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Tänzer außer der Reihe

Dialog 26: Im Heim

LETZTE EHRE

(Der Reporter: R; der Interviewte: I)

R: Herr Böttcher?

I: Ja.

R: Guten Tag! Ich bin Nick Landau.

I: Das denk’ ich mir. Kommen Sie rein! Guten Tag, guten Tag! Hier lang! Hier geht es lang. Es ist schrecklich eng. So, hier rein! ‚Seniorenwohnsitz‘ nennt sich diese Behausung, da denkt man doch an ein Landgut, aber nicht an so was wie das. Bitte, setzen Sie sich, setzen Sie sich doch! Was möchten Sie trinken?

R: Nichts, vielen Dank.

I: Was soll das heißen, nichts? Ich rede nicht mit Ihnen, wenn Sie nichts trinken, da komm’ ich mir ja vor wie beim Verhör.

R: Also gut. Haben Sie ein Mineralwasser?

I: Mineralwasser hab’ ich nicht. Da können Sie auch gleich Leitungswasser trinken.

R: Was haben Sie denn?

I: Alles: Bier, Schnaps, Wein. Ich mach’ Ihnen auch einen Kaffee oder Tee, schwarz oder Hagebutte.

R: Ich möchte Ihnen keine Umstände machen.

I: Herrgott noch mal, was haben Sie sich denn so! Sie werden mich den ganzen Nachmittag lang ausquetschen. Warum soll es mir denn da zu viel sein, eine Flasche aufzumachen?!

R: Gut, dann trink’ ich ein Bier.

I: Also ein Bier. Wie ich. – Oder trinken Sie keinen Alkohol? Nicht, dass Sie gleich als Erstes schreiben, ich verführe hübsche junge Männer zu abwegigen Genüssen.

R: So hübsch bin ich doch gar nicht.

I: Aber jung. Jedenfalls für meine Begriffe. Sie sind doch nicht älter als Mitte dreißig.

R: Ich bin achtundzwanzig.

I: Wie ich sage, nicht älter als Mitte dreißig.

R: Es macht Ihnen hoffentlich nichts aus, wenn ich unser Gespräch aufzeichne?

I: Bitte, machen Sie, was Sie wollen! Nachdem ich auf Ihre Anzeige in unserem Kümmelblättchen geantwortet habe, bin ich ja selber schuld an allem.

R: Ich find’ das toll, dass Sie so spontan reagiert haben.

I: Na ja, was hab’ ich denn noch groß zu tun? Ewig im Internet rumsurfen, da komm’ ich gar nicht immer so mit, und fürs Smartphone sind meine Finger zu dämlich. Da les’ ich dann auch schon mal die ‚Apotheken-Umschau‘, die richtige Zielgruppe bin ich ja. Irgendwie nehm’ ich mir das ’n bisschen übel, ist ja ’n Zeittotschlagen, aber diesmal hat’s wenigstens was gebracht. – Die Formulierung ‚Journalist sucht älteren Homosexuellen für Reportage‘ fand ich allerdings ganz schön geziert, aber, mein Gott, was hätten Sie auch sonst schreiben sollen? Auf ‚Journalist sucht alte Schwuchtel‘ hätt’ sich ja wohl niemand gemeldet.

R: Ich möchte sowieso, dass Sie von Anfang an wissen, dass ich keinerlei diskriminierende Absichten verfolge. Ich schreibe – also pauschal ausgedrückt – für ein linksliberales Blatt, und wir erstellen gerade eine Serie über Minderheiten, die nicht so sehr im Blickfeld der Öffentlichkeit stehen.

I: Soso. Warum sind Sie eigentlich nicht einfach in ein entsprechendes Lokal gegangen?

R: Na ja, ich … Wir dachten, ältere Leute gehen doch seltener aus.

I: Waren Sie schon mal in einem Lokal für Männer?

R: Ja, ich hab’ mal eins gesehen. Also, ich meine, ich war auch drin, klar.

I: Und?

R: Na ja, da standen eben viele junge Männer rum, gut angezogen. Die übliche Musik. Es war eigentlich sehr nett.

I: Was heißt eigentlich?

R: Ja, es war sehr nett. Ich habe mich ... wohlgefühlt.

I: Wirklich?

R: Ja. Ich war nicht allein.

I: Sonst hätten Sie sich nicht wohlgefühlt?

R: Doch, doch, schon. Wirklich.

I: Sie gehen in Männerbars wie in den Zoo und Sie halten mich für eine Mumie, die allenfalls noch zum Arzneikaufen vor die Tür tritt. Warum wollen Sie das Interview überhaupt machen?

R: Ich ... Wir finden es wichtig, dass dieses Interview stattfindet.

I: Ich finde es auch wichtig, dass Abrüstungskonferenzen stattfinden. Wie Sie sehen, bin ich trotzdem nicht in Genf.

R: Also ich halte Sie nicht für eine Mumie.

I: Das beruhigt mich. Und gegen Homosexuelle haben Sie ja auch nichts.

