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Wahnsinn

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Die Präsidentengattin

Gwendolina Smith war zufrieden mit sich: Sie hatte heute keinen Cent ausgegeben. Das Essen hatte sie von den Resten des Vortages gekocht, die Abtreibung hatte sie selbst mit einem Löffel vorgenommen, und zu ihrer kranken Tante war sie zu Fuß gelaufen, um das Geld für die Kutsche zu sparen.

Foto oben links (Porträt von Annie Oakley): gemeinfrei/Wikimedia Commons | Foto oben rechts: photo one/Shutterstock | Foto unten: Maksim Shmeljov/Shutterstock

Umso entrüsteter war sie, als ihr Mann bei Sonnenuntergang vom Feld kam und ihr eröffnete: „Ich verlasse die Ranch. Dich natürlich auch.“ – „Aber warum?“, stammelte sie fassungslos, „warum? Das Essen ist fertig, es hat dir doch gestern ganz gut geschmeckt.“

Foto links: Mint Images/Fotolia | Foto rechts: ra2studio/Shutterstock

Er sah sie kalt an, die Zigarette zwischen seinen Lippen war auch ausgegangen: „Ein Mann ist nur soviel wert wie das Gold in seinen Zähnen“, sagte er schweigend, dann drehte er sich um und knallte die Tür. Gwendolina ging ins Schlafzimmer und klopfte an den Schrank: „Joe, kannst rauskommen und meine Röcke anprobieren. Bill ist weg, für immer.“

Foto: Anastasiya 99/Shutterstock

„Ach“, sagte Joe, während er sich in das Korsett zwängte, „er hatte einen so niedlichen Leberfleck unter dem Bauchnabel.“ – „Woher willst du Schlauberger das wissen?“, fragte Gwendolina lachend. „O, er hat mich manchmal unten am Fluss vergewaltigt, nachdem wir dem Vieh das Zeichen eingebrannt hatten. Hat ihn wohl irgendwie scharf gemacht.“

Bild: lynea/Shutterstock

Foto: CLP Media/Shutterstock

„Männer!“, sagte Gwendolina kopfschüttelnd, während sie sich ein paar Dollar griff. „Ich geh rasch zum Saloon rüber und hol uns ein paar Hummerbrötchen, Natursekt haben wir ja selber.“

Foto: DCornelius/Shutterstock

Gwendolina stürmte davon – und kam niemals wieder. Im Saloon traf sie nämlich Abraham Lincoln, der gerade auf der Durchreise war (Wahlkampf). Er nahm sie mit sich nach Washington als seine ihm flink angetraute Frau.

Foto (Porträt von Mary Lincoln): gemeinfrei/Wikimedia Commons

Sie hatten viele Pläne, aber keine Sklaven. Erst nachdem der Schauspieler J. Wilkes Booth, ein fanatischer Südstaatler, Lincolns Leben am 14. April 1865 in Ford’s Theatre durch einen Pistolenschuss ein Ende gemacht hatte, ehelichte sie Joe. Aber das war dann ja schon in Alabama.

Foto: Kiselev Andrey Valerevich/Shutterstock | Fotos im Titelbild (v. l. n. r.): gemeinfrei/Wikimedia Commons | Mint Images/Fotolia | lynea/Shutterstock | Kiselev Andrey Valerevich/Shutterstock

Anmerkung zum Text: Meine Rechtsberatung empfiehlt mir, darauf hinzuweisen, dass ich die Geschichte bloß vom Hörensagen her kenne oder mir womöglich selbst ausgedacht habe, um zu vermeiden, dass sich irgendwer in seinen Persönlichkeitsrechten beeinträchtigt fühlt – so rein zufällig …

10 Kommentare zu “Die Präsidentengattin

  1. Die Gwendolina gefällt mir doch zu gut. Nun war sie den undankbaren Ehemann los und der Weg war frei für den geilen Joe, der im Karierten und sicher auch im Korsett, sehr sexy aussieht – im Vergleich zu Bill. Und vielfältige Erfahrungen hatte er ja auf der Ranch mit Mensch und Tier sammeln können.
    Hätte sie doch bloss nicht die Hummerbrötchen gekauft. Doch wahrscheinlich ist das das richtige Zubrot zum Natursekt. Zu dumm, dass sie auf diesen Lincoln treffen musste und ihn auch noch
    ehelichte – nur Pläne und keine Sklaven. Welch ein Leben!
    Zum Glück gibt es ja ein Happyend – wenn auch erst in Alabama. Ohne Happyend geht es nicht bei mir – sogar mein Klopapier heisst so.

    1. Hahaha! Ich habe über den Artikel genauso gelacht wie über den Kommentar. Ich hoffe die Hupe ist drei Jahre später tatsächlich abgeschaltet 😉

    1. Nicht, dass sich Gwendolina’s Nachkommen auf die Füße getreten fühlen. Wer will schon die Urgroßmutter als Natursekt-Liebhaberin gebrandmarkt wissen.

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