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0905
Tänzer außer der Reihe

Dialog 17: Beim Freund

EINEN FINGERHUT VOLL

(Der Unglückliche: U; der Tröstende: T)

T: Also – was ist los?

U: Ich wusste, dass du’s merkst. Ich wollt’ dir damit nicht auf die Nerven fallen, aber ich konnte auch nicht allein bleiben.

T: Ist es wegen Leo?

U: Ja. – Es ist aus.

T: Bist du sicher?

U: Ja. Ich hab’ Schluss gemacht mit ihm.

T: Wo ist er jetzt?

U: Keine Ahnung. Wir waren verabredet für heute Abend. Die ganze Woche haben wir uns wieder nicht gesehen. Ich hatte mich so auf heute Abend gefreut. Und dann rief er plötzlich an gegen halb sechs und sagte, er kann nicht kommen.

T: Bestimmt warst du schon beim Kochen.

U: Bohnensuppe. Er hatte sich Bohnensuppe gewünscht. Ich hab’ Rezepte für Nasigoreng und Ossobuco, aber Bohnensuppe? ‚Wie willst du sie haben?‘, hab’ ich gefragt. – ‚Wie Bohnensuppe eben ist‘, hat er gesagt. Und ich hab’ ihm erklärt, dass es tausend verschiedene Arten von Bohnensuppen gibt. ‚Musst du denn aus allem so ein Theater machen?‘, hat er gefragt, ‚selbst aus einer ganz simplen Bohnensuppe? Ich will doch nichts als Bohnensuppe.‘ – ‚Ja, aber wie?‘, hab’ ich gefragt. ‚Wie?‘ – ‚Frag meine Mutter!‘, hat er gesagt, und das hab’ ich auch wirklich getan. – Na ja, es ist lächerlich, ich weiß. Es ist alles so lächerlich, dass es zum Heulen ist.

T: Was hat er denn gesagt, warum er nicht kommt?

U: Er hat gesagt, er hat so viel zu tun.

T: Mehr nicht?

U: Nein, mehr nicht.

T: Und dann?

U: Dann hab’ ich gesagt: ‚Wenn du heute wieder nicht kommst, dann brauchst du überhaupt nicht mehr zu kommen.‘

T: Und wie hat er reagiert?

U: Er hat gesagt, es tut ihm leid.

T: Keine Erklärung sonst?

U: Nein.

T: Und das hast du so hingenommen?

U: Soll ich ihn zwingen, sich irgendwelche Lügen auszudenken? Ich hab’ gesagt: ‚Es ist aus!‘ Was soll ich denn noch tun?

T: Ich glaube, es war die richtige Entscheidung.

U: Nur viel zu spät.

T: Ich mochte dir das vorher nie sagen, aber ich weiß, ehrlich gesagt, gar nicht, was du an ihm gefunden hast.

U: Ich eigentlich auch nicht. Aber man gewöhnt sich sehr schnell daran, nicht mehr allein zu sein und keine Selbstgespräche zu führen beim ‚Bridgerton‘-Gucken. Und dann hab’ ich mich irgendwie daran gewöhnt, dass ich bei ‚Bridgerton‘ mit ihm sprach, während er weg war.

T: Aber ich wär’ doch gekommen, wenn du jemanden gebraucht hättest.

U: Na ja, es ging nicht nur um ‚Bridgerton‘.

T: Ich weiß.

U: Er war ja schon immer so. Und man kann nicht mit jemandem befreundet sein, auf den man sich nicht verlassen kann.

T: Ja, das stimmt.

U: Nie war er zuverlässig, von Anfang an nicht. Gleich an dem Abend, an dem wir uns kennengelernt haben, ist er zu einem anderen nach Haus gegangen. Am nächsten Tag hat er angerufen und behauptet, er hätte uns verwechselt, weil wir dieselbe Haarfarbe gehabt hätten.

T: Was?

U: Er war wohl etwas betrunken gewesen.

T: Woher hatte er denn deine Telefonnummer?

U: Die hatt’ ich ihm gegeben, mit meiner Adresse. Dann bin ich gegangen. Ich wollte noch etwas aufräumen bei mir. Außerdem konnten wir nicht zusammen verschwinden. Er war damals mit einem anderen befreundet, der hatte ihn auch mitgenommen auf die Party. Es war so gut wie aus zwischen ihnen, aber der war trotzdem furchtbar eifersüchtig. Natürlich hätt’ ich sagen sollen: ‚Also unter den Umständen lassen wir’s lieber‘, aber ich fand ihn toll und gab ihm meine Adresse. Eine halbe Stunde, nachdem ich weg war, sollte er nachkommen. Ich hab’ gewartet und gewartet. Am nächsten Morgen rief er an und sagte, er hätte noch eine andere Adresse in der Jackentasche gehabt, da hätt’ er dann wohl dem Taxifahrer den verkehrten Zettel gegeben. Der andere hat aufgemacht, und im dunklen Flur hätt’ er den Unterschied gar nicht bemerkt.

T: Wegen derselben Haarfarbe.

U: Ja. Außerdem war er ja zum ersten Mal da.