R: Wenn es Ihnen nicht recht ist, dann geh’ ich auch wieder. Wir dachten, wir wollten Ihnen helfen mit unserem Beitrag.

I: Junger Mann, Sie werden mir überhaupt nicht helfen. Aber ich werde Ihnen helfen, Ihr Interview zu machen. So, und nun fangen Sie an!

R: Ich möchte Ihnen sagen, dass Sie selbstverständlich anonym bleiben.

I: Na, das ist wohl auch besser so. Viel Verehrerpost hätt’ ich kaum noch zu erwarten.

R: Herr Böttcher, Sie leben hier in einem schönen Heim –

I: Seniorenwohnsitz …

R: Sie haben ein eigenes Appartement mit kleinem Balkon und Blick ins Grüne.

I: Schreckliche Sauerei im Herbst mit den Blättern von der Weide.

R: Ihr Zimmer ist hübsch eingerichtet und voll mit persönlichen Gegenständen.

I: Alles Krimskrams. Aber im Alter sammelt man eben. Man klammert sich an Gegenstände und an Erinnerungen.

R: Die äußeren Bedingungen, unter denen Sie leben, sind also überdurchschnittlich gut.

I: Wenn Sie es mit einem Obdachlosenasyl vergleichen: ja.

R: Auch sonst. War das langfristige Planung auf den Lebensabend hin oder ist das Glück?

I: Das ist nicht Glück. Das ist Geld. Ich habe geerbt.

R: Wollen Sie mir darüber erzählen?

I: Unbedingt, denn es ist saukomisch. Ich habe nie gespart. Ich war sicher, ich sterbe jung, und wozu sollte ich was hinterlassen? Na, ich hab’ mich noch öfter geirrt. Meine jüngere Schwester hat, wie ich, nie geheiratet, meine Eltern waren wohl kein Vorbild in der Beziehung. Vielleicht  – Schrecklicher Gedanke! Jedenfalls war sie sehr tüchtig. Ohne finanzielle Unterstützung hat sie Medizin studiert, was gar nicht einfach war, damals nach dem Krieg, und sie hatte dann eine gut gehende Praxis: Augenärztin. – Wär’ nichts für mich. Ich hab’ ja auch schon ein paar Menschen tief in die Augen gekuckt – aber von morgens bis abends, das muss doch abstumpfen. Vielleicht hat sie deshalb nie geheiratet. Dass wir kein gutes Verhältnis miteinander hatten, brauch’ ich wohl nicht zu betonen, umso lustiger war’s, dass ich sie dann beerbt hab’: total! So gewissenhaft wie sie immer war, aber ein Testament hat sie merkwürdigerweise nie gemacht. Jedenfalls wurde keins gefunden. Sonst hätt’ ich bestimmt nur meinen Pflichtteil gekriegt. Sie hatte, glaub’ ich, Angst vor dem Tod und drängte den Gedanken weg. Sie deutete mal so was an. Warum, ist mir ein Rätsel, denn was hatte sie zu verlieren? Na ja, das ist ungerecht. Man kann das nie beurteilen, was für jemand anderen von Bedeutung ist. Jedenfalls nachdem sie fremden Leuten lange genug in die Augen gekuckt hatte, schloss sie die eigenen für immer. Und das eigentlich ganz undramatisch: Sie hatte wohl in ihrer Wohnung abends ein zu heißes Bad genommen – und vielleicht auch einen aus der Flasche, wer weiß –; jedenfalls stieg sie aus der Wanne, fiel um und war tot. Es war das Impulsivste, was sie je getan hat. Gründlich, wie sie war, schlug sie mit dem Kopf noch gegen den Wasserhahn. Na ja. Es tat mir leid für sie. Ihr Leben war zu kurz und zu freudlos gewesen – oder weil es so freudlos gewesen war, vielleicht auch lang genug. Immerhin fiel mir ein kleines Vermögen zu, und da entschloss ich mich, hierherzuziehen, als meine Altbauwohnung gekündigt wurde. Erst gefiel mir der Gedanke ja gar nicht, nur unter alten Leuten zu sein, aber inzwischen muss ich ja doch auch an später denken. Hier hat man Pflege, wenn’s nötig wird, es ist so ganz nett alles, und wenn ich die Tür zumache, dann seh’ ich das Friedhofsgemüse um mich rum ja nicht.

R: Sie haben es also den äußeren Umständen nach sehr gut getroffen.

I: Kann man sagen. Und das beeinflusst die inneren Umstände positiv.

R: Was denken Sie: Wird in unserem Staat genug getan für alte Menschen?

I: Was ich denke? Denken darf man alles, sagen schon viel weniger. Also, ich könnte sagen: Nein, es wird nicht genug getan. Aber dann müsste ich auch sagen, es wird zu wenig getan für junge Menschen, für Behinderte, für Arbeitslose. Für mich selbst kann ich nicht mehr verlangen, und die anderen – das kann ich sehr schwer beurteilen. Den Leuten hier im Haus geht es ja so weit ganz gut. Ich hab’ wenig Kontakt. Und sonst? Ich weiß es einfach nicht.

