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Denkabfall

Glückwunsch!

Geliebte Leserschaft!

Wer das liest, weiß schon mehr als ich, während ich es schrieb. Vielleicht nicht über das Leben im Allgemeinen, aber über die Tendenzen zum Wahlausgang im fernen Deutschland und die damit verbundenen Koalitionsmöglichkeiten, die uns sicher in den nächsten Wochen noch bis zum Er- oder Abbrechen beschäftigen werden. Wann mein eigener Beitrag in das Ergebnis Eingang finden wird, ist mir egal. Es wird schon alles seine Richtigkeit haben. Im Gegensatz zu Trumps Gefolgsleuten glaube ich an die Segnungen der Briefwahl.

Den Gedanken, gar nicht zu wählen, verwarf ich als undemokratisch, und so gab ich meine Erststimme der Partei, dessen Repräsentant uns meiner Ansicht nach in der Welt am besten vertreten kann, meine Zweitstimme denen, die mir die meisten Steuern sparen. Warum sollen alle wählen dürfen, was ihnen nutzt, nur ich soll mich ums Gemeinwohl scheren? Tu ich auch, mit meiner Stiftung und mit Spenden, aber beim Stimmzettel sehe ich das nicht ein. Wenn mich keine Ideologie und kein Kandidat (m/w) begeistert, dann kann ich doch zumindest meinem Ego einen Gefallen tun. Zudem gehe ich davon aus, dass ich mit meiner Stimmabgabe sogar auf der Siegerseite stehe. Man will ja nicht gern das sein, was alle sind, aber Verlierer sein, mag man auch nicht.

Lustige Prognose: Wenn die Regierung links wird, freut sich die Börse, weil dann mehr investiert wird. Sparen nutzt nur der nächsten Generation – und die hat an der Wahlurne nicht viel zu melden. Hauptsache, raus aus der Stagnation. Das Neue ist immer aufregender als das, was man kennt, und alle beteuern ja: „Alles wird besser, digitaler, grüner!“ – „Es gibt kein Weiter-so“ und so weiter.

Hier im Blog folgt nach einer kurzen Kunst- und Verschnaufpause auch der nächste Akt, in dem es so ungewohnt zugeht, dass sich manche Lesenden nach dem Regen in der Wüste zurücksehnen werden. – Gibt’s aber nicht! Wir sind, wie uns schon die DDR-Hymne weismachen wollte, ‚der Zukunft zugewandt‘. So wünsche ich uns allen eine fähige Regierung und Ihnen weiterhin anregende Minuten in meinem Blog.

Ihr Alleinunterhalter
Hanno Rinke

Meran, den 25. September 2021

Titelkarikatur und Abschlussgrafik: Hanno Rinke/ALEKS & SHANTU

34 Kommentare zu “Glückwunsch!

    1. Ärgerlicherweise sind wir unfähig, uns darauf zu einigen, was wir unter ‚fähig‘ verstehen. Auf den bestmöglichen Weg kommt es an, und der ist nun mal in der Politik nicht das Ziel.

      1. Die meisten wollen ja am ehesten Sicherheit. Aufbruch klingt immer erstmal gefährlich. Aber wenn’s nachher nicht stimmt, dann ärgert man sich eben auch.

    1. Die CDU hat so viele Stimmen verloren, dass man wohl kaum Glückwünsche aussprechen kann. Und die Grünen hätten eine Kanzlerin Baerbck stellen können, wenn sie einen besseren Wahlkampf geliefert hätten. Höchstens Scholz kann ein wenig feiern. Mal schauen.

      1. Herr Laschet sieht ja, trotz einem historisch desaströsen Ergebnis, einen klaren Regierungsauftrag. Nun ja.

      2. Ob das besser für Deutschland gewesen wäre, bezweifle ich, aber für die Union wäre das Ergebnis mit Söder oder Merz sicher besser gewesen.

      3. Keine Frage. Söder hätte die Union wahrscheinlich zum Sieg geführt. Ich bin trotzdem gespannt ob es nun zur Ampel kommt. Vielleicht ist das nach Merkel die bessere Alternative.

      4. Ich finde die Mischung auch gar nicht so verkehrt. Ich bin sehr gespannt was uns erwartet.

    2. Die SPD hat nun offiziell gewonnen. Ob es dadurch automatisch zu einem Kanzler Scholz kommt, steht natürlich noch lange nicht fest. Aber vielleicht ist eine schwierigere Regierungsbildung gar nicht schlecht für das Land.

      1. Zumindest müssen die Parteien nun miteinander sprechen und können nicht stur ihr Ding durchziehen.

      2. Dann muss man hoffen, dass sie sich gegenseitig anspornen und nicht gleich lähmen. Gerade bei den großen Koalitionen ist das ja nicht immer gut gegangen.

      3. Grüne und FDP beenden ihr erstes Treffen jedenfalls werbewirksam mit Selfie. So viel schlechte Stimmung kann dort scheinbar schonmal nicht geherrscht haben.

  1. Wer weiss, was am Ende besser gewesen wäre. Ich würde mich in jedem Falle erst einmal über ein wenig frische Energie im Kanzleramt freuen.

    1. Die beiden Möchte-Kanzler können nun Tee trinken, bis ihnen Grüngelb ein Angebot macht. Laschet hat das ‚Ja‘ schon auf den Lippen, denn ohne Kanzelamt hat er gar nichts mehr.

      1. Immerhin ist ihm ja mittlerweile eingefallen, dass er doch keinen Regierungsauftrag erhalten hat. Hahaha.

      2. Es ist halt immer traurig, wenn man selbst als letztes merkt, dass man verloren hat.

    1. Ich bin lediglich gespannt was das für die Ausrichtung der Bundespolitik bedeuten wird. Und gespannt wie viel sich nach 16 Jahren Merkel letztendlich ändern wird.

      1. Wahrscheinlich weniger als man denkt. Scholz ist ja auch eher ein Sozialdemokrat der Mitte.

      2. Es kommt doch erstmal auf die Koalitionsverhandlungen an. Grüne und FDP müssen vor allem in die Regierung mit der SPD wollen. Und dann muss man eben schauen welche Zugeständnisse Scholz in beide Richtungen machen muss.

      3. Also, so wenig hat sich unter Merkel ja nicht geändert. Zunächst mal ist die CDU frischer geworden. Aber noch frischer wäre sie wohl, wenn sie 2017 in die Opposition gegangen wäre.

      4. Ich bin immer unsicher, ob sich die CDU unter Merkel wirklich geändert hat. Sowohl Laschet wie Söder sind ja deutlich konservativere Politiker als Merkel selbst.

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