T: Und im Schlafzimmer war’s dann zu spät.

U: Das hat er nicht gesagt, das glaub’ ich auch nicht, aber es war ihm natürlich schrecklich peinlich.

T: Hat er gesagt.

U: Ja, und er fand, er konnte nicht gleich wieder gehen, weil sich der andere so gefreut hat, ihn zu sehen.

T: Und du hast den Quatsch allen Ernstes geglaubt?

U: Ich hatte mich verliebt in ihn. Vielleicht nicht am Abend auf der Party, aber über Nacht allein. Ich war glücklich, dass er anrief, und ich hätte ihm alles geglaubt. Kurz darauf hast du ihn ja kennengelernt.

T: Ja, aber diese Geschichte hast du mir nie erzählt.

U: Nein. Ich wusste, sie würde dich gegen ihn einnehmen.

T: Da hast du recht.

U: Ich wollte, dass du ihn magst.

T: Warum?

U: Weil ich will, dass meine Freunde sich mögen.

T: Mit deinem Bedürfnis nach Harmonie machst du alles nur noch schlimmer.

U: Ich wusste gleich, Leo ist nur jemand für gute Zeiten, nicht für schlechte, aber es war eine gute Zeit damals.

T: Seinetwegen.

U: Nein, auch so. Und dann wollt’ ich ihn lieber kurz haben als gar nicht. Außerdem: Warum sollten die Zeiten schlechter werden?

T: Aber sie wurden schlechter.

U: Seinetwegen.

T: Nein, auch so.

U: Na ja, in der Szene vielleicht. Aber ich hätte glücklich sein können mit ihm. Ich wär’ am liebsten mit ihm zusammengezogen, aber das wollte er nicht.

T: Hat dich das nicht misstrauisch gemacht?

U: Nicht gleich. Er sagte, es sei blöd, wenn Schwule die Spießer-Ehe der Heteros kopierten, jeder sollte seine eigene Wohnung behalten.

T: So hatte er seine Freiheit, und du hast gewartet.

U: Ach, nicht immer. Am Anfang nicht. Aber es stimmt schon, seine Unzuverlässigkeit, die war furchtbar. Ich weiß noch, als er meinen dunklen Anzug von der Reinigung abholen wollte. Es war Sonnabend, und ich musste morgens früh weg, weil ich Birgit versprochen hatte, ihr beim Streichen zu helfen. Als ich abends nach Hause kam, hatte er den Anzug vergessen. Am nächsten Tag hatten meine Eltern Silberne Hochzeit. Ich war stinksauer. Ich hab’ zum ersten Mal gebrüllt: ‚Du denkst überhaupt nicht an mich!‘ – ‚Doch‘, hat er gesagt, ‚ich hab’ Papageien-Tulpen für dich gekauft, deine Lieblingsblumen.‘ – ‚Was soll ich mit Tulpen?!‘, hab’ ich ihn angeschrien. ‚Ich brauch’ einen Anzug!‘ – ‚Dann kriegst du eben meinen‘, hat er gesagt.

T: Er hat einen dunklen Anzug? Das hätt’ ich gar nicht gedacht.

U: Dunkelblau mit Nadelstreifen.

T: Aber er ist doch viel stämmiger als du.

U: Natürlich. Immerhin, die Größe hat gestimmt. Alle haben mich so mitleidig angesehen auf der Feier und gefragt: ‚Hast du Probleme? Du bist so dünn geworden.‘ Und ich hab’ geantwortet: ‚Im Gegenteil, mir geht’s prima. Ich bin so dick geworden, dass mir mein Anzug nicht mehr passt, darum musst’ ich mir von einem Freund einen leihen.‘

T: Du hättest meinen haben können. Wir haben ungefähr dieselbe Figur.

U: Ach, daran hab’ ich nicht gedacht in der Aufregung. Das hätt’ ich dir auch nicht zumuten wollen.

T: Ich wusste gar nicht, dass du Papageien-Tulpen magst. Ich dachte immer, deine Lieblingsblumen sind Lilien.

U: Ja, genau. Ich kann Papageien-Tulpen nicht ausstehen. Wahrscheinlich hatte er wieder die Zettel verwechselt ...

T: Ich glaube, es war richtig, dass du die Beziehung endlich beendet hast. Jetzt tut es noch weh, aber später wirst du froh sein, bestimmt. Ihr habt gar nicht zusammengepasst. Ich wollte dir das nie so deutlich sagen. Ich fand, du musstest selber drauf kommen. Aber wenn du jetzt Hilfe brauchst, du weißt, auf mich kannst du dich verlassen.

U: Ja, das weiß ich. Danke! Und du? Was läuft bei dir?

T: Ach, du weißt ja, bei mir spielt das keine solche Rolle.

U: Fehlt dir da nichts?

T: Was hast du mehr?

U: Sehnsucht, Hoffnung und manchmal auch Erfüllung.

T: Sehnsüchte, na ja, die hab’ ich schon. Aber ich weiß auch, wie meine Träume enden.

U: Wie denn?

T: So wie deine, nur dass ich es eben vorher weiß.

U: Das verdirbt alles.