R: Sie können von sich also sagen, dass Sie gern leben, wie Sie leben.

I: Ja, das kann ich. Es ist ja ganz klar, in meinem Alter lebt man in den Tod hinein, aber manchmal macht man sich vor, dass es nicht so ist, und das hilft. – Sehen Sie, jeder ist anders. Einem guten Bekannten von mir ist vor zwei Jahren der Freund bei einem Autounfall umgekommen. Sie hatten über dreißig Jahre zusammengelebt, mit Krisen natürlich. Kurz darauf hat sich der Überlebende mit Schlaftabletten vergiftet. Es ist ja nicht nur der Verlust. Von einem bestimmten Alter an ist man auch nicht mehr bereit, sich eine neue Vergangenheit aufzubauen. Alle Erinnerungen, die die beiden geteilt hatten, auf denen blieb er jetzt allein sitzen wie auf sauer gewordener Milch – wertlos; er konnte nichts mehr mit ihnen anfangen, und neue wollte er sich nicht mehr schaffen. Für ihn gab es keinen Sinn mehr. Ich habe nie eine solche lange, enge Bindung gehabt, deshalb kann mir das nicht passieren. Aber ob ich deshalb glücklicher bin … Ich habe eigentlich immer das getan, wozu ich Lust hatte, und darüber bin ich froh jetzt. Mein Nachbar hier im Haus sagte mal zu mir: „Früher, als ich noch jung war, da hab’ ich nie das gemacht, was ich wollte. Jetzt ist das anders: Ich will nichts mehr.“ – Das ist natürlich sehr traurig. Aber es war wenigstens eine Entscheidung, die er damals getroffen hat: für die Pflicht, gegen das Vergnügen. Die meisten Menschen wissen ja gar nicht, was sie wollen und können sich deshalb auch nicht entscheiden.

R: Sie gehören zwei ganz unterschiedlichen Minderheiten an: den Alten und den Homosexuellen. Würden Sie sagen, dass das Ihre Probleme verdoppelt?

I: Sicher. Ein junger Homosexueller oder ein alter Familienvater scheinen besser dran zu sein als ich. Im Einzelnen kann das dann natürlich ganz anders aussehen. Dass ich alt bin, merkt jeder sofort, dass ich homosexuell bin, nicht. Ich muss mit beidem leben.

R: Ist das schwer für Sie, und was kann die Gesellschaft tun, um Ihre Situation zu verbessern?

I: Die Gesellschaft kann mich besuchen kommen, um mir von Zeit zu Zeit Gesellschaft zu leisten. – Nein, materielle Hilfe brauch’ ich keine. Aber das ist Zufall. Dass ich niemandem auf der Tasche liege, dass ich unabhängig bin von finanzieller Unterstützung, das ist unverdient, und ich wünsche jedem, der es weniger gut hat als ich, dass er die Unterstützung erhält, die er braucht. Sie fragen nach dem Alter: Natürlich ist das schwer. Früher hab’ ich immer gesagt: Schönheit ist vergänglich, Güte nicht. Jetzt, da ich gemerkt habe, dass ich nicht gütiger werde, sag’ ich mir: Alles ist vergänglich. Was bleibt, ist die Erinnerung, und nicht mal die. Sie verblasst auch. Wenn man sie nicht ständig auffrischt, verlernt man sie wie eine Sprache. Manchmal wach’ ich morgens auf, und dieses furchtbare Wort: ‚wozu‘ steht im Raum. Dann weiß ich gar nicht, ob ich noch leben will – aber etwas Besseres fällt mir auch nicht ein. Und dann denk’ ich: Ich will das Leben noch ein bisschen hinauszögern, so wie man das Aufstehen hinauszögert: noch ein Viertelstündchen im Warmen dösen, bevor der Ernst beginnt. – Der Ernst, das ist nun der Tod. Und ich muss mich mit ihm auseinandersetzen. Das ist nicht so schrecklich schwer für mich, weil ich ihn immer als gegenwärtig empfunden habe, nur war er früher unpersönlicher: still, entfernt. Jetzt winkt er mir schon manchmal zu und versucht, mit mir ins Gespräch zu kommen. Man muss den Tod annehmen, nicht nur als etwas Unvermeidliches, sondern als eine der vielen im eigenen Körper angelegten Funktionen – die letzte. Das hab’ ich immer so gesehen. Wer in den Krieg geht, kann sterben. Wer mit jemandem mitgeht, auch. Was ist edel, was ist gemein? Wer sich in Gefahr begibt, kommt um oder weiter. Aber wer das Risiko scheut, scheut es auch, zu sich selbst zu finden. Jeder muss an seiner Biografie schreiben: mit dem Körper, mit dem Herzen, mit der Erinnerung. Die leeren Seiten des inneren Tagebuchs sind tote Seiten. Von denen wollt’ ich immer möglichst wenige haben. Ich wollte nie sterben, ohne gelebt zu haben. Aber wenn ich ehrlich bin: Da steht jetzt viel Unfug auf den Seiten, Gekritzel, schlimmer als das weiße Blatt.

