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2002

Egal – nicht egal

Eigentlich sollte mir alles egal sein. In meinem Alter hat man gelernt, dass man das Meiste nicht ändern wird, schon gar nicht dann, wenn man sich so weit von der Welt zurückgezogen hat, wie ich das bereits getan habe. Dass ich mich trotzdem immer noch aufregen kann, gefällt mir. Es wirkt so lebendig! Das Wissen, dass einfache Lösungen gleichzeitig höchst willkommen und nicht zu haben sind, schafft eine Reibung, an der man sich bis zu seinem Endstadium genussvoll abarbeiten kann. Schwarzweiß – nein danke! Die Wirklichkeit besteht aus Schattierungen, das hat die Wahrheit zu akzeptieren.

Bild: Yuravector/Shuttertsock

Égalité, Gleichheit, ist eines der drei Ideale der Französischen Revolution, allerdings stört mich, dass sie überwiegend als Recht ausgelegt wird, nicht als Pflicht. Ich kann nicht aufhören, mich darüber zu ärgern, dass Menschen, die sich einen Dreck um Politik scheren, mit ihrer Stimme bei der Wahl genauso viel Einfluss nehmen können wie ich. Ein Trost ist: Sie tun’s nicht. Mit Mühe schlucke ich meine Vorurteile gegenüber RTL2-Guckern und orthodoxen Juden mit sieben Kindern runter und behaupte, wir seien alle zwar gleichwertig, aber nicht gleichartig, und deshalb gönne ich allen ihre liberté, ihre Freiheit, gerade denen, die sie sich noch erkämpfen und die ich meiner Unterstützung genauso herzlich und folgenlos versichere, wie alle wohlmeinenden Demokraten das tun. Aber: mit der fraternité, der Brüderlichkeit, einem unter Feministinnen und Feministen vermutlich ohnehin nicht salonfähigen Begriff, habe ich es nicht so. Da bin ich ausgesprochen ‚wählerisch‘, wenn auch nicht schwarzweiß, sondern bunt. Nur – wie farbig halten wir es aus?

Foto: Zoltan Tarlacz/Shutterstock

Homo-Ehe, Moslem-Sippe, Nazi-Rotte. Wo ist Schluss? Beim einen hier, beim andern da. Das ist eine der problematischsten Errungenschaften unserer Zeit: Wir bekommen so viele Informationen, dass wir hamletartig den Folgen jeder Entscheidung, die wir nicht getroffen haben, hinterherträumen können: von der weißen Erleuchtung bis zum schwarzen Versagen. „Aber verschweigt die Lügenpresse nicht trotzdem viel zu viel?“, fragen sich viele, die dort, wo sie nichts wissen, zwanghaft anfangen, etwas zu glauben. Das Angebot und mehr noch das, was nicht in ihm vorkommt, machen sie ratlos. Umso mehr Vertrauen schenken Verunsicherte jemandem, der ihnen sagt, wo es langgeht, egal, ob er ein Führer oder ein Lemming ist.

Früher herrschte entweder Krieg oder Frieden. Die Landsknechte und Söldner schlachteten sich gegenseitig ab, während ihre Fürsten miteinander das erlegte Wildbret vertilgten und warteten, wer von beiden nun ein paar Bauern und Felder mehr für sich beanspruchen konnte. Wer besser zahlte, bekam natürlich mehr Soldaten, also größere Chancen auf siegreiche Schlachten. Wer kein Geld hatte, musste abwarten, wer ihn erobern würde, damit er anschließend wusste, welcher Konfession er anzugehören hatte. Das wäre, wenn es denn stimmte, eine der einfachen Lösungen, die es zwar nicht gibt, die sich aber deshalb so erfolgreich verkünden lassen, weil sie so gern geglaubt werden.

Foto: zef art/Shutterstock

Heute herrscht weltweit ein Zustand, der in nur wenigen Staaten ein Krieg ist, der aber insgesamt nicht als friedlich wahrgenommen wird. Nichts ist schwarzweiß, manches ist grau, vieles bunt: die Filme, die Bildschirme, die Sportschuhe und die T-Shirts. Vielfalt muss man erst mühsam erlernen und dann lebenslänglich ertragen. Naja, der eine wird morgens immer noch lieber von Kirchenglocken aus dem Schlaf gerissen, der andere bevorzugt bereits das lautsprecherverstärkte Gekrächze des Muezzins.