T: Und bewahrt mich vor vielem.

U: Und was träumst du?

T: Was ich träume? – Ja, was träume ich …? Ich träume, ich liege in einer Gondel. Das sanfte Schaukeln und das gleichmäßige Plätschern haben mich eingewiegt. Ein süßer Traum gleitet hinüber in das Vergissmeinnicht-Blau des hohen Himmels, während ich langsam die Augen öffne. Die salzige, warme Luft fächelt über meine Haut, und sein seidiger Atem fächelt gegen meine Schulter. Sein Kopf schmiegt sich an meinen Arm, vertrauensvoll und fest. Ich senke den Blick auf seine dunklen Locken, die in leiser Bewegung schimmern wie das Meer. Die Melodie aus Stimmen und Geräuschen verblasst, der Himmel wird enger, die Hitze stiller. Wir haben die Lagune verlassen und gleiten in ruhiger Zärtlichkeit über das dunkle Wasser. Nachher werden wir in die kleine Trattoria mit den rosa Tischtüchern gehen, die ich so liebe, wir werden auf den Canal hinunterschauen, wenn wir uns nicht – wie fast immer – in die Augen sehen, und der Duft von Salbei und Rosmarin wird aufsteigen von unseren Tellern. Einer von uns beiden wird plötzlich verlegen werden, wegen der eigenen Gefühle oder wegen der fremden Leute, er wird das Glas gegen das Gesicht halten, um seine verräterischen Lippen zu verbergen, aber die Augen sind noch verräterischer, und er wird trinken, vorsichtig, um die Stimmung nicht fortzuspülen. Und nun trinkt der andere mit. Der Wein füllt unsere Münder, rinnt unsere Kehlen hinab, rauscht durch unser Blut, durch unsere Herzen. Von ferne weht ein Lachen herüber, übermütig, herausfordernd fast. Ein Glockenschlag steht in der Luft: ein Uhr. Es wird schwer sein, um diese Zeit einen Platz zu finden in der kleinen Trattoria mit den rosa Tischtüchern. Wir werden warten. Sein helles Hemd flattert ein wenig an seiner Brust, seine helle Hose liegt eng an seinem Körper. Wir werden lange warten müssen. Er stößt einen trägen Laut aus und lehnt den Kopf fester gegen mich. Vielleicht sollten wir besser ein anderes Lokal suchen, als den halben Nachmittag zu verwarten. An der Mauer steht ein Paar und winkt zu uns hinunter, während sich die Gondelspitze in den Tunnel einer Brücke schiebt. Es ist natürlich schade, dass wir nicht in die kleine Trattoria mit den rosa Tischtüchern gehen können. Es wäre eine so schöne Erinnerung gewesen. Aber es hilft nichts, das hätte ich eher organisieren müssen. Nur wie? Eine Telefonnummer habe ich nicht. Wie heißt das Lokal überhaupt? Vielleicht, wenn wir uns zu anderen Leuten an den Tisch quetschen würden. Aber das ist auch nicht gut. Der Zauber unserer Vertrautheit würde gestört. Nein, besser gehen wir woanders hin. Das Olivenöl schmeckte sowieso ein bisschen ranzig, letztes Mal. Wahrscheinlich hat der Tourismus die kleine Trattoria mit den rosa Tischtüchern ruiniert. Eigentlich war das Essen nie besonders gut, man saß nur hübsch dort, na ja – vorbei. Er bewegt den Kopf ein wenig. Die Lippen heben sich wie zu einem Lächeln. Die lange, gerade Nase, die langen, gebogenen Wimpern. Sein Nacken ruht an meiner Schulter. Wie schön das ist, ihn so im Arm zu haben. Allerdings auch ein wenig unbequem. Meine linke Hand ist ganz taub. Er blinzelt mir zu. Das klare Blau seiner Augen nimmt mir fast den Atem. Diese wilde Zärtlichkeit! Diese Verheißung: Versprechen und Verweigerung zugleich. Streng genommen hat er eigentlich an mir vorbeigeblinzelt. Ich wende mich um. Der Gondoliere, der einzig hübsche von ganz Venedig, lächelt mich verträumt an. Nein, nicht mich lächelt er an – ihn! Das ist ein Komplott. Sie kennen sich. Ein abgekartetes Spiel. Deshalb war der Bursche plötzlich aufgetaucht aus dem Nichts der leer geglaubten Gasse. ‚Gondola! Signori, gondola?‘ Wohin bringen sie mich? Ich stehe auf mit einem Ruck. Der Nachen schwankt. Der Mann weicht zurück. Stoße ich ihn absichtlich oder stolpere ich? Er schreit, er flucht im Wasser. Der Strohhut treibt zwischen Apfelsinenschalen. Der Junge ist an Land gesprungen und gibt der Gondel einen Stoß. Meine Brieftasche. Wo ist meine Brieftasche? Das Boot treibt tiefer in den trüben, fauligen Kanal. Die gassenlosen Mauern zu beiden Seiten drohen über mir zusammenzuschlagen. Ich werde eingesaugt von einem stinkenden Strudel. Ich sehe die behaarte Öffnung eines Lochs, das wie ein Muskel zuckt. Ich sinke, ich versinke, und während ich aufgesogen werde, mischt sich Angst mit Lust –
Oder ich reite über die Prärie. Ich sehe sein Profil, das sich gegen den tiefroten Canyon und den blassroten Himmel abhebt. Der breitkrempige Hut ist ihm in die Stirn gerutscht. Ich sehe die Schweißtropfen, die seine dunkelgrauen Schläfen hinabperlen und in den silbrigen Bartstoppeln versickern. Ich sehe, wie sein Becken ruhig, aber kraftvoll vor- und zurückwiegt und wie diese gleichmäßige, rhythmische Bewegung die ungestüme Laune seines Hengstes drosselt, wie er ihn zähmt, mit seinen Waden, mit der Macht seiner Schenkel, die Zügel locker in den knochigen Händen. Wir reiten Schritt, doch die maßvolle Gangart täuscht: Er lächelt zu mir herüber wie in stummem Einverständnis. Nie darf er merken, was ich für ihn empfinde, nie, nie! Da blitzt es plötzlich auf in seinen Augen, zwischen seinen Lippen der Schimmer seiner Zähne – ganz kurz nur, aber es durchzuckt mich: ‚Er weiß es, und er will es.‘ – ‚Hier bleiben wir heute Nacht‘, sagt er und schwingt sich vom Pferd. Seine Stimme ist wie Berührung. Er kommt ganz dicht und lässt meinen Blick nicht aus den Augen. ‚Es wird kalt werden. Wir werden dicht zusammenrücken müssen.‘ Dann wendet er sich um, schmerzhaft fast. ‚Mach Feuer! Ich will sehen, dass ich uns etwas schieße.‘ Mit zitternden Fingern schichte ich Reisig. Ich nestle an den Zweigen und an meiner Hose. Sie spannt. Sie wird zu eng für meinen pochenden Körper, für mein Blut. Die Jeans klebt fest an meiner Haut. Ich taste den abgeschabten Stoff entlang, fühle die aufgesteppte Tasche. Hinter dem Gestrüpp verhallt sein Schuss. Die Streichhölzer sind weg. Ich muss sie gestern Abend liegen gelassen haben. Nein, das kann nicht sein! Heute Mittag hab’ ich ihm doch noch die Zigarette angezündet. Wie unbekümmert hat er gelacht, als ich mir den Daumen verbrannte. Und so weiter.

