Jesus flog rauf zu seinem Vater:
„Mir reicht’s jetzt. Lass mich kommen!“, bat er.
„Ich bin gestorben für die Leute,
jetzt will ich aber heim, noch heute!“
Sein Grab war schon seit Ostern leer,
er hatte keine Bleibe mehr;
doch das war eigentlich egal:
sein Leib war seit dem Tod astral
und dennoch ziemlich arg geschunden:
Thomas bewunderte die Wunden.
Die andern glauben es auch so,
sie hatten eben mehr Niveau,
erfüllt von ihrer Heilsmission:
„Jesus ist wahrlich Gottes Sohn!“
Sie glaubten so sehr,
sie glaubten so schwer,
sie zogen rings ums Mittelmeer,
um „Auferstehung!“ zu verkünden
und die Vergebung aller Sünden:
bereut, gebeichtet und vergessen!
Manch Frühchrist wurde unterdessen
von weniger frommen
Soldaten vernommen
und ohne „Te Deum“
im Colosseum
von Löwen geringschätzig aufgefressen.
Ihr Blut floss in Arena-Sand –
Von Auferstehung? Nichts bekannt,
doch können wir das nicht ermessen:
Es liegt in Gottes Vater-Hand.
Sein Sohn bat sich nur eines aus:
Hol mir auch die Mama nach Haus!
Papa ließ sich ein wenig Zeit:
Mitte August – dann war‘s so weit.
Wir andern hoffen still ergeben
von diesem auf das nächste Leben:
auf Himmelfahrt aus kühlem Grab?
Wir greifen’s auf, wir warten’s ab …
Juden, Christen und Weltgericht:
Dies ist ein ernsthaftes Gedicht –
Formal dagegen ganz wie ich:
altmodisch! Darum reimt es sich.

Ich würd auch gerne heim. Nicht zum himmlischen Vater, eher ins eigene Zuhause.
Und? Geht’s nicht?
Klingt wie eine Predigt, die Hegseth seinen Soldaten mitgibt.
Ich fürchte, er ist weniger ironisch.
„Sie glaubten so sehr, / sie glaubten so schwer“ – diese zwei Zeilen haben mich getroffen. Darin steckt doch die ganze Last und Größe des Christentums. Auch heute noch.
Ja, ganz so absurd, wie es zunächst anmutet, ist das Gedicht nicht.
Wünscht man eigentlich Frohe Himmelfahrt?
eher nicht. aber einen schönen vatertag, wenn man seinen vater mag.
… oder einer ist.
Bibelwissen, Kirchengeschichte und Alltagssprache und dann fast ein Berliner Tonfall … Ich hab mich über die Kombi amüsiert.
Kombi ist mein Alleinstellungsmerkmal.
Hofft man wirklich auf das nächste Leben? Was, wenn es nicht besser sondern übler wird als das aktuelle?
Demjenigen, der jetzt schon strauchelt und sich quält kann die Sorge erstmal egal sein. Ich finde aber die Frage viel spannender: Will man eher ein ewiges Leben nach dem Tod, oder in einem zweiten Leben nochmal komplett neu anfangen?
Wenn das nächste Leben übler wird als dieses, wird das übernächste vielleicht wieder lustiger.
Das unterscheidet den Optimisten vom Pessimisten 😉
Realismus wäre am angemessensten, aber der hat, wo der Glaube im Spiel ist, wenig Chancen.
Der Realismus erklärt die Welt – der Glaube versucht, sie auszuhalten 🤷🏻♂️
Womöglich wäre ein wenig mehr Realismus für Religionen gesund. Aber ganz ohne Illusionen hält der Mensch die eigene Endlichkeit offenbar schlecht aus.
… und handelt sich dadurch neue Probleme ein.
Ein herrlich altmodisches Gedicht – aber das meine ich ausdrücklich als Kompliment. Die Reime tragen den Text nämlich mit Leichtigkeit, obwohl es um schwere Themen geht. Heute schreiben nur noch wenige so souverän formal.
Darum bleibe ich ja auch dabei, um das Altmodische mit dem Zeitlosen zu verbinden.
Das Gedicht glaubt und zweifelt zugleich. Genau deshalb wirkt es mir eigentlich viel moderner, als der Autor selbst behauptet.
Koketterie.
Viel ehrlicher kann man über Jenseitshoffnung kaum schreiben: „Wir greifen’s auf, wir warten’s ab …“
Ich ärgere mich nur immer darüber, dass man, falls dann Schluss ist, den siegesgewissen Selbstmordattentätern nicht mehr sagen kann: „Siehste, hier is nix!“
Das ist der vielleicht unerquicklichste Gedanke an der ganzen Sache:
Dass die Fanatiker, die für ein eingebildetes Paradies andere mit in den Tod reißen, niemals erfahren müssen, dass sie sich geirrt haben könnten. Der Zweifel bleibt immer den Lebenden überlassen.
Ich weiß, es ist rechthaberisch, aber mich stört dieses angebliche Happy End, für eine gute Sache gestorben zu sein, doch gewaltig. Aber Leben ist nun mal anstrengender als die Narkose des Totseins.
Ich denke dann immer wie verloren mir ein Leben scheint, das man nur in der Zukunft lebt anstatt im Jetzt.
Der Wunsch, den Fanatikern ihr Irrtumserlebnis gönnen zu können, ist ziemlich menschlich, finde ich. Aber man wird leider nie zu so einer Befriedigung kommen.
Der Glaube kennt Zweifel. Der Fanatismus hält sich für unangreifbar – selbst über den Tod hinaus. Das ist doch der große Unterschied.
Ich frage mich, wer besser lebt.
Fast eine kleine theologische Ballade. Man merkt, dass hier jemand schreibt, der die christlichen Geschichten wirklich kennt, aber sie deswegen nicht gleich ehrfürchtig verstauben lässt. Ich hab mich jedenfalls über den Feiertagsbeitrag gefreut.
Danke! So war es gemeint, bevor es am Sonntag wieder allgemeiner wird.
Respektvoll und trotzdem frech.
Das geht.
Muss man aber erstmal können. Viele, gerade im Bereich Unterhaltung, TV, Comedy machen sich ja gerne lustig und lassen den Respekt dabei links liegen wenn dafür ein Lacher drin ist.
Tja, vielleicht, weil echter Respekt voraussetzt, dass man sein Thema ernst nimmt – und nicht bloß als Zielscheibe benutzt…
Manchen gilt bloße Respektlosigkeit bereits als Tugend.
Mich überrascht, wie stark das Gedicht eigentlich erzählerisch aufgebaut ist. Es wirkt zunächst verspielt und episodisch, fast wie eine lose Folge von Szenen aus der Heilsgeschichte, aber im Hintergrund entsteht doch eine klare Bewegung: von der Auferstehung über die Ausbreitung des Glaubens bis hin zur stillen Gegenwart des Zweifelns.
Aufbau ist mein Schönstes!
Ich hoffe Sie haben einen schönen Feiertag gehabt. Ich selbst bin auf alle Fälle sehr froh über dieses lange Wochenende.
Mein Leben unterscheidet nicht mehr zwischen Werk- und Feiertagen. Ein enger Freund hat für uns indonesisch gekocht. Das war weihevoll genug.
Das klingt aber trotzdem nach einem äußerst schönen Tag. Ich beneide Sie ein wenig und freu mich nun auf Sonntag.
Das Wetter war launich, aber im Herzen schien die Sonne.