Bild: MarySan/Shutterstock

Die Menschheit ist fixiert auf Symbole und Überhöhungen. Sobald der Mensch denken kann, braucht er sofort etwas, das ihn daran hindert, aufzugeben. Dafür hatte beim Kleinkind ja erst mal der Hunger gesorgt; wo er gestillt wird, wächst Liebe: Zur Brust, zur Mutter, zur Welt, und das reicht eine schöne Weile. Doch danach? Zunächst kommen die Antworten. Die Fragen kommen später. Bereits dann, wenn das Essen als ziemlich einseitige Motivation empfunden wird, regt sich der Geschlechtstrieb. Da hat ‚die Natur‘ vorgesorgt.

Foto: Pixel-Shot/Shutterstock

Noch eleganter ist es, wenn der Mensch etwas bekommt, an das er glauben kann. Der Glaube kann sogar den Hunger und den Geschlechtstrieb überwinden. Die Natur hätte, personifiziert, Anlass sich zu wundern, sähe aber ein, das ist der Preis, den der Mensch dafür zahlen muss, dass er denken kann. Den Tieren genügen Nahrung und Vermehrung, darum durften sie auch im Paradies bleiben, brauchten also eigentlich keine Arche. Der Mensch dagegen wurde nach genetisch bedingter Verkostung der Bewusstseinsfrucht von Erkenntnis befallen und muss sich seither im Diesseits herumschlagen. Überall dort, wo er auftauchte, entstanden – unabhängig voneinander – Religionen; sie haben sich als Kollateralschäden der Weiterentwicklung vom Affen zum Superwesen nicht vermeiden lassen und wurden deshalb akzeptiert (wahlweise von Gott, von der Natur oder von der Biophysik). Also, Gott hätte diese Verirrungen natürlich verhindern können, wollte es aber nicht, weil er, im Existenzfalle, an der freien Wahl seiner Geschöpfe wie an seiner PlayStation immer gern rumspielt: Mal sehen, was passiert!

Doch eine Wahl ohne Konsequenzen, das ist ja keine. Wer es also anders macht, als von den Spielregeln vorgesehen, der muss leiden, damit das aufhört und nicht noch andere auf kluge Gedanken kommen. Autoritäten, die solche Regeln bestimmen, gibt es überall, und manche sind sogar autorisiert, am bequemsten von Gott selbst, umständlicher vom Volk.

Foto: Love You Stock/Shutterstock

Wer sich schlecht benimmt, gerät bei hochentwickelten Religionen nach seinen Lebzeiten in die Hölle, was in noch höher entwickelten Religionen nicht das Schmoren im Kessel bedeutet, sondern die Ferne von Gott. Diese Aussicht klingt natürlich für alle Gerechtigkeitsfanatiker, denen der Herr bisher ebenfalls leiblich verborgen geblieben ist, nicht arg genug als Strafe, deshalb gilt für diese Gutgläubigen weiter der Kessel als Maßnahme; denn wie soll selbst ein nicht besonders Rachsüchtiger sonst die ganzen Intriganten, Spekulanten und bösen Tanten auf dieser Welt ertragen, wenn er nicht überzeugt davon ist, dass all den fiesen Verwandten und Kommandanten, kaum dass sie tot sind, der Schmortopf blüht? Oder eben die Gottesferne, was ein großes Maß an selbstverleugnendem Abstraktionsvermögen gegenüber sowohl Gott als auch jemandem, dem man eigentlich lieber die Fresse eingeschlagen hätte, voraussetzt.

