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Sonntagspredigten

Alle sieben Sinne im Sixpack

+ + + SECHS LEKTIONEN ÜBER ALLES + + +



Liebe Gemeinde, liebe Neuzugänge!

Wir haben fünf Sinne. Sagt man. Und mit denen kommen wir ganz gut zurecht – bis wir merken, dass wir uns dauernd irren.

Wir sehen, was wir sehen wollen.
Wir hören, was wir verstehen können.
Wir schmecken, was wir kennen.
Wir fühlen, was uns passt.
Und wir denken – na ja.
Dann erfinden wir noch einen sechsten Sinn, damit wir uns erklären können, warum wir manchmal richtigliegen, ohne zu wissen, wieso.
Und am Ende bleibt oft genug ein siebter: Unsinn.

Ich habe in diesen Texten nichts bewiesen. Ich habe nur hingeschaut, hingehört, nachgeschmeckt, nachgefühlt und nachgedacht.

Ordnung habe ich keine geschaffen. Wenn überhaupt, hat sich zwischendurch eine ergeben – und gleich wieder verflüchtigt. Wer nach Antworten sucht, wird wenige finden. Wer nach Fragen sucht, wird fündig.

Am Ende bleibt vielleicht kein Sinn. Aber es bleiben ein paar Spuren. Und die Hoffnung, dass man ihnen noch einmal begegnet – im Kopf, im Bauch oder sonst wo.

Euer aufmerksamer
Hanno Rinke



80 Kommentare zu “Alle sieben Sinne im Sixpack

  1. Bei all den unkontrollierbaren Stürmen in der Welt … Wenigstens auf Hanno Rinke ist Verlass. Ich freue mich auf die neue Reihe!

      1. Leider ist das Leben vieler alter Menschen durch Langeweile belastet, ohne dass der Tod sich ihrer erbarmt. Vielleicht besteht die Hölle anschließend nicht aus Feuerbrunst, sondern aus Langeweile. Allerdings muss sich das Paradies sehr anstrengen, dass es nicht in dieselbe Kerbe haut.

      2. Immer wenn ich über ein ewiges Leben oder so etwas höre, denke ich mir tatsächlich, dass das nach ein paar Hundert Jahren unglaublich langweilig sein muss.

      3. Inzwischen finde ich sogar Action-Filme langweilig. Gott hat aber bestimmt eine Nadel, mit der er die richtige Stelle in meinem Sein anpiekst, und ich bin die ganze, lange Ewigkeit hindurch glücklich.

      1. Aber er ist nicht nur catchy, sondern auch wahr. Gekonnt auf allen Linien würde ich sagen. Jedenfalls freue ich mich ebenfalls. Ich wünsche einen schönen Sonntag.

      1. Lieber ist es mir, Sie wundern sich über meine Gedanken, als darüber, dass ich still bin – was mir auch nie lange gelingt.

      1. Der Mai ist ein munterer Monat. Wenn schon die Bäume ausschlagen – warum sollte ich es nicht tun?

      2. Ich liebe es, über das Wetter zu reden. Da kann ich endlich mal was Unverfängliches sagen. Also, wir haben mittags in meinem Lieblingslokal draußen gegessen, mit Jacke. Noch sind wir Hamburg. Von Juni bis Oktober sind wir Italien. Da werde ich die Jacke wohl ausziehen.

  2. Hinschauen, hinhören, nachfühlen und nachdenken ist so viel mehr als man von den meisten Texten gewohnt ist. Kein Wunder, dass ihr Blog so gut funktioniert.

  3. Den Sin kann man sich ja selbst suchen, falls er tatsächlich nicht offensichtlich sein sollte. Aber aus Erfahrung mache ich mir eigentlich keine Sorgen. Ihre Positionen sind ja in der Regel ziemlich deutlich.

  4. „Wer nach Fragen sucht, wird fündig.“ Das könnte man eigentlich über den gesamten Blog schreiben. Im Positiven natürlich.

    1. Also, ein paar vorlaute Antworten formuliere ich wie immer trotzdem. Aber die Weisheit mit Löffeln gefressen habe ich nicht. Besteck ist mühsam.

      1. Das Problem: Ich konnte das Wasser nicht halten. Zumal es dieses Mal keine einzelnen Themen sind, sondern ein großer Zusammenhang besteht.