R: Sie haben ein sehr abwechslungsreiches Leben geführt.

I: Ich habe den Sinn mehr im Abenteuer gesucht als in der Stille, ja. Nun gibt mir das Leben Nachhilfeunterricht in Genügsamkeit.

R: Möchten Sie über Ihren Beruf sprechen?

I: Vielleicht ein andermal und ohne Mikrofon. Es wäre sonst auch vorbei mit der von uns gewünschten Anonymität.

R: Sie haben bisher nur vom Alter gesprochen. Wollen Sie auch etwas zu Ihrer Homosexualität sagen? Vielleicht darüber, welchem Druck Sie in Ihrer Jugend ausgesetzt waren?

I: Alles war verboten, alles geschah trotzdem. Es war gefährlich, aber ein besonderer Kitzel war das nicht für mich. Ich habe nie Hürden gebraucht, um springen zu können. Dass es keine Entschädigungen für KZ-Opfer gibt, natürlich ist das schrecklich ungerecht, aber darüber ist so viel schon gesprochen worden – ich glaube nicht, dass die Welt darauf wartet, meinen Kommentar zu dem Thema zu hören.

R: Sie waren auch nicht betroffen.

I: Ich bin immer noch betroffen, aber ich bin nicht belangt worden. Ein Zeitgenosse Himmlers bin ich ja nun nicht. Wie alt ich Ihnen auch erscheinen mag.

R: Und Ihre private Situation heute?

I: Sie merken wohl allmählich, dass ich gesellschaftlich unergiebig bin?

R: Das lässt sich nicht trennen. Die Gesellschaft besteht ja aus Privatpersonen.

I: Manchmal denk’ ich, sie besteht nur aus öffentlichen Personen. Und wenn ich mich hier selber offenbare, dann geschieht das nicht nur, weil ich so gern rede oder weil ich so was Wichtiges zu sagen habe, sondern ganz egoistisch, weil ich die Kunst des Alleinseins immer noch nicht so richtig beherrsche.

R: Ist das Alleinsein das Schwerste?

I: Für mich ja. Für andere ist es das Rheuma.

R: Sind Sie als Homosexueller davon besonders betroffen?

I: Vom Rheuma: nein, trotz nasser Parks und kühler Nächte. Vom Alleinsein: ja. Familie hab’ ich nicht. Hier im Haus kommt keine rechte Vertrautheit auf, wahrscheinlich ist es meine Schuld. Und dann wachsen in einem die merkwürdigsten Gedanken. Ich hab’ gar nicht so viel Angst davor, allein zu sterben, das auch, aber das lässt sich ertragen. Eine andere Vorstellung quält mich: dass keiner auf meine Beerdigung kommt. Dabei kann mir das doch ganz egal sein. Na ja. Da muss ich dann eben nach wie vor unter Menschen gehen. Darin hab’ ich Gott sei Dank Übung.

R: Haben Sie auch noch sexuelle Kontakte?

I: Hin und wieder. Der Trieb ist kein Wasserhahn, den man abstellen kann. Rohrbrüche gibt es zwar nicht mehr, aber es tröpfelt noch.

R: Sind Sie bereit, mir davon zu erzählen?

I: Ja, deshalb sind Sie ja hier. – Ich erinnere mich noch an die Zeit, als ich aufhörte, Anbieter zu sein und stattdessen Käufer wurde. Sehr fremd war das zuerst. Aber dann gewöhnt man sich daran. Ich habe noch einmal mit sechzig eine Beziehung angefangen. Sie dauerte über ein Jahr. Mehr war wohl nicht möglich. Aber es war schön. Ich machte ihm mein Alter zum Geschenk und er mir seine Jugend. Er lebte bei mir und er sagte: „Ich weiß, ich nutze dich aus, aber ich liebe dich trotzdem.“ Na ja – und dann ging es vorbei ... Finden Sie es nicht grausam, ein Altersheim zwischen Trauerweiden anzulegen? Im November ist der ganze Balkon voll von Blättern. – Der Verfall ist so schwer zu ertragen. Ich wollte immer noch die Schlanken, die Knackigen, aber die wollten mich nicht mehr. Das ist ganz normal – außer wenn es einen selber trifft. Und wenn ich heute so vorbeigehe an den jungen Leuten auf der Straße, dann bin ich gerührt, ich verbiete mir, neidisch zu sein, denn so jung wie sie war ich ja auch mal und ausgenutzt hab’ ich es mindestens so sehr wir sie – aber leicht ist es nicht. Na ja. Eines Tages werden sie auch alt werden, das macht mich auf eine tröstliche Weise schadenfroh. – Im Grunde, nach Aids, da war alles wieder mehr wie früher. Es roch in den Lokalen wieder mehr nach Angstschweiß als nach Leder. Eau de Cologne kommt auch wieder mehr in Mode. Ich glaube nicht, dass wir weniger Angst hatten vor dem Krieg, vor der Polizei, vor den Kollegen. Aber wir haben uns dieser Angst nicht so ausgeliefert. Heute geraten alle bei jeder Schlagzeile in Panik. Wer es nicht lernt, mit seiner Angst zu leben, der lernt es auch nicht, über seinen eigenen Schatten zu springen oder auf jemanden zuzugehen. Meine Sehnsüchte sind unerfüllbar geworden, weil ich zu alt bin. Die Sehnsüchte der Zwanzig- und Dreißigjährigen sind jetzt schon unerfüllbar, wenn sie zu ängstlich sind. Die Sehnsucht hat ein Medusenhaupt: Hat man die eine befriedigt, wachsen zehn Neue nach. Das endet nie, aber die Träume, sie bleiben. Das Internet schafft ein Überangebot an Sex. Da kann man haben, was man will. Die Menschen müssen sich wieder eine neue Art suchen, um unglücklich zu werden. Und sie werden sie finden.