Umgekehrt ist die bettelnde Beterei wahrhaft Gläubiger mit dem Ziel, dass ihr Kind, ihr Opa, ihr Papst nicht sterben mögen, sündhaft egoistisch. Die Weiterlebenden wollen einfach nicht loslassen, statt den ohnehin wie wir alle zum Tode Verurteilten ihre zügige Auffahrt in den Himmel zu gönnen. Das Fristen hier im Jammertal zählt doch nur als Vorstufe zur Glückseligkeit oder allenfalls als Bewährungsprobe, dann nämlich, wenn der Verblichene altersmäßig bereits Gelegenheit hatte, ein Gewissen auszubilden. Sollte er sich unter solch erschwerten Umständen voraussehbar schlecht benommen haben, wäre sein satangefälliges irdisches Leben sogar der gemütlichere Teil gewesen, denn was folgt? Der Kessel.

Bild: FOTOKITA/Shutterstock

Wer an all sowas glaubt, der hat neben seiner Freude über die himmlische Gerechtigkeit allerdings den Verdruss, bei Fehlverhalten dereinst selber in den Kessel zu müssen. Trotz der ganzen Pracht gotischer Dome und der Opferbereitschaft selbstloser Ordensfrauen – das Mittelalter hat dem Jüngsten Gericht mit mehr Furcht als mit Hoffnung entgegengesehen, und immer noch gibt es viel Mittelalter, daneben allerdings auch Mafiosi, die wochentags morden und sonntags zur Kommunion gehen. Wie machen die das? Deren Beichtvater wäre ich gern. So ein Mafia-Bekenntnis muss doch interessanter zu vergeben sein als das Hadern einer sizilianischen Witwe, die sich schuldig fühlt, weil ihr das Verzeihen schwerfällt.

Foto oben rechts: Fotolia/vividflowstudio | Foto unten: Fotolia/Photographee.eu

Gott sei Dank gibt es neben denen, die auf ihre Gläubigkeit angewiesenen sind, auch die, denen er schon mal erschienen ist. Wenn diese Auserwählten das zugeben, gehen sie allerdings ein gewisses Risiko ein; denn es ist zunächst ungewiss, ob die Erleuchteten auf dem Podest für Heilsbringer oder auf der Station für psychisch Kranke landen werden. Auf den Scheiterhaufen müssen sie seit längerer Zeit nicht mehr. Solche fundamentalen Eingriffe sind – im Westen zumindest – sehr aus der Mode gekommen. Ein zeitgemäßes Marketing ist für die Kirchen unerlässlich, und das sah vor zweitausend Jahren noch anders aus als heute, sollte man meinen. Das Christentum hat ja auch einiges an Reformen und Spott hinnehmen müssen. Dem Islam ist es gelungen, solche Kränkungen mittels Morddrohungen gegenüber Ungläubigen weitgehend zu vermeiden, vor allem aber deshalb, weil es den Islam gar nicht gibt, sondern nur lauter Strömungen, die sich alle auf Mohammed berufen und einander spinnefeind sind, wenn auch sicher in ihrem Glauben. Sicherheit verunsichert mich immer: Wenn die nun recht haben! Welche denn? Womit?

Foto oben: Fotolia/nikodash | Foto unten: U.S. Air Force Photo/Josh Plusger

Was wer glaubt, ist mir egal. Eigentlich. Manchen gelingt es, in grauer Demut noch selbstgerecht zu bleiben. Andere setzten sich kunterbunt über den Anstand hinweg und bleiben trotzdem liebenswert. Da malt Gott in den Farben der Ungerechtigkeit, und wir können es ausbaden. Kinder müssen erzogen werden, Erwachsene nicht: Schön, wenn sie zu Einsichten kommen, schade, wenn sie sich schaden. Aber den freien Willen zu dulden, heißt zu akzeptieren, dass jemand alles Mögliche schluckt (Pillen, Blutwurst, Alkohol), was mir vielleicht nicht über die Lippen käme, und dass jemand alles Mögliche raucht (wenn auch bitte nicht am Nebentisch, während ich Vanillepudding esse oder frische Luft schnappe). Für die Gesundheitsschäden muss dann die Gesellschaft aufkommen, nörgeln Lasterlose. Na, von ‚unseren Steuern‘ wird so vieles Sinnlose bezahlt, da kommt es auf das bisschen Methadon auch nicht an.

