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Gereimtes und Ungereimtes

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Das Gasthaus ‚Zur Erinnerung‘

DAS GASTHAUS ‚ZUR ERINNERUNG‘

Ich kenn’ und liebe eine Schänke,
da gibt es nur todbringende Getränke.
Das Bier, der Schnaps, der Wein –
und selbst das Wasser muss vergiftet sein.
Denn alles andere wär’ dort verfehlt,
weil nur der Todeskrug die Kundschaft so beseelt,
wie’s ihr entspricht:
Bis ihr das Hirn nicht schmilzt und ihr das Herz im Leib zerbricht,
gibt sie nicht Ruh’.
Sie redet sich in Rage,
die Bagage,
und jeder hört nur noch sich selber zu.
Der Säufer nimmt den Denkverlust als guten Boten
und unterscheidet nicht die Träumer von den Toten.
So trinkt und lacht und weint die Geisterrunde,
bis zur Wegsperrstunde.
Dann sterben auch die Letzten, und die Wirtin löscht das Licht.
Sie seufzt und macht den Laden dicht.

(1997)

Foto: Johannes shymar27/Shutterstock | Titelillustration mit Material von Shutterstock: Everett – Art, picturepartners, Nikelser Kate | Motiv mit Tropfen: dkidpix/Shutterstock

20 Kommentare zu “Das Gasthaus ‚Zur Erinnerung‘

      1. Man muss sich vor allem bewusst sein was Erinnerung und was Gegenwart ist. Dann kann man auch schonmal einen Abstecher ins Gasthaus machen.

      1. Noch’n Quote: „Jetzt sind die guten alten Zeiten, nach denen wir uns in zehn Jahren zurücksehnen.“ Ustinov. Der Ansatz könnte dem einen oder anderen vielleicht helfen 😉

  1. Bis ihr das Hirn nicht schmilzt und ihr das Herz im Leib zerbricht, gibt sie nicht Ruh’ … eigentlich doch gar keine so schlechte Aussicht. Solange wir am leben sind, wollen wir auch leben!

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