Weite Reisen



Am Teich

>
Am Teich

#1 – Ein Anfang

PROLOG: Manchmal gab es abends bei uns etwas, das ‚strammer Max‘ hieß. Eingeweihte wissen, dass es sich dabei um nichts Sexuelles handelt, sondern um ein Setzei, auch ‚Spiegelei‘ genannt, das auf einem Bett von kleingehacktem rohen Schinken ruht, der seinerseits auf einer butterbestrichenen Graubrotscheibe verteilt worden ist.

weiterlesen
37 Kommentare
>
Am Teich

#2 – Ein Umzug

Als mein Vater sich beruflich verbesserte und wir 1953 nach Hamburg zogen, war meine Mutter froh. Ich nicht. Irene war ungern eingeschlossen in Westberlin, ich war wenig veränderungswütig. Half nichts. Von nun an bewohnten wir statt einer spannenden Ruine eine langweilige Doppelhaushälfte ...

weiterlesen
31 Kommentare
>
Am Teich

#3 – Ein Abschiedsbrief

So, und jetzt hole ich noch etwas weiter aus: Über die Weihnachtsfeierlichkeiten von 1970 am Klein Flottbeker Weg habe ich sehr ausführlich geschrieben. Es ist der einzige Bericht, den ich jemals über diese ‚alle Jahre wieder‘ aufwühlende, abstumpfende Zeit geschrieben habe.

weiterlesen
30 Kommentare
>
Am Teich

#4 – Der weiße Knopf

Zunächst einmal musste ich mit dem versteckten weißen Knopf am Briefkasten die Gartenpforte öffnen. Der Knopf war neu. Er stellte zweifellos ein Sicherheitsrisiko dar, aber da das Klingeln an der Pforte nicht zu hören ist, weder wenn es Guntram und Irene gilt, die sich in ihrem Schlafbereich bis zur Erschöpfung hin ausruhen, noch wenn an der anderen Pforte ich gemeint bin ...

weiterlesen
35 Kommentare
>
Am Teich

#5 – Was dann kommt

Die zwei Tennisplätze rechts deuten eine vornehme Villengegend an, links leben die Eltern des Delikatessen-Händlers Blohm aus Pöseldorf (‚Broders Delikatessen‘). Obwohl seine Waren als gut und teuer gelten, haben sich zwei ‚Grammophon‘-Sekretärinnen dort beim Mittagstisch über Fisch mit einer für sie inakzeptablen Fettschicht unter der blassen Haut entsetzt.

weiterlesen
27 Kommentare
>
Am Teich

#6 – Lasch statt fromm

Östlich unserer Vierstraßenkreuzung begann stadteinwärts der Othmarscher Kirchenweg. Er führte an der Christuskirche vorbei, die mit ihrem spitzen Glockenturm erhöht in einem kleinen Park liegt, zu den Bauernhöfen, die sich bis Ottensen erstreckten, wo es dann, am anderen Ende des kopfsteingepflasterten Othmarscher Kirchenweges, ernst wurde mit der Vorstadt ...

weiterlesen
34 Kommentare
>
Am Teich

#7 – Immer geradeaus

Der Taxusweg ist wirklich ein Phänomen, denn er verfügt neben seinem namenlosen Zugang zum jetzigen Halbmondsweg außerdem über einen Fußgänger-Durchgang zur Elbchaussee. Links vom Rosenplatz in seiner Mitte leistet er sich einen weiteren Zugang: zur Bernadottestraße.

weiterlesen
32 Kommentare
>
Am Teich

#8 – Maßnahmen

Nie werde ich vergessen, dass meine Mutter mich mit dem Liebermann-Ausspruch zur ‚Machtergreifung‘ beeindruckte: „Man kann gar nicht so viel essen, wie man kotzen möchte.“ Ich hatte sofort Verständnis dafür, dass jemand seinen mangelnden Appetit beklagte, denn das war ja auch mein Problem.

weiterlesen
32 Kommentare
>
Am Teich

#9 – Die Prachtstraße

Es ist ja so: Erst kommt die Elbe – Connaisseure genießen, dass sie von Osten nach Westen fließt –, dann kommt logischerweise die Elbchaussee, parallel dazu als Nächstes die Bernadottestraße, die zwar, nordsüdlich gesehen, nicht wesentlich später (örtlich gemeint) als die Elbchaussee anfängt, aber doch wesentlich eher aufgibt

weiterlesen
29 Kommentare
>
Am Teich

#10 – PLATZ 3: DIE SCHULE

Da, wo die Waitzstraße aufhört, Einkaufsstraße zu sein, steht ein Gebäudekomplex aus dem Jahr 1898, pompös mit Wandelhalle. Das war 1953, als wir nach Hamburg zogen, das ‚Bertha-Lyzeum‘, eine Höhere Mädchenschule. Eigentlich. Aber Raum war knapp, Kinder gab es reichlich.

weiterlesen
34 Kommentare
>
Am Teich

#11 – PLATZ 2: DIE KIRCHE a) Kommunion

Von unserer Haustür aus war es nach rechts noch näher zur Christuskirche als nach links zur Grundschule, nur hatte ich nichts davon. Ich war ja katholisch.

weiterlesen
32 Kommentare
>
Am Teich

#12 – PLATZ 2: DIE KIRCHE b) Beichte

Silvester wurden mir Lustigkeiten untersagt: Pietät. Raketen mochte ich sowieso nicht, aber das Tischfeuerwerk vermisste ich und den kleinen Zylinder, aus dem eine Riesenmenge graues Zeug wurstartig herausquoll, wenn man ihn anzündete. Manche nannten ihn ‚Kackhut‘.

weiterlesen
28 Kommentare
>
Am Teich

#13 – PLATZ 2: DIE KIRCHE c) Out of Othmarschen

Frau Wieman konnte es nicht ausstehen, wie der Pfarrer von St. Paulus-Augustinus von seiner Kanzel herabschimpfte. Ich fand Pastor Nebelings Tiraden immer sehr unterhaltsam, zumal ich sie mir nicht zu eigen machte.

weiterlesen
34 Kommentare
>
Am Teich

#14 – PLATZ 1: DAS KINO

In den frühen 70er-Jahren fuhren wir samstags oft in die Innenstadt und sahen die Filme in einem der ‚Erstaufführungstheater‘. Anschließend gingen wir essen – nach Möglichkeit passend zum Drehort des Films. Deshalb gab es oft Steak, immer mal wieder Froschschenkel oder Saltimbocca, aber nie Eisbein. Wir, das waren damals Harald, Silke, Esther und ich.

weiterlesen
38 Kommentare
>
Am Teich

#15 – Frühlingserwachen

Zurück in die letzte Märzwoche 2000: Guntram konnte sein samstägliches Tatar nicht mehr selber holen, und ich hatte mir am Freitagabend vor dem Schlafengehen in den Kopf gesetzt, ihn am nächsten Morgen in dem nagelneuen Rollstuhl an die Stätte seiner ehemaligen Einkäufe zu fahren.

weiterlesen
32 Kommentare
>
Am Teich

#16 – Etwas pikanter

Wir waren vor dem Fleischereibetrieb ‚Am Teich‘ angelangt. Dort, wo die Schlachtware teurer ist, aber der Meister grinsend behauptet: „Meine Rinder kenn’ ich beim Namen“, und er sagt es so, dass man nicht weiß, ob es ein Scherz, eine Lüge oder die Wahrheit ist.

weiterlesen
35 Kommentare
>
Am Teich

#17 – Nebenstraßen

Isabelle war, während sie studierte, ganz sicher gewesen, dass sie nie heiraten würde. Aber dann war Eduard so ganz anders gewesen als alle die, die sie nie in Betracht gezogen hatte: Er war zuverlässig, unnachgiebig und hinreißend. Wer kann dazu schon Nein sagen?

weiterlesen
34 Kommentare
>
Am Teich

#18 – Lebensversicherung

Wir überquerten die Bernadottestraße, ich schob Guntram in den Taxusweg. Von nun an würde der Rückweg wie der Hinweg verlaufen. Irene ging so schleppend, wie es das Schieben des Rollstuhls gebot, und dabei fühlte sie sich – vielleicht zum ersten Mal – so alt, wie sie war.

weiterlesen
31 Kommentare
>
Am Teich

#19 – Wie ich lebe

Es gibt so viele einmalige Augenblicke in meinem Leben, schade, dass es, als Ganzes gesehen, bisher so nichtssagend geblieben ist. Die radikalste Art, nicht zu leben, ist es, zu sterben.

weiterlesen
32 Kommentare
>
Am Teich

#20 – Am Küchentisch

Nudeln von gestern, tiefgefrorene ‚Chicken Wings‘, Dosen mit Serviervorschlägen auf dem Etikett – natürlich ist Spontaneität das Erstrebenswerteste, aber wie soll man die planen? Man will doch planen! Da sagt man sich: ‚Jetzt will ich geil sein!‘ ...

weiterlesen
36 Kommentare
>
Am Teich

#21 – Himbeerjogurt

Nun kommt die erste wirkliche Entscheidung des Tages: Was mache ich aus diesem Nachmittag meines Lebens? Zur Auswahl stehen: schreiben, an meinen alten Filmen arbeiten, schlafen, wegträumen, ‚Spiegel‘ lesen und telefonieren. Wie seit jeher.

weiterlesen
28 Kommentare
>
Am Teich

#22 – Abendprogramm

Wenn ich von meinem sogenannten Mittagsschlaf aufwache, ist es meist so gegen sechs. Ich habe also noch Zeit, in knapperer Form das zu tun, was ich sonst länger getan hätte: schreiben, lesen, telefonieren ...

weiterlesen
34 Kommentare
>
Am Teich

#23 – Abseits der Überholspur

Es kommt vor, dass ich nicht nur ein anderes Programm, sondern dass ich überhaupt nicht fernsehe. Was immer ich tue, habe ich dann getan. Unkorrigierbarkeit hat etwas Faszinierendes.

weiterlesen
33 Kommentare
>
Am Teich

#24 – Im Schauspielhaus

So oder so oder so, irgendwann gehe ich ins Bett, na ja, ich schwanke mehr. Da liege ich dann und denke meinen Gedanken hinterher. Ich will etwas, was ich nicht kann, oder ich kann etwas, was ich nicht will ...

weiterlesen
33 Kommentare
>
Am Teich

#25 – Nach vorn sehen und nach hinten

Inzwischen hatte ich Guntram auf unserem Weg vom Fleischer ‚Am Teich‘ das namenlose Straßenstück rechts vom Taxusweg entlanggerollt. Wo kein Briefkasten und keine Eingangspforte ist, da sind Namen überflüssig.

weiterlesen
35 Kommentare
>
Am Teich

#26 – Die Anrede

Guntram saß im Rollstuhl und sah die Pforte immer näherkommen; es war wie der Blick durch eine Kamera, die aus dramaturgischen Gründen auf einen in der Handlung bedeutsamen Gegenstand zufährt, auf einem Podest mit Rädern. „Ob ich noch jemals nach Meran kommen werde?“, fragte Guntram leise. „Bestimmt“, sagte Irene. Sie log.

weiterlesen
31 Kommentare
>
Am Teich

#27 – Am Teich

Herr Mohrenhaupt war Dekorateur, ein Beruf, der sich mir nicht sofort erschloss, obwohl ich meine Mutter gleich nach unserem Umzug zu ihm begleitet hatte, als sie sich darüber beschweren wollte, dass die Gardinen zu kurz waren.

weiterlesen
36 Kommentare
>
Am Teich

#28 – Film und Frau

Neben Bäcker Mielke befand sich etwas außerordentlich Interessantes. Dort drinnen roch es seltsam künstlich, und es sah dort noch unordentlicher aus als in meinen Schränken. An Silvester bekam Bernie, Kathrins größerer Bruder, etwas Geld, und dann kaufte er Raketen.

weiterlesen
34 Kommentare
>
Am Teich

#29 – Lügen

Ich öffne die Pforte, sie geht nach außen auf, ich muss Guntrams Rollstuhl wieder ein Stück zurückschieben, es gibt einen Ruck am Kantstein. „Ach, Gott, nein, Kinder“, schreit Guntram, „nun sagt doch mal selber: Muss das denn noch sein!“ Guntrams Erinnerungen decken sich nicht mit seiner Wirklichkeit.

weiterlesen
33 Kommentare
>
Am Teich

#30 – Epilog

Mehr als zwanzig Jahre ist es her, dass ich diesen Brief – damals wie üblich an meinen Freund Pali – geschrieben habe. Pali war es gewohnt, an meinen Briefen eine ganze Nacht lang zu lesen, zu lachen, zu weinen, pausenlos zu rauchen und sich aufbrausend über mich zu ärgern.

weiterlesen
34 Kommentare


Atlantische Turbulenzen

Aus gegebenem Anlass greife ich mal wieder in meine Schatztruhe. Dabei kommt die Beschreibung einer Reise nach Nord- und Südamerika zum Vorschein. Wie immer mischt sich sofort Unerwartetes mit Unerträglichem.

>
Atlantische Turbulenzen

#1 – Atlantische Turbulenzen

Trump, Kim Jong-un und Putin beschäftigen uns ja eigentlich schon genug. Trotzdem kommen die Probleme von Großbritannien, Syrien und Afghanistan dazu. Obendrauf Dieselskandal, Umweltzerstörung und Europakrise. Reicht es nun?

weiterlesen
25 Kommentare
>
Atlantische Turbulenzen

#2 – Frankfurt

Als die Abfertigung durchgestanden war, wandte ich mich schüchtern an eine der Stewardessen und fragte, ob ich denn wohl auch hier per Lautsprecher erfahren würde, wann ich nach New York dürfte. Das geinge manchmal ganz schnell, erwiderte sie. Aber die Maschine würde nicht ohne mich fliegen, beharrte ich kämpferisch, denn ich habe Gepäck aufgegeben. Darin könne eine Bombe sein.

weiterlesen
26 Kommentare
>
Atlantische Turbulenzen

#3 – New York (1)

Die Passkontrolle nahm ich mit weltmännischer Geschwindigkeit, dann stand ich zwanzig Minuten nach einem Gepäckkarren an, immer in der Angst, dass mein Gepäck inzwischen flöten geht, was ja das Anstellen nach dem Karren zur Sinnlosigkeit verdammt hätte. Auch diese war, wie so viele Sorgen, unbegründet. Mein Gepäck hatte gar keine Möglichkeit, flöten zu gehen, und niemand mit ihm, weil es einfach gar nicht erst kam.

weiterlesen
22 Kommentare
>
Atlantische Turbulenzen

#4 – New York (2)

Am Gate 18 standen zwar keine Abflugzeiten nach irgendwohin, dafür aber jede Menge Menschen. Mit einer gewissen hysterischen Schärfe in der Stimme und wie der Landessprache nicht mächtig schrie ich eine rumstehende Uniformierte an: „Boston? Boston!“ und sie, ebenfalls sprachunfähig, wies stumm auf die Schlange. Ich erwog, mich aufzuregen ...

weiterlesen
26 Kommentare
>
Atlantische Turbulenzen

#5 – Boston (1)

Es schaukelte und hoppelte, und obwohl ich mir beschwörend eingeredet hatte, dass ich zu müde und erschöpft sei, um mich noch über irgendetwas aufzuregen, regte ich mich ganz schrecklich auf.

weiterlesen
25 Kommentare
>
Atlantische Turbulenzen

#6 – Boston (2)

Ich stieg also zehn vor acht vor der Symphony Hall in eine Taxe, nachdem ich Ozawas Entzücken über die erfolgreich verlaufene Nachaufnahme geteilt und mit ihm für den nächsten Tag, 19 Uhr, eine Verabredung getroffen hatte. „To the ‚Four Seasons‘ and then to the ‚Chart-House‘“, bat ich. Ich hatte keine Ahnung, wo das ‚Four Seasons‘ war ...

weiterlesen
23 Kommentare
>
Atlantische Turbulenzen

#7 – Boston (3)

Pünktlich um neun waren wir zur Stelle, Gidon mitsamt seinem wiedergewonnenen Appetit auch. Seit dem Nachtisch vom Vorabend hatte der ihn nicht mehr verlassen und während er darüber klagte, dass er kein Auge zugedrückt habe und die Welt auch sonst scheußlich sei, verdrückte er mehrere Eier mit Schinken, ohne darüber Brötchen, Käse oder Marmelade zu vergessen. Das mit dem zugedrückten Auge hatte noch eine besondere Bewandtnis, die seinen Weltschmerz sichtlich steigerte ...

weiterlesen
25 Kommentare
>
Atlantische Turbulenzen

#8 – Houston (1)

In Houston kam außer mir zwar mein Koffer an, aber weder mein Anzugsack noch Bill war da. In meinem Anzugsack waren alle Hosen, Hemden und Schuhe, in Bill lag meine Hoffnung auf ein Bett für die Nacht begründet.

weiterlesen
24 Kommentare
>
Atlantische Turbulenzen

#9 – Houston (2)

Ich war wütend auf mich, dass ich statt Vorfreude Abschiedstrauer empfand. Bill war wütend auf sich, weil er seine Sonnenbrille im Auto vergessen hatte.

weiterlesen
23 Kommentare
>
Atlantische Turbulenzen

#10 – Caracas (1)

Weil wir noch Geld wechselten, waren wir danach ganz am Ende der Schlange bei der Passkontrolle. Um völlig reguläre Dollarnoten zu tauschen, mussten wir die Pässe zeigen und Formulare wurden umständlich ausgefüllt. Ich mokierte mich ...

weiterlesen
22 Kommentare
>
Atlantische Turbulenzen

#11 – Caracas (2)

Für die Morgentoilette braucht Bill etwa 60 Minuten, von denen er dreißig unter der Dusche zubringt, danach ist er so ausgelaugt, dass er sich zehn Minuten cremen muss, dann geht es weiter.

weiterlesen
25 Kommentare
>
Atlantische Turbulenzen

#12 – Caracas (3)

„Och, wir hatten keinen Sex.“ – Natürlich nicht, danach hätte ich ja so auch nicht gefragt. Ach so, die Disco war ganz gut.

weiterlesen
21 Kommentare
>
Atlantische Turbulenzen

#13 – Caracas (4)

Gegen acht kam Bill zurück, tütenbepackt, und sagte mit grimmiger Genugtuung: „Jetzt weiß ich es: Sie geben keine Nachrichten weiter. Ich habe dreimal von unterwegs angerufen und Nachrichten hinterlassen, aber keine ist da. Abel wird es längst versucht haben.“

weiterlesen
24 Kommentare
>
Atlantische Turbulenzen

#14 – Caracas (5)

Abel wartete schon, als wir im Hotel zurück waren. Ich unterdrückte eine leichte Müdigkeit, weil ich mir das, was Abel zu bieten haben würde, nicht entgehen lassen wollte.

weiterlesen
26 Kommentare
>
Atlantische Turbulenzen

#15 – Caracas (6)

Als ich irgendwann in der Nacht aufwachte, merkte ich, dass Bill gekommen sein musste, denn es brannte Licht im Bad. Nach einer Weile fand ich, dass er so lange aber nicht geräuschlos an sich putzen und pudern konnte. Tat er auch nicht.

weiterlesen
24 Kommentare
>
Atlantische Turbulenzen

#16 – Caracas (7)

Jeden Abend kann man nicht kneifen. Ich bin zwar nicht essen gegangen, aber ich habe mir ein Clubsandwich aufs Zimmer bestellt, die köstlichste Mahlzeit, seit ich in Südamerika bin, ich hatte das nicht für möglich gehalten. Nun werde ich doch noch mal runtergehen in den Club, um mich deprimieren zu lassen – oder auch nicht.

weiterlesen
23 Kommentare
>
Atlantische Turbulenzen

#17 – Caracas (8)

Gegen drei lief ich wieder zurück, denn es hatte angefangen in Strömen zu gießen: im April! In Caracas!! Bloß um mich zu demütigen!!! Bill lag da wie tot, und ich stellte fest, dass er eine halbe Flasche Rum ausgetrunken hatte.

weiterlesen
28 Kommentare
>
Atlantische Turbulenzen

#18 – Caracas (9)

Bill kam wirklich überraschend früh, schon kurz vor zwölf, ich war noch wach. Aber wie ich erst später erfuhr, drängten ihn weder Einsicht noch Müdigkeit, sondern das völlig Un- oder jedenfalls nur von mir Erwartete war eingetreten: Romolo.

weiterlesen
24 Kommentare
>
Atlantische Turbulenzen

#19 – Caracas (10)

Gegen vier war Bill noch nicht zurück, ich aber darmhalber schon zweimal aufgestanden. Die drakonischen Gepflogenheiten des venezolanischen Flugverkehrs zwangen uns, um fünf Uhr am Airport zu erscheinen, damit wir um sieben Uhr fliegen konnten. Gegen viertel nach vier stieß ich an der Klotür mit Bill zusammen. Er war ziemlich betrunken und gab selbst "a lot of" Cuba libres zu. "Good bye, Scheißland Venezuela", schrie er ...

weiterlesen
25 Kommentare
>
Atlantische Turbulenzen

#20 – Houston (3)