Foto: Syda Productions/Shutterstock

Die eigene Freiheit hört da auf, wo die Freiheit des Nächsten beeinträchtigt wird. Deshalb sollte Haschisch zu Hause erlaubt sein, aber nächtliches Hupen auf der Straße mit Gefängnis bestraft werden: gleich ab in die Zelle neben den Graffiti-Schmierer! Das klingt vielleicht etwas schwarz-weiß, gehört aber in die Grauzone der einfachen Lösungen. Doch ob mich an meinem rücksichtslosen Nachbarn nur sein kläffender Hund stört oder noch mehr sein schamloser Reichtum, das sollte möglichst außergerichtlich geklärt werden.

Nun jedoch zum Wesentlichen: Streng bestraft werden muss, wer andere zum Glauben verführt oder gar zwingt. Schon der Versuch ist strafbar. Ob es ein Leben nach dem Tod gibt, ist völlig unerheblich, denn falls ja, wird es ohnehin ganz anders sein, als es das menschliche Hirn ermessen kann. Jemanden daran zu hindern, sich auf sein Leben hier zu konzentrieren, es zu begreifen, es zu erobern und auszukosten und ihm statt dessen auszumalen, was alles passiert, wenn er erst gestorben ist, diese Infamie würde in Theokratien mit der Todesstrafe geahndet. Unsere westlichen Demokratien hingegen begegnen selbst derartigen Verbrechern mit einem Höchstmaß an Toleranz, zu dem auch ich mich widerwillig bekenne.

Foto: Fotolia/kentauros

Überall dort, wo Konfessionen aufeinanderprallen, hat es immer schon Kriege gegeben. Oft lagen die wahren Ursachen im Wirtschaftlichen, aber immer war die Religion ein Vorwand, der von allen geglaubt wurde. ‚Opium fürs Volk‘ ist da eine sehr freundliche Auslegung des Sachverhalts. Ärgerlich bloß, dass der kommunistische Materialismus noch viel offensichtlicher gescheitert ist als das Christentum mit seinem Kapitalismus und der Islam mit seinem Despotismus. Die Religion scheint in der menschlichen DNA verankert zu sein. Unendlichkeit können wir nicht denken. Die Götter sind das Weiteste, was unserem tastenden Verstand erreichbar ist, also greift er zu. Er behauptet, was nicht zu beweisen ist, und verkündet von seiner Kanzel: Gott tut dies, Gott will das, Gott straft jenes. Lügenmesse! Gott lässt sich weder in die Karten schielen noch durch Gebete beeindrucken, und seinen Sohn schickt er auch nicht, genauso wenig wie seine Tochter. Könnte man ihn erwischen, bei was auch immer, dann wäre er nicht der Allmächtige, sondern ein abgetakelter Zauberkünstler. Religion ist Gotteslästerung. Sie will Gott vereinnahmen, sie vergewaltigt ihn für ihre Zwecke.

Foto: Fotolia/Prazis

Religionen erklären sich immer aus sich selbst und aus ihren Schriften heraus. Das hat – leicht polemisch vereinfacht – dieselbe Beweiskraft wie die Behauptung: „Rotkäppchen hat den Bösen Wolf gefressen, weil meine Großmutter mir das erzählt hat.“ Für Ketzer, die das bestreiten, habe ich folgende Antworten: „Was, du glaubst meiner lieben Großmutter nicht? Sie allein kennt die Wahrheit.“ „Was, du willst das vollgefressene Rotkäppchen mit eigenen Augen sehen? Du musst es fühlen! Wir sind zu klein, um solche Wunder zu erfassen. Vertrau dem Wort der alten Dame!“ „Was, du kannst dir nicht vorstellen, wie Rotkäppchen das geschafft hat? Siehst du den Wolf? Nein? Dann beweis mir, dass er nicht von Rotkäppchen verschluckt worden ist! Ich warte! Zur Buße wirst du in Zukunft Rotkäppchen mit zehn P schreiben.“

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Klingt das alberner als die Behauptung: Der Schöpfer liebt die Menschen, deshalb erst Pech und Schwefel und dann diese Sache mit dem Kreuz. Gott, Gomorrha, Golgatha. Glaubhaft?