U: Du bist ein Alleinunterhalter! Du brauchst niemanden. Das ist schön und traurig und komisch. Ich kann das nicht.

T: Ich kann es auch nicht, aber was soll ich machen? Vorige Nacht hab’ ich übrigens von dir geträumt.

U: Ach! Was denn?

T: Wir gingen auf einer belebten Straße und waren beide nackt. Aber es hat uns gar nicht gestört, und kein Mensch schien es zu bemerken.

U: Wenn ich nicht vorbeigekommen wäre, dann hättest du den ganzen Samstagabend allein gesessen. Das ist doch auch kein Leben. Andere toben jetzt und raven im Club.

T: Bist du neidisch auf sie?

U: Nein, keine Spur! Heut wär’ ich gar nicht in der Stimmung für so was. Aber komisch ist es schon. Da fetzt es und hier ist es so still, fast zu still.

T: Schön, dass du gekommen bist, auch wenn der Anlass traurig ist.

U: Ja, der Anlass ist traurig. Ich hab’ das Gefühl, mein Blut muss bitter schmecken. Wahrscheinlich werd’ ich auch heulen nachher.

T: Das macht doch nichts. Im Gegenteil, das ist gut. Wein es aus dir raus! Aber was passiert, wenn er morgen wieder vor deiner Tür steht?

U: Dann geb’ ich ihm seine Sachen, ich hab’ sie schon zusammengepackt, und ich sag’ ihm, dass es mir ernst ist. ‚Denk nicht, dass es leicht für mich ist‘, werde ich sagen, ‚aber ich will deine Rücksichtslosigkeit, deine Gleichgültigkeit nicht länger ertragen.‘

T: Du darfst dich auf keine langen Diskussionen einlassen.

U: Das werd’ ich auch nicht. ‚Hör auf‘, werd ich sagen, ‚es hat keinen Zweck! Geh! Du kannst mich in ein paar Wochen, wenn du willst, anrufen, dann können wir in Ruhe noch mal drüber sprechen. Jetzt nicht.‘

T: Wenn du in nächster Zeit Hilfe brauchst, wie gesagt, ich bin da.

U: Danke! Wahrscheinlich werd’ ich Hilfe brauchen.

T: Ich könnte ihm vieles nachsehen. Nur dass er dich nicht liebt, das verzeih’ ich ihm nicht.

U: Auf seine Art liebt er mich vielleicht sogar.

T: ‚Auf seine Art‘! Was heißt das?

U: Wenn er alles, was er an Liebe zu geben hat, zusammenkratzt, und es kommt nicht mehr dabei raus als einen Fingerhut voll – was soll man da machen?

T: Weggehen. Sich trennen.

