. Manchmal entsteht genau so ein Urteil sehr schnell und wirkt im Moment völlig stimmig, als wäre es intuitiv richtig. Erst später zeigt sich, dass es oft aus wenigen Eindrücken oder vertrauten Mustern zusammengesetzt war, die man unbewusst übernommen hat. Dann wird schwer zu unterscheiden, ob es wirklich ein Gespür war oder eher eine gut funktionierende Gewohnheit im Denken.

      1. Ich kann mich nicht entscheiden ob ich mich zuerst für die Gespürschule oder doch erst einmal für die Denkschule anmelden soll…

      2. Vormittags so – nachmittags so. Bringt gleichmäßigen Fortschritt auf der ganzen Linie.

      3. Nachmittags kann man dann darüber nachdenken, was man am Vormittag alles gespürt hat und was das bedeutet. Kein schlechter Stundenplan. Wahrscheinlich hilfreicher als Algebra.

  6. Der Umgang mit Gewissheit wirkt auffällig instabil, so als würde jeder Gedanke sofort seinen eigenen Gegenbeweis mitliefern. Aussagen stehen nicht stabil, sondern scheinen sich beim Sprechen schon wieder zu relativieren. Das macht das Lesen weniger wie das Nachvollziehen einer Argumentation und mehr wie das Beobachten eines Denkprozesses in Echtzeit. Ich finde das besonders lebendig.

    1. Alle Abzweigungen mitzudenken, hält zu sehr auf, aber beim Blick strikt geradeaus sieht man bloß die Straße, nicht die Landschaft.

  7. Mich hat besonders der Gedanke beschäftigt, dass dieselbe Fähigkeit, die uns Hoffnungen, Geschichten, Möglichkeiten und Zukunftsbilder schenkt, auch Ängste und Zweifel hervorbringen kann. Oft entstehen die schönsten Momente zunächst im Kopf: eine Reise, eine Begegnung, ein neues Vorhaben. Aber genau dort entstehen auch Befürchtungen, Katastrophenszenarien und all die Dinge, die uns nachts wachhalten können.

    Deshalb fand ich den Gedanken so treffend, dass die Fantasie für beides verantwortlich sein kann. Man spricht oft darüber, wie bereichernd Vorstellungskraft ist, aber seltener darüber, wie anstrengend sie manchmal werden kann. Wer sich vieles vorstellen kann, stellt sich eben nicht nur das Gute vor. Vielleicht liegen die schönsten und die schlimmsten Zeiten tatsächlich näher beieinander, als man zunächst denkt.

    1. Fantasie ist selten so einfältig wie Gedankenlosigkeit, also auch nicht so einseitig. Wobei allerdings tatächlich manche Menschen ihren Hirngespinsten erliegen und die Wirklichkeit ausblenden.

      1. Das trifft einen wichtigen Punkt: Fantasie ist nicht automatisch etwas Edles oder Harmloses, sondern kann auch sehr dominierend werden, wenn sie sich von der Wirklichkeit löst. Gerade diese Gefahr, sich in eigenen Bildern zu verlieren, macht sie so ambivalent.

        Gleichzeitig scheint mir genau darin auch ihr Potenzial zu liegen – dass sie eben nicht eindimensional ist und sich nicht sauber in „gut“ oder „schlecht“ einordnen lässt. Vielleicht ist das weniger eine Frage der Fantasie selbst als der Frage, wie sehr man bereit ist, sie immer wieder an der Realität zu prüfen.

      2. Manches sollte Traum bleiben. Manches muss man versuchen, Wirklichkeit werden zu lassen.

      3. Ja, das trifft es gut. Es braucht wohl beides: Dinge, die bewusst im Kopf bleiben dürfen, und andere, die man eben ausprobiert, auch wenn sie nicht sicher sind.

      4. Vollständige Sicherheit ist vollständige Langeweile. Aber inzwischen ziehe ich manchmal die Ereignislosigkeit der Aufregung vor.