Als wir am Parkplatz angekommen waren, sagte Bill: „Look“, nahm alle Bolivar-Münzen, die er noch hatte, und schmiss sie mit theatralischer Geste über den Zaun von sich, mit sicher entgegengesetzten Wünschen von Rom-Touristen, die Lire-Münzen am Trevi-Brunnen über ihre linke Schulter werfen. Später, zu Hause, zerrte er noch ein Sweatshirt von seinem vorigen Venezuela-Aufenthalt aus dem Schrank und ließ es angeekelt in den Mülleimer fallen.

weiterlesen
27 Kommentare
>
Atlantische Turbulenzen

#21 – Houston (4)

Nun war es Nacht, und Texas stellte in fast obszön anmutender Geste den Sternenhimmel zur Schau, den ich in den Tropen erwartet, aber wegen des Smogs nicht zu sehen bekommen hatte. Wir zogen durch die Bars. Im wahrsten Sinne des Wortes: rein, durch, raus – grußlos, drinklos.

weiterlesen
25 Kommentare
>
Atlantische Turbulenzen

#22 – New York (3)

Von da an ging alles glatt. Die Maschine wurde pünktlich abgerufen, die Stewardess begrüßte mich begeistert, ich glaube, sie hat mich umarmt, ob sie mich geküsst hat, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls setzte sie sich gleich neben mich, während die Passagiere der Econony Class stumm wie Büßer an uns vorbeipilgerten. Ich wartete auf einen Heiratsantrag ...

weiterlesen
28 Kommentare
>
Atlantische Turbulenzen

#23 – Hamburg (3)

Der Abflug war pünktlich, ich hatte den schönsten Platz im ganzen Flugzeug und niemanden neben mir. Ich bin angstlos. Ich fliege angstlos. Bill hat mir erzählt, wenn Fassbinder ein neues Drehbuch schrieb, habe er immer einen Langstreckenflug hin und zurück gebucht, weil er nirgendwo sonst die Ruhe zum Schreiben gehabt und empfunden hätte.

weiterlesen
25 Kommentare
>
Atlantische Turbulenzen

#24 – Zusammenfassung einer Reise

Für ganz Mutige hier noch eine zeitüberbrückende Zusammenfassung der Reise in zwei Teilen:

weiterlesen
21 Kommentare


Die Zeit der Ringelblumen ist vorbei

>
Die Zeit der Ringelblumen ist vorbei

1.1 | Nichts Besonderes

Eine Schar Kinder läuft über das Feld, barfuß, mit bunten Kerzen. Der Wind bläst die Lichter aus. Sie wirbeln auseinander. Fühlst du dein Herz klopfen?

weiterlesen
40 Kommentare
>
Die Zeit der Ringelblumen ist vorbei

1.2 | Auch nichts Besonderes

Der Brief war fertig. Im Netz: War er die Spinne oder die Fliege? Sie zog die Blätter heraus, entfernte das Kohlepapier und legte den Brief und die Kopien in die Unterschriftenmappe, dann spannte sie den nächsten Bogen ein. Augen zu, einfach abschalten und losschießen.

weiterlesen
32 Kommentare
>
Die Zeit der Ringelblumen ist vorbei

1.3 | Überhaupt nichts Besonderes

Punkt zwölf stand Frau Kleide in der Tür: „Kommst du?“ Er brütete über den Unterlagen. Sie sah auf die Uhr: „Ist es schon wieder so weit?“ Die Seite müsste er fotokopieren. Ein wenig erschrak sie über das Fortschreiten der Zeit.

weiterlesen
35 Kommentare
>
Die Zeit der Ringelblumen ist vorbei

1.4 | Wieder nichts Besonderes

Sie lief die Mönckebergstraße entlang. Er saß in der Mensa. Ein azurblauer Kaschmir-Pullover in einem der Schaufenster gefiel ihr. Gulasch, er kaute lustlos. Sie blieb stehen. Widerwillig stocherte er mit der Gabel zwischen den Fleischbrocken herum. Den könnte sie sich eigentlich leisten.

weiterlesen
40 Kommentare
>
Die Zeit der Ringelblumen ist vorbei

1.5 | Immer noch nichts Besonderes

Im Café traf er ein paar Freunde. Dann ging sie zu Frau Kleide, wegen Gutzenka. Sie redeten übers Studium. Frau Kleide fragte: „Finden Sie wirklich, dass er gut aussieht?“ Er hatte die meisten Scheine; für die Anzahl seiner Semester war er ziemlich weit.

weiterlesen
32 Kommentare
>
Die Zeit der Ringelblumen ist vorbei

1.6 | Ausgefallen!

Es war kurz vor acht, und er war leicht betrunken. Sie war erschöpft nach Hause gekommen und hatte sich gleich hingelegt. Ein Drittel der Whiskyflasche war ausgetrunken. Jetzt wachte sie auf. Als ob er es nötig hatte, sich Mut zu machen! Sie sah auf die Uhr und erschrak.

weiterlesen
36 Kommentare
>
Die Zeit der Ringelblumen ist vorbei

2.01 | Worum es geht

Die schwer zu beantwortende Frage: Ist dem Leben mit irgendwelchen Moralvorstellungen beizukommen? Nehmen wir zum Beispiel einen Mann von 34, Hans Schmidt, oder wenn das zu billig klingt, meinetwegen Gregor Sollendorf. Der Nachname klingt ein bisschen ambitioniert, aber – macht nichts, er kommt nur einmal vor.

weiterlesen
8 Kommentare


Kapitel 1: Ein Stell-dich-ein

Die erste von vier Begegnungen im Sommer 1972

>
Die Zeit der Ringelblumen ist vorbei

1.1 | Nichts Besonderes

Eine Schar Kinder läuft über das Feld, barfuß, mit bunten Kerzen. Der Wind bläst die Lichter aus. Sie wirbeln auseinander. Fühlst du dein Herz klopfen?

weiterlesen
40 Kommentare
>
Die Zeit der Ringelblumen ist vorbei

1.2 | Auch nichts Besonderes

Der Brief war fertig. Im Netz: War er die Spinne oder die Fliege? Sie zog die Blätter heraus, entfernte das Kohlepapier und legte den Brief und die Kopien in die Unterschriftenmappe, dann spannte sie den nächsten Bogen ein. Augen zu, einfach abschalten und losschießen.

weiterlesen
32 Kommentare
>
Die Zeit der Ringelblumen ist vorbei

1.3 | Überhaupt nichts Besonderes

Punkt zwölf stand Frau Kleide in der Tür: „Kommst du?“ Er brütete über den Unterlagen. Sie sah auf die Uhr: „Ist es schon wieder so weit?“ Die Seite müsste er fotokopieren. Ein wenig erschrak sie über das Fortschreiten der Zeit.

weiterlesen
35 Kommentare
>
Die Zeit der Ringelblumen ist vorbei

1.4 | Wieder nichts Besonderes

Sie lief die Mönckebergstraße entlang. Er saß in der Mensa. Ein azurblauer Kaschmir-Pullover in einem der Schaufenster gefiel ihr. Gulasch, er kaute lustlos. Sie blieb stehen. Widerwillig stocherte er mit der Gabel zwischen den Fleischbrocken herum. Den könnte sie sich eigentlich leisten.

weiterlesen
40 Kommentare
>
Die Zeit der Ringelblumen ist vorbei

1.5 | Immer noch nichts Besonderes

Im Café traf er ein paar Freunde. Dann ging sie zu Frau Kleide, wegen Gutzenka. Sie redeten übers Studium. Frau Kleide fragte: „Finden Sie wirklich, dass er gut aussieht?“ Er hatte die meisten Scheine; für die Anzahl seiner Semester war er ziemlich weit.

weiterlesen
32 Kommentare
>
Die Zeit der Ringelblumen ist vorbei

1.6 | Ausgefallen!

Es war kurz vor acht, und er war leicht betrunken. Sie war erschöpft nach Hause gekommen und hatte sich gleich hingelegt. Ein Drittel der Whiskyflasche war ausgetrunken. Jetzt wachte sie auf. Als ob er es nötig hatte, sich Mut zu machen! Sie sah auf die Uhr und erschrak.

weiterlesen
36 Kommentare


Kapitel 2: Lift nach Lugano

Die zweite von vier Begegnungen im Sommer 1972

>
Die Zeit der Ringelblumen ist vorbei

2.01 | Worum es geht

Die schwer zu beantwortende Frage: Ist dem Leben mit irgendwelchen Moralvorstellungen beizukommen? Nehmen wir zum Beispiel einen Mann von 34, Hans Schmidt, oder wenn das zu billig klingt, meinetwegen Gregor Sollendorf. Der Nachname klingt ein bisschen ambitioniert, aber – macht nichts, er kommt nur einmal vor.

weiterlesen
8 Kommentare


Europa im Kopf

>
Europa im Kopf

#1.1 Selbstmord oder Selbstbetrug

Die Idee von Europa als Einheit ist nicht neu. Caesar hatte sie schon, Napoleon auch und Hitler erst recht: alles am Ende scheiternde Eroberungskriege von Diktatoren. Karl der Große bekam das Konzept am besten in den Griff, das ist allerdings über 1 200 Jahre her, und eine Union gleichberechtigter Partner war sein Reich genauso wenig, wie es von den Römern oder den Faschisten geplant war. Im Übrigen ging es durch die Jahrhunderte eher um Abgrenzung: Katholiken gegen Protestanten, Franzosen gegen Preußen, Deutsche gegen den Rest der Welt.

weiterlesen
21 Kommentare
>
Europa im Kopf

#1.2 Polizistenmord oder Freispruch

Als wir die Reise am Sonntag, dem 2. August 2015, erwartungsfroh antraten, schien zum ersten Mal seit Langem plötzlich wieder die Sonne. Überrascht waren wir trotzdem nicht: Wir hatten den Wetterbericht gelesen.

weiterlesen
24 Kommentare
>
Europa im Kopf

#1.3 Ohne Feuer kein Ruhm

Zehn Jahre später kaufte sich Guntram einen neuen Mercedes und gab mir seinen alten. Nochmal zehn Jahre später, Roland war schon tot, kaufte sich Guntram wieder einen neuen Mercedes und gab mir wieder seinen alten. Mit dem fuhren Silke und ich gerade eines Vormittags über Weimar nach Meran, Guntram war inzwischen ebenfalls tot, als die frisch inspizierte Limousine bei Erfurt stehen blieb und nicht weiterwollte.

weiterlesen
20 Kommentare
>
Europa im Kopf

#1.4 Der zahme Westen

Silke fand – nach kurzer Bestürzung im Hirn – im aufgeweckten Netz als Ersatz für die Pension ‚Dittberner‘ das Hotel ‚The Dude‘, und wir fanden es nach einigen Navi-Umwegen auch und angenehm dort. Das Hotel behauptet ‚Mitte‘ zu sein, na ja, es liegt im allerletzten Abschnitt der prolligen Köpenicker Straße, unmittelbar vor Kreuzberg, aber man ist schnell an der Spree und an der Schloss-Attrappe und wird freundlich bedient. Wie immer bekam ich ein Zimmer neben dem Fahrstuhl, aber es war das einzige Mal auf der Reise, dass ich deswegen Raum und Stockwerk wechselte.

weiterlesen
21 Kommentare
>
Europa im Kopf

#1.5 Einzelkind

Seit der Einschulung war Detlev Fuhrmann mein bester Freund. Er war verwegen und schlug alle zusammen, die mich auch nur schief anguckten. Außerdem fiel er vom Steg in den See, und es war hilfreich für ihn, dass ich besser schreien als prügeln konnte. Seine Mutter hieß Hella und hatte, dazu passend, ein Lampengeschäft am Kurfürstendamm.

weiterlesen
22 Kommentare
>
Europa im Kopf

#1.6 Berlin im Kopf

Berlin: Blut und Boden hatten in diesem viele Jahrtausende lang unbehausten Landstrich gerade wieder mal versagt. Trotzdem waren Ende der Vierzigerjahre des zwanzigsten Jahrhunderts noch etliche Zeitzeugen, zu denen ich ja nun auch demnächst gehören würde, vorhanden: solche, die sich als Nachfolger der trutzigen Germanen fühlten, und solche, die sich wie lebenserneuernde Sozialisten vorkamen. Sie alle wollten aus den Reichstrümmern ihre jeweilige – alte oder neue – Welt aufbauen.

weiterlesen
21 Kommentare
>
Europa im Kopf

#1.7 Das Tor zur Welt

Um mein Verhalten nicht nur zu erwähnen, sondern auch zu rechtfertigen, muss ich noch früher einsetzen, kurz nach dem Eisprung: Ich bin kein Kriegskind. Ich wurde somit von Hitler nicht mehr als Ersatz für die Gefallenen benötigt. Meine Mutter war sowohl ledig als auch staatenlos. Eine Abtreibung wäre also eigentlich in unser aller Sinne gewesen.

weiterlesen
22 Kommentare
>
Europa im Kopf

#1.8 Altklug, heimtückisch, aufgewühlt

Unsere Haushälterin war zunächst Maria Bartsch aus Breslau gewesen. Sie wechselte dann aber zu Knapps in die Nachbarvilla, die unzerbombt war und immer noch steht. Frau Knapp hatte uns Maria auf die mieseste Weise, die es gibt, weggestohlen: Sie zahlte mehr. Kein Wunder, ihrem Mann gehörte am Kurfürstendamm der ‚Gloria-Palast‘, in dem sagenumwobene Filme wie ‚Die Sünderin‘ Premiere feierten. Ich meine: ‚Gloria!-Palast!‘ Gegen so etwas konnte man mit einem zerflickten Haus wie unserem natürlich nicht ankommen, und deshalb übernahm die achtzehnjährige, preiswerte Annemarie aus Paulinenaue Marias Aufgaben.

weiterlesen
23 Kommentare
>
Europa im Kopf

#1.9 Kommunion mit Brausepulver

Heulend nahm ich drei Monate später Abschied von Berlin: Veränderungen war ich ja seit dem Mutterleib abhold und wollte nichts, schon gar nicht nach Hamburg. Wieder einmal waren es Ottos, die wohltuend in mein Leben eingriffen, indem sie mir versicherten, dass es zwischen Hamburg und Berlin einen Tunnel gäbe. Er führe unter der Elbe hindurch, und das sei wirklich so, denn sie selbst seien da auch schon mal durchgefahren.

weiterlesen
20 Kommentare
>
Europa im Kopf

#1.10 Geburtstag mit Einstein

Das Schildhorn, diese Landzunge, die in die Havel ragt, gehört zu meinen Lieblingsplätzen, seit ich das erste Mal dort war. Das war am 3. September 1987 gewesen: Ich war aus Wien eingetroffen, hatte mein Gepäck in der ‚Kempinski‘-Halle zurückgelassen und war mit Michael Zachow und seinem Freund, dem Architekten Jürgen Haug, herausgefahren aus der Stadt. Beide kannte ich durch Roland. Es war ein Abend wie Anfang August: Kähne in der Abendsonne, Lachen in der Luft. Junge Menschen, volle Tische, gutes Essen. Meine erste Reise seit Rolands Lungenoperation, der Anfang vom Ende. Vor zehn Wochen hatten wir damals an meinem Geburtstag auf dem Haveldampfer ‚Großer Kurfürst‘ Würstchen gegessen. Inzwischen war die Welt eingestürzt.

weiterlesen
25 Kommentare
>
Europa im Kopf

#1.11 Verschlungene Pfade

Aufwachen ist nichts, was mir gefällt. Ich genieße meine fast immer komplizierten und meist furchtbaren Träume – natürlich erst hinterher, wenn ich mich dafür bewundere, so kompliziert geträumt zu haben, und mich beruhige, dass das wahre Leben ja nicht ganz so furchtbar ist wie meine Träume. Ich war ein verschrecktes Kind, das, wenn überhaupt, nur mit Lampenlicht schlafen konnte und die Helligkeit des Morgens ängstlich herbeisehnte.

weiterlesen
23 Kommentare
>
Europa im Kopf

#1.12 Potsdam im Sitzen

Silke eilte voraus zum Anleger, löste die vorbestellten Billetts und erwartete uns vor einem der Schiffe, vermutlich unserem. Martin zuckelte wieder mal hinterher, aber selbst er bekam noch einen der letzten Plätze an Deck. Es war richtig heiß, ‚warm‘ wäre das verkehrte Wort gewesen. Die Leute sahen aus, wie man das auf Ausflugsdampfern gewohnt ist, und fingen bald an, Bier zu bestellen.

weiterlesen
21 Kommentare
>
Europa im Kopf

#1.13 Etwas erleben

Als besonders gut und schön gelegen hatte ich das ‚Katz Orange‘ ergoogelt. Dahin fuhren wir nun nicht. Man hatte Silke dort vor vierzehn Tagen einen Tisch um sieben oder um halb neun angeboten. Solche Einschränkungen kann ich nicht besser ausstehen als Frühstücksbuffets. Da gefiel mir das ‚Brecht’s‘ dann schon besser.

weiterlesen
26 Kommentare
>
Europa im Kopf

#1.14 Die ganze Zeit

Viertel nach neun klopfte Rafał an die ‚Dude‘-Tür: „Alles gut?“, fragt er jeden Morgen, und jedes Mal möchte ich antworten: „Nein. Sieh dir die Welt doch an! Nichts ist gut!“, und jeden Morgen antworte ich: „Ja“.

weiterlesen
22 Kommentare
>
Europa im Kopf

#1.15. „Lebensort Vielfalt“

Es war wieder Morgen, und ich sah auf die Stadt, mein Stück Stadt: erst von oben aus dem Mansardenfenster im vierten Stock, dann auf der Straße, auf dem Stuhl vor dem ‚Dude‘. Früher gehörte mir die ganze Welt, jetzt muss ich mich mit dem Ausschnitt begnügen, den meine Beine meinen Augen gestatten.

weiterlesen
21 Kommentare
>
Europa im Kopf

#1.16 Siebzehn Stationen bis zur kleinen Ewigkeit

1969 waren meine Mitlehrlinge und ich am freien 1. Mai abenteuerlustig und deshalb fuhren wir zu fünft mit unserem Schönsten: Achim Hauenschild und seinem Auto über den Grenzübergang Heinrich-Heine-Straße nach Ostberlin. Das Wetter war schlecht, die Parade war vorbei, die Innenstadt wirkte ausgestorben. Ich schlug vor, nach Köpenick zu fahren; das war, wegen des Hauptmanns, der einzige Ost-Stadtteil, dessen Namen ich kannte. Ich kam mir fremd vor wie in Nigeria ...

weiterlesen
27 Kommentare
>
Europa im Kopf

#1.17 Vom kulinarischen Mosaik zu den sauren Gurken

Das ‚NENI‘ ist sehr angesagt und rühmt sich eines großartigen Blickes über Berlin. Das stimmt schon, allerdings ist die Silhouette von Berlin nicht besonders großartig, und von da aus schon gar nicht. Tische und Stühle vermitteln den Eindruck eines skandinavischen Kindergartens, was in mir aber keine Großvatergefühle weckte. Wir saßen in der Mitte, konnten in alle Richtungen nach draußen gucken, den Lärm genießen und die Speisekarten studieren. Zum Essen und Konzept vom ‚NENI‘ Berlin gehört immer der ‚teilende, leidenschaftliche Moment‘, las ich.

weiterlesen
21 Kommentare
>
Europa im Kopf

#2.1 Elbsand und Alsterwasser

Bisher war ich nur selten in Sachsen gewesen und ausschließlich in Leipzig, zuerst 1997 mit meiner Cousine Marina und deren Mann Florian. Wir besuchten da auf einen Nachmittag ihren mittleren Sohn ‚Nicki‘, der sich aber mit seinem Vater so in die Haare kriegte, dass wir zum Abendessen schon wieder auf dem Gendarmenmarkt saßen.

weiterlesen
24 Kommentare
>
Europa im Kopf

#2.2 Die entmachtete Vergangenheit

Für den Samstagabend hatte ich ursprünglich das prominente ‚Taschenbergpalais‘ vorgesehen, schon um Silke wieder mal was ohne Papierservietten zu bieten. Es behauptet von sich, es sei ‚Treffpunkt für Feinschmecker und Liebhaber internationaler Tafelkultur: Das Restaurant ‚Intermezzo‘ überzeugt mit bodenständiger Eleganz und raffinierter Einfachheit‘. Kann man mehr verlangen?

weiterlesen
21 Kommentare
>
Europa im Kopf

#2.3 Der Gedanke ersetzt die Tat

Giuseppe kam als Erster, dann auch Rafał und schließlich Silke: Mit Kleid kann man sich ja viel effektvoller aufbrezeln als mit Hemd und Hose, und mit einer alterslosen Dame als Gallionsfigur oder im Schlepptau macht man ohnehin mehr her, als drei Kerle unterschiedlichen Alters das von sich aus vermögen. Martin hatte Ausgang.

weiterlesen
23 Kommentare
>
Europa im Kopf

#2.4 Plan B

Am Sonntag fiel die Dampferfahrt die Elbe herauf ins Elbsandsteingebirge nicht ins Wasser, sondern, im Gegenteil, aus, weil die Elbe ausgefallen war. Das wussten wir schon seit Samstagmittag, so dass ich bereits einen Elb-Ersatzplan hatte schmieden können, der Martin enger einband.