U: Das tu’ ich ja. Bloß – wie soll ich mit der Lücke leben, die er hinterlässt?

T: Sie wird sich schließen, bestimmt. Sie existiert ja nur in deinem Kopf. Du warst in letzter Zeit doch mehr allein als mit ihm zusammen.

U: Ja, aber das war anders. Wenn es endgültig ist, dann ist es auf einmal viel schwerer zu ertragen. Weißt du, ich glaube, ich war glücklich mit ihm, eine Zeit lang zumindest, richtig glücklich. Und trotzdem – wenn ich drüber nachdenke, hab’ ich manchmal meine Ruhelosigkeit vermisst. Wenn ich dann losgezogen bin, Samstag Abend, wenn ich mich betrunken habe und Kerlen, die mir gefielen, unverschämt mitten ins Gesicht gegrinst habe. Und dann bin ich, ohne ihnen einen Wink zu geben, siegessicher nach hinten gegangen. Und dann kamen sie nach, und ich dachte: ‚Es kommt nicht darauf an, wie es anfängt, es kommt darauf an, wie es weitergeht. Dieses Gesicht von eben, an das ich mich auch hier, in der Dunkelheit, erinnere, dieser Körper, den ich fühle und noch nie gesehen habe – vielleicht ist es für immer. Hoffentlich.‘ – Hoffentlich nicht. Die Liebe hat mich überfallen. Ich habe sie mir nicht gewünscht. Und jetzt, jetzt, da es vorbei ist, jetzt weiß ich nicht, wie ich sie abschütteln soll. Muss denn das alles jetzt wieder von vorn losgehen? Ja, ich hab’ mir das manchmal gewünscht, wenn ich allein saß und umsonst auf ihn gewartet habe. So wie man sich wünscht, mal für einen Tag im November auf einer Südseeinsel zu sein. Aber jetzt graut mir davor. Die Zeiten haben sich geändert inzwischen. Alles ist verändert. Nur ich hab’ mich nicht geändert. Ich bin auf einmal wieder so wie damals. O Gott! Wie kann ich damit fertig werden – ohne ihn? Es ist nicht seine Schuld. Er kann nichts dafür. Du hast recht, er war kaum da, wenn ich ihn brauchte, aber ich habe die Idee gebraucht, dass es ihn gibt, verstehst du? – Meine Schuld, nicht seine. Er hat das nicht gewollt, so. Ich hab’ es mir gemacht. Er war das Werkzeug meiner Träume. Er kann nichts dafür. – Und es ist Sonnabend Nacht. Und sie toben alle … im Lärm … im Licht. Ich will nicht mehr dazugehören, glaub’ ich. Es ist alles so harmlos geworden. Weil sie sich bedroht fühlen. – Es ist nicht seine Schuld, dass ich so bin.

T: Du bist nicht mal wütend auf ihn?

U: Nein. Und ich kann ihm auch nichts Schlechtes wünschen, ich kann es nicht. Wütend bin ich nur auf mich.

T: Möchtest du etwas essen?

U: Ich kann doch jetzt nichts essen!

T: Ich esse immer, wenn ich in so einem Zustand bin.

U: Wirklich? Was denn?

T: Ich könnte Spagetti machen.

U: Jetzt noch?

T: Warum nicht? Mein Herd hat keine Sperrstunde.

U: Na gut. Dann mach Spagetti! Und ich deck’ den Tisch. Hast du – hast du eine rosa Decke?

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ERLÄUTERUNGEN

Sonnabend und Sonntag unter dem Begriff ‚Wochenende‘ zusammenzufassen, ist im Prinzip natürlich richtig, und doch sind beide Tage unterschiedlich wie Tag und Nacht.

Samstag: Das ist Erwartung, Erregung, Vorfreude. Flirren und Flirten. Trieb und Treiben. Sonntag: Das ist Ruhe und Familie. Spielplatz und Depressionen. Am Samstag wird geguckt und gekauft. Am Sonntag wird gegessen, was auf den Tisch kommt.

Was machen Schwule am Sonnabend? Also eigentlich alles, was alle anderen auch machen. Vielleicht putzen manche ihre Wohnung und sich selbst etwas mehr heraus und setzen den Verkäuferinnen etwas mehr zu als verheiratete Männer. Sie bitten nicht: ‚Aber geben Sie mir ein gutes Stück, sonst schimpft meine Frau!‘, sondern sie sagen: ‚Geben Sie mir von dem Parmaschinken da hinten, der hier vorne hat einen zu breiten Fettrand. Hundert Gramm, ganz dünn geschnitten, Sie wissen schon …‘

Und weil man sich Achtung erwirbt, wenn man Bescheid weiß, und weil die Schwulen charmanter lächeln zu ihren Forderungen als die Ehemänner zu ihren Bitten, deshalb sind sie beliebter. Während also die Verkäuferin den Schinken, um ihm die hauchdünnen Scheiben abzupressen, gegen den Apparat stemmt, dass ihr der Schweiß auf die Stirn tritt, fühlt sie sich gemocht und verstanden. Beim nächsten Kunden wird dann wieder gröber gehobelt.