R: Wo gehen Sie hin, wenn Sie ausgehen?

I: Je jünger die Gäste, desto schicker die Bars. Je älter die Gäste, desto schäbiger die Kneipen. Da können Sie sich ja vorstellen, was für mich übrig bleibt. Aber diese geschniegelten Paläste, die wären sowieso nicht meine Richtung. Da lassen die Jungen ihre Gefühle wie Federn. Morgens kommen sie heraus wie nackte Hühner, und die Organisation hat ein gutes Geschäft mit der Illusion gemacht. – Ich gehör’ an die Theke, wo der Wirt meinen Spitznamen und meine Biermarke kennt. Aber so gemütlich, wie Sie vielleicht denken, ist das auch nicht. Manchmal ist es wie eine Art Wartesaal oder ein Fegefeuer, eine Vorhölle: Die wohlvertrauten Fremden, die man plötzlich vermisst, weil man sie lange nicht mehr gesehen hat. Sie haben endlich den Absprung geschafft – ins wahre Leben oder in den wahren Tod. Da sitzt man dann da mit seiner Neugier und schwankt zwischen Wunsch und Scham, aber: besser, als zu Hause sitzen und verzweifeln.

R: Wären Sie gerne ruhiger?

I: Ich weiß nicht. Wenn man was sucht, dann wünscht man sich, dass man es findet, nicht, dass man die Suche abbrechen kann. Wenn man Hunger hat, will man essen, nicht satt sein. Irgendwann hab’ ich mal gedacht, ich bin verkehrt programmiert, aber da war ich schon zu alt, um das Programm umzustellen. Es wäre leichter, sich unter Kontrolle zu bringen, wenn man wüsste, wofür.

R: Sie haben nur wenige Freunde?

I: Wenige Freunde. Wahrscheinlich red’ ich zu viel. – Es sind bestimmt schon viele tot von denen, mit denen ich Verhältnisse hatte. Mein Gott, und damals war es doch Leben pur. Minuten wie platzende Granaten. Na ja … Wissen Sie, als ich jung war, da kriegte ich meine Fantasie nicht los von den Grauhaarigen, den Älteren, die nach Würde duften und nach Gier schmecken. Und ausgerechnet jetzt bin ich verrückt nach den Jungen mit den wilden Haaren. Für die zähl’ ich doch gar nicht mehr. Da zeigt nur der Übermut die Zähne, und wenn man selber zubeißt, bleibt nichts als ein Lachen. Man will ja nicht immer nur aus Lust mit jemandem schlafen, sondern auch aus Enttäuschung, aus Hilflosigkeit und aus Angst vor Misserfolg und Einsamkeit. Das beste Mittel gegen den Misserfolg ist, gar keinen Erfolg zu wollen. – Eine Zeit lang hab’ ich mich, bevor ich ausging, ganz sorgfältig vor dem Spiegel herausgeputzt. Lächerlich! Jetzt muss ich den Spiegel vergessen können, wenn ich weggehe, denn es kuckt mich da jemand anderes an als der, den ich sehe, wenn ich aus mir rauskucke.

R: Und was für Menschen treffen Sie dann?