weiterlesen
22 Kommentare
>
Europa im Kopf

#2.5 Schlechtes Benehmen in feiner Umgebung

Das Wetter war ja schön, und so hatte der Tag es verdient, ebenfalls eine schöne Pause zu erhalten. Die bekam er schließlich auch: Schloss Pillnitz an den Weinbergen. Dass es die ehemalige Sommerresidenz Friedrich Augusts des Gerechten war und heute die größte chinoise Schlossanlage Europas ist, wusste ich nicht, war aber sowieso weder mit gerechten Augusten noch mit chinoisen Anlagen so richtig vertraut, nicht mal in chinesische Wertpapiere habe ich Vertrauen.

weiterlesen
24 Kommentare
>
Europa im Kopf

#3.1 Aussteigen oder sitzen bleiben

Zum ersten Mal in meinem Leben in Böhmen. Nostalgiker nennen es noch Tschechoslowakei. Sudetendeutsche Landsmannschaften und Egerländer Blaskapellen mussten wir ja bei unserem Einmarsch nicht mehr befürchten; wir alle fühlen uns solchem Brauchtum gegenüber nicht gewachsen. Mir war aber etwas ähnlich Schlimmes eingefallen: Theresienstadt, weil es an der Strecke liegt.

weiterlesen
24 Kommentare
>
Europa im Kopf

#3.2 Was kein Prager missen möchte

Im Osten herrschte bis 1989 die Partei, aber nicht durchgehend Ruhe. Am 16. Januar 1969 verbrannte sich der tschechoslowakische Student Jan Palach selbst und lief in Flammen stehend vom Nationalmuseum auf den Wenzelsplatz. Auf dem saßen wir nun, doch statt des Atems der Geschichte wehten in der Nachmittagshitze leicht bekleidete Gestalten an uns und unseren Drinks vorbei. Der Unterschied zu 16.00 Uhr auf der Reeperbahn war nicht gravierend, musste ich mir eingestehen.

weiterlesen
29 Kommentare
>
Europa im Kopf

#3.3 Schleusenfahrt mit Belustigung

Morgens schließe ich mich ja immer aus und fühle mich auch so: ausgeschlossen. Dabei könnte ich das ändern und zum Frühstücksbüffet pilgern. Ausgeschlossen! Wenn Rafał an meine Tür klopft, hat Silke schon einen Espresso nebst einem vanillelosen Croissant zu sich genommen, Rafał wenig, Giuseppe viel, und Martin schläft noch. So stelle ich mir das vor, wissen tue ich nur, dass ich kraus geträumt habe und dass ich Leibschmerzen habe, unten rechts ...

weiterlesen
23 Kommentare
>
Europa im Kopf

#3.4 Im ‚Parnas‘

Erfreulicherweise war das Mittagessen ausgefallen. Nachmittags durchstreift Rafał gern mit Silke die Boutiquen, nachts die Bars lieber mit Giuseppe. Ich ging in mein Zimmer und übte im Hellgrünen eifrig am Anfängerkurs der schwierigen Disziplin ‚Appetit haben‘.

weiterlesen
23 Kommentare
>
Europa im Kopf

#3.5 Im hängenden Café

Silkes und mein Arbeitstag begann um 11.00 Uhr mit einer weiteren Rikscha-Fahrt; Velotaxi heißen diese Folterinstrumente hier. Die anderen drei waren schon mit Sightseeing beschäftigt. Dem höchst unattraktiven, charmelosen, aber pünktlichen Folterknecht schärfte ich in meinem besten Englisch ein, dass wir nicht die Neustadt, sondern die Altstadt und die andere Seite sehen möchten, was für ihn lästig, aber unvermeidlich war. So ruckelte er uns über Straßen und Plätze, dass mir Hören und Sehen verging.

weiterlesen
22 Kommentare
>
Europa im Kopf

#3.6 Ein unvermeidlicher Schlenker

Der Donnerstag war als Reisetag vorgesehen. Doch als dann um zehn Uhr wirklich alles Gepäck auf die beiden Wagen verteilt war, kamen mir Zweifel. In anderthalb Stunden würden wir in Brünn sein. Was gab es da wohl zu erleben? Wenig, vermutete ich. Karlsbad war doch nach Prag der bekannteste Ort in Tschechien. Ein kleiner Abstecher wäre ja wohl drin.

weiterlesen
22 Kommentare
>
Europa im Kopf

#4.1 In den Kulissen verspielter Stücke

Diese Strecke war ich erst ein Mal im Leben aus Wien heraus- und dann wieder nach Wien zurückgefahren: mit Hanns und Franz. Die Nacht war fast schlaflos gewesen, in den Privaträumen des Opernintendanten Egon Seefehlner, in einer Abstellkammer, in die ich mich mit jemandem zurückgezogen hatte, auf den ich unmöglich hatte verzichten können.

weiterlesen
23 Kommentare
>
Europa im Kopf

#4.2 Ausgaloppiert

Vor dem ‚Imperial‘ wartete Martin mit der Kamera. Ich gab mir Mühe, ungekünstelt auszusteigen, so wie man eben im Jahr 2015 seine Kutsche verlässt, mit einem Bein, auf das man sich verlassen kann, und einem, das dazu neigt, seinem Besitzer Streiche zu spielen.

weiterlesen
21 Kommentare
>
Europa im Kopf

#4.3 Heiße Nächte, kalter Dreck

Freitagnacht in Wien: Das hatte immer mit einem Essen begonnen, manchmal war ich eingeladen gewesen, oft hatte ich gezahlt, immer auf Geschäftskosten. Mal mit Künstlern, mal mit Lebenskünstlern – gehörte ich selbst zu einer von beiden Gruppen? Danach, wenn es früh genug war, noch woanders hin, sonst gleich in den ‚Stiefelknecht‘; Name war Programm, so dass ich mich auch hier als Außenseiter fühlen konnte.

weiterlesen
24 Kommentare
>
Europa im Kopf

#4.4 Über den Naschmarkt fahren

Rafał hatte unter Tag frei. Ein Freundespaar war seinetwegen vom Attersee zurückgekehrt, am Abend wollten wir uns alle beim Heurigen treffen. Ich sah aus meinem hohen Fenster, wie Rafał über die Straße ging und wie er in der Ferne die beiden Schwuchteln begrüßte, ...

weiterlesen
23 Kommentare
>
Europa im Kopf

#4.5 Ein Interview im Nirgendwo

Pünktlich um 12 Uhr waren wir da. Die Stühle standen auf den Tischen, draußen, aber drinnen auch. Im ‚Otto e Mezzo‘ brannte kein Licht, die Tür war verschlossen. Wie üblich hatte ich mein Handy nicht dabei.

weiterlesen
27 Kommentare
>
Europa im Kopf

#4.6 Was sein könnte und was nicht

Silke und Giuseppe trafen im Restaurant ein, kaum dass Glavinic und ich saßen. Nur höhere Gewalt kann Silke unpünktlich machen. Ich sah über den Platz, den ‚Rilkeplatz‘, kein eindrucksvolles, kein störendes Stück Wien, und bestellte ‚dalmatinischen Prosciutto mit Schafskäse‘, da konnte nichts schiefgehen.

weiterlesen
25 Kommentare
>
Europa im Kopf

#4.7 Zwei brechen ab, drei brechen auf

Martin kam, um unser beschauliches Mittagessen zu stören. Ein Oligarch im weißen Bademantel hatte sich seinerseits durch die Drohne gestört gefühlt und seine Bodyguards angewiesen, dem Treiben Einhalt zu gebieten.

weiterlesen
25 Kommentare
>
Europa im Kopf

#5.1 In Sackgassen

Beide waren wir kleiner gewesen, als wir uns kennenlernten: Meran und ich. Meran hatte noch keine Vorstadthäuser, ich noch keine Barthaare. 1954, ich war acht. Zum ersten Mal in den Bergen. Ich mochte sie lieber als die graue Nordsee der vergangenen Jahre und genauso gern wie die Adria, von der wir gerade kamen.

weiterlesen
21 Kommentare
>
Europa im Kopf

#5.2 Gedanken, Gefühle, Geschichte

Selbstverständlich waren auch die beiden Meran-Tage voll durchgeplant. Eigentlich dienten sie nur dazu, die Herbstgarderobe nicht nach Restitalien weiterschleppen zu müssen, sondern sie dort lassen zu können, wo sie ab Oktober gebraucht würde.

weiterlesen
22 Kommentare
>
Europa im Kopf

#5.3 Verführung

Um zehn Uhr hatte sich Rafał vor Ort davon überzeugt, dass Silke nicht bereit war aufzustehen, und auch Martin hatte er im Ort nicht aufgespürt. Ich rief Giuseppe an und teilte ihm mit, wir würden uns ein wenig verspäten, übrigens seien wir nur zu zweit.

weiterlesen
24 Kommentare
>
Europa im Kopf

#6.1 Posieren oder abtauchen

Der ‚Exhibitionist‘ kam in Sicht. So habe ich die Statue des Generals Gaetano Giardino getauft. Er hat sich im ersten Weltkrieg Ruhm erworben, steht am Ende der nach ihm benannten Straße auf dem Mittelstreifen zwischen den Fahrbahnen und blickt über die Schlucht zu seinen Füßen hinweg in die letzten Berge der Alpen.

weiterlesen
25 Kommentare
>
Europa im Kopf

#6.2 Aufklärung

Nachmittags zeigten Giuseppe und ich Rafał Bassano aus dem Blickwinkel des gusseisernen Generals. Ich hatte mal, zu Lebzeiten der Tata, die Idee, für ein Jahr nach Bassano zu ziehen und fließend Italienisch zu lernen.

weiterlesen
23 Kommentare
>
Europa im Kopf

#6.3 In richtig feiner Umgebung

Wir waren um acht die ersten Gäste, aber der lang gestreckte Raum füllte sich schnell. Alle waren elegant gekleidet und sahen aus, wie man es aus Lifestyle-Magazinen kennt, die Wissbegierige beim Friseur durchblättern, um das Lebensgefühl von Frauen zu ergründen ....

weiterlesen
26 Kommentare
>
Europa im Kopf

#6.4 Im Banne der geistigen Schamlosigkeit

Zusammen mit meinem Gin Tonic kamen sehr interessante Wolken. Wie immer kippte ich das Eis weg; in einem Garten geht das fast unauffällig. Eis verwässert den Drink und schadet dem Magen.

weiterlesen
26 Kommentare
>
Europa im Kopf

#6.5 Karriere ohne Gift

1972 hatten Pali und ich also noch bei Frau Kopp geschlafen, und auch Irene nächtigte dort, als Harald und ich 1975 aus Rom eintrafen. Irene hatte sich mit Pali als Schwiegersohn abgefunden, zumal er über die Westberliner Theaterszene noch etwas besser Bescheid wusste als sie selbst.

weiterlesen
23 Kommentare
>
Europa im Kopf

#6.6 Lido

Am Abend gingen wir in die ‚Favorita‘. Es war einfach toll. Diese Ausgelassenheit der Gutgekleideten, eine Stimmung, die als Wortschwall zur Terrassendecke aufstieg und in die Teller mit Scampi und Cozze zurückregnete wie Zitronensaft, so empfand ich es.

weiterlesen
24 Kommentare
>
Europa im Kopf

#6.7 Venedig satt

War es eine gute Idee, ausgerechnet den Sonntag für den Venedig-Ausflug vorzusehen? In all den Jahren sind wir frühestens gegen vier aufgebrochen, um nicht eher am ehrwürdigen, verhunzten Gestade anzulegen, als bis zumindest die Tagestouristen das Weite des Vorlandes gesucht und zweifellos auch gefunden hatten.

weiterlesen
22 Kommentare
>
Europa im Kopf

#6.8 Abhängig sein

Am Montag war schlechtes Wetter. In Meran auch. Martin filmte nicht, sondern fuhr gleich zurück nach Hamburg. Unterwegs bekam er Fieber und legte sich eine Woche lang ins Bett. „La Perla!“, sagte Rafał.

weiterlesen
21 Kommentare
>
Europa im Kopf

#6.9 Rausgeschmissen

Am Dienstag ging ich frühstücken. Na und? Erstens mag ich nicht, dass etwas zum Dogma wird, und zweitens liebte ich immer schon dieses ganz dünn geschnittene Weißbrot, das der Hungrige elektrisch-mechanisch durch eine glühende Vorrichtung transportieren lässt, die aus der blassen Scheibe einen dunkelblonden Toast macht ...

weiterlesen
22 Kommentare
>
Europa im Kopf

#7.1 Hilfreiche Überwachung

Am Mittwoch reisten wir bei durchweg wolkenfreiem Himmel mit Schiff und Auto vom Lido an den letzten Ort unserer Reise – der längste Aufenthalt, die reinste Entspannung –: Sirmione. Mittwoch bis Mittwoch.

weiterlesen
20 Kommentare
>
Europa im Kopf

#7.2 Im Blickfeld

Gegen halb sieben ist aus dem Geschubse in den engen Gassen schon ein erwartungsfreudiges Gedränge geworden, und man findet sogar einen freien Tisch in der ersten oder zweiten Reihe des beliebtesten Cafés an der Piazzetta.

weiterlesen
19 Kommentare
>
Europa im Kopf

#7.3 Unten Löwe, oben Raubvogel

Wir gingen in mein Lieblingslokal ‚Il Grifone‘ – zu Deutsch: der Greif –, ein Geschöpf, das – wie Sirmione – im zweiten Jahrtausend vor Christus erstmals erwähnt wird, und zwar in Syrien, dem Land, das ja im Augenblick wieder die Welt und seine Einwohner verstört.

weiterlesen
25 Kommentare
>
Europa im Kopf

#7.4 Ein Irrtum nach dem anderen

Auf der Piazzetta trinkt Silke meist Sanbittèr, Rafał immer Aperol Spritz, Carsten manchmal auch, und ich trinke immer Negroni ohne Eis. Von Schluck zu Schluck hoffe ich darauf, dass endlich ein Leeregefühl im Magen oder ein Lustgefühl, den Gaumen zu reizen, einsetzt.

weiterlesen
26 Kommentare
>
Europa im Kopf

#7.5 Kopf hoch, Blick zur Seite!

Dienstag der erste September, der letzte Tag der Reise. Von der Havel am ersten Berliner Tag über die Brenta in Bassano hatten wir unsere Zeit überwiegend am Wasser zugebracht; bloß dass Dresden an einem Fluss liegen soll, hatte sich uns nicht erschlossen. Aber, halb so wild: Wir kannten die Elbe ja aus Hamburg.

weiterlesen
26 Kommentare
>
Europa im Kopf

#8.1 Erster Weltkrieg, letzter Versuch

Dann waren wir wieder im Trentino, noch am See, aber schon auf K.-u.-k.-Gebiet. Wenn die ‚Strada Statale 45bis‘ und das Navi den Autolenker von himmlischen Höhen hinabschicken nach Riva, dann muss er sich auf andrängende Touristenschwärme gefasst machen.

weiterlesen
23 Kommentare
>
Europa im Kopf

#8.2 Im übergeordneten Sinne

Für diesen Aufenthalt hatten wir uns vorgenommen, wieder mehr spazieren zu gehen. Im Sommer hatten wir überwiegend träge im Garten gelegen, ich hatte gelesen und geschrieben, statt die Beine zu bewegen und mein Herz von den Schönheiten der Natur bewegen zu lassen.

weiterlesen
23 Kommentare
>
Europa im Kopf

#8.3 Möglichst nicht ermordet werden

Gleich zu Beginn der Reise galt es, eine dramatische personelle Entscheidung durchzusetzen: Bei meinen Eltern waltet Frau Resi mit ihrem sardischen Gatten Fausto. In meiner Wohnung säubert traditionsgemäß Maria, ihr Mann Toni mäht den Rasen.

weiterlesen
24 Kommentare
>
Europa im Kopf

#8.4 Wie es im Paradies so zugeht

Mit Rücksicht darauf, dass du schon immer ein unmoralischer Mensch warst und mit zunehmendem Alter immer mehr wirst, beende ich mein seichtes Sonntagsgeplänkel und komme zum Ernst des Wochentäglichen ...

weiterlesen
22 Kommentare
>
Europa im Kopf

#8.5 Silke soll was zu essen kriegen

Da meine Mittagsschläfe lang sind und ich ja auch meine Stimme für die abendliche Lyriklesung schulen muss, komme ich nur selten früher in meinem Elternhaus an, als ich den Aufschnitt aus dem Kühlschrank zu nehmen habe. An solch raren Tagen erklimme ich dann die Treppe zum ersten Stock, von wo her ich erregtes Stimmengewirr wahrnehme ...

weiterlesen
25 Kommentare
>
Europa im Kopf

#8.6 Porsche für Südtirol

Von da an lief alles nach Plan, also nicht erzählenswert. Wir liefen mit Silke den Tappeinerweg entlang und aßen im Garten von ‚Schloss Labers‘, mit Blick auf Meran.

weiterlesen
24 Kommentare
>
Europa im Kopf

#8.7 Die Verantwortung der Kassiererin

‚Unterwegs‘ zu sein bedeutete, als wir Anfang August in der Freien und Hansestadt Hamburg auf Reisen gingen, etwas ganz anderes als jetzt, da wir in der österreichisch-italienischen Welt Merans eingetroffen sind. Zum ersten Mal in meinem Leben war ich wirklich verschwenderisch gewesen, doch leider hatte ich das nicht mal angemessen genießen können. Wieso nicht? Sollte da womöglich etwas Freudlos-Protestantisches in mir schlummern? Mein Stammbaum sagte: „Nein“. Ich sagte: „Mein Preußentum ist schuld.“ Shopping-Queen werde ich wohl nie.

weiterlesen
27 Kommentare
>
Europa im Kopf

#8.8 Mehr oder weniger

Torsten aus Osnabrück, von dessen versautem Vorschlag mir Rafał geflissentlich berichtet hatte, ging mich wenig an. Vorbei. Bernstein wollte am Morgen immer genau wissen, wer wie die Nacht mit wem verbracht hatte.

weiterlesen
27 Kommentare
>
Europa im Kopf

#8.9 Die Menschen und ihre Götter

Während ich das schreibe, höre ich die Abendglocken aller drei Kirchen läuten: ein vertrauter Klang, der nicht fordert, jedenfalls mich nicht, nicht mehr. Mich ruft kein Muezzin zum Gebet, aber ich sehe ein, dass Menschen, denen es weniger gut geht als mir, mit Geboten und Verboten besänftigt werden müssen, damit sie ihr Schicksal ertragen ...

weiterlesen
23 Kommentare


1. Kapitel: Preußen

Die Idee von Europa als Einheit ist nicht neu. Caesar hatte sie schon, Napoleon auch und Hitler erst recht: alles am Ende scheiternde Eroberungskriege von Diktatoren. Karl der Große bekam das Konzept am besten in den Griff, das ist allerdings über 1 200 Jahre her, und eine Union gleichberechtigter Partner war sein Reich genauso wenig, wie es von den Römern oder den Faschisten geplant war.