Der jugendliche Herr mit dem Hauchdünnen schiebt derweil hoheitsvoll seinen Einkaufswagen weiter durch die Gänge und blickt von Zeit zu Zeit gerührt auf die erworbenen Erzeugnisse hinab wie auf seine eigenen. Wenn das Fleisch noch schreien könnte, würde er sich liebevoll herunterbeugen und es trösten, dass es für besonders nette Leute ganz besonders gut gewürzt aufgetragen werden soll.

Begegnen sich zwei Schwule auf diesen Gängen, dann verhalten sie sich nicht wie andere Hausfrauen, die sich ja eigentlich gar nicht verhalten, sondern sie sehen betont hin oder betont weg, meist weg, denn sie sind darauf programmiert, dass sie nur in der Kneipe Blicke tauschen, aber nicht, wenn es um Lebensmittel geht.

Schwule lieben auch Märkte, weil sie in puncto Ursprünglichkeit glauben, etwas wettmachen zu müssen. Da schlendern sie durch die Menge, betasten den Käse, beschnuppern die Pfirsiche (oder umgekehrt) und bringen es zu einer Volksverbundenheit, die ihnen im Stau und im Stadion versagt bleibt.

Mittaggegessen wird nicht, wegen der Figur. Ein Kaffee in einem Café ist möglich. Natürlich ist es ihr Stammcafé und nicht irgendeins.

In einem Café sitzen entweder zehn Schwule über die Tischchen verteilt – allein mit Zeitung, schwatzend zu zweit, in modischen Gruppen – oder gar keine. Wenn Sie einen einsamen Schwulen in einem Café ausmachen, in dem sonst nur ältere Damen Kuchen gabeln, dann können Sie davon ausgehen, dass dieser Schwule kein Schwuler ist, sondern nur etwas hübscher, als Sie es normalen Männern gemeinhin zutrauen.

Nachmittags wird geschlafen (bei gutem Wetter, in der Sonne; bei schlechtem, im Bett), nachts nicht. Das, was als ‚Saturday Night Fever‘ Geschichte gemacht hat, erhitzt Heteros und Schwule gleichermaßen, nur bei Schwulen dauert es länger: bis in den frühen Morgen und bis ins hohe Alter. Die Gründe haben wir bereits durchgenommen: Suche, Jagd, Betäubung.

Anständige junge Männer gehen samstags aus, um Frauen aufzureißen und Musik zu hören. Schwule teilen ihre Neigung für Rock und Blues, nur mit Rock und Bluse haben sie es, wie wir wissen, weniger. Auf Kontraste brauchen sie deshalb in ihren Kneipen noch lange nicht zu verzichten: Der unnahbare Habicht, die tschilpenden Spatzen, die blinzelnde Nachteule und der humorlose Pfau – sie alle sitzen im selben Käfig, wenn man ihr Zusammentreffen mit Vögeln in Beziehung bringen will, und das wollen – mehr oder weniger eingestanden – die meisten.
Onanieren ist eben kein Ersatz für einen Sexpartner, so wie ein Sexpartner kein Ersatz für Onanieren ist. Die meisten brauchen wohl beides … Ganz Gewitzte masturbieren rasch noch mal vor dem Ausgehen, damit sie nachher wählerischer sind. Das sind die, die ihre Feinkostsalate immer erst nach dem Verzehr eines Baguette-Brötchens einkaufen, um nicht unnötig verschwenderisch zu werden, sondern dem Theken-Jüngling nach dem ersten Klacks mit der Kelle gierlos Einhalt zu gebieten. Gewiss, gar nicht ausgehen würde den Reinfall vermutlich noch wirkungsvoller vermeiden, aber unsportlich wäre es auch.

Es klingt so einfach: Man geht einfach nicht hin und am nächsten Morgen wacht man auf und ist nicht da gewesen, doch das bleibt für viele Theorie. Handeln ist leichter als Warten, vor allem, wenn es gar nichts zu warten gibt. Lieber in die Kneipe gehen und da warten. Auf wen oder was? Ein billiges Abenteuer, durch das man auch noch todkrank werden kann – das ist ein teures Abenteuer.

Aber ganz harmlos Bekannte treffen, oder sogar Unbekannte, mit einem Bier im Rauch stehen, im Gemurmel freundlicher Stimmen, oder denen zusehen, die im Lärm und Blitzlicht zucken, unter Menschen sein, die genauso fühlen, na ja, denen man jedenfalls nichts vorzumachen braucht – das ist schon wichtig. Schließlich ist es viel befriedigender, in solchem Kreis sexuelle Pannen und Triumphe zu erörtern als womöglich verständnisvoll verständnislose Heteros mit derartigen Berichten zu öden. Welcher Schwule hört umgekehrt schon gern Weibergeschichten? Man darf ja in der Kneipe auch über alles andere reden, aber wichtig ist offenbar vielen, dass sie dieses Thema, das ihnen so sehr am Herzen liegt, nicht auslassen müssen, sondern frei von der Leber weg Galle verspritzen oder Süßholz raspeln dürfen.

Im Club mit DJ kann man dagegen, wie wir wissen, zwar reden, aber nicht zuhören, also schweigt man. Junge Leute haben sich wohl weniger zu sagen.

