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Gereimtes und Ungereimtes

Auskristallisiert

Alles ist messbar, längst auch die Gefühle.
Die Isolierung, die uns nie misslang.
Schönheit, zerlegt in tausend Moleküle.
Die Sicherung, die lange schon zersprang.

Meine Gedanken – chemische Prozesse.
Nicht Grauen, das ist Freude, was dich packt!
Allein der Nutzen ist von Interesse –
Wackelkontakt!

Die müden Sinne hetzen wir durch Düsen,
weil Ruhe für uns nichts als Leere wär’.
Mein Lächeln: Fehlfunktion der Tränendrüsen –
die Uhren stimmen, nur die Zeit geht quer!


Juli 1966

Foto: Fer Gregory/Shutterstock

20 Kommentare zu “Auskristallisiert

  1. …weil Ruhe für uns nichts als Leere wär’! Diesen Irrtum versuche ich mir selbst schon seit Jahren abzutrainieren. Bisher allerdings ohne größeren Erfolg.

  2. Sind Gefühle wirklich messbar, oder ist das nur eine fixe Idee der Wissenschaft? 1966 konnte man das wahrscheinlich noch nicht sicher beantworten, heute müsste doch eigentlich ein Resultat vorliegen.

    1. Emotionale Zustände sind messbar, was ein Mensch im Detail fühlt sicherlich nicht. Dazu sind wir Menschen dann doch ein wenig zu komplex.

    1. Es wird ja auch erwartet, dass man allzeit gute Laune hat bzw. dass es einem immer ganz wunderbar geht. Negative Emotionen sind selten gewünscht. Da rutscht einem schon einmal ein leeres Lächeln heraus. In Zeiten von Instagram sicher noch mehr als in den 60ern.

      1. Immer gute Laune? Stimmt vielleicht. Aber warum ziehen die Models auf dem Catwalk dann immer Fressen, als wäre ihnen ihr Leben nicht mal wert, es auszukotzen?

    1. Also geändert hat sich viel, aber ich verstehe was sie meinen. Die Grundprobleme (die Frage nach dem Sinn des eigenen Lebens z.b) bleiben natürlich. Daran wird sich wahrscheinlich auch in Zukunft nicht viel ändern.

      1. Messen kann man vieles, aber solange die Politik aus Machtgründen nicht auf wissenschaftliche Erkenntnisse reagiert (siehe Klimawandel) nützt auch das nichts.

      2. Das sind allerdings nicht nur die Politiker. Die Mehrheit ist doch viel zu bequem um wirklich was zu ändern. Gäbe es genügend Druck, würde sich auch was bewegen. Aber selbst die Demos der Jugendlichen werden doch wieder belächelt.

  3. das gefällt mir aus der ganzen reihe am besten. so frei von jeglichen lyrik-klischees. traurig ist’s vielleicht, dafür kann man sich zumindest an der sprache freuen.

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