>
Europa im Kopf

#1.1 Selbstmord oder Selbstbetrug

Die Idee von Europa als Einheit ist nicht neu. Caesar hatte sie schon, Napoleon auch und Hitler erst recht: alles am Ende scheiternde Eroberungskriege von Diktatoren. Karl der Große bekam das Konzept am besten in den Griff, das ist allerdings über 1 200 Jahre her, und eine Union gleichberechtigter Partner war sein Reich genauso wenig, wie es von den Römern oder den Faschisten geplant war. Im Übrigen ging es durch die Jahrhunderte eher um Abgrenzung: Katholiken gegen Protestanten, Franzosen gegen Preußen, Deutsche gegen den Rest der Welt.

weiterlesen
21 Kommentare
>
Europa im Kopf

#1.2 Polizistenmord oder Freispruch

Als wir die Reise am Sonntag, dem 2. August 2015, erwartungsfroh antraten, schien zum ersten Mal seit Langem plötzlich wieder die Sonne. Überrascht waren wir trotzdem nicht: Wir hatten den Wetterbericht gelesen.

weiterlesen
24 Kommentare
>
Europa im Kopf

#1.3 Ohne Feuer kein Ruhm

Zehn Jahre später kaufte sich Guntram einen neuen Mercedes und gab mir seinen alten. Nochmal zehn Jahre später, Roland war schon tot, kaufte sich Guntram wieder einen neuen Mercedes und gab mir wieder seinen alten. Mit dem fuhren Silke und ich gerade eines Vormittags über Weimar nach Meran, Guntram war inzwischen ebenfalls tot, als die frisch inspizierte Limousine bei Erfurt stehen blieb und nicht weiterwollte.

weiterlesen
20 Kommentare
>
Europa im Kopf

#1.4 Der zahme Westen

Silke fand – nach kurzer Bestürzung im Hirn – im aufgeweckten Netz als Ersatz für die Pension ‚Dittberner‘ das Hotel ‚The Dude‘, und wir fanden es nach einigen Navi-Umwegen auch und angenehm dort. Das Hotel behauptet ‚Mitte‘ zu sein, na ja, es liegt im allerletzten Abschnitt der prolligen Köpenicker Straße, unmittelbar vor Kreuzberg, aber man ist schnell an der Spree und an der Schloss-Attrappe und wird freundlich bedient. Wie immer bekam ich ein Zimmer neben dem Fahrstuhl, aber es war das einzige Mal auf der Reise, dass ich deswegen Raum und Stockwerk wechselte.

weiterlesen
21 Kommentare
>
Europa im Kopf

#1.5 Einzelkind

Seit der Einschulung war Detlev Fuhrmann mein bester Freund. Er war verwegen und schlug alle zusammen, die mich auch nur schief anguckten. Außerdem fiel er vom Steg in den See, und es war hilfreich für ihn, dass ich besser schreien als prügeln konnte. Seine Mutter hieß Hella und hatte, dazu passend, ein Lampengeschäft am Kurfürstendamm.

weiterlesen
22 Kommentare
>
Europa im Kopf

#1.6 Berlin im Kopf

Berlin: Blut und Boden hatten in diesem viele Jahrtausende lang unbehausten Landstrich gerade wieder mal versagt. Trotzdem waren Ende der Vierzigerjahre des zwanzigsten Jahrhunderts noch etliche Zeitzeugen, zu denen ich ja nun auch demnächst gehören würde, vorhanden: solche, die sich als Nachfolger der trutzigen Germanen fühlten, und solche, die sich wie lebenserneuernde Sozialisten vorkamen. Sie alle wollten aus den Reichstrümmern ihre jeweilige – alte oder neue – Welt aufbauen.

weiterlesen
21 Kommentare
>
Europa im Kopf

#1.7 Das Tor zur Welt

Um mein Verhalten nicht nur zu erwähnen, sondern auch zu rechtfertigen, muss ich noch früher einsetzen, kurz nach dem Eisprung: Ich bin kein Kriegskind. Ich wurde somit von Hitler nicht mehr als Ersatz für die Gefallenen benötigt. Meine Mutter war sowohl ledig als auch staatenlos. Eine Abtreibung wäre also eigentlich in unser aller Sinne gewesen.

weiterlesen
22 Kommentare
>
Europa im Kopf

#1.8 Altklug, heimtückisch, aufgewühlt

Unsere Haushälterin war zunächst Maria Bartsch aus Breslau gewesen. Sie wechselte dann aber zu Knapps in die Nachbarvilla, die unzerbombt war und immer noch steht. Frau Knapp hatte uns Maria auf die mieseste Weise, die es gibt, weggestohlen: Sie zahlte mehr. Kein Wunder, ihrem Mann gehörte am Kurfürstendamm der ‚Gloria-Palast‘, in dem sagenumwobene Filme wie ‚Die Sünderin‘ Premiere feierten. Ich meine: ‚Gloria!-Palast!‘ Gegen so etwas konnte man mit einem zerflickten Haus wie unserem natürlich nicht ankommen, und deshalb übernahm die achtzehnjährige, preiswerte Annemarie aus Paulinenaue Marias Aufgaben.

weiterlesen
23 Kommentare
>
Europa im Kopf

#1.9 Kommunion mit Brausepulver

Heulend nahm ich drei Monate später Abschied von Berlin: Veränderungen war ich ja seit dem Mutterleib abhold und wollte nichts, schon gar nicht nach Hamburg. Wieder einmal waren es Ottos, die wohltuend in mein Leben eingriffen, indem sie mir versicherten, dass es zwischen Hamburg und Berlin einen Tunnel gäbe. Er führe unter der Elbe hindurch, und das sei wirklich so, denn sie selbst seien da auch schon mal durchgefahren.

weiterlesen
20 Kommentare
>
Europa im Kopf

#1.10 Geburtstag mit Einstein

Das Schildhorn, diese Landzunge, die in die Havel ragt, gehört zu meinen Lieblingsplätzen, seit ich das erste Mal dort war. Das war am 3. September 1987 gewesen: Ich war aus Wien eingetroffen, hatte mein Gepäck in der ‚Kempinski‘-Halle zurückgelassen und war mit Michael Zachow und seinem Freund, dem Architekten Jürgen Haug, herausgefahren aus der Stadt. Beide kannte ich durch Roland. Es war ein Abend wie Anfang August: Kähne in der Abendsonne, Lachen in der Luft. Junge Menschen, volle Tische, gutes Essen. Meine erste Reise seit Rolands Lungenoperation, der Anfang vom Ende. Vor zehn Wochen hatten wir damals an meinem Geburtstag auf dem Haveldampfer ‚Großer Kurfürst‘ Würstchen gegessen. Inzwischen war die Welt eingestürzt.

weiterlesen
25 Kommentare
>
Europa im Kopf

#1.11 Verschlungene Pfade

Aufwachen ist nichts, was mir gefällt. Ich genieße meine fast immer komplizierten und meist furchtbaren Träume – natürlich erst hinterher, wenn ich mich dafür bewundere, so kompliziert geträumt zu haben, und mich beruhige, dass das wahre Leben ja nicht ganz so furchtbar ist wie meine Träume. Ich war ein verschrecktes Kind, das, wenn überhaupt, nur mit Lampenlicht schlafen konnte und die Helligkeit des Morgens ängstlich herbeisehnte.

weiterlesen
23 Kommentare
>
Europa im Kopf

#1.12 Potsdam im Sitzen

Silke eilte voraus zum Anleger, löste die vorbestellten Billetts und erwartete uns vor einem der Schiffe, vermutlich unserem. Martin zuckelte wieder mal hinterher, aber selbst er bekam noch einen der letzten Plätze an Deck. Es war richtig heiß, ‚warm‘ wäre das verkehrte Wort gewesen. Die Leute sahen aus, wie man das auf Ausflugsdampfern gewohnt ist, und fingen bald an, Bier zu bestellen.

weiterlesen
21 Kommentare
>
Europa im Kopf

#1.13 Etwas erleben

Als besonders gut und schön gelegen hatte ich das ‚Katz Orange‘ ergoogelt. Dahin fuhren wir nun nicht. Man hatte Silke dort vor vierzehn Tagen einen Tisch um sieben oder um halb neun angeboten. Solche Einschränkungen kann ich nicht besser ausstehen als Frühstücksbuffets. Da gefiel mir das ‚Brecht’s‘ dann schon besser.

weiterlesen
26 Kommentare
>
Europa im Kopf

#1.14 Die ganze Zeit

Viertel nach neun klopfte Rafał an die ‚Dude‘-Tür: „Alles gut?“, fragt er jeden Morgen, und jedes Mal möchte ich antworten: „Nein. Sieh dir die Welt doch an! Nichts ist gut!“, und jeden Morgen antworte ich: „Ja“.

weiterlesen
22 Kommentare
>
Europa im Kopf

#1.15. „Lebensort Vielfalt“

Es war wieder Morgen, und ich sah auf die Stadt, mein Stück Stadt: erst von oben aus dem Mansardenfenster im vierten Stock, dann auf der Straße, auf dem Stuhl vor dem ‚Dude‘. Früher gehörte mir die ganze Welt, jetzt muss ich mich mit dem Ausschnitt begnügen, den meine Beine meinen Augen gestatten.

weiterlesen
21 Kommentare
>
Europa im Kopf

#1.16 Siebzehn Stationen bis zur kleinen Ewigkeit

1969 waren meine Mitlehrlinge und ich am freien 1. Mai abenteuerlustig und deshalb fuhren wir zu fünft mit unserem Schönsten: Achim Hauenschild und seinem Auto über den Grenzübergang Heinrich-Heine-Straße nach Ostberlin. Das Wetter war schlecht, die Parade war vorbei, die Innenstadt wirkte ausgestorben. Ich schlug vor, nach Köpenick zu fahren; das war, wegen des Hauptmanns, der einzige Ost-Stadtteil, dessen Namen ich kannte. Ich kam mir fremd vor wie in Nigeria ...

weiterlesen
27 Kommentare
>
Europa im Kopf

#1.17 Vom kulinarischen Mosaik zu den sauren Gurken

Das ‚NENI‘ ist sehr angesagt und rühmt sich eines großartigen Blickes über Berlin. Das stimmt schon, allerdings ist die Silhouette von Berlin nicht besonders großartig, und von da aus schon gar nicht. Tische und Stühle vermitteln den Eindruck eines skandinavischen Kindergartens, was in mir aber keine Großvatergefühle weckte. Wir saßen in der Mitte, konnten in alle Richtungen nach draußen gucken, den Lärm genießen und die Speisekarten studieren. Zum Essen und Konzept vom ‚NENI‘ Berlin gehört immer der ‚teilende, leidenschaftliche Moment‘, las ich.

weiterlesen
21 Kommentare


2. Kapitel: Sachsen

Bisher war ich nur selten in Sachsen gewesen. Dabei kommt Sachsen in meiner Familiengeschichte durchaus eine gewisse Bedeutung zu. Mein väterlicher Großvater Reinhold wurde Kommandeur in Wurzen, wo seine Frau Maria alle vier Söhne zur Welt brachte. Dann kam der Erste Weltkrieg – und die Familie meines Vaters lebte verstreut zwischen Front, Essen, Harz und Südtirol, bevor Anfang der Zwanzigerjahre alle in Berlin wieder zusammenfanden: national-konservativ, katholisch, standesbewusst …

>
Europa im Kopf

#2.1 Elbsand und Alsterwasser

Bisher war ich nur selten in Sachsen gewesen und ausschließlich in Leipzig, zuerst 1997 mit meiner Cousine Marina und deren Mann Florian. Wir besuchten da auf einen Nachmittag ihren mittleren Sohn ‚Nicki‘, der sich aber mit seinem Vater so in die Haare kriegte, dass wir zum Abendessen schon wieder auf dem Gendarmenmarkt saßen.

weiterlesen
24 Kommentare
>
Europa im Kopf

#2.2 Die entmachtete Vergangenheit

Für den Samstagabend hatte ich ursprünglich das prominente ‚Taschenbergpalais‘ vorgesehen, schon um Silke wieder mal was ohne Papierservietten zu bieten. Es behauptet von sich, es sei ‚Treffpunkt für Feinschmecker und Liebhaber internationaler Tafelkultur: Das Restaurant ‚Intermezzo‘ überzeugt mit bodenständiger Eleganz und raffinierter Einfachheit‘. Kann man mehr verlangen?

weiterlesen
21 Kommentare
>
Europa im Kopf

#2.3 Der Gedanke ersetzt die Tat

Giuseppe kam als Erster, dann auch Rafał und schließlich Silke: Mit Kleid kann man sich ja viel effektvoller aufbrezeln als mit Hemd und Hose, und mit einer alterslosen Dame als Gallionsfigur oder im Schlepptau macht man ohnehin mehr her, als drei Kerle unterschiedlichen Alters das von sich aus vermögen. Martin hatte Ausgang.

weiterlesen
23 Kommentare
>
Europa im Kopf

#2.4 Plan B

Am Sonntag fiel die Dampferfahrt die Elbe herauf ins Elbsandsteingebirge nicht ins Wasser, sondern, im Gegenteil, aus, weil die Elbe ausgefallen war. Das wussten wir schon seit Samstagmittag, so dass ich bereits einen Elb-Ersatzplan hatte schmieden können, der Martin enger einband.

weiterlesen
22 Kommentare
>
Europa im Kopf

#2.5 Schlechtes Benehmen in feiner Umgebung

Das Wetter war ja schön, und so hatte der Tag es verdient, ebenfalls eine schöne Pause zu erhalten. Die bekam er schließlich auch: Schloss Pillnitz an den Weinbergen. Dass es die ehemalige Sommerresidenz Friedrich Augusts des Gerechten war und heute die größte chinoise Schlossanlage Europas ist, wusste ich nicht, war aber sowieso weder mit gerechten Augusten noch mit chinoisen Anlagen so richtig vertraut, nicht mal in chinesische Wertpapiere habe ich Vertrauen.

weiterlesen
24 Kommentare


3. Kapitel: Böhmen

Zum ersten Mal in meinem Leben in Böhmen. Nostalgiker nennen es noch ‚Tschechoslowakei‘. Sudetendeutsche Landsmannschaften und Egerländer Blaskapellen mussten wir ja bei unserem Einmarsch nicht mehr befürchten; wir alle fühlen uns solchem Brauchtum gegenüber nicht gewachsen. Mir war aber etwas ähnlich Schlimmes eingefallen: Theresienstadt.

>
Europa im Kopf

#3.1 Aussteigen oder sitzen bleiben

Zum ersten Mal in meinem Leben in Böhmen. Nostalgiker nennen es noch Tschechoslowakei. Sudetendeutsche Landsmannschaften und Egerländer Blaskapellen mussten wir ja bei unserem Einmarsch nicht mehr befürchten; wir alle fühlen uns solchem Brauchtum gegenüber nicht gewachsen. Mir war aber etwas ähnlich Schlimmes eingefallen: Theresienstadt, weil es an der Strecke liegt.

weiterlesen
24 Kommentare
>
Europa im Kopf

#3.2 Was kein Prager missen möchte

Im Osten herrschte bis 1989 die Partei, aber nicht durchgehend Ruhe. Am 16. Januar 1969 verbrannte sich der tschechoslowakische Student Jan Palach selbst und lief in Flammen stehend vom Nationalmuseum auf den Wenzelsplatz. Auf dem saßen wir nun, doch statt des Atems der Geschichte wehten in der Nachmittagshitze leicht bekleidete Gestalten an uns und unseren Drinks vorbei. Der Unterschied zu 16.00 Uhr auf der Reeperbahn war nicht gravierend, musste ich mir eingestehen.

weiterlesen
29 Kommentare
>
Europa im Kopf

#3.3 Schleusenfahrt mit Belustigung

Morgens schließe ich mich ja immer aus und fühle mich auch so: ausgeschlossen. Dabei könnte ich das ändern und zum Frühstücksbüffet pilgern. Ausgeschlossen! Wenn Rafał an meine Tür klopft, hat Silke schon einen Espresso nebst einem vanillelosen Croissant zu sich genommen, Rafał wenig, Giuseppe viel, und Martin schläft noch. So stelle ich mir das vor, wissen tue ich nur, dass ich kraus geträumt habe und dass ich Leibschmerzen habe, unten rechts ...

weiterlesen
23 Kommentare
>
Europa im Kopf

#3.4 Im ‚Parnas‘

Erfreulicherweise war das Mittagessen ausgefallen. Nachmittags durchstreift Rafał gern mit Silke die Boutiquen, nachts die Bars lieber mit Giuseppe. Ich ging in mein Zimmer und übte im Hellgrünen eifrig am Anfängerkurs der schwierigen Disziplin ‚Appetit haben‘.

weiterlesen
23 Kommentare
>
Europa im Kopf

#3.5 Im hängenden Café

Silkes und mein Arbeitstag begann um 11.00 Uhr mit einer weiteren Rikscha-Fahrt; Velotaxi heißen diese Folterinstrumente hier. Die anderen drei waren schon mit Sightseeing beschäftigt. Dem höchst unattraktiven, charmelosen, aber pünktlichen Folterknecht schärfte ich in meinem besten Englisch ein, dass wir nicht die Neustadt, sondern die Altstadt und die andere Seite sehen möchten, was für ihn lästig, aber unvermeidlich war. So ruckelte er uns über Straßen und Plätze, dass mir Hören und Sehen verging.

weiterlesen
22 Kommentare
>
Europa im Kopf

#3.6 Ein unvermeidlicher Schlenker

Der Donnerstag war als Reisetag vorgesehen. Doch als dann um zehn Uhr wirklich alles Gepäck auf die beiden Wagen verteilt war, kamen mir Zweifel. In anderthalb Stunden würden wir in Brünn sein. Was gab es da wohl zu erleben? Wenig, vermutete ich. Karlsbad war doch nach Prag der bekannteste Ort in Tschechien. Ein kleiner Abstecher wäre ja wohl drin.

weiterlesen
22 Kommentare


4. Kapitel: Österreich

Im Fiaker fast herrschaftlich durch Wien. Mein Wien war das eher nicht. Mein Wien habe ich, immer in Eile, manchmal nur von mir selbst gehetzt, im Sturmschritt durchlaufen. Vom ‚Sacher‘ zu ‚Dehmel‘, vom Konzerthaus zum Musikverein, von der Oper zur Burg. Und dann wieder saß ich stundenlang im Kaffeehaus, im Tonstudio, im Schneideraum. Zeitweise hatte ich engere Freunde in Wien als in Hamburg, so schien es mir.

>
Europa im Kopf

#4.1 In den Kulissen verspielter Stücke

Diese Strecke war ich erst ein Mal im Leben aus Wien heraus- und dann wieder nach Wien zurückgefahren: mit Hanns und Franz. Die Nacht war fast schlaflos gewesen, in den Privaträumen des Opernintendanten Egon Seefehlner, in einer Abstellkammer, in die ich mich mit jemandem zurückgezogen hatte, auf den ich unmöglich hatte verzichten können.

weiterlesen
23 Kommentare
>
Europa im Kopf

#4.2 Ausgaloppiert

Vor dem ‚Imperial‘ wartete Martin mit der Kamera. Ich gab mir Mühe, ungekünstelt auszusteigen, so wie man eben im Jahr 2015 seine Kutsche verlässt, mit einem Bein, auf das man sich verlassen kann, und einem, das dazu neigt, seinem Besitzer Streiche zu spielen.

weiterlesen
21 Kommentare
>
Europa im Kopf

#4.3 Heiße Nächte, kalter Dreck

Freitagnacht in Wien: Das hatte immer mit einem Essen begonnen, manchmal war ich eingeladen gewesen, oft hatte ich gezahlt, immer auf Geschäftskosten. Mal mit Künstlern, mal mit Lebenskünstlern – gehörte ich selbst zu einer von beiden Gruppen? Danach, wenn es früh genug war, noch woanders hin, sonst gleich in den ‚Stiefelknecht‘; Name war Programm, so dass ich mich auch hier als Außenseiter fühlen konnte.

weiterlesen
24 Kommentare
>
Europa im Kopf

#4.4 Über den Naschmarkt fahren

Rafał hatte unter Tag frei. Ein Freundespaar war seinetwegen vom Attersee zurückgekehrt, am Abend wollten wir uns alle beim Heurigen treffen. Ich sah aus meinem hohen Fenster, wie Rafał über die Straße ging und wie er in der Ferne die beiden Schwuchteln begrüßte, ...

weiterlesen
23 Kommentare
>
Europa im Kopf

#4.5 Ein Interview im Nirgendwo

Pünktlich um 12 Uhr waren wir da. Die Stühle standen auf den Tischen, draußen, aber drinnen auch. Im ‚Otto e Mezzo‘ brannte kein Licht, die Tür war verschlossen. Wie üblich hatte ich mein Handy nicht dabei.

weiterlesen
27 Kommentare
>
Europa im Kopf

#4.6 Was sein könnte und was nicht

Silke und Giuseppe trafen im Restaurant ein, kaum dass Glavinic und ich saßen. Nur höhere Gewalt kann Silke unpünktlich machen. Ich sah über den Platz, den ‚Rilkeplatz‘, kein eindrucksvolles, kein störendes Stück Wien, und bestellte ‚dalmatinischen Prosciutto mit Schafskäse‘, da konnte nichts schiefgehen.

weiterlesen
25 Kommentare
>
Europa im Kopf

#4.7 Zwei brechen ab, drei brechen auf

Martin kam, um unser beschauliches Mittagessen zu stören. Ein Oligarch im weißen Bademantel hatte sich seinerseits durch die Drohne gestört gefühlt und seine Bodyguards angewiesen, dem Treiben Einhalt zu gebieten.

weiterlesen
25 Kommentare


5. Kapitel: Südtirol

Beide waren wir kleiner gewesen, als wir uns kennenlernten: Meran und ich. Meran hatte noch keine Vorstadthäuser, ich noch keine Barthaare. 1954, ich war acht. Zum ersten Mal in den Bergen. Ich mochte sie lieber als die graue Nordsee der vergangenen Jahre und genauso gern wie die Adria. Trotzdem mussten Meran und ich zwölf Jahre warten, bis wir uns wiedersahen, doch von da an sahen wir uns Jahr für Jahr.

>
Europa im Kopf

#5.1 In Sackgassen

Beide waren wir kleiner gewesen, als wir uns kennenlernten: Meran und ich. Meran hatte noch keine Vorstadthäuser, ich noch keine Barthaare. 1954, ich war acht. Zum ersten Mal in den Bergen. Ich mochte sie lieber als die graue Nordsee der vergangenen Jahre und genauso gern wie die Adria, von der wir gerade kamen.

weiterlesen
21 Kommentare
>
Europa im Kopf

#5.2 Gedanken, Gefühle, Geschichte

Selbstverständlich waren auch die beiden Meran-Tage voll durchgeplant. Eigentlich dienten sie nur dazu, die Herbstgarderobe nicht nach Restitalien weiterschleppen zu müssen, sondern sie dort lassen zu können, wo sie ab Oktober gebraucht würde.

weiterlesen
22 Kommentare
>
Europa im Kopf

#5.3 Verführung

Um zehn Uhr hatte sich Rafał vor Ort davon überzeugt, dass Silke nicht bereit war aufzustehen, und auch Martin hatte er im Ort nicht aufgespürt. Ich rief Giuseppe an und teilte ihm mit, wir würden uns ein wenig verspäten, übrigens seien wir nur zu zweit.

weiterlesen
24 Kommentare


6. Kapitel: Veneto

Der Exhibitionist kam in Sicht. So habe ich die Statue des Generals Gaetano Giardino getauft. Er hat sich im Ersten Weltkrieg Ruhm erworben, steht am Ende der nach ihm benannten Straße auf dem Mittelstreifen zwischen den Fahrbahnen und blickt über die Schlucht zu seinen Füßen hinweg in die letzten Berge der Alpen.