Andere sind nur deshalb maulfaul, weil sie lieber gleich zur Sache kommen. Im Nachhinein kann sich dann erweisen, dass sie zwar sprachlos, aber schlagfertig sind. Im Nachhinein kann sich aber noch mehr erweisen – und das machte die Zeit, in der dieser Kursus verfasst wurde, heikel. Gehen oder nicht gehen? – Das war da die Frage, unter Umständen eine Frage auf Leben und Tod. Da bekommt Ängstlichkeit rasch moralischen Anspruch, und Triebhaftigkeit wird schnell verantwortungslos. – Ein echter Konflikt. Früher war es einfach, da stand schlicht der Kitzel, eine neue Eroberung gemacht zu haben, gegen die ehrpusselige Befriedigung, keine neue Eroberung gemacht zu haben. Da man sowohl mit seiner Lust als auch mit seiner Ehrpusseligkeit leben muss, galt es abzuwägen, was man sich zweckmäßigerweise eher durchgehen ließ. Heute ist guter Rat – Verzicht also – teuer. So sind die Kneipen nicht leerer, aber die Kunden vorsichtiger geworden. Viele von ihnen sind sogar froh, dass nun das heillose Rumgemache vorbei ist und man die inneren Werte aneinander ‚wieder‘ – wieso ‚wieder‘? – zu schätzen lernt. Na ja. Dass es im Stall gemütlicher ist als in freier Bahn, diese Erkenntnis hat schon das Hausschwein dem Wildschwein voraus. Erst Grenzen schaffen Heimatgefühle.

Es muss noch mal betont werden: Die meisten bleiben sowieso zu Haus. Wenn trotzdem fünfhundert vergnügungssüchtige Männermöger an einem Samstagabend in einer Millionenstadt ausgehen, dann ist das, statistisch betrachtet, verschwindend wenig. Verteilen sie sich aber auf nur fünf Lokale, dann sind die erfreulich voll. Wer eintritt, glaubt nach zehn Minuten, in einer schwulen Welt zu leben. Er saugt diesen Glauben ein – und ist gestärkt für eine nächste Woche Alltag. So machen sich gute Kneipen verdient als Tankstellen für Selbstverständnis.

Andere – wir wollen sie gar nicht abfällig ‚Solidere‘ nennen – gehen, wie gesagt, nicht in Kneipen. Sie gehen ins Kino oder Essen oder zu Freunden oder sehen fern oder lesen.

Die ganz Ruhelosen gehen zu Freunden, mit denen ins Kino, dann essen, sehen zu Hause noch fern, lesen eine Weile und werden dann doch vom Saturday Night Fever geschüttelt. Den Rest der Nacht entnehmen Sie den Kapiteln 3, 4 und 5.

‚Mittelmeer-Medley‘ – PDF zum Download

Mittelmeer-Medley

Auszug aus Hanno Rinkes ‚Liedschatten‘

Die einen schwören auf schal schmeckendes Fachinger, die anderen mögen lieber hippes Aqua Monaco. Mein Lieblingswasser ist das Mittelmeer, das hier ja zur Traumerzählung des Tröstenden aus dem Dialog passt. Von Griechenland nach Israel. Von Tel Aviv aus bin ich mal nach Rom geflogen. Südfrankreich, Spanien. Der hier zum Medley gefügte Lorbeerkranz besteht fast nur aus Hits mit der Vulgarität des Populären und dem Flair des Südens. Ich habe dazu sehr viel geschrieben. Es ist für Unermüdliche im PDF nachzulesen.

Auszüge aus: der Filmmusik zu ‚AlexisSorbas‘ (aus LP ‚Originalaufnahmen aus dem Film ‚Zorba The Greek – Alexis Zorba‘, erschienen bei International, 20th Century Fox Records, Musik/Orchestrierung: Mikis Theodorakis) | ‚Goodbye My Love, Goodbye‘ (aus Single ‚Goodbye My Love, Goodbye / Mara‘, erschienen 1973 bei Philips, Hanseatic/Leros, Producer: Leo Leandros, written by: K. Munro, M. Panas, Interpret: Dimis Roussos) | ‚Love’s Song‘ (aus LP ‚Daliah‘, erschienen 1970 bei Polydor, Interpretin: Daliah Lavi) | ‚Natali‘ (aus LP ‚Natali‘, erschienen 1975/Italien bei Polydor, Text: Minellono, Musik und Interpret: Umberto Balsamo, Arrangement/Orch.-Ltg.: Gian Piero Reverberi) | ‚Ormai‘ (aus LP ‚Mina Con Bignè‘, erschienen 1977/Italien bei PDU, Vertrieb: EMI ITALIANA S.p.A., Interpretin: Mina) | ‚Capri C'est Fini‘ (aus gleichn. Single, erschienen 1965/GER bei Mercury, Interpret: Hervé Vilard) | ‚Love Is A Many-Splendored Thing‘ (aus Single ‚Love Is A Many-Splendored Thing / Parce Que Je T’Aime‘, erschienen 1977/GER bei Warner Bros., Interpret: Shake) | ‚Charly‘ (aus Doppel-CD ‚Adiós Amigo‘, erschienen 2016 bei Repertoire, Interpreten: Santabarbara) | ‚Borriquito‘ (aus LP ‚Peret‘, erschienen 1971/Spanien bei Ariola Eurodisc S.A., written by/Interpret: Pedro P. Calaf [Peret]) | ‚Follow Me/Concierto De Aranjuez‘ (aus CD ‚Follow Me‘, erschienen 1982 bei Mercury/NL, Ⓟ 1982 PhonoGram International B.V., arrangiert und produziert von Rainer Pietsch, Interpret: Demis Roussos)