I: Mein Wachsfigurenkabinett. Sie sind nicht wirklich, keine echten Menschen, hab’ ich oft gedacht, aber das denken sicher auch andere Beobachter an anderen Plätzen, wenn sie ein bestimmtes Alter erreicht haben. Es scheint alles zu bunt und zu einfach zu sein: die Gäste, die Girlanden – wie in einem Bilderbuch, das besonders lehrreich sein will. Aber dieser Eindruck täuscht. Eher sind sie wie die holzgeschnitzten Figuren aus einem mittelalterlichen Totentanz: Es gibt keine Lehre. Die Botschaft heißt Vergänglichkeit. Da tanzen sie alle: der König am Ausschank, der alles lenkt und alles sieht und der morgens müde nach Hause schlurft, gedrückt, weil er nicht weiß, wovon er die nächste Miete bezahlen soll. Der Bauer, der jeden beackert und doch nur Spott erntet. Der Ritter, der in seiner breiten Männlichkeit Schutz vor Fragen und Gedanken zu bieten scheint und diese Ausstrahlung an jedem Neuling ausprobiert. Die törichte Jungfrau, die verkennt, dass ihre Ware hier nicht gefragt ist. Der spröde Denker, der sich vergeblich dagegen sperrt, dass sein Körper ihn an das ausliefert, was er verachtet. Der alternde Folterer, der sich täglich in den Marterkammern des Fitnesscenters abquält, um nachts noch einen jungen Sklaven zu beeindrucken. Und während ich ihnen zusehe bei ihrem Tanz, fühle ich, wie es auch bei mir immer noch zuckt in den Beinen – mtata, mtata –, wie ich Teil des Reigens bin, immer noch. Mtata, mtata. Lieber mitmachen bis zum Umfallen, als Zuschauer sein müssen – das wünsch’ ich mir. Aber manchmal wünsch’ ich mir auch schon, dass ich mir das nicht mehr wünsche. Bloß: Was bleibt, wenn man sich nichts mehr wünscht? Altsein ist schrecklich. Aber das ist gut so, da hat man dann keine solche Angst mehr vorm Tod.

R: Aber Sie haben Angst vor dem Tod?

I: Ich werde weinen, wenn ich sterben muss, ja, ich werde weinen. Aber bereuen werde ich nichts, und schon gar nicht das, was zu meinem Tode führen wird, sei es ein unvorsichtiger Spaziergang im kalten Märzwind oder ein Stricher, dem ich auf den Leim gegangen bin. Ich gönne dem allmächtigen Tod alles: meinen klapprigen Körper, meine Gedanken, mein Lachen – aber nicht meine Angst. Mir ist eine große Mitgift an Angst zugefallen, ich muss sie verbrauchen wie ein verschwenderischer Spieler – im Leben. Eine Erbschaft darf es nicht geben. Ich habe keine Nachkommen, nur meinen Tod. Und diesen Nachlass gönn’ ich ihm nicht. Alles andere: meine Füße, die jeden Weg gegangen sind, der ein Ziel versprach; meine Augen, die jedes Ziel gesehen haben; mein Mund, der die Frage aussprach; mein Herz, das bis zum Hals schlug – alles, alles für die Würmer, die Wissenschaft, für den Tod. Aber nicht meinen Angstschweiß: Der soll eintrocknen nach der letzten, wahnwitzigsten Verwegenheit – dann kann ich sterben.

R: Ich ... Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich kann Sie jetzt nicht nach Ihrem Tagesablauf und nach Ihren Hobbys fragen. Ob Sie noch in Ausstellungen gehen oder ins Theater …

I: Ich liebe das Theater.

R: Ich glaube, wir machen Schluss jetzt. Ich werde etwas kürzen müssen.

I: Selbstverständlich.

R: Ich bin sehr beeindruckt, wirklich. Aber es ist zu lang. Ich habe nicht so viel Platz zur Verfügung.

I: Ist doch klar.

R: Ich möchte gern wiederkommen. Nicht für ein Interview, einfach so.

I: Gern, aber ich bin nicht immer so komisch. Es gibt Tage, dagegen bin ich heute eine Ulknudel gewesen.

R: Ich will nicht kommen, um zu lachen, sondern um zu lernen.

I: Jaja. Schlechte Beispiele sind die eindrucksvollsten. – Sie haben Ihr Bier gar nicht getrunken.

R: Nein, das trink’ ich jetzt.

I: Lassen Sie doch! Ich schütt’ es weg. – Ich werd’ auch Mineralwasser besorgen …

R: O ja, das wär’ prima. Dann komm’ ich noch lieber …

I: Kommen Sie! Kommen Sie bald, erweisen Sie mir die Ehre! – Vielleicht auch, irgendwann mal, die letzte –

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ERLÄUTERUNGEN

Viel zu erläutern gibt es nicht mehr, denn das meiste, was in dieser Lektion zu lernen ist, haben Sie schon dem Rentner-Monolog entnehmen können.

Nur so viel: Mit dem Älterwerden halten es die meisten Menschen wie mit der Umweltverschmutzung: Sie machen weiter wie bisher und denken, die Runzeln und die Jahre werden sich schon auf der Oberfläche verteilen. Aber – kommt Zeit, kommt Unrat. Und wem es nicht allmählich dämmert, für den schlägt eines Tages der Blitz der Wahrheit ein. Genau das passiert den Schwulen nicht.