  5. Der Satz über das Sehen, was man sehen will, hat mich ziemlich erwischt. Wahrscheinlich wahrer, als mir lieb ist.

    1. Wahrheiten, die man kennt, braucht man sich ja auch nicht sagen zu lassen. Obwohl viele Menschen Bestätigung mehr genießen als Einsicht.

      1. Bestätigung ist beruhigend. Einsicht dagegen oft anstrengend. Besonders wenn sie etwas verschiebt, das man sich gerade erst bequem eingerichtet hat.

      2. Einsicht hat leider den Nachteil, dass man danach oft nicht mehr ganz so bequem weiterdenken kann wie vorher.

      3. Die Einsicht, wie Elektrizität funktioniert, hat unser Leben eigentlich bequemer gemacht.

      4. Gilt das nicht nur für den Entdecker? Der User braucht außer dem richtigen Schalter in der Wohnung ja nicht viel über Elektrizität zu wissen. Viel Einsicht schein mit da nicht nötig…

      5. Es gibt, glaube ich, Einsicht, die Spaß macht und Einsicht, die erschüttert. Das Wort selbst ist völlig wertfrei.

  6. Ich hatte erst nur kurz in die letzte Serie reingelesen. Meine Freundin sagte, ich soll Ihren Blog erkunden. Bisher finde ich die Texte äußerst klug, sehr komisch und stellenweise auch erstaunlich zärtlich. Ich bin also gespannt was Sie und nächste Woche präsentieren.

  7. Zwischen Sinn und Unsinn liegt offenbar Ihre natürliche Komfortzone — und wir dürfen mit hinein. Ich freue mich auf die Reihe.

    1. Zone ja. Der Komfort ist erst jetzt da, wo ich fertig bin und hoffe, dass mir einige Kommentare ein paar neue Unbequemlichkeiten machen werden.

      1. Ah, das heißt dann hat der Text seinen eigentlichen Zustand vielleicht erst jetzt erreicht, nicht abgeschlossen, sondern wieder offen für Widerspruch, Reibung und neue Gedanken.

      2. Redaktionsschluss ist Donnerstag Nachmittag. Kleine aktuelle Umstellungen habe ich aber auch schon samstags vorgenommen.

      3. Das heißt der Rahmen für die jeweilige Serie ist im Vorfeld abgesteckt und trotzdem kann sich alles auch während der Veröffentlichung noch einmal verändern?

      4. Wir sind fast so flexiber wie Donald Trump in seinen Meinungsumschwüngen. Nur die KI ist etwas flinker als ich (außer bei meinen Antworten auf Ihre Kommentare).

      5. Der entscheidende Unterschied ist vermutlich, dass Ihre Meinungsumschwünge meist von Bildung, Neugier und Selbstironie begleitet werden. Das unterscheidet sie doch deutlich von manchen internationalen Vorbildern 😉

      1. Ha, das ist dann vielleicht überhaupt der schönste Zustand für Texte — wenn sie wie ein Pingpong zwischen Autor und Leser:innen weiterlaufen und auf beiden Seiten noch etwas in Bewegung bringen. Schon toll, was Literatur kann.

      2. Schade, dass das bei Thomas Mann nicht mehr klappt. Ich hätte ihm die ein oder andere Kürzung vorgeschlagen.

  8. Der Titel „Alle sieben Sinne im Sixpack“ stolpert absichtlich ein bisschen über sich selbst und genau das bleibt hängen.

    Sixpack klingt nach Kontrolle, Form und Training. Sieben Sinne dagegen nach etwas, das sich nicht sauber zählen lässt, eher nach Überfluss als nach Ordnung. Beides zusammen passt eigentlich nicht richtig zusammen und gerade dadurch funktioniert es.

    Man hat sofort ein Bild im Kopf, das gleichzeitig klar und unscharf ist, etwas Körperliches und Festes und daneben etwas, das ständig aus dem Rahmen rutscht.

  9. Allein der Gedanke, dass wir unsere Wahrnehmung für zuverlässig halten, während sie in Wahrheit ständig nachjustiert wird…

  10. Der Titel allein macht schon gute Laune, weil er sich nicht ernst nehmen lässt und trotzdem sofort Neugier auslöst. Sonntag kann kommen.

      1. Oh, dann gibt es also vor dem offiziellen Start schon eine kleine Vorpremiere für die treuen Leserinnen und Leser?!

  11. Diese Animationen oben machen gleich richtig Laune auf die neuen Texte. Gratulation Herr Rinke, der Blog sieht super aus.

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