>
Europa im Kopf

#6.1 Posieren oder abtauchen

Der ‚Exhibitionist‘ kam in Sicht. So habe ich die Statue des Generals Gaetano Giardino getauft. Er hat sich im ersten Weltkrieg Ruhm erworben, steht am Ende der nach ihm benannten Straße auf dem Mittelstreifen zwischen den Fahrbahnen und blickt über die Schlucht zu seinen Füßen hinweg in die letzten Berge der Alpen.

weiterlesen
25 Kommentare
>
Europa im Kopf

#6.2 Aufklärung

Nachmittags zeigten Giuseppe und ich Rafał Bassano aus dem Blickwinkel des gusseisernen Generals. Ich hatte mal, zu Lebzeiten der Tata, die Idee, für ein Jahr nach Bassano zu ziehen und fließend Italienisch zu lernen.

weiterlesen
23 Kommentare
>
Europa im Kopf

#6.3 In richtig feiner Umgebung

Wir waren um acht die ersten Gäste, aber der lang gestreckte Raum füllte sich schnell. Alle waren elegant gekleidet und sahen aus, wie man es aus Lifestyle-Magazinen kennt, die Wissbegierige beim Friseur durchblättern, um das Lebensgefühl von Frauen zu ergründen ....

weiterlesen
26 Kommentare
>
Europa im Kopf

#6.4 Im Banne der geistigen Schamlosigkeit

Zusammen mit meinem Gin Tonic kamen sehr interessante Wolken. Wie immer kippte ich das Eis weg; in einem Garten geht das fast unauffällig. Eis verwässert den Drink und schadet dem Magen.

weiterlesen
26 Kommentare
>
Europa im Kopf

#6.5 Karriere ohne Gift

1972 hatten Pali und ich also noch bei Frau Kopp geschlafen, und auch Irene nächtigte dort, als Harald und ich 1975 aus Rom eintrafen. Irene hatte sich mit Pali als Schwiegersohn abgefunden, zumal er über die Westberliner Theaterszene noch etwas besser Bescheid wusste als sie selbst.

weiterlesen
23 Kommentare
>
Europa im Kopf

#6.6 Lido

Am Abend gingen wir in die ‚Favorita‘. Es war einfach toll. Diese Ausgelassenheit der Gutgekleideten, eine Stimmung, die als Wortschwall zur Terrassendecke aufstieg und in die Teller mit Scampi und Cozze zurückregnete wie Zitronensaft, so empfand ich es.

weiterlesen
24 Kommentare
>
Europa im Kopf

#6.7 Venedig satt

War es eine gute Idee, ausgerechnet den Sonntag für den Venedig-Ausflug vorzusehen? In all den Jahren sind wir frühestens gegen vier aufgebrochen, um nicht eher am ehrwürdigen, verhunzten Gestade anzulegen, als bis zumindest die Tagestouristen das Weite des Vorlandes gesucht und zweifellos auch gefunden hatten.

weiterlesen
22 Kommentare
>
Europa im Kopf

#6.8 Abhängig sein

Am Montag war schlechtes Wetter. In Meran auch. Martin filmte nicht, sondern fuhr gleich zurück nach Hamburg. Unterwegs bekam er Fieber und legte sich eine Woche lang ins Bett. „La Perla!“, sagte Rafał.

weiterlesen
21 Kommentare
>
Europa im Kopf

#6.9 Rausgeschmissen

Am Dienstag ging ich frühstücken. Na und? Erstens mag ich nicht, dass etwas zum Dogma wird, und zweitens liebte ich immer schon dieses ganz dünn geschnittene Weißbrot, das der Hungrige elektrisch-mechanisch durch eine glühende Vorrichtung transportieren lässt, die aus der blassen Scheibe einen dunkelblonden Toast macht ...

weiterlesen
22 Kommentare


7. Kapitel: Lombardei

Die Geschichte der Halbinsel Sirmione geht auf das zweite Jahrtausend vor Christus zurück, wer kann damit schon konkurrieren? Zur Zeit der Römer war die Halbinsel ein Ferienort höhergestellter Familien, die sicher nie heizten, also noch jetzt genau das Richtige für uns, und so lernte Rafał nun, über Roland und mich als Zwischenträger, von einem venezianischen, vielleicht längst verblichenen Koch die Schönheiten der Burg und der Altstadt kennen. Meinen Eltern hatten wir Sirmione schon 1982 gezeigt und es von da an als festen Programmpunkt vereinnahmt.

>
Europa im Kopf

#7.1 Hilfreiche Überwachung

Am Mittwoch reisten wir bei durchweg wolkenfreiem Himmel mit Schiff und Auto vom Lido an den letzten Ort unserer Reise – der längste Aufenthalt, die reinste Entspannung –: Sirmione. Mittwoch bis Mittwoch.

weiterlesen
20 Kommentare
>
Europa im Kopf

#7.2 Im Blickfeld

Gegen halb sieben ist aus dem Geschubse in den engen Gassen schon ein erwartungsfreudiges Gedränge geworden, und man findet sogar einen freien Tisch in der ersten oder zweiten Reihe des beliebtesten Cafés an der Piazzetta.

weiterlesen
19 Kommentare
>
Europa im Kopf

#7.3 Unten Löwe, oben Raubvogel

Wir gingen in mein Lieblingslokal ‚Il Grifone‘ – zu Deutsch: der Greif –, ein Geschöpf, das – wie Sirmione – im zweiten Jahrtausend vor Christus erstmals erwähnt wird, und zwar in Syrien, dem Land, das ja im Augenblick wieder die Welt und seine Einwohner verstört.

weiterlesen
25 Kommentare
>
Europa im Kopf

#7.4 Ein Irrtum nach dem anderen

Auf der Piazzetta trinkt Silke meist Sanbittèr, Rafał immer Aperol Spritz, Carsten manchmal auch, und ich trinke immer Negroni ohne Eis. Von Schluck zu Schluck hoffe ich darauf, dass endlich ein Leeregefühl im Magen oder ein Lustgefühl, den Gaumen zu reizen, einsetzt.

weiterlesen
26 Kommentare
>
Europa im Kopf

#7.5 Kopf hoch, Blick zur Seite!

Dienstag der erste September, der letzte Tag der Reise. Von der Havel am ersten Berliner Tag über die Brenta in Bassano hatten wir unsere Zeit überwiegend am Wasser zugebracht; bloß dass Dresden an einem Fluss liegen soll, hatte sich uns nicht erschlossen. Aber, halb so wild: Wir kannten die Elbe ja aus Hamburg.

weiterlesen
26 Kommentare


8. Kapitel: Trentino/Alto Adige

Nun waren wir wieder im Trentino, noch am See, aber schon auf K.-u.-k.-Gebiet. Wenn die ‚Strada Statale 45bis‘ und das Navi den Autolenker von himmlischen Höhen hinabschicken nach Riva, dann muss er sich auf andrängende Touristenschwärme gefasst machen. Dem gilt es schnellstmöglich zu entkommen, und zwar nicht südlich nach Malcesine, wo selbst Goethe seit 1786 nicht mehr gewesen ist, sondern nördlich, die Passstraße hinauf Richtung oberes Etschtal, italienisch: Alto Adige.

>
Europa im Kopf

#8.1 Erster Weltkrieg, letzter Versuch

Dann waren wir wieder im Trentino, noch am See, aber schon auf K.-u.-k.-Gebiet. Wenn die ‚Strada Statale 45bis‘ und das Navi den Autolenker von himmlischen Höhen hinabschicken nach Riva, dann muss er sich auf andrängende Touristenschwärme gefasst machen.

weiterlesen
23 Kommentare
>
Europa im Kopf

#8.2 Im übergeordneten Sinne

Für diesen Aufenthalt hatten wir uns vorgenommen, wieder mehr spazieren zu gehen. Im Sommer hatten wir überwiegend träge im Garten gelegen, ich hatte gelesen und geschrieben, statt die Beine zu bewegen und mein Herz von den Schönheiten der Natur bewegen zu lassen.

weiterlesen
23 Kommentare
>
Europa im Kopf

#8.3 Möglichst nicht ermordet werden

Gleich zu Beginn der Reise galt es, eine dramatische personelle Entscheidung durchzusetzen: Bei meinen Eltern waltet Frau Resi mit ihrem sardischen Gatten Fausto. In meiner Wohnung säubert traditionsgemäß Maria, ihr Mann Toni mäht den Rasen.

weiterlesen
24 Kommentare
>
Europa im Kopf

#8.4 Wie es im Paradies so zugeht

Mit Rücksicht darauf, dass du schon immer ein unmoralischer Mensch warst und mit zunehmendem Alter immer mehr wirst, beende ich mein seichtes Sonntagsgeplänkel und komme zum Ernst des Wochentäglichen ...

weiterlesen
22 Kommentare
>
Europa im Kopf

#8.5 Silke soll was zu essen kriegen

Da meine Mittagsschläfe lang sind und ich ja auch meine Stimme für die abendliche Lyriklesung schulen muss, komme ich nur selten früher in meinem Elternhaus an, als ich den Aufschnitt aus dem Kühlschrank zu nehmen habe. An solch raren Tagen erklimme ich dann die Treppe zum ersten Stock, von wo her ich erregtes Stimmengewirr wahrnehme ...

weiterlesen
25 Kommentare
>
Europa im Kopf

#8.6 Porsche für Südtirol

Von da an lief alles nach Plan, also nicht erzählenswert. Wir liefen mit Silke den Tappeinerweg entlang und aßen im Garten von ‚Schloss Labers‘, mit Blick auf Meran.

weiterlesen
24 Kommentare
>
Europa im Kopf

#8.7 Die Verantwortung der Kassiererin

‚Unterwegs‘ zu sein bedeutete, als wir Anfang August in der Freien und Hansestadt Hamburg auf Reisen gingen, etwas ganz anderes als jetzt, da wir in der österreichisch-italienischen Welt Merans eingetroffen sind. Zum ersten Mal in meinem Leben war ich wirklich verschwenderisch gewesen, doch leider hatte ich das nicht mal angemessen genießen können. Wieso nicht? Sollte da womöglich etwas Freudlos-Protestantisches in mir schlummern? Mein Stammbaum sagte: „Nein“. Ich sagte: „Mein Preußentum ist schuld.“ Shopping-Queen werde ich wohl nie.

weiterlesen
27 Kommentare
>
Europa im Kopf

#8.8 Mehr oder weniger

Torsten aus Osnabrück, von dessen versautem Vorschlag mir Rafał geflissentlich berichtet hatte, ging mich wenig an. Vorbei. Bernstein wollte am Morgen immer genau wissen, wer wie die Nacht mit wem verbracht hatte.

weiterlesen
27 Kommentare
>
Europa im Kopf

#8.9 Die Menschen und ihre Götter

Während ich das schreibe, höre ich die Abendglocken aller drei Kirchen läuten: ein vertrauter Klang, der nicht fordert, jedenfalls mich nicht, nicht mehr. Mich ruft kein Muezzin zum Gebet, aber ich sehe ein, dass Menschen, denen es weniger gut geht als mir, mit Geboten und Verboten besänftigt werden müssen, damit sie ihr Schicksal ertragen ...

weiterlesen
23 Kommentare


Fast am Ziel

‚Fast am Ziel – 99 Umwege‘ zeigt Hanno Rinke mit Leidensgenossen unterwegs durch Zeit und Raum. (PROLOG) Es gibt einen Intelligenztest: Futter liegt hinter einer kurzen Glaswand. Die meisten Tiere stoßen mit der Schnauze immer wieder gegen die Wand, statt um sie herum zu laufen. Nur wenige Arten erkennen, dass sie sich entfernen müssen, um ihr Ziel zu erreichen. Einsichtiges Verhalten setzt die Fähigkeit voraus, in ungewohnten Situationen durch Umwege zum Erfolg zu kommen. Wer die kerzengerade Strecke sucht, wer in Gedanken und Gefühlen Abschweifungen sieht, wer Erinnerungen als Ballast empfindet, der sollte einen anderen Reiseführer wählen. Hier läuft das so: Der Weg ist die Richtung. Der Umweg ist das Ziel.

>
Fast am Ziel

Einrede statt Ausrede | Fast am Ziel

‚Ich‘ zu schreiben, entspricht dem Zeitgeist. Man sagt nicht mehr ‚man‘: klingt irgendwie frauenfeindlich. Außerdem habe ich alles, was ich behaupte, ja auch wirklich erlebt. Zumindest im Kopf. Kein fake!

weiterlesen
10 Kommentare
>
Fast am Ziel

Unweg statt Umweg | #1

Im vorigen Jahr haben wir eine Reise gemacht, die das neue Auto auf die Probe stellen sollte: Ein Mercedes, der noch nicht wie ein Tesla mit Autopilot fuhr, aber dafür war ja Rafał da. Ich saß neben ihm, Silke und Giuseppe saßen hinten ...

weiterlesen
7 Kommentare
>
Fast am Ziel

Ins Wasser gefallen | #2

Am nächsten Vormittag waren wir im Wedding. Bei ALEKS & SHANTU in der Müllerstraße. Dort lernte ich Tobi kennen, der seither meine Homepage betreut und sich ausdenken muss, wie das hier ins Netz gelangt.

weiterlesen
5 Kommentare
>
Fast am Ziel

Tote Oma mit Schlossblick | #3

Am Mittwoch war das Wetter auch nicht besser, aber wir wollten sowieso abreisen: nach Halle! Also nicht wirklich, aber es mal kurz ansehen, das wollte ich. Die beiden ältlichen Kommissare des Hallenser ‚Polizeiruf 110‘ (die ehemalige DDR-Antwort auf den ARD-‚Tatort‘) ziehe ich mir auch in den Wiederholungen masochistisch gern rein und rede mir ein: Das ist jetzt meine Altersklasse und mein Niveau, und dabei komme ich mir vor wie ein schwanzschlaffer Rentner, der sich nur noch zu gebisslosen Nutten traut.

weiterlesen
10 Kommentare
>
Fast am Ziel

„Mit dem Tick Raffinesse“ | #4

Am frühen Morgen ging Silke in ihr Bad. Als sie es wieder verlassen wollte, bedachte sie nicht die drei Stufen, die den sanitären vom Schlafbereich trennten und stürzte abwärts. Ihr rechter Fuß war schlimm verstaucht und machte ihr zunehmend zu schaffen. Eine Stadtbesichtigung aus dem Autofenster war nicht nur durch den beruhigten Verkehr erschwert, sondern wegen der aufgebrachten Katholiken nahezu unmöglich. Immerhin sahen wir jenseits der gläubigen Menge den Neubau der Paulinerkirche, der dem Original glaubwürdig nachempfunden ist.

weiterlesen
2 Kommentare
>
Fast am Ziel

Kröte, Gaul und Sushi | #5

Am nächsten Morgen war das Wetter nicht mehr ganz so gut, und während Rafał unser Gepäck aus den Zimmern holte – im Unterschied zu Grandhotels gibt es in ‚Romantik-­Hotels‘ stimmungsvollerweise keine Gepäckträger –, beschwerten sich zwei Autofahrer, dass sie nicht an unserem vor der Eingangstür wartenden Mercedes vorbei kämen. Rafał wurde zum ersten Mal ungehalten und wies die zeternden Franken darauf hin, dass er vor dem Hoteleingang richtig stand, verkehrt stand das Auto daneben, am Dorfbrunnen. Wohl wahr, vorbei kam trotzdem niemand.

weiterlesen
3 Kommentare
>
Fast am Ziel

Ziele, Ideale und was davon bleibt | #6

Nun beginnt also die erste Ruhephase. Ist das erholsam oder anstrengend? Früher wollte ich an jedem Morgen wissen: Ich bin verantwortlich für etwas, ich muss nach London fliegen, ich muss ein Meeting vorbereiten oder ich muss einen Vortrag halten. Wofür steht man denn sonst überhaupt auf? Heute schlafe ich schon schlecht, wenn ich um elf einen Friseurtermin habe. Aufstehen ist jetzt eine unangenehme Unterbrechung meiner meist unangenehmen Träume, deren Charme ausschließlich in ihrer Konsequenzlosigkeit besteht.

weiterlesen
3 Kommentare
>
Fast am Ziel

Aufgaben aufgeben | #7

So, nun also die ersehnte Zeit der Aufgabenlosigkeit. Die macht ja fast jeden verrückt. Rafał war davon am wenigsten betroffen, weil er den Haushalt führen und kochen musste. Ich, der ich immer schon sehr liederlich, aber recht rezeptfreudig war, redete ihm kaum in die Kochwäsche rein, machte aber allmorgendlich für das Mittagessen Vorschläge, die zu meiner Freude als Weisungen ausgelegt wurden.

weiterlesen
2 Kommentare
>
Fast am Ziel

Ende der Einsamkeit | #8

Als Erste kam Susi. Am Sonntag. Sechzehn Tage nach uns. Susi fügt sich gut ein, und wenn sie das nicht kann oder will, bleibt sie für sich. Wir kennen uns seit 1969, haben also schon viele Tote gemeinsam. Aus Solidarität oder Ehrgeiz schloss sich Susi meiner bereits seit einer Woche durchgehaltenen Abstinenz an, machte allerdings meine Quarkdiät nicht mit.

weiterlesen
8 Kommentare
>
Fast am Ziel

Ein abgeschaffter Feiertag | #9

Die längste Zeit meines Lebens war das ein Feiertag gewesen: der Tag der deutschen Einheit, an die niemand mehr glaubte. Als sie dann doch kam, wurde er abgeschafft. Seither liegt mein Geburtstag etwas ungeschützt irgendwo in der Woche, was aber nicht so schlimm ist, weil ich gleichzeitig aufhörte, ins Büro zu gehen.

weiterlesen
4 Kommentare
>
Fast am Ziel

Lebende und Unsterbliche | #10

Alle saßen pünktlich in den Autos, für die sie eingeteilt waren. Rafał fuhr mit Bo, Ingrid und mir vorneweg und verzichtete wegen seiner guten Ortskenntnisse auf die Navigatorin, was uns und die anderen drei Autos hinter unseren Rücken mehrfach durch Algund führte. An der ewig selben ewig roten Ampel machten wir uns Mut, die Nachzügler würden das bestimmt für eine Ortsbesichtigung halten, dann kamen wir doch nach Töll, wobei Rafał unentwegt den Rückspiegel anschrie, warum Giuseppe so langsam führe.

weiterlesen
3 Kommentare
>
Fast am Ziel

Fünf Sterne unter grauem Himmel | #11

Siebzig zu werden ist kein Ruhmesblatt, seit es Antibiotika gibt. Bedeutende Menschen haben dieses Alter zuvor nicht erreicht, längst Vergessene haben es seither weit übertroffen. Ich liege wie üblich im Mittelfeld dazwischen, habe also eine noch mindestens so glorreiche Zukunft, wie Honecker sie der DDR zum vierzigsten Jubiläum vorhergesagt hat.

weiterlesen
8 Kommentare
>
Fast am Ziel

Wie wichtig bin ich? | #12

Vor ihrer Abreise durften Thomas und Loïc beim Frühstück auf der Hotelterrasse feststellen, dass es in Meran auch wolkenlosen Himmel geben kann; den hatten sie dann bis zum Abflug in Verona. Anette stieg stattdessen in den Bus und kam ganz ohne Zwischenfälle, also nicht weiter erwähnenswert, nach Südfrankreich in ihren provenzalischen Urlaub ganz ohne WLAN, was einem ja heute vorkommt, wie ohne fließend Wasser.

weiterlesen
2 Kommentare
>
Fast am Ziel

Tier und Mensch | #13

Nachdem sich auch Bo und Ingrid wieder auf den Weg nach Stockholm gemacht hatten, war die Party vorbei. Susi blieb etwas länger bei Silke, Giuseppe bei mir. Beide hatten ja Zimmer mit Bad. Wo man nicht teilen muss, stört man auch nicht. Carsten blieb am längsten, im zweiten Stock der ‚Villa‘, Rafałs Reich, und Sally mit beiden.

weiterlesen
0 Kommentare
>
Fast am Ziel

Schachfiguren | #14

Dass wir am Freitag, dem 15. Juli, gerade in der Mitte des Monats, aufbrachen, war genauso zufällig, wie dass wir auf den Tag genau vier Wochen später zurück sein würden: nämlich kein bisschen.