  8. Ich halte diesen Text nach wie vor für einen der stärksten der ganzen Reihe. Er hat etwas, was viele Essays über „Sinn“ nicht haben: Er tut gar nicht erst so, als könne er sein Thema sauber erklären. Er kreist darum, widerspricht sich, macht Witze, wird persönlich – und gerade dadurch entsteht ein Bild.

    1. Das ist eine schöne Beobachtung, weil sie genau das beschreibt, was beim Schreiben oft unterschätzt wird: dass Klarheit nicht nur aus Definitionen entsteht, sondern auch aus Bewegung, Umwegen und Brüchen.

      Gerade dieses Kreisen um ein Thema kann manchmal näher an der Erfahrung liegen als jede saubere Erklärung. „Sinn“ lässt sich ja ohnehin schwer festnageln, und vielleicht wirkt ein Text gerade dann überzeugend, wenn er diese Unsicherheit nicht versteckt, sondern sichtbar macht.

      Dass dabei Witz, Selbstbezug und gedankliche Sprünge zusammenkommen, nimmt dem Ganzen nicht die Ernsthaftigkeit, sondern macht sie eher zugänglich. Man hat nicht das Gefühl, belehrt zu werden, sondern eher, einem Denkprozess beizuwohnen, der sich erst im Gehen formt.

  9. Dieses ständige Hin- und Herspringen zwischen Zufall und Fügung kennt man gut, ohne je zu einer klaren Antwort zu kommen.

  10. Ich hatte auch mal eine Freundin, die augenscheinlich Dinge beschrieb, bevor sie eintrafen. Aber am Ende funktioniert so etwas wahrscheinlich wie ein Horoskop. Wenn es passt, dann akzeptiert man es gerne.

      1. Das, was wahr geworden ist, merkt man sich. All die Falschaussagen vergisst man.

      2. So läuft es ja bei vielen Dingen. Man versteht erst im Nachhinein und baut sich eine Geschichte, die man sich selbst und anderen erzählt.

  11. Das Misstrauen gegenüber dem eigenen „Wissen“ wirkt hier fast wie ein roter Faden. Das fand ich sehr interessant.

      1. Wer nie an sich zweifelt, lernt wenig dazu. Wer ständig an sich zweifelt, kommt irgendwann nicht mehr voran. Irgendwo dazwischen muss man wohl seinen Platz finden.

      2. …Sonst verbringt man am Ende mehr Zeit mit dem Nachdenken über das Leben als mit dem Leben selbst.

  12. Was mir besonders aufgefallen ist: Immer wieder taucht die Frage auf, wie Geschichten entstehen. Nicht nur die Geschichten, die man schreibt, sondern auch die, die man über sich selbst erzählt. Oft merkt man gar nicht, wie sehr diese Erzählungen das eigene Leben prägen.

  13. In der Bemerkung über die Karriere, die nichts von der eigenen Existenz weiß, steckt viel drin. Man verbringt Jahre damit, etwas aufzubauen, und trotzdem beantwortet Erfolg nicht automatisch die Frage, wie man eigentlich leben möchte.

    1. Und wenn – wie bei Miss Mute – die Karriere nicht stattgefunden hat, weiß man auch nicht, wie glücklich sie einen gemacht hätte.

      1. Man kann nicht nur einem gescheiterten Traum nachtrauern, sondern auch einer möglichen Zukunft, die vielleicht gar nicht so glücklich gewesen wäre, wie man sie sich vorstellt.

  14. Zwischen all den Abschweifungen und Einfällen ist beeindruckend, dass da auch eine gewisse Gelassenheit mitspielt. Die Erkenntnis, dass man sich irren wird, dass man Dinge missversteht und später anders sieht. Das klingt gar nicht resigniert, sondern fühlt sich eher wie eine Form von Freiheit an. Oder es klingt zumindest so.

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