Aber wieso machen da alle mit? Auf die Erwähnung christlicher Werte mag kein konservativer Politiker verzichten. Die Einsicht: Es passiert viel im Universum, aber was DIR in dieser Welt und in diesem Leben nicht widerfährt, das wird für dich NIE passieren – diese Sicht ist Benachteiligten schwer vermittelbar, und selbst Begüterte knabbern daran. Erst fragen sie noch: „Wie soll ich mein Vermögen bewahren, wem soll ich es vererben?“, doch dann: „Die Yachten, die Aufsichtsratsposten, die Geliebten – war es das? War das alles?“

Für Zufriedenheit gibt es keinen Orden, denn sie hat kein Revers, an das man ihn heften könnte. Ich habe nie aufgehört, Zufriedenheit abzulehnen: unproduktiv, unsozial, spießig. Dabei wünsche ich mir abends bei Schnittchen und der Tagesschau nichts anderes. Gott sei mir egal, rede ich mir ein, obwohl ich weiß, dass wiederum ich Gott nicht egal sein kann, weil er sonst nicht Gott wäre, sondern nur eine Art Machtfülle. Diese Ambivalenz muss ich aushalten. Also ist mir Gott egal, aber wenn er mir hülfe, zufrieden zu werden, dann würde ich ihn mittlerweile – anders als früher – zwischen Käsestulle und Wetterbericht willkommen heißen, inbrünstig, wie das so meine Art ist.

Foto: Pcess609/Shutterstock

Liebe gilt ja ohnehin von der Wiege bis zur Bahre als die lobenswerteste menschliche Eigenschaft, aber auch da gibt es zwischen Barmherzigkeit vs. Geschäftemacherei mit der Not anderer und Kinderliebe vs. Missbrauch von Schutzbefohlenen sehr viele Schattierungen der Farben, die alles andere als egal sind. Nächstenliebe ist das Gebot der Stunde, vor allem in Talkshows. Auf der Straße ist die Willkommenskultur dagegen nicht mehr viel präsenter als die abendländische: Zu bewahren gibt es kaum noch etwas. Vielleicht gibt es etwas zu lernen. Vielleicht nicht.

Weniger angesehen als die Liebe ist das Machtstreben, und doch ist auch Ehrgeiz ein gutes Mittel gegen Verzagtheit über die Endlichkeit des Lebens. Erkenntnis suchen oder einsame Strände oder die Lösung der Weltkonflikte. Was hilft, hilft. Vorübergehend. Hilfsbereitschaft macht zufriedener als Eigennutz, und wenn nicht, dann bewirkt sie zumindest Besseres. Der, der sich über den verstopften Abfluss seines Swimmingpools aufregt, schämt sich hoffentlich ein bisschen vor dem, der nichts will als ein Dach über dem Kopf und eine Mahlzeit für sich und seine Familie. Vorübergehend.

Foto: Fotolia/zwiebackesser

Glück, hier auf Erden? Nicht das, was ist, sondern das, was nicht ist, macht den Unterschied: Angstfrei sein, schmerzfrei sein – mehr kann irdisches Glück nicht bieten. Und doch, wie viele Menschen erleben diesen scheinbar neutralen Zustand kaum je? Wem das trotzdem zu wenig ist, der muss halt glauben. Oder handeln. Was man sich nicht traut, das passiert nicht, das geschieht einem bloß. Man kommt weder von Syrien nach Europa noch von Kant zu Nietzsche. Gegen Angst und Schmerzen hilft der Gaube schon. Gegen Zweifel weniger. Der Glaube ist die Erfüllung dessen, was er verspricht. Mehr nicht. Aber das reicht ja wohl.

Foto: Andrey_Popov/Shutterstock | Titelbild: pathdoc/Shutterstock

2 Kommentare zu “Egal – nicht egal

  1. Hallelujah! Die göttliche Instanz im von uns erdachten Himmel wird sich angesichts solcher Texte sicherlich köstlich amüsieren.
    Was die Menschheit nicht alles anstellt, um zu kaschieren, dass sie auch nach Tausenden von Jahren noch nichts verstanden hat.

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