weiterlesen
3 Kommentare
>
Fast am Ziel

Die drei Venezien | #15

Bis auf den kurzen Zubringer hatten wir den Rest der Strecke Autobahn. An Venedig vorbei – eigentümlich, dort nicht wie fast jedes Jahr zu verweilen, sondern dort wie noch nie einfach entlangzurauschen – aus dem Veneto über das Friaul nach Venezia Giulia. Wer sich ausschließlich für mich interessiert, muss jetzt runterscrollen, wer auch ein bisschen Geschichte aushält, liest weiter.

weiterlesen
3 Kommentare
>
Fast am Ziel

Greif Maria! | #16

Wir befolgten die Anweisungen der Navigatorin und verließen die Autobahn. Von Zeit zu Zeit mache ich Rafał darauf aufmerksam, dass er ihre Stimme durch eine männliche ersetzen will, aber er hat in der Gebrauchsanweisung immer noch nicht den Trick gefunden, wie das geht. Meine wiederholte Nachfrage hat damit zu tun, dass unsere Verwünschungen, wenn wir uns fehlinformiert fühlen, einfach zu frauenfeindlich klingen, und da könnte sich Silke hinten düpiert vorkommen.

weiterlesen
1 Kommentare
>
Fast am Ziel

Aufschneider & Abstecher | #17

Es war mein drittes Mal in Triest. 1991 war ich – auch von Meran aus – dort gewesen, in Vor-MeBo-Zeiten, neun Monate nach Rolands Tod. Mit Bill (tot) und mit Giuseppe (lebt noch).

weiterlesen
1 Kommentare
>
Fast am Ziel

Brust oder Flasche | #18

Zunächst mal musste ich ‚alter Hase‘ den beiden Neulingen ja Triest zeigen. Triest ist das Österreichischste, was Italien außerhalb Südtirols zu bieten hat, so viel wusste ich noch, viel mehr auch nicht. Die Häuser sind überwiegend vierstöckig, Ende neunzehntes Jahrhundert, ein bisschen wie Prag, etwas abgeblätterter, aber im Zentrum ist es schön unübersichtlich, ein wirbeliges Durcheinander von Gassen und Menschen.

weiterlesen
1 Kommentare
>
Fast am Ziel

Der istrische Kopf | #19

Wir waren uns einig, dass es in Slowenien anders aussah als in Italien. Die Berge? Die Häuser? Vielleicht lag es nur an den unleserlichen Schildern. Doch gleich an der Peripherie des ersten Ortes grüßten die vertrauten Supermärkte, riesig, und Unmengen von neuen Autos, zum Verladen bereit.

weiterlesen
0 Kommentare
>
Fast am Ziel

Rückblenden und Lachnummern | #20

Zwischen 1975 und 1990 habe ich meine Jahresfilme gedreht. Ich habe gelebt, um zu filmen und gefilmt, um zu leben. Jetzt, 2016, hält man einfach sein Handy in die Luft. Damals musste man sich jede Einstellung genau überlegen. Filmen war teuer, und die traurige Kapitalisten-Erkenntnis ist: Was nichts kostet, ist nichts wert. Dafür war dann der fertig geschnittene Film eine Kostbarkeit, für mich jedenfalls. Der Film ist besser geeignet, eine Reise zu beschreiben, als ein Text es ist; man kann ihm zusätzlich die passenden Geräusche und die passende Musik unterlegen.

weiterlesen
2 Kommentare
>
Fast am Ziel

Rückzu | #21

Silke und Rafał waren zurück. Sie hatten betrachtet, was von der glorreichen Herrschaft Venedigs übrig geblieben war und was in den Schaufenstern der Gegenwart auslag.

weiterlesen
8 Kommentare
>
Fast am Ziel

Duino | #22

Dreimal war ich von meinem weiß lackierten Terrassenstuhl aufgestanden, weil ich ein Klopfen vom Zimmer her gehört zu haben glaubte. Jetzt stand Rafał wirklich im Flur. Er und Silke hatten nicht nur Kaufenswertes entdeckt, sondern sogar den Eingang vom ‚Duca D’Aosta‘. Eher unscheinbar. Kein Monument glorreicher Zeiten.

weiterlesen
0 Kommentare
>
Fast am Ziel

Kriegsfrieden | #23

Wir versuchten, was wir konnten, aber diesen Schlossblick von der Bucht in den Sonnenuntergang, den erwischen wir einfach nicht.

weiterlesen
0 Kommentare
>
Fast am Ziel

Die Schweine und der Adel | #24

Um 10 Uhr waren wir schon wieder in Slowenien. Wir hatten es geschafft, uns eine halbe Stunde eher als vom Plan befohlen, auf den Weg zu machen. Rafał hatte meine Habseligkeiten eingesammelt und verstaut, während ich in mein ‚Reisekostüm‘ geschlüpft war: taubenblaue Jeans, taubenblaues Polohemd, taubenblauer, serviettendünner Pullover über den Schultern.

weiterlesen
0 Kommentare
>
Fast am Ziel

Willkommene Enttäuschung | #25

Seit Kroatien selbstständig ist, haben sich alle viel Mühe gegeben. Als wir den Stau zum Zentrum hinter uns hatten, kamen wir auf eine gepflegte Palmenpromenade mit herrschaftlichen Hotels aus K.-u.-k.-Glanzzeiten.

weiterlesen
2 Kommentare
>
Fast am Ziel

Am Hang | #26

Die Überfahrt nach Cres dauerte keine Stunde. Rafał flitzte wie immer durch die Gegend. Ich saß mit Silke auf einer Bank.

weiterlesen
5 Kommentare
>
Fast am Ziel

Am Ziel, am Start | #27

Wir überquerten eine handtuchschmale Brücke, höchstens sechs Meter, dann waren wir auf der nächsten Insel: Lošinj, da wollten wir nun bleiben, ursprünglich eine Woche und dann wieder zurück, aber den siebten Tag, auch noch den Sonntag, an dem Gott ruht, hatte ich abgeknapst, um drei zusätzliche Wochen dranzuhängen, die alle Orte am Mittelmeer, die mir mal etwas bedeutet hatten, zu vereinen. Ein kühner Plan? Ein bescheuerter Plan? – Ein Plan!

weiterlesen
5 Kommentare
>
Fast am Ziel

Lautlos | #28

Was macht man, wenn es nichts zu sagen gibt? Man schweigt. Ich doch nicht! Und eigentlich niemand: Wenn alles überflüssige Gerede in den Hälsen der Sprecher stecken bliebe, herrschte eine wundervolle Ruhe, schon deshalb, weil die Menschheit erstickt wäre. Kein Palaver.

weiterlesen
3 Kommentare
>
Fast am Ziel

Höhepunkte und Amokläufe | #29

Wir hatten es einfach schön, was am Anfang des Unterwegsseins immer Probleme aufwirft: Wird der Rest der Reise ein Abstieg werden, ein Niedergang? Höhepunkte habe ich immer angestrebt und vermieden.

weiterlesen
2 Kommentare
>
Fast am Ziel

Die Endlosigkeit des ewigen Augenblicks | #30

Am Samstag ließen wir uns vom Hotel-Minibus den gesperrten Weg auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht zur ‚Lanterna‘ fahren. Der Name hat wohl nichts mit Beleuchtung zu tun.

weiterlesen
2 Kommentare
>
Fast am Ziel

Hirn contra Schleimhaut | #31

Gegen 20 Uhr nehmen wir unsere Plätze auf der Terrasse ein und bei Harfenmusik unseren Aperitif. An unseren Dinner-Tisch begeben wir uns erst, wenn es ringsherum schon genügend Menschen gibt, deren Aufmerksamkeit wir erregen können. An schwachen Abenden sind das bloß die Kellner. Dafür ist das Risotto mit Foie gras unschlagbar.

weiterlesen
6 Kommentare
>
Fast am Ziel

Alle wollen Zadar | #32

Eigentlich hatte ich am Sonntag im ‚Boutique Hotel Alhambra‘ eintreffen und am Montag wieder abreisen wollen. Mit einer Woche dazwischen. Dann fand ich aber Sonntag bis Sonntag formal befriedigend genug. Es war ohnehin der längste Aufenthalt der Reise, die einzig geplante Neuentdeckung, und es war gut, dass es so gut gewesen war.

weiterlesen
3 Kommentare
>
Fast am Ziel

Ich stürze Rechte! | #33

Rührend! Silke und Rafał wollten mir so viel wie möglich von Zadar zeigen. Zugegeben, ‚Besichtigung‘ hatte ich wirklich in die Vormittagsplanung geschrieben, aber wir kamen trotz Rafałs Unverfrorenheit von keiner Seite mit dem Auto an die geschlechtliche Mitte des Körpers heran, der Zadar früher mal war.

weiterlesen
4 Kommentare
>
Fast am Ziel

Die Vermeidung beider Weltkriege | #34

Für die bosnischen Grenzbeamten war natürlich Rafałs polnischer Pass erregender als Silkes und mein langweiliger deutscher, aber viel Aufhebens machten sie trotzdem nicht. Das Ganze ist ohnehin lächerlich, auch wenn die bosnischen Zöllner nicht lächelten, um ihre Bedeutsamkeit nicht infrage zu stellen.

weiterlesen
0 Kommentare
>
Fast am Ziel

Benedikts Eier | #35

Gegen viertel nach neun klopft Rafał immer an meine Hotelzimmertür. So hat es sich eingebürgert. Um 9.16 Uhr werde ich unruhig, wenn er noch nicht geklopft hat. Um 9.17 Uhr wehre ich eine Panikatacke ab, und 9.19 Uhr ist es noch nie geworden.

weiterlesen
0 Kommentare
>
Fast am Ziel

Wunderschön und völlig anders | #36

Den Nachmittag verbrachte ich in meinen Gemächern. Das ist Luxus: Die Sonne scheint, aber man braucht nicht rauszugehen. Für solch ein Verhalten wurde ich früher ‚Stubenhocker‘ genannt.

weiterlesen
0 Kommentare
>
Fast am Ziel

Aus der Keule geschnitten | #37

Wenn alles schön ist, gibt es nichts zu berichten. Katastrophen sind dagegen fast immer erzählenswert. Der Mittwoch war so ein Tag dazwischen: nichts los, aber trotzdem unbefriedigend. Grund: Um elf Uhr vormittags mussten wir aus unseren Zimmern, um zehn Uhr abends sollte unsere Fähre ablegen.

weiterlesen
7 Kommentare
>
Fast am Ziel

Pfahl im Fleisch | #38

Bari: Ganz extrem bildungsferne Leser mögen jetzt womöglich denken, wir hätten inzwischen österreichisches Fahrwasser verlassen.

weiterlesen
14 Kommentare
>
Fast am Ziel

Wallende Gewänder | #39

Obwohl – oder weil? – ich Einzelkind war, waren meine Eltern nicht das, was man heute ‚Helikopter-Eltern‘ nennt. Ich durfte alles, und Überwachung per Smartphone gab es ja sowieso nicht.

weiterlesen
4 Kommentare
>
Fast am Ziel

Handkuss | #40

Irene hatte inzwischen Erika kennengelernt, bei ‚Horn‛ am Kurfürstendamm. Damals war ‚Horn‛ das prominenteste Modehaus Berlins, und Erika war dort Empfangsdame.

weiterlesen
10 Kommentare
>
Fast am Ziel

Du Spiegel der göttlichen Heiligkeit | #41

1967 ließ ich Sizilien weg und machte ansonsten die Reise noch einmal mit Harald und Hans-Dieter im farblosen VW Käfer meiner fahrscheuen Mutter. Wir drei waren zusammen in derselben Abitur-Klasse gewesen, vorher auf Klassenreise in der Würzburger Residenz und als Rokoko-Figuren im Park von Veitshöchheim.

weiterlesen
2 Kommentare
>
Fast am Ziel

Steuerbetrug, mal anders | #42

Schon im Hamburger Winter hatte sich herausgestellt, dass es das Hotel ‚Grotta Palazzese‛ nicht mehr gab. Silke, rührig wie immer, hatte einen Ersatz-Vorschlag, der mir gefiel, und so befanden wir uns also am Donnerstagmorgen gegen halb zehn erst auf dem Weg zu und dann auf der Suche nach dem Hotel ‚Borgobianco‛.

weiterlesen
4 Kommentare
>
Fast am Ziel

Nein, nein | #43

Ein Tag, der der Entspannung dienen sollte, was er bis zum Abend auch tat. Wir schlugen unser Hauptquartier am Pool auf; Silke aalte sich im grellen Licht: Ihr Ehrgeiz verlangt nach gleichmäßiger Bräunung sämtlicher Seiten, die sie hat.

weiterlesen
5 Kommentare
>
Fast am Ziel

Maßnahmen | #44

Das Leben. Man darf sich nicht nur auf die pralle Mitte konzentrieren, sondern man muss sich mit den ausfransenden Rändern beschäftigen: die gesunde Abtreibung und den wünschenswerten Tod. Jede Schwangere muss, reine Routine, auf das Planungsamt gehen und unterschreiben, dass sie das Kind will.

weiterlesen
4 Kommentare
>
Fast am Ziel

Frechheit um halb zehn | #45

Wir fuhren durch völlige Finsternis, umso erleuchteter war der Ort. Ganz Apulien schien sich an Buden vorbei dem Mark entgegenzuschieben, dementsprechend gesperrt war alles, was uns den rechten Weg gewiesen hätte.

weiterlesen
5 Kommentare
>
Fast am Ziel

Spinnen Moslems, Juden und Christen? | #46

Ein Tag Pause, das musste reichen. ‚Unterwegs sein‘ heißt, unterwegs zu sein und nicht, sich an einen Ort zu binden wie an einen Marterpfahl.

weiterlesen
9 Kommentare
>
Fast am Ziel

Ein Abend verändert mein Leben | #47

Friedrich II. scheiterte mit dem Versuch, seine universelle Kaiseridee zu verwirklichen, an den norditalienischen Städten und am Papst. Aber durch seine Forderung nach einer von der Kirche unabhängigen Staatsgewalt war er ein Wegbereiter der modernen Monarchien in Europa.

weiterlesen
7 Kommentare
>
Fast am Ziel

Geschmacklosigkeiten mit weißen Handschuhen | #48

Am Wochenende zuvor war Roland mit Karin in eine Wohnung in Steglitz gezogen, und er nahm mir, oder vielleicht auch Karajan, mit Recht übel, dass wir uns nicht eine Woche früher kennengelernt hatten: Dann hätte er sich diesen Umzug sparen können, denn Ende Januar zog er zu mir nach Hamburg. Es war ja tatsächlich – ‚Liebe‘ ist so ein Wort ... – Besessenheit oder Besitzenwollen auf den ersten Blick gewesen, bei mir jedenfalls.

weiterlesen
7 Kommentare
>
Fast am Ziel

Champagner-Muffel | #49

Haltlos fuhren wir dieses Mal an Avelino vorbei; Silke döste, Rafał achtete auf den Abzweiger nach Salerno, und ich behielt meine Erinnerungen für mich, zumal die Gegenwart genug zu bieten hatte: Wenn wir die Autobahn erst verlassen würden, wären Rafałs Fahrkünste gefragt.

weiterlesen
2 Kommentare
>
Fast am Ziel

Kugelstoßerin im Hosenrock | #50

Dass alles einfach sein soll, ist ein verständlicher Wunsch. Reisen ohne Grenzkontrollen und ohne unterschiedliche Währungen ist angenehm und spart Zeit.

weiterlesen
17 Kommentare
>
Fast am Ziel

Singende Sirenen | #51

Heute ist der erste Tag des Monats und gleichzeitig der erste Tag der Woche. Das befriedigt meinen Ordnungssinn. Es wäre doch wunderbar, wenn alle Monate 28 Tage hätten.

weiterlesen
12 Kommentare
>
Fast am Ziel

„In solchen Kreisen“ | #52

Sorrent ist schon im 8. Jahrhundert vor Christus von den Phöniziern gegründet worden und war bereits 200 Jahre vor ihm Sommersitz römischer Aristokraten. Davon sahen wir nicht so viel. Wir sahen vor allem Menschen und Autos, aber keine Parkplätze. Rafałs übliche Chuzpe nutzte auch nichts.

weiterlesen
9 Kommentare
>
Fast am Ziel

Häppchenweise erwachsen | #53

Zum Leidwesen meiner Mutter entdeckte ich nach unserer Rückkehr in Hamburg, dass es noch sehr viele Männer gab, die ich noch nicht kennengelernt hatte. Schon auf Palis und meiner gemeinsamen Geburtstagsfeier Ende Juni wurde mir das bewusst.

weiterlesen
8 Kommentare
>
Fast am Ziel

Sturm und Drang und Einbahnstraßen | #54

‚Weggehen oder Bleiben‘, das ist das eine: aktiv oder passiv. Das andere ist ‚Eintreffen oder Weggehen‘, beides aktiv. Unser Deutschlehrer Herr Wiechers war die Verkörperung von ‚Sturm und Drang‘. Er war es, der mich nach den Pauker-Attrappen der Mittelstufe feurig durchs Abitur ritt.

weiterlesen
16 Kommentare
>
Fast am Ziel

Alles über Teresa | #55

Alles ist – bis zu einem gewissen Grade – rückwärtsgerichtet; denn die Mittel, die man nutzt, um etwas darzustellen, hat man in der Vergangenheit erlernt. Ohne Bezüge zu dem, was war, kann man nicht einmal einen Science-Fiction-Film drehen. Diese anfechtbare Überlegung dient mir immer dazu, nach bestem Wissen und mit nicht allzu schlechtem Gewissen hemmungslos in die Vergangenheit abzutauchen.

weiterlesen
10 Kommentare
>
Fast am Ziel

Die Hände im Schoß, die Füße im Becken | #56

Unsere Anlaufstelle in Rom war das Hotel ‚Condotti‘. Bereits 1967 traute ich mich ins ‚Spundloch‘, nie solo, aber in ‚Damenbegleitung‘ und sogar mit Harald. Allein hätte ich nicht gewagt, die Stufen zu diesem Etablissement herabzusteigen, denn da verkehrten Männer, die mit Männern verkehrten ...

weiterlesen
4 Kommentare
>
Fast am Ziel

Noch mehr über Teresa | #57

Zeit, wieder in den August 2016 zurückzukehren: Rafał verließ die Autostrada und uns das Glück. Über Schlaglöcher und Schienen holperten wir in die Hauptstadt der Campagna ein: ‚Vedi Napoli e poi muori‘.

weiterlesen
8 Kommentare
>
Fast am Ziel

Benedikt, ohne Eier | #58

Als Rafał ‚Montecassino‘ auf dem ‚Uscita-Schild‘ las, sagte er: „Das haben Polen erobert“, und riskierte einen Blick nach rechts in die Berge. Dass er so etwas weiß!

weiterlesen
9 Kommentare
>
Fast am Ziel

Marsch auf Rom | #59

Eine Stunde später begannen wir unseren ‚Marsch auf Rom‘. Er verlief etwas geordneter als der Einzug in Neapel, zumal das Navi uns ohne Federlesens zum eingegebenen Parkhaus führte. Kaum waren wir am Colosseum, da erkannte ich jede Straße wieder. Wieso auch nicht? Oft genug war ich hier gewesen, und die Palazzi sind keinen Wolkenkratzern gewichen.

weiterlesen
5 Kommentare
>
Fast am Ziel

Caffè Greco | #60

Zu leben, das stellt keinen Wert an sich dar. Da sein zu dürfen, bedeutet oft nur, da sein zu müssen. Die Religionen verlangen immer Dankbarkeit für diesen Zustand. Ich wäre so gern abgetrieben worden! Na ja, zu spät, stattdessen war jetzt der letzte Tagesordnungspunkt für heute dran: das ‚Caffè Greco‘.

weiterlesen
9 Kommentare
>
Fast am Ziel

Die Würde der anderen | #61

Aufwachen und wissen: Ich bin in Rom! Gleich fühlte ich mich, als hätte ich das Schicksal, das diese Begegnung gar nicht mehr für mich vorgesehen hatte, draufgängerisch überlistet. Aufwachen und wissen: Ich bin nicht allein. Zwischen 1975 und 1990 bin ich zu Hause nie allein aufgewacht (unterwegs ziemlich oft auch nicht). Inzwischen kann ich mich gar nicht mehr erinnern, wann ich wohl zuletzt im selben Zimmer mit jemandem geschlafen habe.

weiterlesen
6 Kommentare
>
Fast am Ziel

Cowboys, Kaiser, Zwillinge und Gänse | #62

Am meisten freute sich Rafał auf das Pantheon. Wir wälzten uns hinein und wieder hinaus. Wir waren da gewesen, einschließlich Selfie, also verbrieft.

weiterlesen
8 Kommentare
>
Fast am Ziel

Wie Schweinejauche prima abläuft | #63

Um eins hatten die Pferde uns wieder beim Hotel ‚Condotti‛ abgeliefert. Nun sollte es eine knappe Rast in der Nähe geben.

weiterlesen
9 Kommentare
>
Fast am Ziel

Eintracht bei Otello | #64

Die Sonne war höflich genug, etwas zu sinken; die Minibar gab ein Gin- und ein Tonic-Fläschchen frei, und ich blätterte im ‚Spiegel‘ vom Allgemeinen ins Besondere.