Das Älterwerden ist kein spezifisch schwules Problem, wenn auch eins, das den Schwulen besonders zu schaffen macht. Nur wissen sie das vorher schon und treffen rechtzeitig ihre Vorbereitungen. Sie füllen ihre Hausapotheke wie einst Noah seine Arche: Alles, was verjüngt, wird in Doppelpackung angeschleppt. Dabei unterliegen sie allerdings einem Trugschluss: Sie denken zu lange, dass sie noch jung aussehen. Der Grund dafür ist klar: Schwule sind Narzissten, und Liebe macht blind.
Außerdem werden Schwule zwar alt, aber nicht richtig erwachsen. Das liegt zum Teil wohl an ihrer Kinderlosigkeit, da aber auch bekinderte Schwule schwer erwachsen werden, muss der Hauptgrund für diese Hemmung im Schwulsein selbst liegen.
Erwachsen werden heißt, normal werden im allergemeinsten Sinn des Wortes. Nicht erwachsen werden heißt, welkes Kind spielen und durch Nachtcreme mühsam feucht gehaltene, angetrocknete Jugend demonstrieren. Die Kinderlosigkeit spart dabei Ärger, aber vergrößert die Einsamkeit.

Trotzdem sind die Schwulen den Heteros, auch, was das Altern anbetrifft, überlegen: Was ist denn Schlimmes dabei, wenn jemand mit sechzig noch auflachen kann und verrückte Einfälle hat? Wenn er noch Träumen nachläuft und hübschen Menschen hinterhersieht?
Die anderen haben Familie, er hat Zeit. Das macht sich bemerkbar: Sein Körper ist fit, weil der sonst nicht mehr weggeht, wenn er weggeht. Sein Geist ist fit, weil er wissen muss und will, was um ihn her und auf der Welt vorgeht. – Das Ergebnis: Ein schwuler Sechzigjähriger findet oft noch seine Liebhaber unter den Gästen seiner Stampe. Ein ganz normaler Sechzigjähriger findet oft nicht mal mehr seinen Bauchnabel unter den Falten seiner Wampe.

Wenn es nun aber die siebzig zugeht und darüber hinaus, dann gibt es wenig zu beschönigen. Gott sei Dank ist und wirkt man dann aber von einem gewissen Zeitpunkt an mehr alt als schwul, weil kein Mensch noch mit sexuellen Neigungen bei dem alten Herren rechnet, der den Buben so väterlich über den Kopf streicht. Er hat seine schwierige Jugend durchgestanden, er wird auch das Altsein schaffen. Es gibt so viel zu sehen, zu lesen, zu denken.

Und wenn das noch nicht ermutigend genug klingt, dann bleibt nur ein Trost: Alt und unglücklich zu sein nach einem erfüllten, aufregenden Leben ist leider überhaupt nicht besser, als alt und unglücklich zu sein nach einem faden, leeren Leben – aber vorher war es viel, viel schöner.

41 Kommentare zu “Dialog 26: Im Heim

  1. Hmm, je älter man wird, desto mehr beschäftigt man sich natürlich auch mit dem Älterwerden. Ich versuche immer noch nicht zuviel über Dinge nachzudenken, die man eh nicht ändern kann. Mal klappt das besser, mal schlechter.

    1. Unnötige Sorgen sind naturgemäß unnötig. Aber es ist ja auch keine Alternative blind den Problemen entgegen zu rennen.

      1. Blind ist nie gut und hat Ödipus nachträglich ja auch nichts mehr genutzt. Ich bereite mich seit meiner Kindheit auf alles sorgfältig vor und freue mich über meine Reaktionen, wenn es dann ganz anders kommt.

      2. Richtig. Planen gehört für mich dazu und macht mir oft genauso viel Spaß wie am Ende wieder alles über den Haufen zu werfen.

    1. Vor dem Alleinsein fürchte ich mich auch ein wenig. Da fühle ich mich dem „Interviewten“ verbunden. Die letzten Momente im Leben alleine zu verbringen, muss schlimm sein.

      1. Ob das wohl stimmt? Dass müsste dann ja aus einer riesigen Angst oder Ehrfurcht passieren, nicht?

      2. Beides kann sich wohl angesichts des Todes einstellen. Dass danach so gar nichts mehr kommen soll, finden viele Menschen unerträglich. Ich kenne aber auch andere, die behaupten, sich gerade darauf zu freuen.

      3. Dass danach nichts mehr kommt, damit habe ich glaube ich kein Problem. Ob man allerdings schafft rechtzeitig mit allem abzuschließen und loszulassen, das ist bestimmt noch einmal eine andere Frage.

  2. Der Dialog spricht natürlich für sich, aber trotzdem lese ich am liebsten Ihre Gedanken, die diesen kleinen Ausschnitten folgen. Übrigens entgegen ihrer Sorge (oder Koketterie?) aus dem letzten Newsletter niemals gelangweilt. Mit Freude auf den nächsten Teil,
    M.H.

    1. Natürlich Koketterie, lieber Herr Herdesheim! Der nächste extra-lange, sprachsüffige Newsletter (auch über das Alter) ist gerade fertig, kommt aber als kleine Kapriole erst am Mittwoch zum Finish in diesem Dancing-Match.