‚Mittelmeer-Medley‘ – PDF zum Download

39 Kommentare zu “Dialog 17: Beim Freund

      1. Da sagen Sie was! Wer nicht bald einen Impftermin bekommt wird ja tatsächlich ziemlich vom sozialen Leben abgeschnitten sein. Anders geht es natürlich auch nicht. Aber mal schauen wann die ganzen Querdenker und Antivaxxer einbrechen, wenn sie nicht mehr in ihre Bar oder ins Restaurant im Kiez dürfen.

      2. Ich verstehe es auch beim besten Willen nicht. Da sind wir seit einem guten Jahr in dieser Lockdown-Situation und nun gibt es ein Mittel um endlich wieder normal leben zu können und dann wollen es die Hälfte nicht.

  1. Beim Dialog zu Beginn wird einem wieder bewusst, dass in (fast) jeder Beziehung der eine mehr liebt als der andere.

      1. Selbst das muss aber nicht immer zum Problem werden. Ist die Lücke natürlich so groß wie bei unserem Vorzeige-Pärchen, dann kommt man um eine Trennung wohl nicht herum. Zumindest wenn man ehrlich zu sich selbst ist.

  2. Es gibt auch Clubs mit DJ wo trotzdem die ganze Zeit geredet wird. Die sind aber meistens relativ schwer erträglich.

    1. Man geht ja auch äußerst selten zum Quatschen in den Club. Selbst wer auf ein Techtelmechtel im Darkroom aus ist, redet nicht unbedingt allzu viel.

      1. Adorno habe ich, schon ohne ihn zu lesen, nicht gemocht, weil er Zwölftonmusik mochte. Seine Ablehnung von allem, was mir Spaß machte, tat ein übriges. Lieber eine Nacht im Club als einen Tag mit Adordo.

  3. Heute sucht man die Sexualpartner ja eh direkt über die passende App aus. Da kann man dann allerdings auch nicht mehr von Eroberung reden.

      1. Oh ja, Realität und Wunschbild (sowohl das eigene, wie das des Angelockten) gehen ja doch oft auseinander. Wer nicht ausschließlich im Digitalen leben will, sollte vielleicht mal dafür sorgen, dass sich beide etwas mehr aneinander annähern.

    1. Warum eigentlich bitter? Wer jemanden findet, mit dem er nicht mehr alleine sein muss, der hat doch schon ziemlich viel erreicht.

      1. Die andere Frage ist dann wohl auch wie einschneidend dieser Kompromiss wirklich ist. Kompromisse muss man in einer Beziehung ja immer machen. Nur sind die mal relativ unbedeutend und verschmerzbar, mal so präsent, dass man konstant darunter leidet. Und die Beziehung natürlich dann entsprechend mit.

      2. Man denkt, man hat es sich selbst ausgesucht. Oder ist man vom Schicksal ausgesucht worden? Man kann wohl nicht wählen, wen man liebt. Man kann sich bloß entscheiden, ob man dem Gefühl nachgibt oder nicht.

  4. Man muss natürlich nicht schwul sein um bei den Marktverkäuferinnen zu punkten. Es würde ja auch sicherlich schon mal reichen etwas netter zu sein als viele Hetero-Machos das beim Einkauf sind.

    1. Nett zu sein ist ja in den meisten Situationen hilfreich, also egal ob beim Freund in der Küche oder beim Einkauf auf dem Wochenmarkt. Aber vielleicht ist das zu naiv gedacht.

      1. Naiv wäre ja nur anzunehmen, dass jeder nett ist. Erwarten, dass Menschen sich zumindest bemühen es zu sein, kann man ja trotzdem.

  5. „Die meisten bleiben sowieso zu Haus“ muss man sich eigentlich auch immer wieder sagen, wenn sich über die Ausgangssperre echauffiert wird. Aber da geht es wahrscheinlich einfach um das Prinzip.

    1. Die Deutschen gehen im Schnitt um 23.04 ins Bett. Also ohne Corona. Wenn man bedenkt, dass man bis Mitternacht zum Spazieren vor die Tür darf, dann betrifft die nächtliche Ausgangssperre wirklich die wenigsten 😉

    2. In der Diskussion geht es ja wirklich eher um das Prinzip und die Frage in wieweit und aus welchem Anlass unsere Grundrechte eingeschränkt werden dürfen. Momentan gehen die Zahlen runter und wir sollten froh sein, dass es bald wieder Lockerungen geben wird.

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