weiterlesen
10 Kommentare
>
Fast am Ziel

Die Stadt und ich | #65

Dass, wenn ich ins Bett gehe, Rafał das noch lange nicht tut, weiß ich. Ich spüre das Laken unter mir und horche in mich hinein, um zu stöbern, ob ich da wohl in einer unaufgeräumten Ecke ein Quäntchen Neid entdecke, aber ich fördere höchstens etwas Nostalgie, na ja, nicht zutage, aber in die Nacht. Damals, als ich ... wie ich da ..., oh Gott, und dann ... so viele Enttäuschungen, so viele Siege. Nichts hat mich nachhaltig verwundet, nichts hat mich nachhaltig geheilt.

weiterlesen
6 Kommentare
>
Fast am Ziel

Roter Teppich | #66

Viel eher als von mir erwartet kamen Silke und Rafał an unseren Tisch. Engelsburg und Vatikan lagen hinter ihnen, die Getränkekarte lag vor ihnen. Erstaunlich: Manche Besucher brauchen mehrere Tage, um sich Roms bekannteste Attraktionen anzueignen, manche Schaulustige nur den Reiseführer, besonders, wenn er hübsch ist.

weiterlesen
6 Kommentare
>
Fast am Ziel

Abend der Gaukler | #67

In der Nachmittagssonne auf der Terrasse sitzen und alles an sich vorbeirauschen lassen: das, was man unterlassen hat, und das, was man getan hat. Mein Hirn ist das Kanu, an dem im Blut alles vorbeischnellt: das Erreichte und das Versäumte.

weiterlesen
6 Kommentare
>
Fast am Ziel

Überwältigt am Ende der Welt | #68

Die Abreise aus Rom verlief unproblematisch. Meiner Kreditkarte wurde vertraut, Giuseppe wurde verabschiedet, das Gepäck lustlos, aber verlustlos verstaut und der Wagen unbeschädigt aus der Parkgarage verbracht. Auf der Ausfallstraße vermutete ich erleichtert, dass ich dem Schicksal wohl ein Schnippchen geschlagen hatte. Ganz sicher kann man da ja nie sein.

weiterlesen
7 Kommentare
>
Fast am Ziel

Gerechtigkeit für alle | #69

Den Nachmittag verbrachte ich in meinen weißen Räumen, wo sonst? WLAN klappte wie fast überall erst nach allen möglichen Manipulationen. Einfach Kennwort eingeben und loslegen, das geht ganz selten mal – entweder mein PC ist zu alt oder ich bin es.

weiterlesen
4 Kommentare
>
Fast am Ziel

Ein Triumph | #70

Als ich erst meine Augen öffnete und dann auch die Gardinen, sah ich, die Welt war wieder im Lot: blauer Himmel. Die beiden Balkone meiner Luxus-Suite boten darüber hinaus einen besonderen Komfort: Ich hatte Anschluss an die Öffentlichkeit. Gleich unter meiner Balustrade wurde geräuschvoll gefrühstückt.

weiterlesen
6 Kommentare
>
Fast am Ziel

Eine Frage der Perspektive | #71

1982 hatte Roland sein Jura-Studium genauso an den Nagel gehängt, wie ich meins schon viel früher geschmissen hatte. Nachdem wir im Mai auf Mykonos gewesen waren, hatte er seine Praxis eröffnet.

weiterlesen
6 Kommentare
>
Fast am Ziel

Die Steigerung der Steigerung | #72

Ich könnte doch auch einfach nur glücklich sein. Der größte Teil meines Lebens liegt hinter mir, und es sind ‚unterwegs‘ nur zwei richtig schlimme Dinge passiert. Dass Menschen, die über achtzig sind, sterben, muss man hinnehmen.

weiterlesen
7 Kommentare
>
Fast am Ziel

Rohrschneider mit Schneidrädchen | #73

Den Nachmittag verbrachte ich wie den Vormittag auf meiner Terrasse und sah der Sonne dabei zu, wie sie ihre seit Millionen von Jahren festgelegte Bahn zurücklegte; sie wurde angebetet, verehrt und verflucht und ist doch nichts als ein Stern.

weiterlesen
7 Kommentare
>
Fast am Ziel

Der schöne Wahn | #74

Rafał war noch immer tief geknickt wegen der unscheinbaren kleinen Beule in unserem herrschaftlich großen Auto, und ich wog ab, während er meinen unrettbar siechenden Leib balsamierte, ob es ihn trösten würde, wenn ich ihm „Ist doch nicht so schlimm!“ sagte.

weiterlesen
6 Kommentare
>
Fast am Ziel

Aus dem Krater | #75

Der Weg zum Ziel führt über einen Bergkamm in das dünn besiedelte Tal der Albegna. Dort steigt aus einem Krater etwas auf, das mit dem Wort ‚Wasser‘ ziemlich freundlich beschrieben ist. Es stinkt und brodelt, 500 Liter pro Sekunde. Aber es kommt nicht aus der Hölle, sondern ganz unschuldig aus dem Himmel: Regenwasser vom Monte Amiata.

weiterlesen
6 Kommentare
>
Fast am Ziel

Margherita heiratet schon wieder | #76

Auch bei unserem knappen Mittagsmahl setzte sich Silke wohltuend von den Bademäntlern ab, obwohl sie sich nicht hatte umziehen können, sondern noch Reisekleidung trug, während ich bereits die Annehmlichkeiten eines eigenen Hotelzimmers hatte auskosten dürfen. Bademäntel am Esstisch findet Silke rücksichtslos gegenüber Gästen in Rock und Bluse und in einem Hotel dieser Kategorie eigentlich nicht hinnehmbar. Seh ich ein. Aus der langgestreckten ‚piscina‘ drangen würzige Schwaden an unseren Tisch, beeinträchtigten aber den Geschmack der Speisen kaum. Nach wenigen Minuten nimmt man den Schwefel wie eine Zutat wahr, ohne die der Luftstrom fade röche, jedenfalls mir geht es so.

weiterlesen
3 Kommentare
>
Fast am Ziel

Die Natur | #77

Die beiden letzten unserer achtundzwanzig Reisetage, die der reinen Entspannung dienen sollten, lagen vor uns, und bis zum Abend des ersten Tages wussten wir nicht, dass es sogar der allerletzte sein würde ...

weiterlesen
6 Kommentare
>
Fast am Ziel

Außen kross und innen blutig | #78

Das Faustische habe ich immer in mir zu entdecken versucht und dachte meist: Armer Mephisto, an mir hättest du dir die Zähne ausgebissen. In Wahrheit hätte Mephisto seinen Spaß an mir gehabt: Wie oft habe ich für einen durchgeknallten Augenblick alles riskiert! Aber bis auf den heftigen Schlaganfall ist mir nie etwas Schlimmes passiert, immer nur den anderen.

weiterlesen
5 Kommentare
>
Fast am Ziel

Was mich am Sport begeistert | #79

Ach nee! Das Wetter war schlecht und machte so meinen Plan zunichte, im Liegestuhl ausgestreckt, abwechselnd die ‚Weltgeschichte to go‘ und die Umherwandelnden zu verfolgen: mit neidischem Blick, aber entspannter Seele. Da musste ich mir stattdessen etwas Raffinierteres ausdenken und tat das auch: ein Ausflug nach Pitigliano.

weiterlesen
6 Kommentare
>
Fast am Ziel

Ein Ausflug in Vergangenheit und Gegend | #80

Die Ebene mündete in einen Berghang, andere Möglichkeiten hatte sie ja nicht, das Meer war zu weit weg. Eine drollige Vorstellung, dass Landschaften einen Charakter hätten, nicht wie im Reiseführer beschrieben, heroisch oder lieblich oder unwirtlich, sondern wirklich launisch oder leutselig oder eitel.

weiterlesen
6 Kommentare
>
Fast am Ziel

Die Rinkes | #81

Mein väterlicher Großvater Reinhold war in Tarnowitz in Oberschlesien geboren worden und heiratete die Essener Bierbrauertochter Maria, die zwar im Ruhrgebiet aufgewachsen war, sich aber gern als Rheinländerin bezeichnete. Sie ist, so oder so, das Westlichste, was mein Stammbaum hergibt.

weiterlesen
6 Kommentare
>
Fast am Ziel

Nachkriegssünden | #82

Zu der Zeit, als ich 1947 beim thüringischen Bahnwärter ausgelagert lag, war Pucki schon einem smarten Australier, der ihr das Blaue vom Himmel dort unten versprochen hatte, in seine Heimat gefolgt. Da war es dann allerdings doch nicht so nobel. Pucki musste dort zu ihrem Entsetzen hinter der Theke Hot Dogs verkaufen, behauptete Guntram.

weiterlesen
6 Kommentare
>
Fast am Ziel

Überwiegend Irena | #83

Nach der Scheidung zog Vicky mit ihren Töchtern hoffnungsvoll nach Düsseldorf zu Hasso. Jede Nacht, so zwischen zwei und drei, klingelte das Telefon, und Hasso machte sich auf den Weg zu Carola.

weiterlesen
3 Kommentare
>
Fast am Ziel

Überwiegend Martha | #84

In den Siebzigerjahren interessierte ich mich sehr für meine Herkunft, und so besitze ich alle Aussagen von Guntram, Hasso und Irene auf Tonband und brauche nichts hinzuzudichten: Ich habe mir ihre Worte so oft angehört, dass ich sie auswendig kenne.

weiterlesen
6 Kommentare
>
Fast am Ziel

Alles sehen wollen | #85

Silke und Rafał kamen betreten zurück. Verfallene und leerstehende Häuser bezeugten, dass pittoreskes Aussehen vielleicht für einen knappen Besuch reicht, aber nicht für ein Leben in der Einöde. Rafał war trotzdem bereichert: T-Shirts gibt es überall in Italien, wie Kirchen und Kastelle.

weiterlesen
8 Kommentare
>
Fast am Ziel

Eine Fata Morgana endet im Golfclub | #86

Sehr gut. Endlich wieder beim Aufwachen wissen: Heute Abend werde in diesem Bett zumindest nicht ich einschlafen! Ich bin weg. Endlich wieder. Ja, ‚unterwegs‘ muss jeder Tag durchwebt sein mit Neuem, wie ein Bratenstück, das ungespickt zu trocken aus dem Ofen käme.

weiterlesen
5 Kommentare
>
Fast am Ziel

In Schieflage | #87

Als das Schild Pisa ankündigte, wagte ich eine der wenigen Abweichungen vom Plan: Da Pisa so ganz direkt am Wege lag, sollte es auch besichtigt werden. Ich habe Pisa nie gemocht; es war schon immer fast so touristenlastig wie die Piazza San Marco, aber wann jemals würde sich die Gelegenheit bieten, diese Sehenswürdigkeit nochmal abzuhaken?

weiterlesen
6 Kommentare
>
Fast am Ziel

‚Ö‘ | #88

Unser nächstes Ziel war Portofino. Meistens kam ich von Norden, aus der Schweiz, und wenn Portofino erreicht war, dann waren wir so sehr in Italien, dass wir eigentlich für den Rest des Urlaubs hätten bleiben können. Romantischer ging es nicht.

weiterlesen
6 Kommentare
>
Fast am Ziel

Nichts über Genua | #89

Die Abreise war unkompliziert. Von sieben bis zehn Uhr werden in Portofino die Pfeiler weggeklappt, dann dürfen Berechtigte die Gasse herunterfahren bis auf die Piazza, und wer ist in einem Touristen-Eldorado berechtigter als der Hotelgast?

weiterlesen
8 Kommentare
>
Fast am Ziel

Versteckte Apostel | #90

Gegen eins hatten wir die Po-Ebene durchmessen, und ich dachte: „Bestimmt sind wir schon vor halb zwei bei den ‚Zwölf Aposteln‘“, was aber in einem Lokal nicht besonders schlimm ist, auch wenn ich denke, dass die Kellner einen dafür verachten. Aufsehenerregende Persönlichkeiten erscheinen prinzipiell zu spät.

weiterlesen
8 Kommentare
>
Fast am Ziel

Gefangen im Eigenen | #91

Wenn ich früher irgendwo ankam, wollte ich mich dort ausleben. Heute muss ich mich an meinem Bestimmungsort einleben. Zu Hause fällt das natürlich am leichtesten. Natürlich? Nach Rolands Tod fühlte ich mich jahrelang in jedem Hotel zwischen Oslo und Toronto vom Lächeln an der Rezeption gemeinter als von den stummen Wänden meiner Wohnung nahe der Elbe.

weiterlesen
7 Kommentare
>
Fast am Ziel

Wie alles sein muss | #92

Erst einmal waren wir zwei Wochen lang ganz unter uns. Dann kam Helga, und als Helga abreiste, kam Susi. Rafałs Mann Carsten kam auch, mit Hund. Besuch habe ich gern, besonders, wenn er nicht neben mir im Zimmer schläft, sondern nebenan bei Silke oder im Stockwerk über mir.

weiterlesen
10 Kommentare
>
Fast am Ziel

Der Wurstverkäufer | #93

Das Einkaufen als Vorgeplänkel zum Akt war, gerade hier in Meran, meine besondere Leidenschaft. Zum Beweis führe ich den Ausschnitt meines Briefes vom 17. Juli 1992 an Pali an:

weiterlesen
7 Kommentare
>
Fast am Ziel

Hunger | #94

Nach ein paar Tagen in Meran war ich konsequent genug, meinen Vorsatz über den Haufen zu werfen; auf den gehören die meisten Vorsätze sowieso. Ich hatte mir ein bisschen vorgenommen, diese unerhebliche Fahrt durch Kroatien und Italien nicht schriftlich zu verewigen, nun tat ich es doch und konnte – auch wie immer – nicht schlüssig unterscheiden, ob mein Drang mich mitzuteilen aus dem Strauch der Langeweile oder aus dem Baum des Sendungsbewusstseins ersprossen war.

weiterlesen
7 Kommentare
>
Fast am Ziel

Schwere Sprache | #95

Mario schrieb mir in meinen Blog, meine Texte seien ‚kurzweilig‘. Palaver. Kurzweilig zu schreiben kann reich und berühmt machen. Beides macht nicht unbedingt glücklich. Im Film erzählen sich die Gangster gern: „Nach diesem Coup hören wir auf. Dann liegen wir in Acapulco am Pool und Bräute im Bikini servieren Margaritas.“

weiterlesen
6 Kommentare
>
Fast am Ziel

Wohnen und Sein | #96

Als wir abreisten, war der Himmel trüb, und die Blätter hingen lustlos an den Bäumen. Rafał hatte alles im Auto verstaut, bis auf das, was er vergessen hatte. Halb so schlimm. Carsten blieb mit Sally noch länger und konnte hinterherbringen, worum Rafał ihn schriftlich und mündlich bat.

weiterlesen
7 Kommentare
>
Fast am Ziel

Fränkische Gastlichkeit | #97

Bei Füssen mussten wir von der Autobahn, die gerade erst begonnen hatte, wieder runter. In Füssen war Rafał (wie fast überall) auch schon gewesen, und er erzählte uns, während wir dran vorbeifuhren, so gründlich davon, dass es uns fast schien, als seien wir dort selber rumgelaufen.

weiterlesen
9 Kommentare
>
Fast am Ziel

Die schlimme Inge | #98

Am Montagmorgen waren wir zu unserer Welterschaffung aufgebrochen, am Samstagabend würden wir zurück sein. Sonntag ist natürlich Ruhetag. Einundzwanzig Wochen lang waren wir unterwegs gewesen, wenn man den letzten Sonntag abrechnet und Hamburg als Heimathafen annimmt. Bis auf Silkes und meinen Geburtstag hätte alles an jedem x-beliebigen Tag stattfinden können. Das macht den Sinn von Planung aus: Nichts mehr ist x-beliebig!

weiterlesen
5 Kommentare
>
Fast am Ziel

Wie es weitergeht | #99

Nun hatten wir mehr Zeit in Würzburg zugebracht als geplant. Es war nicht vergeudete, sondern bereichernde Zeit gewesen. Trotzdem hatte ich zur Kenntnis zu nehmen, dass das Display des Navis uns erst fünf nach halb zwei erlaubte, in Salzhausen zu sein.

weiterlesen
9 Kommentare


Frühling in Florenz

>
Frühling in Florenz

#1.1 Die Lüge

‚Frühling in Florenz‘! Ich liebe Etikettenschwindel, Alliterationen auch. Die Kombination von beidem machte schon als ‚Milch‘ vor mehr als sechzig Jahren ‚müde Männer munter‘, und wer wie ich den ‚Fasching in Fulda‘ feierte, der ist sich weder für trutschige Titel noch für toskanische Themenbehauptungen zu schade oder gar zu schuldbewusst.

weiterlesen
19 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#1.2 Der Nabel der Welt

Satt fuhren wir von Frohnau, wo ich wohl gezeugt wurde, in die Innenstadt West, dahin, wo für mich das Zentrum der Welt war, als Kind sowieso, und eigentlich bis 1995. Dann schob sich in meiner Wahrnehmung langsam Unter den Linden/Ecke Friedrichstraße vor Ku’damm/Ecke Joachimsthaler.

weiterlesen
15 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#1.3 Delikatesse für die Fresse

Etwas abgewirtschaftet trat ich in die Lobby. Harry wartete schon, Chris war noch nicht da. In Ordnung. Chris Schmökel hatte bei ‚Deutsche Grammphon‘ als mein ehemaliger Vice-Presidents-Kollege und hochdotierter Justitiar dafür zu sorgen, dass, als die Schallplatten-Industrie in den Neunzigerjahren in Bedrängnis geriet, möglichst viele Mitarbeiter mit möglichst geringen Abfindungen entlassen wurden.

weiterlesen
11 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#1.4 Kultur im Beutel, Schwank in der Oper

Der pharmazeutische Weichzeichner hatte meine Magenpforte wie gewohnt entkrampft, und trotzdem war ich nicht ohne Drangsal, als ich mich an der zuvorkommend auf- und zugleitenden, lasergesteuerten Eingangstür des ‚Palace Hotels‘ von Chris Schmökel bis auf unbestimmte Zeit und von Harry bis zum Abend verabschiedet hatte: Der zwischen mittlerem und kleinem befindliche Zeh, der Ringzeh gewissermaßen, tat weh – harmlos, aber heftig.

weiterlesen
13 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#1.5 Pizzabäcker, Eckensteher

In der Pause zwischen den Akten sah ich plötzlich Herbert zwischen den Menschen. Er war allein, sein Mann war schon wieder auf einen Ärztekongress enteilt. Normalerweise laufen sie immer gemeinsam in all diese Opern zwischen Wien und Wyk auf Föhr.

weiterlesen
13 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#1.6 Im Hinterhof neben der Abfalltonne

Montag, 26. März: In dem Tempo kann ich unmöglich weitererzählen. Berlin ist doch eine fixe Stadt, zumindest eine Fixerstadt. Frühstück kostet im ‚Sofitel‘ 30 Euro. Ist mir ja egal, aber Silke und Rafał verzichteten ebenfalls.

weiterlesen
11 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#1.7 Die Drei von der Tankstelle

Dienstag, 27. März: vormittags Treffen mit Rosa von Praunheim. Nachmittags nochmal A&S. Abends mit Freunden ‚Sale e Tabacchi‘: So geht kurz!

weiterlesen
15 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#1.8 Gemischte Gefühle, gemischter Salat

Nürnberg kannte ich nicht gut, aber ein bisschen. Statt Rundgang füge ich hier meine Eindrücke vom 20. Februar 1984 ein. Damals wollte ich die Pianistin Martha Argerich abholen, um mit ihr zu Aufnahmen nach London zu fliegen ...

weiterlesen
16 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#1.9 Was man sehen kann und was nicht

Donnerstag, 29. März: Bevor wir die fränkische Metropole verließen, fuhr Rafał, so dicht es eben ging, an den Stadtkern heran und dann nach oben zur Burg, damit ich aussteigen und runtergucken konnte. Es regnete nicht und ich guckte. Dabei dachte ich daran, dass Nürnberg lt. Wikipedia am 31. Dezember 2016 genau 511 628 Einwohner hatte ...

weiterlesen
19 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#2.1 Heimatgefühle

Nach Ostern und vor Mai gibt es ein touristisches Loch, was für Südtirol finanziell unbefriedigend, aber seelisch sehr erholsam ist. Das Wetter war gut oder schlecht, ich achtete nicht so sehr darauf, bis auf die Male, bei denen das Wetter so verdammt schön tat, dass mich Rafał und Carsten vor die Tür zwangen ...

weiterlesen
15 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#2.2 Bei den weltoffenen Weltbürgern

Der ausgewanderte Jude wird gefragt: „Wo wären Sie denn jetzt am liebsten: im Berlin Ihrer Kindheit, im Exil in Paris, in Tel Aviv oder in New York?“, und er antwortet jüdisch-diplomatisch: „Überall ein bisschen ungern.“

weiterlesen
15 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#2.3 Komfort im Waschraum

So ging die Zeit mit Essen – überwiegend von Rafał zubereitet – Lesen und Denken – selbstgemacht – dahin; von oben der Blick ins Tal, von unten der Blick in die Berge.

weiterlesen
14 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#2.4 Weg!