      1. Ich war auch zuerst irritiert von der heutigen Email. Gut, dass ich sie richtig einzuordnen wusste und gelacht hatte. Ein wieder einmal schöner Beitrag mit erheiternden Erläuterungen und so stilvoller Illustration. Sie haben wirklich Talent. Mein Vater hat sich übrigens erst mit 55 geoutet und wir reden seit ein paar Wochen immer wieder über ihre letzten Beiträge und diskutieren sie miteinander. Ich muss zugestehen, dass Sie meinem Vater viel von seinen Erfahrungen voraus sind, er sich aber in Ihren Erzählungen bestärkt und bekräftigt fühlt. Im Alter findet man vielleicht mehr zu sich selbst. Besser dann als nie! Vielen Dank für Ihre Worte und alles Gute!

      2. Langeweile ist sicher auch das Letzte, das man den Rinke-Blogbeiträgen vorwerfen kann!

        @Anna Sander: Ihr Vater ist dann ja direkt das passende Beispiel dafür, dass man auch mit knapp 60 noch Träume haben kann und darf. Schöne Grüße unbekannterweise.

      3. Als ich den Rentner-Dialog schrieb, war ich Mitte dreißig. Im Allgemeinen verzichtet das Schicksal trotzdem nicht darauf, uns einen Ablauf zuzumuten, obwohl wir ihn doch schon vorhergesehen haben.

  3. Träume sind ja mit das Wichtigste im Leben. Mit sechzig mit dem Träumen aufzuhören kann ich mir wirklich nicht vorstellen. Hoffentlich passiert das lange nicht.

    1. Was mich beunruhigt ist, dass letztendlich auch einfach viel davon abhängt, wie viel Glück man im Leben hat. Da gibt es so vieles, das man nicht richtig beeinflussen kann…

      1. Man kann aber die Weichen so stellen, dass die Dinge in etwa so passieren, wie gedacht. Kleine Überraschungen wird es immer geben, aber im großen und Ganzen kann man schon viel lenken.

      2. Hmm, also wenn ich aus meiner Erfahrung spreche – klar kann man viel steuern, aber wenn auf einmal ein großer Schicksalsschlag dazwischen funkt, da kann man noch so gut vorbereitet sein, da hilft die Planung meistens sehr wenig.

      3. Dass ich einen Beruf in der Schallplattenindustrie und nicht wie mein Vater in der Energiewirtschaft angenommen habe, war schon Teil dieser Weichenstellung.

      4. Bei mir war es der Wechsel in eine andere Stadt. Daraus haben sich definitiv viele weitere Gelegenheiten und Entscheidungen ergeben.

  4. Das wäre mir das Schlimmste, wenn ich irgendwann feststellen müsste, dass das ein fades, leeres Leben war. Nein danke.

    1. Das Tolle am Leben ist ja eh, dass jeder andere Ziele, aber auch seine eigenen Wege hat. Solange man dann am Ende nicht all zu viel bereut, ist doch alles gut.

      1. Hatten Sie nicht auch mal in einem Beitrag geschrieben, man solle lieber vorab bereuen?! Das finde ich immer einen super Ratgeber.

      2. Ja. Klingt etwas flapsig, aber führt vielleicht dazu, sich das, was man tut, so gut (nicht unbedingt lange) zu überlegen, dass man hinterher weiß, warum man so gehandelt hat und mit sich im Reinen ist.

  5. Haha! Kommt Zeit, kommt Unrat. Das könnte man pessimistisch nennen, ich finde den Spruch aber trotzdem äußerst amüsant.

  6. Das Thema Heim bringt mich immer sehr zum Nachdenken. In den paar Einrichtungen, die ich kenne, würde ich nicht gerne alt werden. Andererseits, was ist die Alternative, wenn man keine Familie hat, die sich um einen kümmern kann oder will?

    1. Meine Großmutter musste irgendwann ins Heim weil sie gesundheitlich betreut werden musste. Als sie sich einmal eingelebt hatte, sagte sie immer sie bereut nicht eher dorfhingezogen zu sein. Aber so etwas hängt ganz ohne Frage von der jeweiligen Einrichtung ab. Es gibt genügend abschreckende Beispiele.

  7. Als ich meine Mutter einem ‚Seniorensitz‘ anvertraute, war mir nicht wohl, obwohl ich es nötig fand. Als ich sie zwei Wochen später zu einem Besuch ‚Nachhause‘ abholte, wollte sie nach zehn Minuten wieder zurück: ins Heim.

      1. Das kommt sicherlich alles darauf an, wie viel Mühe und Sorge man in solch eine Entscheidung steckt. Wer genügend Zeit in die Suche nach einem akzeptablen Betreuungsplatz investiert, kann sicher etwas schönes finden. Allerdings mag natürlich auch der mögliche finanzielle Rahmen eine gehörige Rolle spielen.

      2. Die Erfahrung musste ich leider auch machen als es darum ging meinen Vater zu pflegen. Letztendlich haben wir uns selbst um ihn gekümmert. Das war im Nachhinein für alle Seiten keine einfache Sache.

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