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Sonntagspredigten

Himmelfahrt am Vatertag

Jesus flog rauf zu seinem Vater:
„Mir reicht’s jetzt. Lass mich kommen!“, bat er.
„Ich bin gestorben für die Leute,
jetzt will ich aber heim, noch heute!“
Sein Grab war schon seit Ostern leer,
er hatte keine Bleibe mehr;
doch das war eigentlich egal:
sein Leib war seit dem Tod astral
und dennoch ziemlich arg geschunden:
Thomas bewunderte die Wunden.
Die andern glauben es auch so,
sie hatten eben mehr Niveau,
erfüllt von ihrer Heilsmission:
„Jesus ist wahrlich Gottes Sohn!“
Sie glaubten so sehr,
sie glaubten so schwer,
sie zogen rings ums Mittelmeer,
um „Auferstehung!“ zu verkünden
und die Vergebung aller Sünden:
bereut, gebeichtet und vergessen!
Manch Frühchrist wurde unterdessen
von weniger frommen
Soldaten vernommen
und ohne „Te Deum“
im Colosseum
von Löwen geringschätzig aufgefressen.
Ihr Blut floss in Arena-Sand –
Von Auferstehung? Nichts bekannt,
doch können wir das nicht ermessen:
Es liegt in Gottes Vater-Hand.
Sein Sohn bat sich nur eines aus:
Hol mir auch die Mama nach Haus!
Papa ließ sich ein wenig Zeit:
Mitte August – dann war‘s so weit.
Wir andern hoffen still ergeben
von diesem auf das nächste Leben:
auf Himmelfahrt aus kühlem Grab?
Wir greifen’s auf, wir warten’s ab …
Juden, Christen und Weltgericht:
Dies ist ein ernsthaftes Gedicht –
Formal dagegen ganz wie ich:
altmodisch! Darum reimt es sich.

7 Kommentare zu “Himmelfahrt am Vatertag

  1. „Sie glaubten so sehr, / sie glaubten so schwer“ – diese zwei Zeilen haben mich getroffen. Darin steckt doch die ganze Last und Größe des Christentums. Auch heute noch.

  2. Bibelwissen, Kirchengeschichte und Alltagssprache und dann fast ein Berliner Tonfall … Ich hab mich über die Kombi amüsiert.

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