Den nächsten (Sonn-)Tag hatte ich in der Reiseplanung mit ‚Langeweile auf dem Lande‘ überschrieben. Meine Ironien sind noch das Ernsthafteste an mir, und das Albernste. Wir saßen am Pool, sahen in ‚Toscana‘, und ich las, während Silke braun wurde und Rafał seiner üblichen Rastlosigkeit mal zu Wasser und mal zu Land nachgab.

weiterlesen
17 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#2.5 Den Kopf unter dem Arm

Ja, nun kommt er, der Frühling in Florenz: Wir fuhren eine Dreiviertelstunde durch Landschaft; selbst die Akazien, immer die Letzten, wurden allmählich grün. Hin und wieder ein Obstbaum am Straßenrand neben Agaven, überwiegend Oliven, Pinien und Zypressen, aber auch Laubwälder und einzelne Häuser, ziegelgedeckt mit flachen Giebeln.

weiterlesen
16 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#2.6 Exzessive Nähe

Wir stiegen ins Auto und fuhren weg. Die vielen Touristen, die beschränkten Möglichkeiten. Frühling in Florenz? Flucht aus Florenz. Nicht mal das pompöse Essen, das ich mir in Florenz vorgestellt hatte, hatte stattgefunden. Fluch auf Florenz.

weiterlesen
15 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#2.7 Tata

So ging ich also gestern Abend neben meinem Mitbürger Giuseppe einher, auf dem engen Bürgersteig schlängelten wir uns an den wenigen Passanten vorbei, die nüchterne Front der schmuckarmen Palazzi zur Rechten, zur Linken die dunkle, kaum genutzte, schmale Fahrbahn, und daneben wieder ein enger Fußweg ...

weiterlesen
18 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#2.8 Glück?

Das ‚Crisco‘ war geöffnet und es war wie immer – und es war herrlich: der erste Raum ziemlich laut und kommunikativ, der zweite, etwas intimere, mit nur einem, nicht – wie vorn – neun Bildschirmen. Alle zehn Bildschirme zeigen dasselbe, wobei aber die neun vorne sich zum Gemeinschaftsbild eines Großhodensacks formieren oder den Sack neunmal klein (macht 18 Eier) abwechslungsreich zeigen können ...

weiterlesen
15 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#2.9 Von der Engelsburg springen

Der ausgiebige Mittagsschlaf steigerte meine gute Laune noch, und auf dem Schlendergang zum Ponte Vecchio bemerkte ich vergnügt, dass mein spezielles Interesse an Menschen noch zugenommen hatte: Heute Nacht wollte ich sie mir alle in die Seele stopfen ...

weiterlesen
12 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#2.10 Die Befreiung

Am Mittwochmorgen reisten wir pünktlich ab, jedenfalls Silke, Rafał und ich. Da sind wir sehr zuverlässig. Sally und Carsten hatten ihr eigenes Auto und konnten sich deshalb Zeit lassen. Der 25. April ist in Italien Feiertag, was schön ist für die arbeitende Bevölkerung und misslich, wenn man es nicht gewusst hat und nun tanken will und Brot und Wein für sein Abendmahl braucht.

weiterlesen
15 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#3.1 Schulschläge

Ich bleibe dabei. So lasse ich es stehen. Den ersten Teil hatte ich noch zartfühlend ‚Von Zuhause nach Zuhause‘ betitelt. Dann habe ich im zweiten Teil seiten- bzw. displaylang über Heimat referiert, und nun das ...

weiterlesen
16 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#3.2 Sprache statt Waffe

Am Sonntag, dem 29. April fuhren wir also ab, ‚von Heim zu Heim‘, aber nicht wie geplant. Wir hatten alle übersehen, dass ich ausnahmsweise in meiner Liste 10:30 Uhr vorgesehen hatte, fuhren also wie üblich um zehn ab und waren auch prompt statt um halb zwei schon um eins in Nußdorf am Inn.

weiterlesen
18 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#3.3 Über die Verwendung von Gebühren-Verweigerern

Wir saßen zwischen Fahrbahn und Restaurant-Eingang, um uns her viele Menschen, die wenig anhatten. Sonntagnachmittag. Hab’ ich nie gemocht: Kinderwägen im Park und Buttercremetorte im Wohnzimmer.

weiterlesen
13 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#3.4 Der Himmel hat die Erde geküsst

Am Montag war es grau. Nebel oder Schlimmeres? Schlimmeres. Auf unserem Weg nach Eichstätt fing es an, dermaßen gegen die Windschutzscheibe zu tropfen, dass wir uns dazu veranlasst sahen, einander trotzig darauf hinzuweisen, wie lieblich die Landschaft sei. Bei Eichstätt wurde der Himmel wieder ziemlich blau, und das war auch angebracht, denn Eichstett ist nicht irgendwas: Vor etwa 150 Millionen Jahren war hier der nördliche Rand des Jurameeres mit Korallenriffen und Lagunen.

weiterlesen
16 Kommentare


Teil 1: Von Zuhause nach Zuhause

‚Frühling in Florenz‘! Ich liebe Etikettenschwindel, Alliterationen auch. Mein Bedürfnis, Inhalte unter die Menschheit zu bringen, darf sich von der Sensationsgier der Bevölkerung nicht entmutigen lassen, sondern muss sie sich zunutze machen. Am besten durch den zielgerichteten Aufmacher: ein Titel, den Doofe nett finden und Ein-Gebildete für ironisch halten. ‚Frühling in Florenz‘ zum Beispiel.

>
Frühling in Florenz

#1.1 Die Lüge

‚Frühling in Florenz‘! Ich liebe Etikettenschwindel, Alliterationen auch. Die Kombination von beidem machte schon als ‚Milch‘ vor mehr als sechzig Jahren ‚müde Männer munter‘, und wer wie ich den ‚Fasching in Fulda‘ feierte, der ist sich weder für trutschige Titel noch für toskanische Themenbehauptungen zu schade oder gar zu schuldbewusst.

weiterlesen
19 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#1.2 Der Nabel der Welt

Satt fuhren wir von Frohnau, wo ich wohl gezeugt wurde, in die Innenstadt West, dahin, wo für mich das Zentrum der Welt war, als Kind sowieso, und eigentlich bis 1995. Dann schob sich in meiner Wahrnehmung langsam Unter den Linden/Ecke Friedrichstraße vor Ku’damm/Ecke Joachimsthaler.

weiterlesen
15 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#1.3 Delikatesse für die Fresse

Etwas abgewirtschaftet trat ich in die Lobby. Harry wartete schon, Chris war noch nicht da. In Ordnung. Chris Schmökel hatte bei ‚Deutsche Grammphon‘ als mein ehemaliger Vice-Presidents-Kollege und hochdotierter Justitiar dafür zu sorgen, dass, als die Schallplatten-Industrie in den Neunzigerjahren in Bedrängnis geriet, möglichst viele Mitarbeiter mit möglichst geringen Abfindungen entlassen wurden.

weiterlesen
11 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#1.4 Kultur im Beutel, Schwank in der Oper

Der pharmazeutische Weichzeichner hatte meine Magenpforte wie gewohnt entkrampft, und trotzdem war ich nicht ohne Drangsal, als ich mich an der zuvorkommend auf- und zugleitenden, lasergesteuerten Eingangstür des ‚Palace Hotels‘ von Chris Schmökel bis auf unbestimmte Zeit und von Harry bis zum Abend verabschiedet hatte: Der zwischen mittlerem und kleinem befindliche Zeh, der Ringzeh gewissermaßen, tat weh – harmlos, aber heftig.

weiterlesen
13 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#1.5 Pizzabäcker, Eckensteher

In der Pause zwischen den Akten sah ich plötzlich Herbert zwischen den Menschen. Er war allein, sein Mann war schon wieder auf einen Ärztekongress enteilt. Normalerweise laufen sie immer gemeinsam in all diese Opern zwischen Wien und Wyk auf Föhr.

weiterlesen
13 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#1.6 Im Hinterhof neben der Abfalltonne

Montag, 26. März: In dem Tempo kann ich unmöglich weitererzählen. Berlin ist doch eine fixe Stadt, zumindest eine Fixerstadt. Frühstück kostet im ‚Sofitel‘ 30 Euro. Ist mir ja egal, aber Silke und Rafał verzichteten ebenfalls.

weiterlesen
11 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#1.7 Die Drei von der Tankstelle

Dienstag, 27. März: vormittags Treffen mit Rosa von Praunheim. Nachmittags nochmal A&S. Abends mit Freunden ‚Sale e Tabacchi‘: So geht kurz!

weiterlesen
15 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#1.8 Gemischte Gefühle, gemischter Salat

Nürnberg kannte ich nicht gut, aber ein bisschen. Statt Rundgang füge ich hier meine Eindrücke vom 20. Februar 1984 ein. Damals wollte ich die Pianistin Martha Argerich abholen, um mit ihr zu Aufnahmen nach London zu fliegen ...

weiterlesen
16 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#1.9 Was man sehen kann und was nicht

Donnerstag, 29. März: Bevor wir die fränkische Metropole verließen, fuhr Rafał, so dicht es eben ging, an den Stadtkern heran und dann nach oben zur Burg, damit ich aussteigen und runtergucken konnte. Es regnete nicht und ich guckte. Dabei dachte ich daran, dass Nürnberg lt. Wikipedia am 31. Dezember 2016 genau 511 628 Einwohner hatte ...

weiterlesen
19 Kommentare


Teil 2: Zwischensaison

Erst wollte ich den ersten Teil dieses Reiseberichts ‚Von der Heimat in die Heimat‘ nennen, aber das wäre doch noch irreführender gewesen als der Obertitel ‚Frühling in Florenz‘. Zuhause bin ich in dem Hamburger wie in dem Meraner Gebäude, in dem meine Herde stehen. Aber Heimat? Das hat so etwas Generationenübergreifendes, und da tue ich mich schwer oder eher leicht. Da möchte ich gleich sagen: hab ich nicht!

>
Frühling in Florenz

#2.1 Heimatgefühle

Nach Ostern und vor Mai gibt es ein touristisches Loch, was für Südtirol finanziell unbefriedigend, aber seelisch sehr erholsam ist. Das Wetter war gut oder schlecht, ich achtete nicht so sehr darauf, bis auf die Male, bei denen das Wetter so verdammt schön tat, dass mich Rafał und Carsten vor die Tür zwangen ...

weiterlesen
15 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#2.2 Bei den weltoffenen Weltbürgern

Der ausgewanderte Jude wird gefragt: „Wo wären Sie denn jetzt am liebsten: im Berlin Ihrer Kindheit, im Exil in Paris, in Tel Aviv oder in New York?“, und er antwortet jüdisch-diplomatisch: „Überall ein bisschen ungern.“

weiterlesen
15 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#2.3 Komfort im Waschraum

So ging die Zeit mit Essen – überwiegend von Rafał zubereitet – Lesen und Denken – selbstgemacht – dahin; von oben der Blick ins Tal, von unten der Blick in die Berge.

weiterlesen
14 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#2.4 Weg!

Den nächsten (Sonn-)Tag hatte ich in der Reiseplanung mit ‚Langeweile auf dem Lande‘ überschrieben. Meine Ironien sind noch das Ernsthafteste an mir, und das Albernste. Wir saßen am Pool, sahen in ‚Toscana‘, und ich las, während Silke braun wurde und Rafał seiner üblichen Rastlosigkeit mal zu Wasser und mal zu Land nachgab.

weiterlesen
17 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#2.5 Den Kopf unter dem Arm

Ja, nun kommt er, der Frühling in Florenz: Wir fuhren eine Dreiviertelstunde durch Landschaft; selbst die Akazien, immer die Letzten, wurden allmählich grün. Hin und wieder ein Obstbaum am Straßenrand neben Agaven, überwiegend Oliven, Pinien und Zypressen, aber auch Laubwälder und einzelne Häuser, ziegelgedeckt mit flachen Giebeln.

weiterlesen
16 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#2.6 Exzessive Nähe

Wir stiegen ins Auto und fuhren weg. Die vielen Touristen, die beschränkten Möglichkeiten. Frühling in Florenz? Flucht aus Florenz. Nicht mal das pompöse Essen, das ich mir in Florenz vorgestellt hatte, hatte stattgefunden. Fluch auf Florenz.

weiterlesen
15 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#2.7 Tata

So ging ich also gestern Abend neben meinem Mitbürger Giuseppe einher, auf dem engen Bürgersteig schlängelten wir uns an den wenigen Passanten vorbei, die nüchterne Front der schmuckarmen Palazzi zur Rechten, zur Linken die dunkle, kaum genutzte, schmale Fahrbahn, und daneben wieder ein enger Fußweg ...

weiterlesen
18 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#2.8 Glück?

Das ‚Crisco‘ war geöffnet und es war wie immer – und es war herrlich: der erste Raum ziemlich laut und kommunikativ, der zweite, etwas intimere, mit nur einem, nicht – wie vorn – neun Bildschirmen. Alle zehn Bildschirme zeigen dasselbe, wobei aber die neun vorne sich zum Gemeinschaftsbild eines Großhodensacks formieren oder den Sack neunmal klein (macht 18 Eier) abwechslungsreich zeigen können ...

weiterlesen
15 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#2.9 Von der Engelsburg springen

Der ausgiebige Mittagsschlaf steigerte meine gute Laune noch, und auf dem Schlendergang zum Ponte Vecchio bemerkte ich vergnügt, dass mein spezielles Interesse an Menschen noch zugenommen hatte: Heute Nacht wollte ich sie mir alle in die Seele stopfen ...

weiterlesen
12 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#2.10 Die Befreiung

Am Mittwochmorgen reisten wir pünktlich ab, jedenfalls Silke, Rafał und ich. Da sind wir sehr zuverlässig. Sally und Carsten hatten ihr eigenes Auto und konnten sich deshalb Zeit lassen. Der 25. April ist in Italien Feiertag, was schön ist für die arbeitende Bevölkerung und misslich, wenn man es nicht gewusst hat und nun tanken will und Brot und Wein für sein Abendmahl braucht.

weiterlesen
15 Kommentare


Teil 3: Von Heim zu Heim

Ich bleibe dabei. So lasse ich es stehen. Den ersten Teil hatte ich noch zartfühlend ‚Von Zuhause nach Zuhause‘ betitelt. Dann habe ich im zweiten Teil seiten- bzw. displaylang über Heimat referiert, und nun das: Klingt wie das Schicksal eines … – da fällt mir wie immer meine Mutter ein. Sich der eigenen Identität bewusst zu werden und das, was man dabei entdeckt, zuzulassen, ist nicht einfach, nicht mal immer sinnvoll. Fremde Identitäten sind leichter hinzunehmen: Man kann sie ertragen, und wenn das nicht geht, bekämpfen.

>
Frühling in Florenz

#3.1 Schulschläge

Ich bleibe dabei. So lasse ich es stehen. Den ersten Teil hatte ich noch zartfühlend ‚Von Zuhause nach Zuhause‘ betitelt. Dann habe ich im zweiten Teil seiten- bzw. displaylang über Heimat referiert, und nun das ...

weiterlesen
16 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#3.2 Sprache statt Waffe

Am Sonntag, dem 29. April fuhren wir also ab, ‚von Heim zu Heim‘, aber nicht wie geplant. Wir hatten alle übersehen, dass ich ausnahmsweise in meiner Liste 10:30 Uhr vorgesehen hatte, fuhren also wie üblich um zehn ab und waren auch prompt statt um halb zwei schon um eins in Nußdorf am Inn.

weiterlesen
18 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#3.3 Über die Verwendung von Gebühren-Verweigerern

Wir saßen zwischen Fahrbahn und Restaurant-Eingang, um uns her viele Menschen, die wenig anhatten. Sonntagnachmittag. Hab’ ich nie gemocht: Kinderwägen im Park und Buttercremetorte im Wohnzimmer.

weiterlesen
13 Kommentare
>
Frühling in Florenz

#3.4 Der Himmel hat die Erde geküsst

Am Montag war es grau. Nebel oder Schlimmeres? Schlimmeres. Auf unserem Weg nach Eichstätt fing es an, dermaßen gegen die Windschutzscheibe zu tropfen, dass wir uns dazu veranlasst sahen, einander trotzig darauf hinzuweisen, wie lieblich die Landschaft sei. Bei Eichstätt wurde der Himmel wieder ziemlich blau, und das war auch angebracht, denn Eichstett ist nicht irgendwas: Vor etwa 150 Millionen Jahren war hier der nördliche Rand des Jurameeres mit Korallenriffen und Lagunen.

weiterlesen
16 Kommentare


In der Blase

Ganz am Anfang leben wir alle in einer Blase, auch nach der Geburt: Unsere Familie, unser Glaube, unser Denken. Vielen reicht das. Uns nicht. Wir wollen raus. Wir wollen nicht weggucken, sondern hinsehen. Begleiten Sie uns auf ein Road Movie vom Brenner bis nach Sizilien und wieder zurück. Von den ersten Siedlungen bis zu den letzten Wahrheiten, vom dunklen Ahnen bis zum hellen Wahnsinn und wieder zurück. Das wird nicht immer komisch. Aber oft!

>
In der Blase

#0 – (M)ein-Leitung

Alles ist fertig. Die richtigen Bilder, um meine Ansichten zu illustrieren. Die richtigen Wörter, um die Worte zu ordnen. Alles ist so, wie ich es will. Und doch! Wie seltsam, hier Reise-, sogar Lebenserfahrungen aufzublättern, die während des Schreibens ganz zeitgemäß zeitlos schienen und die nun von der Wirklichkeit auf die hinteren Plätze verwiesen wurden. Jetzt ist alles anders.

weiterlesen
24 Kommentare
>
In der Blase

#1 – Loslegen

Anzufangen fällt mir nicht schwer. Aufzuhören schon eher. Das leere Blatt hat mich nie geschreckt, der leere Bildschirm tut das auch nicht. Die Formulierung kommt gleich mit dem Gedanken, und all meine Kopfgeburten gelingen problemlos ohne Wehen. An den Sinn des Aufschreibens zu glauben, fällt schon schwerer. Mal denke ich: „Ich brauche das!“ und mal sage ich mir: „Die Menschheit wird sich nie die Frage stellen, ob sie es braucht, wenn ich es gar nicht erst aufgezeichnet habe.“

weiterlesen
25 Kommentare
>
In der Blase

#2 – Die große Show

Los geht es im Juli 2018. Im Jahr zuvor hatte ich Giuseppe recht gegeben: Für den wochenlangen Ausflug von Meran aus nach Süden wäre im Hochsommer zu heiß gewesen. 2018 war es noch heißer als im Vorjahr, aber wie oft sollte ich die Reise denn noch aufschieben? Von der Endlichkeit müssen wir Gebrauch machen, bevor uns die Unendlichkeit einholt und die Falle zuschnappt.

weiterlesen
27 Kommentare
>
In der Blase

#3 – Warum Italien zugrunde geht

Für den weiteren Verlauf der Eskapade mache ich es mir einfach und schreibe – leicht gekürzt – von meinem damaligen Tagebuch ab. Das ist doch viel authentischer und gibt mir außerdem Gelegenheit, noch mal auf Florenz zurückzukommen, obwohl Florenz ja eigentlich schon in meinem Blogwerk ‚Frühling in Florenz‘ abgefeiert worden war.

weiterlesen
27 Kommentare
>
In der Blase

#4 – Und was ist bei Regen?

Inzwischen war es auch an der Zeit, die Villa, in der die Vorabend-Veranstaltung stattfinden sollte, zu besichtigen. Motto: ‚Die Musikwelt zu Gast bei Freunden‘, also bei mir. Aber alles andere als bei mir Zuhause. Als wir in die Autos stiegen, hatten Rüdiger, Volker und Pipo, denen zu fasten ein weniger perverses Bedürfnis ist als mir, schon so was Verdrossenes um den Mund, Giuseppe nicht, er war abgelenkt durch das Gewicht meiner Tasche.

weiterlesen
27 Kommentare
>
In der Blase

#5 – Andacht im Dom

Weiter im Tagebuch: Freitagvormittag in Bologna. Heißer Himmel. Wir schlenderten. „Ich find’ ja Bologna ganz toll“, sagte Rüdiger, ohne das näher zu begründen. Giuseppe führte seine sanftmütigen Augen aus, und ich fragte mich nicht zum ersten Mal, ob man aus dieser Art Blick heraus eigentlich sehen kann, also ob er lichtdurchlässig ist.

weiterlesen
33 Kommentare
>
In der Blase

#6 – Ohne Blick auf den Dom

Wir fuhren zum Mittagessen in das Restaurant am hinteren Rand der Piazzale Michelangelo: ‚La Loggia‘. Von dessen erhöhter Terrasse aus kann man, am monumentalen David vorbei, ganz Florenz in die Toskana-Hügel eingebettet liegen sehen. Solche Ausflugspunkte warten ja häufig nur mit Pizzerien und McDonaldissimos auf, und so war es immer schon meine Sehnsucht gewesen, dieses erstklassige Lokal an berühmter Stelle zu besuchen. Nun endlich.

weiterlesen
27 Kommentare
>